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KfW-ifo-Mittelstandsbarometer hört sich hoffnungsfroh an, ist es aber nicht

Wenn diverse Konjunkturbarometer und sonstige Indikatoren brutal abstürzen, wie es durch die Coronakrise jüngst passiert war, ist es nur folgerichtig wie bei einem brutalen und schnellen Börsencrash. Es gibt eine technische Korrektur. Die Erwartung verbessert sich. Klar, wo die Stimmung am „Nullpunkt“ angekommen ist, kann sie nur noch besser werden. Aber wenn die Stimmung immer noch deutlich schlechter ist als vor der Krise, dann bleibt die Misere bestehen. Ein wirtschaftliches Dahinsiechen für viele Branchen ist möglich, auch wenn man in solchen Konjunkturbarometern in diesen Tagen viel von Aufschwung liest. So auch ganz aktuell bei frisch veröffentlichten KfW-ifo-Mittelstandsbarometer. Der Titel der KfW „Ein Seufzer der Erleichterung“ hört sich da noch recht nett und hoffnungsfroh an.

Die aktuelle Klimaaufhellung von 10,3 Zählern auf „jetzt nur noch“ minus 35,0 Saldenpunkte ist laut KfW zwar die zweitstärkste seit Beginn der Zeitreihe im Januar 2005. Sie mache allerdings nur gut ein Fünftel der Einbrüche aus dem März und April wieder wett. Getragen wird die aktuelle Stimmungsverbesserung allein von den Geschäftserwartungen, mit einem deutlichen Anstieg von 20,7 Zählern, was gut dem Siebenfachen einer üblichen Monatsveränderung entspricht. Mit -36,7 Saldenpunkten liegen die Erwartungen jedoch weiterhin deutlich im negativen Bereich. Die Geschäftslageurteile sinken geringfügig um 1,9 Zähler auf -33,3 Saldenpunkte. Der einzige Teilsektor der Volkswirtschaft, wo man mit einer wirklichen Erholung auf kurze Sicht rechnen kann, ist die Baubranche. Beim mittelständischen Bau steigt die Stimmung um 5,9 Zähler auf nur noch minus 3,2 Saldenpunkte. Hier einige Infos zum Mittelstandsbarometer auszugsweise im Wortlaut von der KfW, wo man sieht, dass abgesehen vom Bau alle Teilbereiche auch nach der aktuellen Aufhellung der Stimmung noch deutlich im Minus stecken:

So hellen sich im Mai auch die Geschäftserwartungen der großen Unternehmen nach dem Allzeittief im Vormonat historisch kräftig auf (+27,4 Zähler auf -31,8 Saldenpunkte). Demgegenüber fallen die Lageurteile auf Seiten der Großunternehmen (-4,4 Zähler auf -53,4 Saldenpunkte) weiterhin erheblich schlechter aus, sodass ihr Geschäftsklimaniveau mit -42,3 Saldenpunkten (+12,1 Zähler gegenüber April) spürbar niedriger ist als im Mittelstand.

Dementsprechend sind die Großunternehmen des Verarbeitenden Gewerbes (+8,9 Zähler auf -51,7 Saldenpunkte) unter allen Segmenten weiterhin am schlechtesten gestimmt, gefolgt von den Mittelständlern dieses Wirtschaftsbereichs (+5,9 Zähler auf -40,8 Saldenpunkte).

Unter allen Wirtschaftsbereichen am stärksten aufgehellt hat sich im Mai hingegen die Stimmung im Handel, bei dem die Wiedereröffnung der Ladengeschäfte positiv zu Buche schlägt. Sowohl im Großhandel (Mittelstand: +18,6 Zähler auf -37,9 Saldenpunkte; Großunternehmen: +16,1 Zähler auf -31,5 Saldenpunkte) und stärker noch im Einzelhandel (Mittelstand: +21,6 Zähler auf -22,2 Saldenpunkte; Großunternehmen: +25,9 Zähler auf -27,8 Saldenpunkte) zieht das Geschäftsklima deutlich zweistellig an.

Hier das Abschluss-Statement der KfW:

Auch wenn die aktuelle Stimmungsverbesserung in historischer Perspektive ausgesprochen kräftig ausfällt, ist sie doch nicht mehr als ein Seufzer der Erleichterung angesichts der jüngsten Entspannung in der Corona-Krise, die die Unternehmen nun wieder weniger pessimistisch in die nähere Zukunft blicken lässt.“ Mit dem umfassenden Corona-Schutzschirm und dem Konjunkturpaket des Staates sowie den Erfolgen bei der Zurückdrängung der Virus-Infektionen sei Deutschland zwar auf einem guten Weg. „Der Weg aus dem Corona-Tal ist aber noch lang. Er wird nur dann ohne Zwischenfälle verlaufen, wenn die weiter notwendigen Hygieneauflagen eingehalten werden. Um ihn erfolgreich zu Ende zu gehen, ist neues Vertrauen in die Zukunft der Schlüssel.“



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1 Kommentar

  1. Auch die regionalen Auswirkungen der Corona-Krise sind erstaunlich. So waren die deutschen Exporte nach China mit einem Rückgang von knapp 13% unterdurchschnittlich betroffen. Ganz anders sieht es bei den Exporten in die EU aus: Hier brachen die Ausfuhren nach Frankreich um 48% und nach Italien um rund 40% ein. Exporte in die USA sackten um fast 36% im Vergleich zum April 2019 ab.

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