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Innerdeutscher Flugverkehr nach Air Berlin-Zerschlagung: Teure Monopol-Wüste in Sicht

Wenn der liebe Herr im Himmel ein Auge drauf hat, wird das Bundeskartellamt oder die EU-Kommission verhindern, dass die Lufthansa einen Großteil von Air Berlin bekommt? Kann man wirklich so sicher sein, dass gerade…

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FMW-Redaktion

Wenn der liebe Herr im Himmel ein Auge drauf hat, wird das Bundeskartellamt oder die EU-Kommission verhindern, dass die Lufthansa einen Großteil von Air Berlin bekommt? Kann man wirklich so sicher sein, dass gerade auf innerdeutschen Flugstrecken der Wettbewerb gewährleistet bleibt nach der endgültigen Zerschlagung von Air Berlin? Wir haben uns mal die aktuelle Lage angeschaut, und sehen eine Art Monokultur anrollen, wie in einem ehemaligen Regenwald, wo jetzt nur noch Pflanzen für Palmöl stehen.

38 Flugzeuge samt Besatzungen hatte die Lufthansa-Tocher Eurowings schon vor der Air Berlin-Pleite geleast. Jetzt im Zuge der Aufteilung der Air Berlin-Flotte soll die Lufthansa wohl weitere 40 Maschinen erhalten. Ähnlich bedeutsam dürfte auch die Weitergabe der Start- und Landerechte ausfallen – so darf man es vermuten! Aber wie sieht es denn schon jetzt konkret aus, wo Air Berlin noch halbwegs existiert und ein paar Tage lang noch präsent ist als eigene Marke?

Wir haben mal in Flugsuch-Maschinen gestöbert. Da wäre zum Beispiel der Flugtag 25. Oktober von Hamburg nach Düsseldorf. One Way, ganz simpel. Flugzeit zwischen 6-18 Uhr. Es gibt vier Flüge von Eurowings (Lufthansa-Tochter für die Kurzstrecke) und zwei von Air Berlin. Wenn diese beiden Air Berlin-Flüge an die Lufthansa fallen, dann nennen wir das wie? Ja, ein totales Monopol. Vielleicht geht einer der Slots an easyjet? Aber hat dieser Anbieter überhaupt Lust auf so eine innerdeutsche Strecke?

Und falls doch: Nehmen wir an es würde eine Strecke verbleiben, die auf dieser Strecke nicht von Lufthansa betrieben wird. Und dieser Flug würde sagen wir mal um 12 Uhr Mittags gehen (nur mal rein theoretisch). Nun gibt es aber aus diversen Gründen viele Flugreisende, die gezwungen sind früh morgens zu fliegen. Die ständen dann dem Monopolisten Lufthansa gegenüber, oder müssen auf ihr Auto oder die Deutsche Bahn ausweichen.

Wir haben uns auch mal für den selben Tag den 25. Oktober die Strecke Berlin-München angeschaut. Dort finden sich von früh morgens 6:30 Uhr bis 17 Uhr acht Flüge von der Lufthansa. Und dann gibt es noch als Konkurrenzangebot durch Air Berlin einen Flug (!) um 7:20 Uhr in der Früh. Fällt dieser Flug auch in die Hände von Lufthansa, wäre das Monopol perfekt. Für alle, die nicht so früh fliegen, ist das Monopol jetzt schon existent. Natürlich möchten wir dazu noch erwähnen, dass wir in Preissuchmaschinen gesucht haben, so wie es alle normalen Privatpersonen auch tun – von daher können wir nicht garantieren, dass diese spontane Erhebung auch wirklich stimmt. Aber es ist Stand heute das, was ein potenzieller Fluggast zur Auswahl hat, wenn er diese Strecken buchen will, und normal im Internet nach Flügen sucht.

„In Bundeskartellamt and EU-Kommission we trust“, dass es nicht zu einem völligen Monopol der Lufthansa auf solchen innerdeutschen Streken kommt? Man vergesse nicht, dass die Bundesregierung vermutlich alles daran setzen wird, dass wenigstens die Lufthansa „der große starke deutsche Champion“ am Himmel sein wird. In der Realität darf man wohl annehmen, dass die Preise auf diesen quasi Monopolstrecken in Zukunft teurer werden. Das ist natürlich nur eine plumpe oberflächliche These, der die Lufthansa sicher widersprechen würde.


