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Hintergrund

Hongkong: worum es für China wirklich geht

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann. Der Artikel erscheint auch in den Deutschen Wirtschafts Nachrichten

Die Unruhen in Hongkong kommen für Chinas Regierung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: die Regierung will endlich ein wichtiger Player an den globalen Finanzmärkten werden – und dabei spielt Hongkong eine entscheidende Rolle. Denn Anfang Oktober werden sich die Finanzplätze in Hongkong und Shanghai miteinander verlinken – mit weitreichenden Folgen!

Bislang können Ausländer nämlich nur Assets in Hongkong (H-Aktien) kaufen, mit der Verlinkung erhalten sie dann auch Zugang zu Aktien und Anleihen in Shanghai, also faktisch zum chinesischen Festland. Die Folge wird sein, dass westliches Kapital nach China strömt – auf der Suche nach Renditen, die es im Westen aufgrund der Nullzinspolitik eben nicht mehr gibt. Mittelfristig bedeutet das, dass etwa ein amerikanischer Hedgefond verbriefte Kredite von chinesischen Lokalregierungen kauft – und nicht nur Aktien erwirbt, die in Shanghai gehandelt werden. Mit einem Wort: China wird seine gigantische Verschuldung in den Westen exportieren!

Wir stehen faktisch also vor einer neuen, gigantischen Welle neuer Derivate und Produkte, die Kredite bündeln – nur dass diesmal nicht die USA der Verkäufer sind, sondern China. Faktisch geht damit dann China den Weg, den die USA als Exportweltmeister von Schulden gegangen sind. Und die Wall Street-Elite steht schon parat: wer hätte mehr Expertise beim Schnüren von komplexen Schuldpapieren? Der von Nullrenditen geplagte Westen aber wird beherzt zugreifen – und so den selben Fehler wie vor der Finanzkrise noch einmal machen.

Das Angebot an Schulden in China ist gigantisch. Der Westen blickt meist nur auf die Staatsverschuldung (die gleichwohl bei weit über 200% des BIP liegt) und verweist auf die sehr hohen Devisenreserven des Landes. Schön. Das eigentliche Problem aber sind die hoch verschuldeten Provinzen, vor allem aber die Unternehmen Chinas, die in Relation zum BIP des Landes die mit Abstand höchste Verschuldung der Welt aufweisen (ca. 150% zum BIP). Um hier einen Dominoeffekt zu vermeiden, fängt die Regierung in den letzten Monaten immer wieder Unternehmen auf, die ihre Anleihe-Schulden nicht mehr bedienen können – entgegen ihrer ursprünglichen Absicht, nicht überlebensfähige Unternehmen pleite gehen zu lassen. Aber die Angst ist zu groß, dass dann eine Dominoeffekt entstünde, der die Märkte in Panik versetzt.

Hinzu kommt der Abschwung am chinesischen Immobilienmarkt. Seit Juni fallen die Preise, seit August (-1,1%) beschleunigt sich die Talfahrt. Um den Abwärtstrend zu stoppen, haben fast alle Städte Chinas die Beschränkungen zum Immobilienkauf wieder aufgehoben (mit Ausnahme der sogenannten „Tier1-Städte“ Peking, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen). In einem Statement ermunterte Chinas Notenbank (People´s Bank of China) heute die Banken des Landes, die Verdienst-Schwelle für die Genehmigung von Hypothekenkrediten zu senken – und stellte Chinesen einmal mehr in Aussicht, die Zinsbelastung für Immobilienkredite um bis zu 30% zu senken.

