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Giovannie Cicivelli Tradingchancen

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Immense Gefahren für Lebensversicherer – Aufsicht veröffentlicht Details

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Erst gestern hat der Bundesgerichtshof sozusagen höchstrichterlich entschieden, dass ein Gesetz aus dem Jahr 2014 rechtskonform ist. Demnach ist es rechtens, dass sich Lebensversicherer aus den Erträgen bedienen können, die eigentlich ihren Kunden zustehen (wir berichteten). Mit diesen Gewinnen können die Versicherer Mindestrenditen für andere Kunden bezahlen. Damit bekommt man ein Stück weit mehr Stabilität ins Finanzgefüge der Versicherer. Aber hey, was interessiert uns schon, dass viele Sparer viel Geld verlieren werden, das ihnen schon in Aussicht gestellt wurde?

Nein, wir unterstellen keine Verschwörung zwischen Gerichten und Staat. Aber es mag ein (lustiger?) Zufall sein, dass genau am selben Tag (gestern Abend) des Urteils Unterlagen von Bundesfinanzministerium und BaFin veröffentlicht wurden, die aufzeigen, dass die Lage bei den Lebensversicherern doch dramatischer sein könnte als allgemein angenommen. Dazu möchten wir erwähnen: Jetzt kann man sagen, dass es doch gerechtfertigt ist, zum Schutze aller Sparer Gelder umzuverteilen. Aber ist es nicht die Aufgabe der Versicherer zum Beispiel in Hochzinszeiten Reserven für solche Niedrigzinsphasen anzulegen? Oder wäre es etwa auch in Ordnung, wenn sagen wir mal Banken sich einfach auf Sparbüchern von Kunden bedienen, um woanders Löcher zu stopfen? Auch das wäre natürlich nicht vorstellbar.

Aber zurück zur Sache. 34 der 87 Lebensversicherer in Deutschland hätten mittel- bis langfristig finanzielle Schwierigkeiten, so die Aufseher. Sie stünden unter gesonderter Beobachtung der BaFin und müssten zwei Mal im Jahr Bericht erstatten, wie sie die zugesagten Auszahlungen sicherstellen wollen. Warum Versicherer so essenziell wichtig sind für den Staat? Nun, mit ihren gigantischen Geldbergen finanzieren sie über den Kauf von Anleihen den Staat und halbstaatliche Institutionen wie Förderbanken. Daher ist es für den Staat wichtig diese Konstrukte am Leben zu halten. Gott bewahre, dass die Deutschen auf die Idee kämen in großem Umfang ihr Geld lieber in Aktienfonds zu stecken… BaFin und Finanzministeriun monieren in ihrer aktuellen Veröffentlichung zwei Risiken für die Versicherer.

Da wären zum einen die Risiken aus dem Niedrigzinsumfeld. Es ist offensichtlich. Es gibt eine Mindestverzinsung, die erwirtschaftet werden muss. Das ist aber schwierig, wenn das Zinsniveau jahrelang darunter liegt, aus welchem man Renditen erwirtschaften kann. Und da gibt es noch was. Man weist auf das Risiko der steigenden Zinsen hin. Eigentlich sei das ja etwas Gutes für die Versicherer. Aber möglich wäre auch, dass zahlreiche Kunden dann abrupt ihre Verträge kündigen. Sie lassen sich dann auszahlen und investieren ihr Geld in anderen Zinsanlagen mit vermeintlich höheren Renditen. Dann würde den Versicherern zügig viel Geld fehlen. Zitat BaFin auszugsweise:

Aus Sicht der Finanzstabilität erfüllt der Versicherungssektor eine kritische Funktion, indem er Unternehmen, Finanzinstitute, private Haushalte und staatliche Stellen gegen finanzielle Risiken absichert. Ein Ausfall dieser wichtigen volkswirtschaftlichen Funktion träfe die Finanz- und Realwirtschaft unmittelbar.

