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Insolvenzen: Sondereffekte bei Unternehmen und Verbrauchern

Insolvenz-Schild

Die Insolvenzen in Deutschland waren im ersten Halbjahr rückläufig gegenüber dem Vorjahr. Bei Verbrauchern sind die Lage umgekehrt aus. In beiden Fällen werden die Zahlen verzerrt durch staatliche Eingriffe, die Sondereffekte verursachten. In der folgenden Grafik sehen wir, wie die Gesamtzahl der Insolvenzen zwar ansteigt – aber nur wegen dem großen Brocken in der Mitte, den Verbraucherinsolvenzen.

creditreform hat heute Daten zu Insolvenzen veröffentlicht. Daraus sieht man zum einen den Sondereffekt auf Unternehmen. Bei der Entwicklung der Insolvenzen für Unternehmen würden weiterhin die staatlichen Corona-Hilfsmaßnahmen nachwirken – insbesondere die Aufhebung der Insolvenzantragspflicht, die bis Ende April galt, so die heutige Aussage von Creditreform. Das Insolvenzgeschehen bei den Unternehmen blieb weiter rückläufig. Im 1. Halbjahr 2021 waren 8.800 Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen – ein Rückgang um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

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Zum anderen sieht man einen Sondereffekt für die Verbraucher. Zwar steigen die Insolvenzen hier deutlich an – aber die Verbraucher sind deutlich schneller wieder raus aus der Insolvenz als vorher. Die Änderung des Verbraucherinsolvenzrechts im Oktober 2020 habe mit der verkürzten Restschuldbefreiung nämlich deutliche Erleichterungen für überschuldete Privatpersonen gebracht, so creditreform. Dies habe zu einem Dammbruch bei den Anträgen geführt (man hat also bis zum neuen Gesetz gewartet, dann erst Privatinsolvenz beantragt – weil die Restschuld-Laufzeit kürzer ist als vorher).

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen schnellte auf 46.000 Fälle deutlich nach oben. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (28.240 Fälle), als zahlungsunfähige Verbraucher in Erwartung der kommenden Rechtsänderung mit dem Insolvenzantrag warteten, entspreche das einem deutlichen Anstieg um 62,9 Prozent. Zusammen mit den „sonstigen“ Insolvenzen beläuft sich die Gesamtzahl der angemeldeten Insolvenzverfahren im 1. Halbjahr 2021 auf 65.700 (1. Halbjahr 2020: 47.970). Zuletzt wurde vor sieben Jahren ein höherer Wert registriert.

creditreform Grafik über Insolvenzen der letzten Jahre



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