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Energiekrise LNG: Neue Anlagen im Rekordtempo – weg von Russland-Abhängigkeit

LNG-Projekte werden aktuell in Windeseile umgesetzt.

Über Wilhelmshaven soll viel Gas ins deutsche Netz gelangen

Vier Wochen früher als geplant starteten in Friedeburg die Bauarbeiten für die Anschlussleitung an das deutsche Importterminal für verflüssigtes Erdgas (LNG) in Wilhelmshafen. Über den Baustart informierten der deutsche Fernleitungsnetzbetreiber Open Grid Europe OGE und Niedersachsens Umweltministerium am 4. August. „Wir sind sehr froh, den Anschluss des ersten deutschen LNG-Terminals in Wilhelmshaven bis zum Speicher nach Etzel an das deutsche Ferngasnetz jetzt mit konkreten Baumaßnahmen voranzutreiben. Unser Ziel, Ende des Jahres mit diesem ersten Terminal für Deutschland in Betrieb gehen zu können, bleibt im Plan. Das ist ein echter Mutmacher in einer Zeit, in der wir täglich mit schlechten Nachrichten über die Versorgungssicherheit konfrontiert sind“, sagte der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies.

Erdgasleitung für LNG und Wasserstoff geeignet

Die 26 Kilometer lange Erdgasleitung soll das schwimmende LNG-Terminal in Wilhelmshaven mit dem deutschen Erdgasnetz in Etzel anbinden. Der Ort Etzel gehört zur Gemeinde Friedeburg, in dem sich eine Reihe von Gaskavernenspeichern befinden. „Für die kurzfristige Planung und Umsetzung vor Ort war uns eine sehr zügige Genehmigung wichtig. Wir in Niedersachsen setzen dieses Projekt in neuer Deutschlandgeschwindigkeit um. Daran haben viele Kolleginnen und Kollegen in den Genehmigungsbehörden zum Teil Tag und Nacht gearbeitet“, unterstrich Lies.

Durch die gute und enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Behörden und Unternehmen ließ sich dieser wichtige Meilenstein erreichen. „Wir müssen jetzt den Schwung nutzen und die Leitung in diesem Jahr fertigzustellen. So werden wir einen Beitrag zur Diversifizierung der Lieferquellen und zur Erhöhung der Unabhängigkeit von Russland leisten,“ erklärte Thomas Hüwener, Mitglied der Geschäftsführung der OGE. Die Anschlussleitung sei zudem zukunftsfähig, weil sie auch für den späteren Transport von Wasserstoff tauglich sei.

Fortschritt in Wilhelmshaven

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck war indessen beim Einrammen der ersten Pfosten der Hafeninfrastruktur in Wilhelmshaven dabei. „Wir haben gerade die Rammung des LNG-Terminals begonnen. D.h. ab jetzt wird gearbeitet mit der Perspektive, dass hier in Wilhelmshafen und ein bisschen weiter nördlich in Brunsbüttel zum Jahreswechsel zwei LNG-Terminals da sind“, sagte er hierzu in einem Video. Diese Terminals würden 10 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland bringen. Zuletzt bezog Deutschland aus Russland rund 50 Milliarden Kubikmeter Gas. Die Importabhängigkeit von russischem Gas lag bei 55 Prozent. Durch Verbrauchssenkung hat sich diese sich laut Habeck auf 35 Prozent reduziert.

