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Nun droht echter Mangel - anders als in der Corona-Krise Klopapier: Krise 2.0 droht mit Exportverbot für Holz aus Russland

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Man erinnert sich noch: in der Corona-Krise hamsterten alle Klopapier, obwohl es eigentlich gar keinen objektiven Mangel gab – nun aber droht echter Mangel, sollte es zu einem Exportverbot von Holz aus Russland kommen.

Klopapier und das Hamstern

Das Skurrile am Hamstern ist ja: eigentlich ist es meistens irrational – aber wenn alle hamstern, entsteht eben die Situation, dass wer nicht hamstert, dann wirklich mit leeren Händen dastehen kann. So etwa jene Menschen in Deutschland, die sich in der Corons-Krise geweigert hatten, beim Hamstern von Klopapier mitzumachen. So lag etwa der Absatz von Klopapier zwischen 12. bis 17. Oktober 2020 mit knapp 90% höher als vor der Corona-Krise.

Nicht selten mussten dann die Nachbarn aushelfen – bis der Mangel dann schlielich beseitigt war. Denn Klopapier wird in Deutschland hergestellt, ist also in Sachen Lieferengpässe weniger gefährdet als etwa Produkte, die ausschließlich noch in China oder Indien (Antibiotika!) hergestellt werden.

Russland und die Klopapier-Krise 2.0

Aber nun droht die Klopapier-Krise 2.0, wie Bloomberg berichtet:

Nach den Klopapier-Engpässen im Zuge der Corona-Krise droht neues Ungemach angesichts von Problemen in der Lieferkette, die sich aus Russlands Invasion in der Ukraine ergeben.

In Reaktion auf die Sanktionen des Westens hat der Kreml im März die Ausfuhr von Birkenholz untersagt. Die kurzen Fasern des Baumes machen Zellstoffe weicher und sind daher ein wichtiger Bestandteil von Toilettenpapieren. Andere Hölzer aus der nördlichen Hemisphäre eignen sich besser für die Herstellung von reißfestem Papier, wie es in Wellpappkartons verwendet wird.

Nach Branchenschätzungen dürften mit den russischen Sanktionen rund 800.000 bis 1,2 Millionen Tonnen Zellstoff vom Markt verschwinden. Die Zellstoffpreise sind in diesem Jahr bereits um rund 45% gestiegen, da mit der Gaskrise die Kosten der energieintensiven Umwandlung von Holzschnitzeln in Zellulosebrei in die Höhe geschnellt sind. Mit den Strafmaßnahmen Moskaus steigt nun zudem die Konkurrenz um Holz.

“Für den Holzbedarf gibt es keine Entlastung aus dem Ausland”, erklärte Paula Horne, Analysechefin beim PTT Research Institute in Helsinki.

Nach Angaben von Eurostat ist Finnland nach Schweden der zweitgrößte europäische Produzent von Zellstoff, dem Ausgangsstoff für Hygieneprodukte wie Klopapier und Papiertaschentüchern. Früher deckte Finnland rund 10% des Holzbedarfs aus Russland.

 

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Lieferengpässe : Ungeplante Ausfallzeiten in Zellstofffabriken erreichen 2022 den höchsten Stand

Druck auf das globale Zellstoffangebot kommt auch von mehreren ungeplanten Fabrikausfällen. In diesem Jahr belastete ein Streik mehr als drei Monate lang die Produktion in Finnland. In Spanien veranlasste Trockenheit den Hersteller Ence Energia Y Celulosa SA, sein Werk in Pontevedra ab Juli zu schließen. Die brasilianische Suzano SA, der weltgrößte Zellstoffproduzent, stoppt eine Zellstofflinie in seinem Werk in Aracruz für fast 60 Tage, um im vierten Quartal eine Modernisierung durchzuführen.

Per September hat der Markt in diesem Jahr mehr als 1,4 Millionen Tonnen Zellstoff verloren. Angespannt dürfte die Lage bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2023 bleiben, erwartet Analyst Rafael Barcellos von Santander. Er geht davon aus, dass die Preise erst dann allmählich sinken werden, wenn im Bau befindlichen Zellstoffwerke in Chile und Uruguay im nächsten Jahr mit der Auslieferung ihrer Produkte beginnen.

Zellstoffkunden in Europa sind besorgt und suchen in anderen Teilen der Welt nach Angebot. Die Nachfrage der Käufer sei schwer zu bewältigen, sagte Leonardo Grimaldi, Vertriebsmanager bei Suzano.

Der finnische Papier- und Verpackungshersteller Stora Enso Oyj hat in Reaktion auf die schwindenden Ressourcen aus Russland Rezepturen angepasst, um Zellstoff aus langen Fasern verwenden zu können. Die Veränderungen machen Papier stärker aber auch weniger weich und teurer.

Mit den steigenden Zellstoff- und Energiekosten schrumpfen bei den Papierherstellern die Margen. Manche Hersteller haben sich entschlossen, die Produktion zu senken. Der Toilettenpapierhersteller Metsa Tissue warnte, dass weitere Drosselungen wahrscheinlich seien. Die schwedische Essity AB hat die Preise angehoben. Der deutsche Toilettenpapier-Riese Hakle hat angesichts des Kostenschocks bei Energie und Rohstoffen Insolvenz angemeldet.

FMW/Bloomberg

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2 Kommentare

  1. Essig, Nein Schreibprogramm, ESSITY B Class Aktie c.a. 20 Euro, Spitze 30 Euro. Ganz schön zerbresselt.
    Mutterkonzern in Stockholm.
    Essity hat für 40 Millionen Euro im Werk Mannheim , Stroh zur Verwertung zu Papier geforscht und zur Herstellung, technisch erreicht.
    Wird anscheinend zur Papierherstellung mit beigemischt.
    Stroh wurde vor Jahrhunderten schon gerne……………na, des glaub i etz a net.

  2. Die Supermärkte könnten Kunden erneut bitten, den ein oder anderen Artikel nur im Rahmen einer bestimmten Höchstmenge zu kaufen.

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