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Europäische Zentralbank wird nervöser Immobilien: EZB warnt Banken vor Kapitalverlusten

Risiken dürften nicht unterschätzt werden!

Skyline von Frankfurt am Main | Foto: Bloomberg
Skyline von Frankfurt am Main | Foto: Bloomberg

Die Europäische Zentralbank (EZB) signalisiert stark in Immobilien engagierten Banken im Euroraum, dass ihnen möglicherweise höhere Kapitalanforderungen drohen, wenn sie die Risiken nicht ausreichend im Griff haben.

Risiken bei Immobilien für die Banken geraten in den Fokus der EZB

Die EZB, die im Euroraum auch die Funktion der Bankenaufsicht übernommen hat, weist die Banken vor der Erstellung ihres jährlichen Finanzmarktstabilitätsreports auf die zunehmenden Risiken auch auf dem europäischen Markt für Gewerbe-Immobilien hin. Mit der Thematik vertraute Personen hatten dies jüngst gegenüber Bloomberg News berichtet und um Anonymität gebeten. Offenbar wächst auch bei den Aufsehern in Frankfurt die Angst vor einem Überschwappen der Krise bei Finanzierungen für bestimmte Immobilien in den USA nach Europa.

Wie bereits während der Lehman-Krise könnte es zu Ansteckungseffekten kommen, zumal die Probleme ähnlich gelagert sind: höhere Zinsen, relativ hohe Leerstände, Wertberichtigungen, Liquiditätsprobleme, explodierende Baukosten, Zwangsverkäufe insolventer Immobiliengesellschaften sowie hohe Kapital-Exposure. Besonders die Banken in den beiden größten Volkswirtschaften Europas, Deutschland und Frankreich, sind von den Kredit-Risiken bei Gewerbe-Immobilien (CRE) am stärksten betroffen:

Banken in Frankreich und Deutschland halten bei Gewerbeimmobilien die größten Risiken

Bereits im Sommer letzten Jahres warnten Mitglied des EZB-Rates, dass die Märkte für Gewerbeimmobilien in Europa besonders anfällig für eine rasche Straffung der globalen Geldpolitik seien.

Kapitalverluste als unterschätztes Risiko

Während einzelne schärfere Anforderungen an die Banken in Sachen Kapitalrückstellungen und Risiko-Monitoring wegen der Unwägbarkeiten am Markt für Gewerbe-Immobilien wahrscheinlich erst im kommenden Jahr gelten werden, betrachten hochrangige Aufsichtsbeamte der Europäischen Zentralbank (EZB) Frühwarnungen als wichtiges Instrument, um Kapitalverluste aus der Anlageklasse zu begrenzen.

Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu der Thematik ab. Die Aufsichtsbehörde hat erklärt, dass die Behebung der Mängel der Banken im Kreditrisiko-Management für Immobilien eine ihrer obersten Prioritäten sei. Das zeigt, wie besorgt die Aufseher in Anbetracht der hohen Kreditexposure und der Entwicklungen der letzten Monate sind (Thema Signa-Pleite etc.). Wobei die Krise bei den Immobilien aufgrund vielschichtiger Herausforderungen für die Branche erst an ihrem Anfang stehen könnte.

Starker Einbruch bei Gewerbeimmobilien – Sicherheiten überbewertet

Unter den Immobilien sind auch in der Euro-Zone die Gewerbeimmobilien aktuell das größte Sorgenkind. Objekte aus diesem Bereich verzeichneten die stärksten Miet- und Werteinbußen. Auch deshalb, weil der Anstieg der Zinssätze im letzten Jahr und die Herausforderungen durch die Verlagerung auf Heimarbeit sowie das veränderte Einzelhandelsverhalten die Lage verschärften.

Die EZB nimmt die Kreditvergabepraktiken der Banken seit mehreren Jahren genau unter die Lupe und hat den Instituten wiederholt vorgeworfen, zu hohe Risiken einzugehen, unter anderem im Dezember, als sie klare Beweise dafür anführte, dass Kreditgeber Sicherheiten überbewerten.

Die jüngste Warnung der EZB  erfolgt gemäß der mit der Angelegenheit vertrauten Personen gegenüber Bloomberg News im Anschluss an Forderungen an die Banken, höhere Rückstellungen für mögliche Verluste bei Gewerbeimmobilien zu bildeten. Hochrangige Bankenaufseher sagen, dass sich die Besorgnis der EZB zwar nicht geändert habe, das Eintreten von Verlusten jedoch bedeute, dass sich der Ansatz der Aufsichtsbehörde weiterentwickelt. Die jüngste Warnung der EZB stellt auf jeden Fall eine Eskalation in der Kommunikation mit den Banken dar, die hohe Kreditrisiken im Bereich der Immobilien tragen.

