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Ist der Europäische Wiederaufbaufonds ein „Game Changer“ für die Eurozone?

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Die Nachricht, dass Deutschland und Frankreich sich zusammengeschlossen haben, um ein umfassendes Konjunkturpaket in der Größe von einer halben Billion Euro ins Leben zu rufen, hat die Gemeinschaftswährung in den letzten Handelssitzungen stark ansteigen lassen. Wie immer in der Euro-Zone kann es im weiteren Verlauf der Vertiefungsgespräche jedoch mehr auf die Details ankommen als auf die Schlagzeilen. Vor etwas mehr als einem Monat kam das Thema der Corona – Bonds als möglicher europäischer Weg aus der Krise auf den Tisch. Kernpunkt ist die Nutzung des gemeinsamen europäischen Haushalts zur Finanzierung eines Wiederaufbaufonds. Die Länder des Südens, einschließlich Frankreichs, wollten eine konkrete Form der fiskalischen Integration und der gleichen Verteilung der Schulde, während die Länder des Nordens jede Idee einer gemeinsamen Schuldenausgabe ablehnten und nicht bereit waren, die Schulden anderer Länder zu begleichen.

Vorschlag von Berlin und Paris

Der französische Präsident Macron und die deutsche Bundeskanzlerin Merkel haben sich grundsätzlich darauf geeinigt, ein außerordentliches Paket von 500 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt zur Bewältigung der Covid-19-Krise aufzulegen. Dieses wird durch Anleihen auf den Märkten nach den üblichen „Kapitalschlüsselprinzipien“ finanziert werden und Teil des nächsten EU-Mehrjahreshaushalts mit verbindlichen Rückzahlungen über mehrere Haushalte hinweg sein. Die am stärksten von der Krise betroffenen Gebiete – Südeuropa – dürften am meisten profitieren, da der Fonds direkte fiskalische Anreize in Form von Zuschüssen vor allem für die Industrien in den betroffenen Regionen bereitstellen wird. Der Hauptstreitpunkt, ob der Fonds ein System rückzahlbarer Darlehen oder Zuschüsse ist, ist daher zugunsten von Ländern wie Italien und Spanien gefallen.
Gab es Alternativen?

Für Länder wie Italien würde die Schaffung von Darlehen und die Aufstockung seines Schuldenberges (200% des BIP im Jahr 2021 nach einigen Prognosen) das Land einfach auf einen äußerst schmerzhaften Weg bringen und aller Wahrscheinlichkeit nach eine weitere Schuldenkrise der EU auslösen.

Reaktionen der nordeuropäischen Länder

Wie erwartet, hat der Vorschlag bereits Skepsis bei den „sparsamen“ nördlichen Mitgliedsstaaten ausgelöst, die das meiste Geld von den Empfängern der Mitglieder zurückerstattet haben wollen. Jegliche Art der gemeinsamen Ausgabe von Schuldtiteln war stets verpönt, und es besteht auch die Sorge, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird, auch wenn der Fonds vorübergehenden Charakter hat. Sogar die Befürworter des vereinbarten Sanierungspakets haben den Gesamtumfang des Fonds in Frage gestellt, der sich über mehrere Jahre verteilt auf weniger als 4% des BIP der EU beläuft. Sie machen sich auch Sorgen über den Zeitpunkt der Freigabe, da der Mehrjahreshaushalt erst 2021 anlaufen soll.

Natürlich gibt der deutsch-französische Vorschlag, eine Bindung zwischen den beiden größten EU-Beitragszahlern, Anlass zu Optimismus. Die nächste Etappe wird die Aufgabe sein, alle 27 EU-Mitgliedsstaaten zur Zustimmung zu bewegen, einschließlich Ländern wie Österreich, den Niederlanden und Schweden. Es gilt dabei zu bedenken, dass die Verhandlungen über den regulären Sieben-Jahres-Haushalt der EU seit mehr als zwei Jahren festgefahren sind. Die Aufgabe, allen Seiten eine Einigung zu vermitteln, wird dem Präsidenten des Europäischen Rates Michel bei einem noch zu planenden Gipfel zufallen.

