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Manipulation an den Aktienmärkten, Teil 4: Konkursverschleppung von Unternehmen und Staaten

Über das unglaubliche Versagen der Ratingagenturen und Banken-Risikomodelle

Redaktion

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am

Von Bullennörgler

Vereinfacht ausgedrückt erfolgt die Einschätzung von Insolvenzprognosen analog der Ermittlung des Risikoaufschlags bei Krediten. Das Standardrisikomaß im Finanzsektor ist dabei das „Value at Risk“, welches Markt- und Kreditrisiken abbildet. In der Praxis ermitteln solche und andere Risikokennzahlen Ratingagenturen sowie Finanzunternehmen wie Goldman Sachs auf die sich dann fast der ganze Weltfinanzsektor verlässt. Wenn ein gesunder Anbieterwettbewerb, gute Modelle, Expertise sowie Unabhängigkeit gegeben und Eigeninteressen ausgeschlossen sind, gibt es gegen dieses Vorgehen auch nicht viel einzuwenden.

 

Die großen Drei

Erstaunlicherweise erfolgt aber die Bewertung und Analyse von Wirtschaftsunternehmen, Banken und Staaten hinsichtlich ihrer Bonität und Risiken durch nur drei Ratingagenturen. Standard and Poor’s ist die dominierende Ratingagentur neben den kleineren Unternehmen Moody’s und Fitch Ratings. Die großen Drei beherrschen ca. 95 Prozent des Weltmarkts. Auch sind die Eigentümer von S&P Global und Moody’s weitestgehend dieselben. Es sind amerikanische Fond- und Investmentgesellschaften wie Vanguard, BlackRock, Berkshire Hathaway, Capital World und State Street.

Dass hier nicht Unabhängigkeit sichergestellt ist und Eigeninteressen vorhanden sind, liegt auf der Hand. Auch erfolgt regelmäßig politische Einflussnahme durch die US-Regierung und so ist es auch weniger erstaunlich, dass z.B. in der letzten Finanzkrise aus risikofreien AAA-Papieren über Nacht Ramsch werden konnte.

 

Goldman Sachs

Ähnliches berichtete die FINANCIAL TIMES über die Prognosefähigkeiten von Goldman Sachs. So wurde im Jahre 2007 bei Ausbruch der Finanzkrise von Goldman Sachs an mehreren Tagen in Folge 25-Sigma-Ereignis vermeldet. Um es greifbarer zu machen, hat die Nottingham Business School das mal nachgerechnet (How Unlucky is 25-Sigma, https://arxiv.org/ftp/arxiv/papers/1103/1103.5672.pdf )?

  • Ein 3-Sigma-Ereignis kommt alle 741 Tage vor, also ungefähr einmal in drei Jahren.
  • Ein 4-Sigma-Ereignis kommt alle 31.560 Tage vor, also einmal in 126 Jahren.
  • Ein 5-Sigma-Ereignis kommt alle 2.483.046 Tage vor, entspricht allen 13.932 Jahren. So lange ist die Eiszeit her.
  • Ein 6-Sigma-Ereignis kommt alle 1.009.976.678 Tage vor – also einmal in 4.039.906 Jahren – so lange gibt es den heutigen Menschen.
  • Ein 7-Sigma-Ereignis einmal in 3.105.395.365 Tagen. – fünfmal länger als es Leben auf der Erde gibt.

Die Wahrscheinlichkeit für ein 25 Sigma Ereignis ist so hoch, wie ein Lottogewinn von mehr als 21 Mal in Folge!

Ein anderes Beispiel meldete Goldman, als die Schweiz die Bindung des Franken an den Euro auflöste. Diesmal handelte es sich angeblich um ein 20-Sigma-Ereignis. Was so unwahrscheinlich ist, dass die Anzahl Jahre, die es dauert, bis so ein Ereignis eintritt, zehnmal größer ist, als die geschätzte Anzahl an Partikeln im gesamten Universum.

Trotz dieses unglaublichen Versagens der Ratingagenturen und Risikomodelle hat sich nichts grundlegend geändert, so dass bei der nächsten Krise wieder alle ganz überrascht von angeblich unvorhersehbaren Ereignissen sprechen werden.

