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Inflation: Unausweichlich – wegen immer höherer Staatsverschuldung?

Wenn die Inflation zu steigen beginnt, ist sie schwer unter Kontrolle zu halten. Wie will man steigende Inflation bekämpfen? Mit steigenden Leitzinsen?

Wolfgang Müller

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Jüngst hat der Chef der Federal Reserve, Jerome Powell, verkündet, dass sich die Notenbank nicht mehr an Ziel von zwei Prozent Inflation orientieren würde, sondern auch Ausreißer akzeptieren werde, wenn der Durchschnitt bei diesem Wert bliebe. Was steckt hinter dieser Strategieänderung der Fed, deren gesetzlicher Auftrag „Prize Stability and Maximum Employment“ stets Mantra-artig vorgetragen wird? Die aktuelle Pandemie um SARS-CoV-2 hat jedenfalls eine Entwicklung rasant beschleunigt, die schon einige Jahre zu beobachten ist: Der Anstieg der Staatsschulden in vielen Ländern im Vergleich zu den jeweiligen Bruttoinlandsprodukten.

Zwei Prozent Inflation – ist das Geldwertstabilität?

Eine Inflation von zwei Prozent wird allgemein von Zentralbanken angestrebt – bereits seit den 1990-er-Jahren – um weit genug von einem Deflationsszenario zu bleiben, welches aufgrund der Konsumverweigerung der Bürger sehr gefürchtet wird. Man kann in so einem Umfeld die Produkte später ja günstiger bekommen und abwarten. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, die Entwertung ihres Geldes um zwei Prozent nicht als störend zu empfinden, die Unternehmen und die Gewerkschaften vereinbaren Lohnsteigerungen meist unterhalb dieser Grenze.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gab es für eine Geldanlage wie Sparanlagen oder kurzlaufende Anleihen nach Inflation und Steuern praktisch keine positive Rendite. Die großen Gewinne an den Anleihemärkten entstanden von 1980 bis 2020, bei länger laufenden Papieren, wo es neben den Kupons der Zinspapiere stets Gewinne aus Kurssteigerungen gab – über die Duration (Änderung des Preises von Anleihen längerer Laufzeit bei Zinssenkungen). Die Kapitalmarktzinsen fielen in diesen knapp 40 Jahren von einem zweistelligen Bereich bis auf null in der Gegenwart. Wie eine Untersuchung der Deutschen Bank ergab, konnte man im Anleihebereich in diesen vier Jahrzehnten eine deutliche Rendite (nach Inflation) erzielen:

Deutschland plus 4,5 Prozent, USA plus 4,8 Prozent, Großbritannien plus 5,3 Prozent, alle pro Jahr.

Jetzt ist die Phase der Zinsrückgänge größtenteils am Ende, Anleihen in einem Volumen über 15 Billionen Dollar notieren im Minuszinsbereich.

Hierzu habe ich einen schöne Formulierung eines Düsseldorfer Vermögensverwalters, Nicolas Pilz, gefunden, der die Sache auf den Punkt bringt: „Früher gab es einen risikolosen Zins, heute nur noch ein zinsloses Risiko!“

Finanzielle Repression, das Mittel zur Schuldenbewältigung

Die Absenkung der Leitzinsen, insbesondere im letzten Jahrzehnt, sollte Wirtschaft und Konsum ankurbeln. Insbesondere in der Eurozone, aber eigentlich bedeutete dies eine durch Mario Draghi geförderte indirekte Staatsfinanzierung klammer Staaten. Man ermöglichte deren Schuldendienst durch extrem niedrige Zinsen, die nicht mehr der Bonität der Länder entsprachen.

Der zweite Effekt betraf natürlich die Halter von Geldvermögen, deren Realrendite beständig in den Minusbereich rutschte, obwohl die Inflation in dieser Dekade eigentlich stets unter dem Inflationsziel geblieben ist.

Im Endeffekt war es weder gelungen die Wirtschaft in bestimmten Ländern groß in Schwung zu bringen, noch die Inflation auf das gewünschte Niveau zu hieven.

Damit konnten auch die Schuldenniveaus einiger EU-Staaten nicht abgesenkt werden, auch infolge fehlenden Reformdrucks. Die Zentralbank hielt zuletzt durch ihre Anleihekäufe die Zinsen in Euroland am Boden, ungeachtet der Situation in den Ländern.

