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Ölpreis vor Rückfall? G7-Embargo, Saudis senken Preise, China schwach

Bohrinsel für Öl

Der Ölpreis steht am Scheideweg, hin und her gezogen von positiven und negativen Faktoren. Am Freitagabend sah man das amerikanische WTI-Öl noch bei 109 Dollar, heute früh sind es 108,62 Dollar. Mit 111,80 Dollar notiert der europäische Brent-Ölpreis aktuell exakt dort, wo er Freitagabend notierte. Im Chart sehen wir den Kursverlauf der letzten zehn Tage. Letzte Woche ging es aufwärts am Ölmarkt. Sehen wir jetzt kurzfristig schwächere Kurse?

Gründe für möglicherweise weiter steigenden Ölpreis

Die OPEC hat letzte Woche entschieden keine zusätzliche Angebotsmenge auf den Markt zu bringen, und wie zuvor die tägliche Fördermenge an Öl im Monat Juni „nur“ um 432.000 Barrels pro Tag anzuheben, wie bereits im Mai. Das schafft keine große Entlastung für den Westen, der auf russisches Öl verzichten will – ein gutes Argument für einen höheren Ölpreis! Und es gibt weitere Gründe, warum der Ölpreis weiter deutlich ansteigen könnte. Die EU-Kommission verkündete letzte Woche ihren Vorschlag für ein Ölembargo der EU gegen Russland.

Noch aber sind nicht alle EU-Mitgliedsstaaten für diesen Schritt. Probleme sieht man vor allem bei Tschechien, der Slowakei und Ungarn, wo man aufgrund es Pipeline-Systems an russisches Öl-Lieferungen gebunden ist. Hier müssen die EU-Partner wohl noch Überzeugungsarbeit leisten, dass sie die Versorgung dieser Länder mit Öl sicherstellen werden, wenn diese russisches Öl blockieren sollten. Auf EU-Ebene kann es also zu Verzögerungen kommen. Dennoch ist eine Einigung jederzeit möglich. Verweigert die EU dann geschlossen Öl aus Russland zu kaufen, ist dies bullisch für den Ölpreis. Denn Europa muss dann andernorts auf dem Weltmarkt sein Öl einkaufen, was global für Kaufdruck sorgt.

Dieses Signal für den Weltmarkt geht auch von dem gestern veröffentlichten Dokument der G7-Staaten aus. Darin steht geschrieben, dass sich diese Länder dazu verpflichten ihre Abhängigkeit von russischer Energie schrittweise zu beenden, auch durch den schrittweisen Ausstieg aus russischem Öl beziehungsweise das Verbot von dessen Einfuhr. Und man werde dafür Sorge tragen, dass dies zeitnah und geordnet sowie in einer Weise erfolgt, die der Welt Zeit gibt, eine alternative Versorgung sicherzustellen.

Dabei werde man untereinander und mit seinen Partnern zusammenarbeiten, um eine stabile und nachhaltige globale Energieversorgung sowie bezahlbare Preise für die Verbraucherinnen und Verbraucher zu gewährleisten, auch indem man die Verringerung derAbhängigkeit von fossilen Brennstoffen insgesamt und dem Übergang zu sauberer Energie im Einklang mit den Klimazielen beschleunigt. Diese Aussagen sorgen grundsätzlich für Aufwärtsdruck auf den Ölpreis. Denn die großen westlichen Industrienationen und Japan wenden sich dauerhaft ab von russischem Öl, und müssen andernorts einkaufen – die Verkäufer dürften sich langfristig die Hände reiben!

Gründe für einen möglicherweise fallenden Ölpreis

Aber kurzfristig gibt es auch die negativen Faktoren am Ölmarkt. Laut aktuellsten Berichten werden Corona-Restriktionen in China nach wochenlangen Lockdowns jetzt sogar noch verschärft. Heute veröffentlichte Daten zeigen mit +3,9 Prozent im Jahresvergleich für den Monat April das geringste chinesische Exportwachstum seit den Tiefs im Jahr 2020. Wenn in Shanghai seit Wochen der Großteil der wirtschaftlichen Aktivität zum Erliegen kommt, hat das global negative Auswirkungen – so vermeintlich auch auf das Nachfragewachstum für Öl.

Auch warnt aktuell der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang, dass die Beschäftigungssituation in China „kompliziert und ernst“ wird. Der Lockdown sorgt in chinesischen Häfen und in Folge weltweit für massive Probleme, Rückstaus, Lieferschwierigkeiten. Diese Gemengelage drückt kurzfristig auf die Öl-Nachfrage. Szenario: Glaubt man daran, dass die Probleme in China in wenigen Wochen oder Monaten gelöst werden können, und dass das westliche Öl-Embargo gegen Russland ein dauerhaftes Problem ist, dass bei anderen Öl-Lieferanten die Nachfrage anheizt – spricht dies nicht eher für einen weiter steigenden Ölpreis?

Dass kurzfristig vor allem durch den China-Lockdown Schwäche im Markt ist, merkt man daran, dass Saudi-Arabien gestern seine Verkaufspreise für europäische und asiatische Kunden für Juni-Lieferungen gesenkt hat. Also: Sehen wir kurzfristig einen schwachen Ölpreis, auf längere Zeiträume gesehen aber eher Aufwärtsdruck?

WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten zehn Tage WTI-Ölpreis im Verlauf der letzten zehn Tage.



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3 Kommentare

  1. Staatspräsident Xi Jinping sprach sich im Rahmen einer aktuellen Videokonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz sowohl zugunsten entsprechender Marktzugänge für die deutsche Industrie auf dem chinesischen Markt, als auch für eine offene Weltwirtschaft aus. Dies zeigt, daß Deng Xiaoping dankenswerterweise weiterhin sein wirtschaftspolitisches Vorbild ist. Rahmenbedingungen also, um die chinesische Wirtschaft zu stimulieren. Und da die Volksrepublik China zu den weltweit größten Ölkonsumenten zählt, könnte dies dann eben auch einen steigenden Ölpreis mit sich bringen.

  2. ALLES steht und fällt mit der Überbevölkerung der Erde. Alle Maßnahmen werden von IHR überholt.
    Wenn sie nicht (ihre Begrenzung)sofort angegangen wird ist alles Andere sinnlos.
    WELTWEIT!!!!!!

    1. @Gehring

      Na gehn‘s! Wir haben Überalterung und Geburtenrückgänge, zumindest in den Industrienationen.
      Und wie stellen Sie sich eine „Begrenzung der Überbevölkerung“ vor? Klingt nach Zwang und anderen Grauslichkeiten.

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