Der Immobilienmarkt aber ist die Achillesverse des Landes. An ihm hängt nicht nur der völlig überdimensionierte Immobiliensektor, sondern auch die verschuldeten Provinzen. In China müssen Immobilienentwickler den Lokalregierungen schon vorab die Verkaufspreise der zu errichtenden Immobilien angeben – und die Provinzen kalkulieren dann die zu erwartenden Steuererlöse in ihre Budgets ein. Nun haben aber die Immobilienentwickler aufgrund des Überangebots die Verkaufspreise teils drastisch gesenkt – die Lokalregierungen versuchten dies zu verhindern, mussten aber auf Anweisung Pekings ihren Widerstand zähneknirschend aufgeben. Das reißt Löcher in die Budgets, zumal auch die Verkäufe von Baugrundstücken eine zentrale Einnahmequelle der Lokalregierungen sind. Fallen die Immobilienpreise und sinkt die zugleich Nachfrage nach Neubauten und Baugrundstücken, werden die Löcher in den Bilanzen immer größer.

Um den Preisverfall zu stoppen, haben erste Immobilienentwickler begonnen, potentiellen Käufern Preisgarantien zu geben: wer heute eine Immobilie kauft, bekommt die Garantie, sie zu 140% des Kaufpreises wieder an den Immobilienentwickler zurück verkaufen zu können. Zur Finanzierung der Garantie wurden Fonds aufgelegt – eben für den Fall, dass die Käufer von der Garantie auch wirklich Gebrauch machen. Das ist ein Schneeballsystem, das selbst die in dieser Hinsicht nicht zimperlichen Amerikaner vor Neid erblassen lassen dürfte: fallen die Immobilienpreise etwa um 10% weiter, entsteht so eine dramatische Unterdeckung von 50%, die die Immobilienentwickler den Käufern erstatten müssen – die Fond-Investoren hätten dann ein heftiges Problem!

Also was tun? Es braucht, das ist der Pekinger Regierung seit längerer Zeit klar, eine Alternative. Und diese Alternative ist der Aktienmarkt – oder eben der Export der chinesischen Schulden nach amerikanischem Vorbild. Über den „Hub“ Hongkong soll das westliche Kapital einströmen, um auf dem Festland Aktien, aber auch strukturierte Schuldpapiere zu kaufen – etwa die Schulden der Provinzregierungen, die den Investoren eine staatliche Rendite abwerfen dürfte.

Im Fokus aber steht zunächst der Aktienmarkt. Seit Anfang August läuft in China eine breit gestreute Medienkampagne: ob Fernsehen, Print oder Online – auf allen Kanälen wird den Chinesen eingebläut, dass Aktien derzeit das beste Invest sind. Das Motto der Kampagne: China braucht einen starken, gesunden Aktienmarkt!
In dieser Situation hat die Regierung ein starkes Interesse, dass die Aktienmärkte sich weiter gut entwickeln. Die Message an die Chinesen ist daher: seid schon drin im Markt, bevor die Ausländer kommen und die Preise nach oben gehen. Es ist also eine Art Wohlfahrtsprogramm für die vom Wirtschaftsabschwung verunsicherten Chinesen. Es ist das Versprechen auf das schnelle Geld, das von den Ausländern ab Oktober geliefert werden soll.

Daher kommen nun die Ereignisse aus Hongkong zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für Chinas Regierung: Geschlossene Banken, eine lahm gelegte Stadt – nicht gerade der perfekte Startschuss für die Verlinkung der Finanzplätze Hongkong und Shanghai! Die Regierung ist eher besorgt über den Eindruck der Bilder auf westliche Investoren, als über die mögliche Signalwirkung der Demokratiebewegung für die Festlands-Chinesen: dort hält man die Hongkonger für verweichlicht und maßlos, der Protest wird in weiten Teilen der Öffentlichkeit (sofern sie überhaupt von ihm erfährt!) nicht unterstützt.

Die Gefahr für Chinas Regierung ist, dass ihr ökonomischer Masterplan in sich zusammen fallen könnte. Vermutlich werden die Herrschenden daher einen Kompromiss mit den Demonstranten schließen, um das wichtigere, größere Ziel nicht zu gefährden.

