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Warum Indien der Profiteur der westlichen Embargos gegen Russland ist

Europa will kein Gas und Öl mehr aus Russland kaufen. Daher muss Russland neue Absatzmärkte finden. Indien greift gerne zu.

Tanker transportiert Gas

Russland führt Krieg gegen die Ukraine. Der Westen will Öl, Gas und Kohle nicht mehr aus Russland beziehen. Bis jetzt hat man seine Einkäufe aus Russland bereits deutlich reduziert. Und gestrige Aussagen der G7-Staaten (westliche Industriestaaten und Japan) zementieren den dauerhaften und völligen Abschied von russischen Brennstoffen. Russland braucht also dringend neue Abnehmer. Seit Wochen ist Indien der freudige Käufer. Denn Russland muss offenbar dringend verkaufen, und bietet daher deftige Rabatte. Für ein eher armes Land wie Indien ist das ein Glücksgriff. Denn man nimmt nicht teil an den westlichen Sanktionen gegen Russland, und kann günstig und in großem Stil Öl und Gas bei Wladimir Putin einkaufen.

Indien kauft russisches Öl zu saftigen Rabatten

Bereits Ende März machten Berichte die Runde, dass Indien russisches Öl mit einem Rabatt von 35 Dollar pro Barrel kaufen kann. Da lässt man sich nicht zwei Mal bitten. Jüngste Berichte bestätigen diese Größenordnung. Offenbar kaufen Raffinerien in Indien beim russischen Öl-Gigangen Rosneft zu Preisen, die sogar unter 70 Dollar pro Barrel liegen könnten (europäischer Brent-Preis aktuell 110,30 Dollar). Diesen Rabatt sollen indische Käufer aufrufen als Kompensation für einen Mehraufwand bei der Logistik, Finanzierung, und dem Ärger mit westlichen Sanktionen. Aber mal ehrlich: Es wird auch um das Gesamtgefüge auf dem Weltmarkt gehen. Die Käufer in Indien werden sicherlich sehen, dass Russland dringend neue Absatzmärkte braucht. Und da ist Indien wohl aktuell in einer glänzenden Verhandlungsposition.

Jetzt greift man wohl auch bei Gas aus Russland zu

Und nun scheint Indien auch bei Gas aus Russland zuzugreifen. Wie der Experte Stephen Stapczynski anmerkt, kaufen Importeure aus Indien jetzt vermehrt Flüssiggas per Schiff aus Russland. Auch hier soll es Rabatt geben, denn russisches Gas wird gerade von den europäischen Käufern immer stärker gemieden. Indien braucht laut Stephen Stapczynski inmitten seiner derzeitigen Energiekrise (sehr hohe Temperaturen) billige Brennstoffe. Indien hat sich seiner Aussage nach als „letzte Anlaufstelle für russische Brennstoffe“ erwiesen, die auf dem Spotmarkt gehandelt und von der Welt aufgrund des Einmarsches von Präsident Wladimir Putin in der Ukraine gemieden werden.

Die New York Times (NYT) sprach vor Kurzem davon, dass der Anteil von russischem Öl an den indischen Importen von 1 Prozent vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs auf jetzt 17 Prozent angestiegen ist. Indiens Käufe von russischem Rohöl seien seit Beginn des Konflikts sprunghaft angestiegen von Null im Januar auf rund 300.000 Barrel pro Tag im März und 700.000 pro Tag im April.

Offenbar üben die USA und Europa diplomatischen Druck auf Indien aus, kein Öl oder Gas mehr aus Russland zu kaufen. Eine ganze Reihe von Abgesandten drängt laut NYT nämlich auf eine härtere Gangart gegenüber Russland. Doch Indiens politische Neutralität gegenüber dem Krieg in der Ukraine habe sich zu wirtschaftlichem Opportunismus ausgeweitet. Ein Bittgesuch nach dem anderen sei nach Indien geflossen. Russisches Öl zu kaufen, so Präsident Biden gegenüber dem indischen Premierminister, sei nicht im Interesse Indiens. Ein Unterlaufen der Sanktionen, so warnte ein US-Beamter eindringlich, könnte „Konsequenzen“ nach sich ziehen. Eine härtere Gangart gegenüber Russland, so argumentierte eine Reihe amerikanischer und europäischer Abgesandter, sei ein globales Gebot. Aber Indien scheint wohl lieber neutral bleiben zu wollen, und genießt die saftigen Rabatte. Das Milliardenvolk ist ein gigantischer Abnehmer für Brennstoffe, und kann es sich derzeit offenkundig leisten Russland kräftig Rabatt abzutrotzen.



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3 Kommentare

  1. Die Souveränität und territoriale Integrität gilt eben auch für Indien, weswegen sich das Land weder von den USA, noch von Deutschland seine Energie- und Rohstoffpolitik vorschreiben lässt.

  2. Young Global Leader

    Die russische Ölproduktion steigt wieder, nachdem sie zwei Monate lang stark gefallen war:

    „Russia’s crude oil production slipped by half a million bpd in March, by a full million bpd in April, with many analysts stating concern that those barrels may never return to the market. April’s OPEC+ production quota was set at 10.436 million bpd.

    But according to Novak, the picture isn’t quite so bleak, with Russian crude oil production now stabilizing despite sanctions.“

    https://oilprice.com/Latest-Energy-News/World-News/Novak-Russias-Crude-Production-Up-In-May.html

  3. Pingback: Schuss in den Ofen: Öl-Sanktionen gegen Russland verfehlen ihr Ziel völlig – Aktuelle Nachrichten

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