Globale Schockwelle erreicht Europa

Die neuerliche Immobilienkrise, speziell im Gewerbebereich, trifft auch deutsche Institute bereits spürbar und löst bei einigen internationalen Kreditgebern bereits Schockwellen aus: von der US-Regionalbank NYCB (New York Community Bank) über Aozora in Asien bis hin zu Julius Bär und der Krise bei der Deutschen Pfandbriefbank. Zwar stufen die Aufseher die Probleme noch nicht als global und systematisch ein, allerdings ist dies kein Trost, da die Politiker in der Euro-Zone auch die letzte Immobilienkrise in den Jahren 2008 und folgende zunächst massiv unterschätzten.

Die Fundamentaldaten des Sektors sind zwar nicht besonders besorgniserregend, können aber nur begrenzte Sicherheit bieten. Die Rückstellungen der Banken könnten steigen, was den Gewinn schmälern und das Kapital belasten würde.

CRE-Bankkredit-Apokalypse? Vielleicht nicht, aber das wird wehtun

Die EZB-Banken-Aufseher, mit denen Bloomberg sprach, sagten, sie gehen nicht davon aus, dass die Probleme auf dem Gewerbe-Immobilienmarkt zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Kapitalquoten der Banken führen würden. Ihren zunehmenden Druck auf das Risikomanagement der Banken sehen sie als Möglichkeit, den Schaden zu begrenzen.

Die EZB möchte sicherstellen, dass die Banken „durchsichtige Kreditanalysen durchführen“, insbesondere angesichts der Zinsänderungen, sagte Elizabeth McCaul, Mitglied des Aufsichtsgremiums der EZB, im Januar. Die Banken seien „zögerlich“ dabei gewesen, Immobilienkredite als riskanter einzustufen, so McCaul auf einer Konferenz in Frankfurt.

Die Anleger konzentrierten sich auf die Risiken, denen Banken durch US-Gewerbeimmobilien ausgesetzt sind, wo es bisher zu den stärksten Bewertungsrückgängen kam. Die Deutsche Pfandbriefbank AG musste diese Woche zusammen mit Banken in New York und Japan miterleben, wie ihre Anleihen aufgrund von Bedenken hinsichtlich ihres Engagements in den USA abgewertet wurden.

Insgesamt stehen die europäischen Banken in diesem Jahr bereits vor einer höheren Messlatte für ihre Finanzkraft. Das liegt vor allem daran, dass die nationalen Regulierungsbehörden ihnen angeordnet haben, Kapital-Puffer aufzubauen, um einen wirtschaftlichen Abschwung (Rezession) zu überstehen, der in Deutschland bereits Realität ist. Eine von der EZB festgelegte Anforderung, die in die Mindestanforderungen einfließt, stieg insgesamt nur leicht an, wenn auch mit Sprüngen bei einigen besonders gefährdeten Kreditgebern.

Die EZB hat z. B. der Deutschen Pfandbriefbank im vergangenen Jahr die stärkste Erhöhung ihrer Kapitalanforderungen für einzelne Banken verordnet. Das Unternehmen erklärte nicht, warum, sagte jedoch im Dezember, dass es „deutlich über“ den Anforderungen liege.

Deutschland größtes Sorgenkind in der EU

Laut Daten der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde für das dritte Quartal verfügen französische und deutsche Banken über die meisten gewerblichen Darlehen für Immobilien in der Europäischen Union (EU). Frühere Analysen des European Systemic Risk Board, einer weiteren Aufsichtsbehörde, zeigen, dass Banken in Deutschland unter den Banken aus den wichtigsten Volkswirtschaften der Europäischen Union den höchsten Anteil an grenzüberschreitenden gewerblichen Immobilienrisiken halten.

Deutschland und Österreich sind auch das Epizentrum der bisher bedeutendsten Explosion im Gewerbeimmobilienbereich im Euroraum, dem Zusammenbruch der Signa-Unternehmensgruppe des ehemaligen Immobilien-Tycoons Rene Benko.

Die EZB wurde von einigen Bankern dafür kritisiert, dass sie angeblich zum Untergang von Signa beigetragen habe. Die EZB hat sich gegen diese Interpretation gewehrt und ihr früherer oberster Aufsichtsbeamter bezeichnet die Behauptung als „bizarr“, da es die Aufgabe der Zentralbank sei, dafür zu sorgen, dass Kreditgeber mit ihren Risiken umgehen können.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Die EZB macht ihre Arbeit hervorragend !! Das Risiko der Banken geht einher mit der Gier nach Gewinn und Managergehälter mit deren ungerechtfertigten Bonus!!!!!

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