Gelingt es Chinas Regierung, das Hongkong-Problem zu lösen, stehen die globalen Finanzmärkte vor der nächsten gigantischen Derivate-Bombe, wird die Party an den Aktienmärkten zu Exzessen führen, gegenüber denen die Blase am amerikanischen Aktienmarkt ein Kinderspiel war. Das große globale Casino der Finanzmärkte hat dann einen neuen, gigantisch großen Player. Und daran hat vor allem die westliche Finanzindustrie ein großes Interesse!

Es ist daher wohl kein Zufall, dass von Seiten westlicher Regierungschefs bisher wenig verlautet worden ist über die Hongkonger Demokratiebewegung. Damals, auf dem Maidan, hagelte es schließlich schon wenigen Stunden nach den Ereignissen in Kiew Solidaritätsbezeugungen des Westens. Sehr wahrscheinlich, dass die Demokratiebewegung in Hongkong durch die Politiker des Westens deutlich weniger Unterstützung erfahren wird!

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Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten – kein Risiko, nirgends..

Markus Fugmann

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Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten: die Fed werde ihnen nicht mehr weh tun, es werde einen tragfähigen Deal zwischen den USA und China geben, dazu auch eine Lösung im US-Budgetstreit (heute muß sich Trump entscheiden, ob er den Kompromißvorschlag annimmt oder nicht). Gleichzeitig sind die US-Indizes so überkauft wie seit Ende 2016 nicht mehr (als damals nach einem ersten Schock über die Wahl Trumps eine massive Rally eingesetzt hatte). All das kann noch extremer werden – aber die Vergangenheit lehrt: lange geht so eine Vertrauensseligkeit nicht gut. Der Dax hinkt den US-Märkten weiter hinterher..

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Dax: Bullenpower sieht anders aus..

Über das radikale Auseinanderdriften der globalen Aktienmärkte..

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Der Dax kann seine Erholung fortsetzen – aber es fehlt dieser Erholung schlicht an Dynamik! Die Anstiege verlaufen langsam, die Abverkäufe dagegen mit hoher Dynamik, sodass der Index – auf die letzten Handelswochen gesehen – ein Schritt nach vorne macht, um dann zwei Schritte wieder zurück zu machen. Von Entwarnung kann daher noch überhaupt keine Rede sein!

Im Chart wird deutlich, wie vergleichsweise gering die Erholung ausgefallen ist bislang:

(Chart durch anklicken vergrößern)

Das sieht nicht nach Bullen-power aus! Eher ein zaghafter Versuch, das Schlimmste abzuwenden – und das trotz der daueroptimistischen Wall Street, die gestern wieder einmal zulegen konnte, vor allem die schwergewichtigen Tech-Werte wie Apple (in Vorfreude auf die heutige Präsentation der neuen Apple-Produkte) und Amazon. Aber auch in den USA gilt: es erreichen mehr Aktien 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs, der Anstieg ist von den wenigen Tech-Schwergewichten getragen, der breite Markt sieht deutlich negativer aus. Mithin sind die großen Tech-Werte die Schminke, die die Falten kaschieren – aber man sollte sich nicht von dem Makeup täuschen lassen!

Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

Die Fakten sind: die Fed verknappt die Liquidität, die Schwellenländer daher besonders unter Druck, und der Handelskrieg ist erst in seinem Anfangsstadium. Die Kombination aus diesen Faktoren bringt die ganze Welt uner Druck, nur eben die Amerikaner nicht. Dort hofft man auf NAFTA, glaubt, dass einem der Handelskrieg nichts anhaben könne, und die Fed werde schon brav bleiben und die Zinsen nicht deutlich anheben. Dort also die optmistischste Interpretation der Dinge, überall sonst auf der Welt sehen die Fakten anders aus! Inzwischen ist die Spanne so groß (etwa zwischen amerikanischen und chinesischen Tech-Werten), dass eine Wieder-Annäherung nur eine Frage der Zeit ist – ewig kann man nicht schizophren bleiben..

Für den Dax gilt: erst über dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax überwände den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch läßt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

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Allgemein

Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines großen Rückschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (Rückbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..

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