Direkte und indirekte finanzielle Verflechtungen der Versicherer mit anderen Sektoren des Finanzsystems können zu Ansteckungseffekten führen. Die direkte Verflechtung besteht insbesondere durch hohe Anlagen von deutschen Versicherern in Banken (22% der Kapitalanlagen von Versicherern im vierten Quartal 2017) und in Investmentfonds (31% der Kapitalanlagen im vierten Quartal 2017). Indirekte Ansteckungseffekte können entstehen, wenn Versicherer ähnliche Anlageportfolios haben und gleichgerichtete Risiken eingehen. Insgesamt verwalteten deutsche Versicherer im vierten Quartal 2017 Kapitalanlagen in Höhe von 2,1 Billionen € oder 14% der finanziellen Aktiva aller deutschen Finanzintermediäre.34 Damit haben sie einen entscheidenden Einfluss auf die effiziente Allokation von finanziellen Mitteln in der Volkswirtschaft. Hierbei haben Lebensversicherer eine besondere Bedeutung, da sie Ende 2017 1,2 Billionen € oder 55% der Kapitalanlagen aller Versicherer verwalteten.

Aus diesen Gründen befasste sich der Ausschuss für Finanzstabilität im Berichtszeitraum mit der Widerstandsfähigkeit der deutschen Lebensversicherer gegenüber Zinsänderungsrisiken. Zinsänderungsrisiken sind insbesondere für Lebensversicherer relevant, weil diese häufig feste nominale Zinsgarantien gegeben haben. Da die Laufzeit der Passiva, also der Lebensversicherungsverträge, die Laufzeit der Aktiva typischerweise übersteigt, übernehmen Lebensversicherer ein Wiederanlagerisiko.35 In einem Niedrigzinsumfeld ist es für viele Lebensversicherer eine Herausforderung, die in der Vergangenheit gewährten Garantiezinsen zu erwirtschaften. Der Ausschuss für Finanzstabilität stimmte darin überein, dass ausreichende Risikopuffer der Versicherer wichtig sind, um systemische
Effekte aus dieser gleichgerichteten Anfälligkeit zu verhindern.

Der Ausschuss diskutierte mögliche Finanzstabilitätsrisiken aus der Finanzierung der Zinszusatzreserve. Da die laufenden Kapitalerträge die nötigen Aufwendungen nicht decken, muss ein Teil der Zinszusatzreserve auch über die Realisierung von Bewertungsreserven finanziert werden. Sofern dadurch umfangreiche Portfolioumschichtungen nötig sind, können sich adverse Effekte auf den Kapitalmarkt ergeben. Daneben bestehen aufgrund der Ausgestaltung der Zinszusatzreserve Risiken, denn die Lebensversicherer müssen auch bei einem moderaten Zinsanstieg die Zinszusatzreserve weiter aufbauen (Nachlaufeffekt). Da in diesem Szenario die Bewertungsreserven zurückgehen, wird die Finanzierung schwieriger. Aus dieser Situation können hohe handelsrechtliche Verluste für deutsche Lebensversicherer entstehen. Solvenzaufsichtlich kann ein moderater Zinsanstieg dagegen entlastend wirken: die Kapitalerträge aus der Neuanlage fallen höher aus und der Marktwert der Verbindlichkeiten fällt aufgrund ihrer längeren Laufzeit stärker als derjenige der Vermögensanlagen.

Risiken aus hohen Liquiditätsabflüssen bei abruptem und deutlichem Zinsanstieg

Ein abrupter und deutlicher Zinsanstieg könnte im Extremfall zu einer Kündigungswelle von Lebensversicherungskunden führen. Wird eine Lebensversicherung gekündigt, sieht sich der Versicherer folgender Herausforderung gegenüber: Der Rückkaufswert der Police ist nach geltendem Recht unabhängig vom Marktzins. Um die Auszahlung vorzunehmen, muss der Versicherer jedoch Vermögenswerte veräußern, deren Verkaufswert vom Zinsniveau abhängt. Bei steigenden Zinsen erhöhen sich daher die Anreize für Versicherungsnehmer, ihren Vertrag zu kündigen, um von den höheren Renditemöglichkeiten am Markt zu profitieren.

