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Krise nach Huthi-Attacken Inflation: Frachtraten explodieren – „Konsumenten werden den Preis zahlen“

Zinswende in Gefahr?

Inflation Krise am Roten Meer Frachtraten

Die Frachtraten explodieren – Verbraucher weltweit werden den Preis in Form einer wieder steigenden Inflation für die sich entwickelnde Krise im Roten Meer zahlen, nachdem Raketenangriffe der Huthi auf Handelsschiffe die Lieferketten ins Chaos gestürzt haben. Ist damit sogar die weltweite Zinswende in Gefahr, die von der Spekulation einer weiter fallenden Inflation getrieben ist? In Deutschland jedenfalls wird schon alleine aufgrund der Beschlüsse der Bundesregierung die Inflation  um +1,2% steigen.

Containerraten steigen – Inflation wird steigen

Der Drewry World Container Index (WCI) stieg diese Woche um 9% auf 1,661 US-Dollar für einen 40-Fuß-Container. Dabei stiegen die Kosten für die Routen von Shanghai nach Europa um 16% nach Rotterdam und 15% nach Genua. Seit Anfang Dezember stieg der WCI insgesamt um 14,7%. Der Shanghai Containerized Freight Index stieg diese Woche um 13,7%.

In naher Zukunft werden die Container-Preise noch weiter steigen. Zahlreiche Reedereien haben schon angekündigt, die Frachtpreise Anfang bzw. Mitte Januar weiter anzuheben, darunter die weltgrößte Reederei MSC, Hapag Lloyd, Maersk oder auch die chinesische Reederei CMA CGM. Im Januar steigen normalerweise die Frachtkosten von China aus, denn ab Mitte Februar beginnen in den Fabriken die Neujahrsferien, die bis ca. Mitte Februar dauern. Bis Ende Januar muss die Fracht auf die Schiffe, damit sie vor dem Neujahrsfest die Häfen verlassen kann. Allerdings steigen die Frachtraten dieses Jahr weltweit. Dazu trägt auch die Krise im Panama-Kanal bei. CMA CGM kündigte gerade an, aufgrund des Staus am Kanal die Preise für die Durchfahrt um weitere 150 US-Dollar pro TEU (20-Fuß-Container-Äquivalent) zu steigern.

Auch werden die angekündigten Preissteigerungen wohl nicht die letzten sein. Das auf Frachten spezialisierte Analyse-Unternehmen Xeneta kommentierte die Situation folgendermaßen: „Es gibt Kapazitäten auf dem Markt, aber es wird seinen Preis haben, und wir könnten sehen, dass die Frachtraten für den Seeverkehr um 100% steigen. Das ist ein Kostenfaktor, der letztendlich an die Verbraucher weitergegeben wird, die die Waren kaufen.

Frachtkapazitäten für 1 Millionen Standardcontainer fehlen

Die meisten Containerschiffe ändern ihre Route und umrunden auf ihrem Weg nach Europa nun das Kap der Guten Hoffnung. Das dauert nicht nur länger und ist teurer, sondern es werden auch mehr Schiffe benötigt. Xeneta schätzt die zusätzlich benötigte Kapazität auf 1 Million TEU. Das Analyse-Unternehmen Sea-Intelligence schätzt den Mehrbedarf sogar auf 1,45 bis 1,7 Millionen TEU. Dabei hatten die Reeder in den letzten Monaten Kapazitäten abgebaut, um die Frachtpreise zu stabilisieren, die nach dem Chaos der Corona-Zeiten und durch den fallenden Export aus China im Verlauf des Jahres wieder ungefähr auf das Niveau von 2019 gesunken war.

Die Container-Schifffahrt ist durch den kriegsähnlichen Zustand am Roten Meer besonders betroffen. Während diese die Reise um Südafrika antreten, durchqueren Massengutfrachter und Tanker weiter den Suez-Kanal. Durch den Transit via Afrika verlängert sich die Reise um ca. 10 Tage und zusätzliche Treibstoffkosten von 1 Million US-Dollar. Das Rating-Unternehmen Fitch geht aber im Moment nicht davon aus, dass die Störung im internationalen Frachtverkehr länger als zwei Quartale anhält. Vieles hängt aber davon ab, ob die „Operation Prosperity Guardian“ in erheblichem Maße Vertrauen bei den Reedern, die die Route durch das Rote Meer/Suez nutzen, oder eine weitere Eskalation schließt die Route weitgehend.

Tanker setzen Transit durch das Rote Meer fort

Tanker setzen unterdessen ihren Transit durch das Rote Meer fort, wie ein Blick auf die Positionsdaten bei MarineTraffic zeigt, obwohl einige Schiffe aufgrund der Huthi-Bedrohung über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet wurden. Die Entscheidung, ob ein Tanker das Rote Meer durchquert, liegt beim Schiffsmieter, nicht beim Eigentümer. Aufgrund bereits abgeschlossener Verträge gestaltet sich eine Änderung der Route als schwierig. Eine andere Besonderheit liegt darin, dass viele Tanker russisches Öl transportieren. Etwa 60% der rund 1.200 beladenen Tanker durch das Rote Meer stammen aus Russland. Diese russischen Tanker werden vermehrt von Betreibern befördert, die nicht dem Sanktionskartell angehören und sind somit geringeren Risiken durch die Huthi-Angriffe ausgesetzt. Zusätzlich werden diese Öllieferungen an Käufer geleitet, die nicht dem westlichen Sanktionskartell angehören, was die Wahrscheinlichkeit von Störungen weiter verringert.

Eines aber ist klar: je länger die Krise dauert, umso mehr dürfte die Inflation in den nächsten Monaten anziehen. Ein Blick auf die Future-Märkte zeigt, dass Spekulanten davon ausgehen, dass die Krise mindestens sechs Monate dauern wird. Firmen wie Ikea haben bereits vor Produktengpässen gewarnt – andere Firmen dürften bald folgen..



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6 Kommentare

  1. Das Militär sollte hier längst eingreifen und die Huthis platt machen. Wegen solcher Terroristen wird die Inflation angeheizt . Unglaublich. Ausradieren!

    1. Vielleicht hat ja auch jemand Interesse an steigenden Teuerungsraten…

  2. Das nächste geopolitische Risiko, welches sich in einigen Tagen oder Wochen erledigt haben wird. Muss man von China nach Kalifornien eigentlich durch den Suez-Kanal?😀

    1. @Transportianer
      nach Kalifornien nicht, aber wenn man an die Ostküste will, durchaus, weil der Panamakanal durch die Trockenheit nur eingeschränkt nutzbar ist

  3. Der Zugang zum Kap der guten Hoffnung ist durch ein Feuer blockiert. was machen die Schiffe jetzt?

  4. Herr Ennoson, wünsche ihnen frohe weihnachten und einen guten start ins neue jahr.

    vg md

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