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Historisch: Venezuela hat kein Geld mehr, Geld zu drucken!

FMW-Redaktion

Das ist wohl einmalig in der Finanz-Geschichte: Venezuela hat kein Geld mehr, um Geld zu drucken! Der Grund: die Druckerpressen, die die venezuelanische Regierung mit dem Gelddrucken beauftragt, sind überwiegend nicht in Venezuela – sondern werden im Ausland gedruckt. Genauer gesagt beim weltweit führenden Geldproduzenten, De La Rue, in London. Und wie es nun einmal so ist: wer für andere Geld druckt, will Geld dafür haben. Und daran hapert es offenkundig – denn die Gelddrucker wollen nicht den doch leicht inflationsgefährdeten Bolívar, den sie selbst ja drucken, sondern harte Dollars. Und die kommen nicht – wie aus seriösen Quellen bestätigt wird.

Normalerweise bezahlt die venezuelanische Notenbank die gelddruckenden Dienstleister – aber die Währungsreserven Venezuelas sind im stetigen Sinkflug und daher Mangelware. Daher bezahlt die Notenbank Venezuelas seinen Dienstleister in London nur sehr schleppend, wenn überhaupt. So hat sich De La Rue bei der Regierung Venezuelas beschwert, dass man nun auf unbezahlten Rechnungen in Höhe von 71 Millionen Dollar sitze und die eigenen Aktionäre informieren müsse, wenn das Geld nicht bald einträfe. Nun ist De La Rue an der Londoner Börse gelistet, eine solche Mitteilung hätte also erheblichen Wirbel verursacht – der nun so oder so entstehen dürfte.

Der Bedarf Venezuelas an Papiergeld ist gigantisch angesichts einer galoppierenden Inflation – der IWF schätzt, dass dieses Jahr an die 500% erreicht werden. So hat Venezuela im letzten Jahr deutlich mehr Banknoten geordert bei Geldproduzenten als die USA – also einer Volkswirtschaft, die an Größe ein Vielfaches von Venezuela auf die Waage bringt. Eine Geld-Druckerei reicht dafür nicht – es gibt auch in Venezuela Druckereien, aber auch die sitzen auf unbezahlten Rechnungen.

Das aber ist weniger das Problem als die ausländischen Druckereien: neben De La Rue auch die französische Oberthur Fiduciaire und Giesecke & Devrient aus Deutschland. Kurz vor den Wahlen beauftragte Venezuela diese drei Häuser, 2,6 Milliarden Geldscheine zu drucken. Noch bevor die Lieferung der drei Druckereien in Venezuela eintrafen, gab Caracas einen Folgeauftrag. Und so mußte etwa De la Rue die kanadische Canadian Bank Note Company als Subunternhmer bemühen, weil man das Volumen alleine nicht schaffte.

Aber dann das: Venezuela verdreifachte seinen Auftrag Ende 2015 – schon zuvor mußten Dutzende an Boeing 747 die Geldscheine nach Venezuela transportieren. Aber seit Juni 2015 zahlte Caracs wohl nur noch schleppend – daher lieferten die Gelddruck-Häuser weniger als bestellt. Also suchte Venzuela nach Alternativen – unter anderem bei Druckereien in Russland.

Noch ist nicht bekannt, ob diese Venezuela beliefern. Aber auch sie werden auf die Zahlung von Rechnungen bestehen, und schlechte Zahlungsmoral spricht sich schnell herum. Und so könnte Venezuela das erste Land der Welt werden, das kein Geld mehr hat, Geld zu drucken. Und damit – das ist die supergute Nachricht – würde die Inflation wahrscheinlich sinken..



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1 Kommentar

  1. Welch Ironie: wenn es nicht so tragisch wäre, könnte es fast lustig sein.

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