Falls die Marktzinsen ein unternehmensspezifisches kritisches Niveau übersteigen, bestehen – unter bestimmten Modellannahmen – sogar für alle Kunden eines Lebensversicherers Anreize zu kündigen, da die Rückkaufswerte wegen des gesunkenen Marktwerts der Kapitalanlagen nicht mehr voll kapitalgedeckt sind. 41 Diese unternehmensspezifischen kritischen Zinsniveaus sind im Median von 6% Ende des Jahres 2006 auf 3,7% Ende des Jahres 2016 gesunken. Damit sind die deutschen Lebensversicherer während der Niedrigzinsphase anfälliger gegenüber Liquiditätsabflüssen bei einem abrupten Zinsanstieg geworden.

Lebensversicherer Probleme Ursprung EZB
Der Ursprung aller Probleme für die Lebensversicherer? Die EZB-Zentrale in Frankfurt. Foto: EZB

6 Kommentare

6 Comments

  1. Nachlebnik

    28. Juni 2018 11:45 at 11:45

    Offenbar sind Deutsche noch immer so realitätsfremd, dass sie Unsummen windigen Provisionsjägern in den Rachen werfen.
    Habe vor mehr als 10 Jahren sämtliche LVs gekündigt und in EM angelegt. Fette Rendite steurfrei seither.

  2. Rainer

    28. Juni 2018 12:21 at 12:21

    Nix da, mit massenhafter Kündigung. Schon in weiser Voraussicht wurde vor Jahren
    “ heimlich “ das VAG ( §89 )abgeändert .Versicherer können demnach die Auszahlung
    verweigern und die Weiterzahlung der Prämie verlangen, wenn es ihnen dreckig geht !!!

    • Michael

      1. Juli 2018 21:14 at 21:14

      314

  3. Sabi

    28. Juni 2018 13:26 at 13:26

    Die beiden haben dies immer wieder gesagt und gewarnt- auch hier!

    https://www.youtube.com/watch?v=tMLEXmfZBUk&feature=youtu.be

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Das „Peter (Altmaier) Prinzip“ – wenn unfähige Politiker befördert werden

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Kürzlich ist etwas sehr Ungewöhnliches passiert: Vertreter des deutschen Mittelstands und der deutschen Industrie haben sich negativ über Wirtschaftsminister Peter Altmaier geäussert – ein echter Affront!

Woran liegt das? Marc Friedrich meint: am sogenannten „Peter-Prinzip“ der negativen Auslese in der Politik. Was das ist, erklärt Marc Friedrich in diesem Video:

 

 

 

Von Olaf Kosinsky – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53950919

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Martin Sonneborn im EU-Parlament über Julian Asange

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Bekanntlich ist der Whistleblower Julian Asange kürzlich in London verhaftet worden – ihm droht die Auslieferung in die USA. Martin Sonneborn bringt den Skandal im EU-Parlament zur Sprache – vor einer unglaublich prall gefüllten Kulisse und mit rhetorischen Ungeheuerlichkeiten..

Sehr sehenswert:


Sonneborn in Stauffenberg-Verkleidung mit Parteikollege Nico Wehnemann auf der Frankfurter Buchmesse 2018
Von Ptolusque – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73580794

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Politischer Tauschhandel mit der Post? 10% höhere Preise für 5000 Jobs

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Die Deutsche Post hat im Jahr 2018 insgesamt 2,2 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet, nach Steuern! 2017 waren es noch 2,9 Milliarden Euro Gewinn. Aber immerhin, 2,2 Milliarden Euro sind auch noch ein nettes Plus (hier nachzulesen). So schlecht kann es dem ehemaligen Staatskonzern also wohl kaum gehen, stimmt´s? Oder brauch man doch ganz dringend mehr Geld?