Ein Lufthansa A380. Foto: Konstantin von Wedelstaedt – Gallery page http://www.airliners.net/photo/Lufthansa/Airbus-A380-841/1891305/L Photo http://cdn-www.airliners.net/aviation-photos/photos/5/0/3/1891305.jpg (GFDL 1.2)

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    asyoulike

    6. Oktober 2017 18:18 at 18:18

    Moin, moin,
    wie war das noch gleich mit Geiz ist geil? Wollten wir Transportleistungsinanspruchnehmer nicht für immer weniger Euros reisen? Ob Bahn, Bus oder Flugzeug, Hauptsache für fast Null Euro quer durch Europa. Nur die Kehrseite der Medallie ist, dass unser Transportdienstleister mit unseren Einnahmen die Infrastruktur zur Verfügung stellen muss. Leider kommt, was kommen muss. Aus vielen Anbietern (Polypol) werden weniger, weil die ersten Anbieter aufgeben müssen (wir vergleich ja die Preise dank Onlinevergleichsmöglichkeiten). Weitere Anbieter müssen in der Folge aufgeben und es findet die im Artikel beschriebene Konzentration statt, mit dem Ergebnis eines Monopols bzw. Quasi-Monopols.
    Selbst Schuld ist m.E. der Verbraucher. Für nichts geht auch nichts. Dieser Zusammenhang gilt für vieles andere auch, bspw. Broker, Banken und Versicherungen. Die Preistransparenz führt zur Konzentration. Der Witz ist da fast schon der Verbraucher. Er erwartet für fast Null Euro (Geiz ist geil, s.o.) selbstverständlich besten Service etc. . Wer hätte diese Zusammenhängen auch erkennen können?

    • Avatar

      Gerd

      6. Oktober 2017 19:24 at 19:24

      Es gab früher mal ein Deutschland, auf sog. sozialer Marktwirtschaft aufgebaut, in dem es eigens ein Bundeskartellamt mit einem hochbezahlten Präsidenten an der Spitze gab. Das war dafür da, um solchen unschönen Entwicklungen entgegenzuwirken.
      Es war einmal…d.h. nein, das gibt es ja immer noch.
      Nun muss man aber erwähnen, dass das Amt nichts zu sagen hat, wenn die übergeordneten Chefs, sprich die Regierenden, insbesondere der Wirtschaftsminister, Pläne ganz anderer Art im Kopf haben.

    • Avatar

      Steve

      7. Oktober 2017 10:32 at 10:32

      Jaja

      Der Kunde ist schuld das der Anbieter die Preise senken musste .

      Oder war es doch das zu hohe Angebot ?!

      Warum wollten eigentlich alle immer günstig fliegen ? Ach ja . weil seit 20 Jahren die realen durchschnittslöhne kaum gestiegen sind .

      Ergo . der Kunde ist schuld …nicht

  2. Avatar

    Martin Ebner

    6. Oktober 2017 19:49 at 19:49

    Warum eigentlich muss man sich frühmorgens diesen Flughafen-Murks antun? In früheren, nicht immer guten Zeiten gab es bequeme Bahn-Schlafwagen nach Berlin…
    Auf manchen Verbindungen gibt es die sogar heute noch, bzw. wieder:
    http://www.nightjet.com
    https://rail.cc/en/night-train/moscow-berlin-en-13m-440/507 (die russische „Luxus“-VIP-Klasse ist im Zug Moskau-Berlin-Karlsruhe-Paris ein bisschen teuer, auch der Ticket-Kauf ist nicht ganz einfach – das sollte aber für Banker kein Problem sein…)

  3. Avatar

    Tom

    7. Oktober 2017 09:37 at 09:37

    Alles kommt wieder. Kann mich noch gut daran erinnern als ein Flug von Bremen nach Berlin und retour 900 DM kostete. Früher war Alles besser!

  4. Avatar

    Phil

    7. Oktober 2017 10:23 at 10:23

    Ein erneuter subjektiver Anti-Bericht gegen die Lufthansa. Was soll das denn? Air Berlin wurde durch schlechte Manager zerstört. Die sind alleine Schuld und nicht eine Lufthansa oder Bundesregierung. Es ist immer so einfach auf andere zu zeigen. Und es darf einfach nicht sein, dass man für 19€ innerdeutsch fliegen kann/sollte. Und über den Monopolriesen Deutsche Bahn wird nicht gemeckert.

    Finanzmarktwelt ist einfach nur unterirdisch…

  5. Avatar

    Steve

    7. Oktober 2017 10:35 at 10:35

    Bessermitfahren de …preis wie zu besten Ryanair Zeiten :)

    Man sollte vielleicht noch erwähnen das man so langsam seine Flugzeugbauer aus dem Depot schmeissen sollte . das Überangebot wurde schon vor 5Jahren vorhergesagt .

    Wo sind eigentlich die Araber mit ihren Fliegern ? An einem Reiseland Deutschland müsste das angehende urlaubsland doch Interesse haben ?

  6. Avatar

    Weltenbummi345

    7. Oktober 2017 12:14 at 12:14

    Es wird in Zukunft andere Billigflieger geben, mit denen man ebenso von Düsenhausen nach Malle für Lau ( also ich will max 29 euro dafür ausgeben) fliegen können. Steht halt nicht Air Berlin mehr drauf auf den Fliegern sondern vielleicht (hoffentlich!) Ryanair.
    Billig in Zukunft fliegen muss und wird auch weiterhin möglich sein

  7. Avatar

    Schmutzfink

    8. Oktober 2017 13:56 at 13:56

    Da unsere politische „Elite“ für lau fliegt, werden sie nichts dagegen haben, dass die Lusthansa an der Schraube dreht.
    Die haben schon Adolf für lau geflogen.

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

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