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Inflation: Unausweichlich – wegen immer höherer Staatsverschuldung?

Wenn die Inflation zu steigen beginnt, ist sie schwer unter Kontrolle zu halten. Wie will man steigende Inflation bekämpfen? Mit steigenden Leitzinsen?

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Jüngst hat der Chef der Federal Reserve, Jerome Powell, verkündet, dass sich die Notenbank nicht mehr an Ziel von zwei Prozent Inflation orientieren würde, sondern auch Ausreißer akzeptieren werde, wenn der Durchschnitt bei diesem Wert bliebe. Was steckt hinter dieser Strategieänderung der Fed, deren gesetzlicher Auftrag „Prize Stability and Maximum Employment“ stets Mantra-artig vorgetragen wird? Die aktuelle Pandemie um SARS-CoV-2 hat jedenfalls eine Entwicklung rasant beschleunigt, die schon einige Jahre zu beobachten ist: Der Anstieg der Staatsschulden in vielen Ländern im Vergleich zu den jeweiligen Bruttoinlandsprodukten.

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Zwei Prozent Inflation – ist das Geldwertstabilität?

Eine Inflation von zwei Prozent wird allgemein von Zentralbanken angestrebt – bereits seit den 1990-er-Jahren – um weit genug von einem Deflationsszenario zu bleiben, welches aufgrund der Konsumverweigerung der Bürger sehr gefürchtet wird. Man kann in so einem Umfeld die Produkte später ja günstiger bekommen und abwarten. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, die Entwertung ihres Geldes um zwei Prozent nicht als störend zu empfinden, die Unternehmen und die Gewerkschaften vereinbaren Lohnsteigerungen meist unterhalb dieser Grenze.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gab es für eine Geldanlage wie Sparanlagen oder kurzlaufende Anleihen nach Inflation und Steuern praktisch keine positive Rendite. Die großen Gewinne an den Anleihemärkten entstanden von 1980 bis 2020, bei länger laufenden Papieren, wo es neben den Kupons der Zinspapiere stets Gewinne aus Kurssteigerungen gab – über die Duration (Änderung des Preises von Anleihen längerer Laufzeit bei Zinssenkungen). Die Kapitalmarktzinsen fielen in diesen knapp 40 Jahren von einem zweistelligen Bereich bis auf null in der Gegenwart. Wie eine Untersuchung der Deutschen Bank ergab, konnte man im Anleihebereich in diesen vier Jahrzehnten eine deutliche Rendite (nach Inflation) erzielen:

Deutschland plus 4,5 Prozent, USA plus 4,8 Prozent, Großbritannien plus 5,3 Prozent, alle pro Jahr.

Jetzt ist die Phase der Zinsrückgänge größtenteils am Ende, Anleihen in einem Volumen über 15 Billionen Dollar notieren im Minuszinsbereich.

Hierzu habe ich einen schöne Formulierung eines Düsseldorfer Vermögensverwalters, Nicolas Pilz, gefunden, der die Sache auf den Punkt bringt: „Früher gab es einen risikolosen Zins, heute nur noch ein zinsloses Risiko!“

Finanzielle Repression, das Mittel zur Schuldenbewältigung

Die Absenkung der Leitzinsen, insbesondere im letzten Jahrzehnt, sollte Wirtschaft und Konsum ankurbeln. Insbesondere in der Eurozone, aber eigentlich bedeutete dies eine durch Mario Draghi geförderte indirekte Staatsfinanzierung klammer Staaten. Man ermöglichte deren Schuldendienst durch extrem niedrige Zinsen, die nicht mehr der Bonität der Länder entsprachen.

Der zweite Effekt betraf natürlich die Halter von Geldvermögen, deren Realrendite beständig in den Minusbereich rutschte, obwohl die Inflation in dieser Dekade eigentlich stets unter dem Inflationsziel geblieben ist.

Im Endeffekt war es weder gelungen die Wirtschaft in bestimmten Ländern groß in Schwung zu bringen, noch die Inflation auf das gewünschte Niveau zu hieven.

Damit konnten auch die Schuldenniveaus einiger EU-Staaten nicht abgesenkt werden, auch infolge fehlenden Reformdrucks. Die Zentralbank hielt zuletzt durch ihre Anleihekäufe die Zinsen in Euroland am Boden, ungeachtet der Situation in den Ländern.