Obacht! Ähnlich wie Lufthansa oder Deutsche Börse ist auch die Deutsche Post in ihrem Segment der einzig große Konzern in Deutschland, der im Ausland als bedeutender Global Player mitspielen kann (Monopolist oder beinahe Monopolist). Und genau diese Art von Unternehmen will unser aller Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier massiv stützen, schützen und fördern, wie er es in den letzten Wochen klar zum Ausdruck brachte (Nationale Champions schaffen).

Im Januar hatte die zuständige Bundesnetzagentur vorgeschlagen, dass man der Deutschen Post ein Preiserhöhungspotenzial von bis zu 4,8% zugestehen solle. Das fand die Post aber nicht so schön, und drohte indirekt mit der Entlassung von Mitarbeitern. Und was machte Peter Altmaier? Er tat, was zu tun war… die Bundesnetzagentur wurde angewiesen doch bitte ihren Berechnungsschlüssel (richtige Formulierung?) „anzupassen“.

Und ohhh Wunder, heute verkündet die Bundesnetzagentur, dass man der Deutschen Post einen Preiserhöhungsspielraum von bis zu 10,6% zugestehe. Mal eben mehr als verdoppelt, das ist doch was! Und nochmal ohhh Wunder. Die Agentur erwähnt in ihrer Veröffentlichung gleich zwei mal, dass die Deutsche Post versprochen habe im Gegenzug 5.000 neue Stellen zu schaffen. Dazu sagt die Agentur im Wortlaut:

Wir berücksichtigen die Ankündigung der Post, neue Zusteller einzustellen. Die Ankündigungen der Post werden wir überwachen.

Die Bundesnetzagentur wird kontrollieren, dass die angekündigten Neueinstellungen auch tatsächlich erfolgen.

Also, im Klartext: Es gibt einen nicht ausgesprochenen, aber mehr als offensichtlichen politischen Deal. Ihr schafft neue Jobs, dafür dürft ihr so richtig kräftig die Preise raufsetzen. Na da freut sich der Post-Kunde. Das ist doch mal so richtig „Freie Marktwirtschaft“. Gedankenspiel: Die Deutsche Post wird bei ihrer Job-Zusage wohl schon mal genau kalkuliert haben, ob sich die Mehrkosten fürs Personal rechnen bei einer zehnprozentigen Portoerhöhung. Und wollen wir mal wetten, es wird sich rechnen. Und es werden in der Rechnung wohl noch ein paar Taler Gewinn übrig bleiben.

Die +10,6% ist ein Gesamtrahmen. Wie stark zum Beispiel das klassische Briefporto steigt, wird im Mai festgelegt. Aber man darf ruhig von einem Sprung von 70 auf 90 Cent ausgehen. Danke Herr Altmaier. Bauen Sie mal schön weiter ihre „Nationalen Champions“. Die Post-Aktionäre dürften sich freuen. Hier einige weitere aktuelle Originalaussagen der Bundesnetzagentur:

Die Bundesnetzagentur hat für den Zeitraum bis 31. Dezember 2021 einen Preiserhöhungsspielraum von 8,86 Prozent ermittelt, der sich aus einer Produktivitätsrate von minus 5,41 Prozent und einem Inflationsausgleich von 3,45 Prozent zusammensetzt. Weil die Deutsche Post AG Preisanhebungen nicht bereits zum 1. Januar 2019 vornehmen konnte, wird die Preisänderungsrate zusätzlich um rund 0,3 Prozentpunkte pro Monat korrigiert. Die Deutsche Post könnte bei geplantem Inkrafttreten neuer Briefentgelte zum 1. Juli 2019 damit von einem Preiserhöhungspotential von 10,63 Prozent Gebrauch machen.

Neben dem höheren Gewinnsatz berücksichtigt die Entscheidung auch die Auswirkungen der von der Deutschen Post Mitte 2018 angekündigten Umstrukturierungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen. Die Deutsche Post hat damit höhere Kosten unter anderem dafür geltend gemacht, dass ca. 5.000 zusätzliche Mitarbeiter in der Zustellung eingesetzt werden sollen.

Deutsche Post Tower Bonn
Post Tower in Bonn. Foto: Sir James CC BY-SA 3.0

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