Diese finanzielle Repression hatte trotz geringer „offizieller“ Preissteigerungsraten zu deutlichen Vermögenseffekten geführt.

Die Inflation schaffte nämlich eindeutige Verlierer, die Halter von Geldvermögen wie Bankguthaben und (kurzlaufende) festverzinsliche Wertpapieren und Gewinner, wie die Eigentümer von Häusern und Grundstücken, aber in Summa auch die von Aktien. Damit eine stetige Umverteilung von Vermögen, da die unteren Einkommensschichten von Letzterem gerade nicht profitieren konnten.

Inflation, Corona und die Explosion der Staatsschulden

Die Pandemie um Covid-19 führt zu einem gewaltigen Anstieg der Verschuldung der Staaten, da die Notenbanken dieser Welt über die Druckerpresse versuchen, Konsum und Arbeitsmärkte bei der Bekämpfung der Virusinfektion mit riesigen Rettungspaketen zu stützen. Über den Anstieg der Staatsschulden wurde auf FMW schon viel geschrieben, wie zum Beispiel in Japan auf über 250 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt, Italien auf 155 Prozent und selbst die USA wird auf über 140 Prozent zum BIP kommen.

Insgesamt nähert sich die Welt-Staatengemeinschaft dem Schuldenniveau zum Ende des Zweiten Weltkriegs von 137 Prozent. Die Industrieländer sind durchschnittlich bereits mit über 100 Prozent zu ihrer Wirtschaftsleistung verschuldet. Covid-19 wird zu einem gewaltigen Anschub dieser Schuldenlast führen. Abbau über Wachstum, dies gelang nicht einmal in der Nachkriegszeit trotz eines großen Wiederaufbaubooms, die Schuldenreduzierung wurde in dieser Zeit durch die finanzielle Repression unterstützt. Aus der Studie der Deutschen Bank geht hervor, dass sich die Realrenditen über zwei Jahrzehnte auf extremen negativen Niveaus befunden hatten.

Von 1946 bis 1961: USA minus 0,8 Prozent, Großbritannien minus 2,5 Prozent und Deutschland minus 6,3 Prozent, p.a.

Finanzielle Repression auf neuen Höhen?

Will man diese Prozedur jetzt wiederholen? Hat das neue flexible Inflationsziel der US-Notenbank nicht gerade dies im Visier? Der frühere US-Notenbankchef, Alan Greenspan, hat jüngst schon vor dieser Strategie der Fed gewarnt. Wenn die Inflation zu steigen beginnt, ist sie schwer unter Kontrolle zu halten – Stichwort Ketchupflasche. Wie will man eine steigende Inflation bekämpfen? Mit stark steigenden Leitzinsen? Das wäre der Kollaps vieler Volkswirtschaften rund um den Globus.

Fazit

Die Notenbanken sind Getriebene ihrer eigenen Politik und sitzen irgendwie in der Falle. Man hat die Zinsen auf niedrige Niveaus gesenkt, die EU wegen der Problematik einer inhomogenen Wirtschaftszone, die USA wegen eines Präsidenten, der seinen Notenbankchef über Monate zu Zinsschritten „genötigt“ hatte. Der geldpolitische Spielraum wurde extrem eingeengt – dann kam ein Ereignis, mit dem kein Geldpolitiker der Welt gerechnet hat: Covid-19 und seine Folgen. Man schöpft den geldpolitischen Werkzeugkasten voll aus, über Anleihekäufen selbst minderer Bonität, über Helikoptergeld (Modern Monetary Theory) –  aber der Zinsspielraum ist verschwunden und man versucht es jetzt mit verstärkter finanzieller Repression.

Am Mittwoch steht die nächste Entscheidung der US-Notenbank an. Wie wird Fedchef Powell die Gemengelage aus steigenden Staatschulden, Wachstumssorgen, niedrigsten Leitzinsen und steigender Inflation in ein gutes Licht stellen?

Und was bedeutet das Ganze für den Anleger, vor allem die „Deutschen“ mit ihren 2,4 Billionen Euro auf unverzinslichen Konten? Der Geldmarkt ist renditemäßig tot. You can make an educated guess!

Ist Inflation unausweichlich aufgrund der immer stärker steigenden Staatsschulden?

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Aktien

Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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