Bisher positive Marktreaktion

Die Spanne zwischen italienischen und deutschen Renditen sind seit der Ankündigung deutlich zurückgegangen, und die potenzielle Risikoprämie im Euro hat sich verringert. Es werden Fortschritte erzielt, ganz im Gegensatz zum GBP, wo diese Prämie mit den stotternden Brexit-Gesprächen steigt.

Nachdem die europäische Gemeinschaftswährung für fast zwei Wochen ohne nennenswerte Bewegung verharrt hat, stieg der EUR/USD über mehrere starke Widerstandsniveaus hinweg auf seinen größten Tagesgewinn der vergangenen sechs Wochen. Die Aufwärtsdynamik hat sich nun verbessert, aber die Überwindung des Anfang Mai erreichten Hochs bei 1,1017 dürfte der Schlüssel für weiteres Steigerungspotenzial sein. Auf der Unterseite fungiert die Marke von 1,0825 USD als starke Unterstützung.

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Merkel und Macron mit der Idee für den EU Wiederaufbaufonds
Merkel und Macron. Foto: Kremlin.ru CC BY 4.0

5 Kommentare

5 Comments

  1. Pingback: Aktuelle Meldungen und Nachrichten vom 20. Mai 2020 | das-bewegt-die-welt.de

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    Marco Polanzke

    21. Mai 2020 01:20 at 01:20

    Skandalös. Wann wird die Ich-wirtschafte Deutschland-runter-Merkel endlich abgesetzt. Hoffentlich setzt sich Kurz der um Sinne der Österreicher handelt durch. Ist ja nicht mehr mitanzusehen wie die Merkel Deutschland verkauft verschenkt auspressen lässt.

    • Avatar

      Kritisch on fire

      21. Mai 2020 08:58 at 08:58

      @marco polanzke.
      Hallo und Guten Morgen! Meiner bescheidenen Meinung nach handelt unser Kanzler ganz und gar nicht im Sinne der Österreicher sondern ausschließlich nur im Sinne seiner eigenen Interessen. Hr. Kurz mit seiner „Buberl-u. Mäderlpartie“ ist eine Gefahr für das Land und schert sich einen Kehricht um die Anliegen der Bevölkerung. Den Rechtsstaat tritt er mit Füßen(Thema Epidemiegesetz)und ist am Weg autokratische Gesetze durchzusetzen. Aber, er ist ein absoluter Medienprofi und blendender Verkäufer – wenn man so will der Rattenfänger von Wien. Am Ende seiner Regierungsführung wird das Land in einem absoluten Dasater dastehen und er wird sich über kurz oder lang von dem von ihm angerichteten Totalschaden verabschieden.
      Liebe Grüsse aus der Alpenrepublik!

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        Koch

        21. Mai 2020 09:57 at 09:57

        Ja,bist denn total deppert,gegrillter Kritiker!Wolln ma’s ned tauschen,unsere Grosskopfeten?Fesch ausschaun wie Euer Kurzer schliesst die Anwesenheit von genug Hirn ja nicht aus.Unsere Kommunistin in Nordkorearobe ist aber ka Sissi sondern piefkig wie nur wenige.Auf geht’s,probier ma’s.

        • Avatar

          Kritisch on fire

          21. Mai 2020 11:13 at 11:13

          Sehr geehrter Herr od. Frau KOCH!
          Wollen wir doch zumindest ein geringstes Maß an Höflichkeit walten lassen und doch eine zivilisierte Form der Kommunikation anwenden. Ich habe nichts anderes getan als meine Meinung über unseren „Überflieger“ mit seinem Kabinett kundgetan und das aus sehr guten und auch belegbaren Gründen.
          Liebe Grüße an unsere Liebligsnachbarn.

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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