Diese finanzielle Repression hatte trotz geringer „offizieller“ Preissteigerungsraten zu deutlichen Vermögenseffekten geführt.

Die Inflation schaffte nämlich eindeutige Verlierer, die Halter von Geldvermögen wie Bankguthaben und (kurzlaufende) festverzinsliche Wertpapieren und Gewinner, wie die Eigentümer von Häusern und Grundstücken, aber in Summa auch die von Aktien. Damit eine stetige Umverteilung von Vermögen, da die unteren Einkommensschichten von Letzterem gerade nicht profitieren konnten.

Inflation, Corona und die Explosion der Staatsschulden

Die Pandemie um Covid-19 führt zu einem gewaltigen Anstieg der Verschuldung der Staaten, da die Notenbanken dieser Welt über die Druckerpresse versuchen, Konsum und Arbeitsmärkte bei der Bekämpfung der Virusinfektion mit riesigen Rettungspaketen zu stützen. Über den Anstieg der Staatsschulden wurde auf FMW schon viel geschrieben, wie zum Beispiel in Japan auf über 250 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt, Italien auf 155 Prozent und selbst die USA wird auf über 140 Prozent zum BIP kommen.

Insgesamt nähert sich die Welt-Staatengemeinschaft dem Schuldenniveau zum Ende des Zweiten Weltkriegs von 137 Prozent. Die Industrieländer sind durchschnittlich bereits mit über 100 Prozent zu ihrer Wirtschaftsleistung verschuldet. Covid-19 wird zu einem gewaltigen Anschub dieser Schuldenlast führen. Abbau über Wachstum, dies gelang nicht einmal in der Nachkriegszeit trotz eines großen Wiederaufbaubooms, die Schuldenreduzierung wurde in dieser Zeit durch die finanzielle Repression unterstützt. Aus der Studie der Deutschen Bank geht hervor, dass sich die Realrenditen über zwei Jahrzehnte auf extremen negativen Niveaus befunden hatten.

Von 1946 bis 1961: USA minus 0,8 Prozent, Großbritannien minus 2,5 Prozent und Deutschland minus 6,3 Prozent, p.a.

Finanzielle Repression auf neuen Höhen?

Will man diese Prozedur jetzt wiederholen? Hat das neue flexible Inflationsziel der US-Notenbank nicht gerade dies im Visier? Der frühere US-Notenbankchef, Alan Greenspan, hat jüngst schon vor dieser Strategie der Fed gewarnt. Wenn die Inflation zu steigen beginnt, ist sie schwer unter Kontrolle zu halten – Stichwort Ketchupflasche. Wie will man eine steigende Inflation bekämpfen? Mit stark steigenden Leitzinsen? Das wäre der Kollaps vieler Volkswirtschaften rund um den Globus.

Fazit

Die Notenbanken sind Getriebene ihrer eigenen Politik und sitzen irgendwie in der Falle. Man hat die Zinsen auf niedrige Niveaus gesenkt, die EU wegen der Problematik einer inhomogenen Wirtschaftszone, die USA wegen eines Präsidenten, der seinen Notenbankchef über Monate zu Zinsschritten „genötigt“ hatte. Der geldpolitische Spielraum wurde extrem eingeengt – dann kam ein Ereignis, mit dem kein Geldpolitiker der Welt gerechnet hat: Covid-19 und seine Folgen. Man schöpft den geldpolitischen Werkzeugkasten voll aus, über Anleihekäufen selbst minderer Bonität, über Helikoptergeld (Modern Monetary Theory) –  aber der Zinsspielraum ist verschwunden und man versucht es jetzt mit verstärkter finanzieller Repression.

Am Mittwoch steht die nächste Entscheidung der US-Notenbank an. Wie wird Fedchef Powell die Gemengelage aus steigenden Staatschulden, Wachstumssorgen, niedrigsten Leitzinsen und steigender Inflation in ein gutes Licht stellen?

Und was bedeutet das Ganze für den Anleger, vor allem die „Deutschen“ mit ihren 2,4 Billionen Euro auf unverzinslichen Konten? Der Geldmarkt ist renditemäßig tot. You can make an educated guess!

Ist Inflation unausweichlich aufgrund der immer stärker steigenden Staatsschulden?

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

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Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

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Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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