LNG soll Deutschland unabhängig von Russland machen

Das Besondere sei nun, „dass der Rammschlag losgegangen ist“. Als die Planungen für das LNG-Projekt losgingen, hieß es, dass so etwas normalerweise fünf oder acht Jahre dauere, so Habeck. Aus diesen fünf oder acht Jahren könnten sehr schnell 15 und 18 Jahre werden. Mit Blick auf noch auszuführende Bagger- und Rohrverlegearbeiten sagte Habeck: „Wenn das gelingt, haben wird das in zehn Monaten geschafft, was sonst wahrscheinlich zehn Jahre dauern würde.“

Das sei nur möglich gewesen, weil alle beteiligten Behörden, Ministerien, Bauunternehmen und Stahlwerke, die die Rohre produziert haben, am rechtlichen Rahmen das Maximum herausgeholt hätten. Die Einladung zum Rammschlag habe bereits seit drei Wochen vorgelegen, während das Schiff, das die Rammung vorgenommen hat, erst gestern Nacht gekommen sei. Habecks Szenario ist: „Wenn wir diese Infrastruktur haben und die Speicher voll haben, dann kommen wir über den Winter.“ Käme kein Gas aus Russland mehr nach, könnten zwei weitere LNG-Terminals im kommenden Mai Abhilfe schaffen. „Dann haben wir vier Kapazitäten, zusätzlich Gas nach Europa und Deutschland zu bringen. Das ist das Szenario, um uns unabhängig zu machen.“

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Logischer Schritt von LNG zu Wasserstoff

Das Interessante an Wilhelmshaven und an anderen Standorten sei, dass alles für Wasserstoff ausgerichtet und somit der Klimaneutralität nicht entgegenstehen werde. Die neue Infrastruktur ist für Habeck „der nächste logische Schritt. Gerade „das Cluster Wilhelmshaven wird gebraucht, um die Klimaneutralität in Deutschland sicherzustellen.“ Die Arbeitsgeschwindigkeit sei ein Beispiel. Ganz so schnell müsse in Zukunft nicht gehen. Doch ein Tick von der Geschwindigkeit ließe sich übernehmen. „Wir können die dreifache Geschwindigkeit schaffen, und das ist die Lektion vor tragischem Hintergrund aus dem, was wir alles hier gerade machen. Wir können besser werden, und wir werden besser werden“, sagte Habeck.

Offizieller Baustart für das schwimmende LNG-Terminal (Floating Storage und Regasification Unit, FSRU) in Wilhelmshaven war am 4. Juli. „Über dieses Terminal sollen schnellstmöglich bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr umgeschlagen werden. Dies entspricht etwa 8,5 Prozent des aktuellen deutschen Gasbedarfs pro Jahr“, teilte der Betreiber Uniper im Juli mit. Mit diesem Terminal will Uniper „hoffentlich noch im Winter 2022/2023 einen wesentlichen Beitrag zu mehr Unabhängigkeit Deutschlands bei den Erdgaslieferungen leisten. Mittel- und langfristig stellen wir mit unserem Wasserstoffprojekt Green Wilhelmshaven die Weichen für eine noch klimaschonendere Energieversorgung“, erklärte Klaus-Dieter Maubach, CEO Uniper.



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5 Kommentare

  1. Super, teures LNG. Da können wir Stolz drauf sein. Nur wer bezahlt das teure und umweltschädliche Gas?

  2. Wäre doch mal interessant, wenn hier mal erwähnt würde, wo denn die LNG Tanker bereitstehen, um das Gas zu transportieren.
    Ich denke nicht, dass die Tanker irgendwo in Warteposition s7tehen.
    Um N1 zu ersetzen, werden etwa 360 Tanker Ladungen im Jahr benötigt.

    1. Glückwunsch an die beteiligten Behörden, die durch die Schnelligkeit der Zulassungen und Bescheinigungen zeigen, das Sie teilweise Überflüssig sind.

  3. Unabhängig macht sich damit Deutschland wenn dann nur etwas mehr von Russland, es entstehen aber gleichzeitig mehr Abhängigkeiten. Irgendjemand muss das Gas ja liefern.

  4. Super, da geht ja was. Vermutlich haben sich ein oder zwei Chefs über die bescheuerte Bürokratie und den Beamtenapparat hinweg gesetzt und alle Bremser und Zauberer zum Aktenzählen in den Keller geschickt. Die Verwaltungshochschulen, die uns die Bürokratie einbrocken müssen schäumen vor Wut.

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