Durch diese falschen/manipulierten Ratings und darauf aufbauenden Financial Engineerings der Unternehmen sind seit dem Ende der Finanzkrise die Schulden im Unternehmenssektor auf über 45% der Wirtschaftsleistung gestiegen, was sogar die Höchstwerte während der Internet-Hausse und des Immobilienbooms übertrifft.

 

Quelle: Finanzen und Wirtschaft

 

Zombie-Firmen

In Verbindung mit den sehr geringen Zinsen bergen die auf Basis der falschen/manipulierten Ratings vergebenen Kredite zwei enorme Risiken:

  • Ersten haben sogenannte Zombie-Unternehmen immer noch Kredite bekommen, obwohl sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Ihr Konkurs wurde dadurch aber nur aufgeschoben.
  • Zweitens haben eigentlich gesunde Unternehmen ihre Kreditwürdigkeit dazu ausgenutzt, sich stark zu verschulden um eigene Aktien zurückzukaufen sowie hohe Dividenden auszuzahlen. In einer Rezession sind dann die Rücklagen sehr schnell aufgebraucht, so dass auch viele dieser eigentlich gesunden Unternehmen Konkurs anmelden müssen.

Das heißt Zombie-Unternehmen wie auch ein Teil der eigentlich gesunde Unternehmen und somit die gesamte Volkswirtschaft können es nicht leisten, dass Ratings angepasst werden oder Zinsen steigen. Es ist deshalb zu vermuten, dass die Anzahl der verschleppten Konkurse in der nächsten Krise nachgeholt werden und die Auswirkungen auf die normalen Arbeitnehmer deutlich schlimmer werden als bei der letzten Krise.

 

Den 5. und letzten Teil der Serie „Manipulationsskandale als Kurstreiber der Aktienmärkte“ mit dem Titel „Was wird passieren und was soll man tun?“ lesen Sie hier..

 

Hinweis zum Autor: Der Bullennörgler ist ausgebildeter Wirtschaftsingenieur sowie selbständiger Unternehmer und als solcher ein unabhängiger Beobachter der Weltwirtschaft. Sein Vermögen verwaltet der Bullennörgler erfolgreich seit mehr als zwei Jahrzehnten selbst. Als aktiver Anleger hat er den Japan-Boom und Crash, die Flash Crashs 1987 und 1989, den Dotcom Boom und Crash, die Finanzkrise und die Eurokrise miterlebt. Nur bei einem dieser Crashs war er mit einer hohen Aktienquote investiert. Sein Credo ist unabhängiges Selberdenken und Rumnörgeln an intransparenten oder interessengesteuerten Wirtschaftsstrukturen, Nachrichten und Medien.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Michael

    30. April 2019 11:41 at 11:41

    Großes Lob an den Bullennörgler! Ihre bisherigen 4 Teile über Manipulation an den Aktienmärkten finde ich sensationell gut. Fundiert, informativ und dennoch für jedermann verständlich geschrieben, kein Fach-Kauderwelsch, wie wir es vom großartigen Segler seinerzeit immer ertragen mussten.

    Kommentare und redaktionelle Beiträge wie diese oder die von @Wolfgang M. wären sehr wünschenswert anstelle des kontinuierlichen rechstpopulistischen Gewäschs über eine angebliche links-sozialistische Flutwelle, die über unser schönes Schland hereingebrochen ist.

  2. Avatar

    Marko

    30. April 2019 12:46 at 12:46

    Wann kommt der erste Teil bezüglich der Manipulationen an den Anleihemärkten, lassen Sie mich raten,… gar nicht ? :D

    sagt Ihr Bärennörgler ? ;)

    „Vereinfacht ausgedrückt erfolgt die Einschätzung von Insolvenzprognosen analog der Ermittlung des Risikoaufschlags bei Krediten. Das Standardrisikomaß im Finanzsektor ist dabei das „Value at Risk“, welches Markt- und Kreditrisiken abbildet. In der Praxis ermitteln solche und andere Risikokennzahlen Ratingagenturen sowie Finanzunternehmen wie Goldman Sachs auf die sich dann fast der ganze Weltfinanzsektor verlässt. Wenn ein gesunder Anbieterwettbewerb, gute Modelle, Expertise sowie Unabhängigkeit gegeben und Eigeninteressen ausgeschlossen sind, gibt es gegen dieses Vorgehen auch nicht viel einzuwenden.“

    Goldman Sachs und „gesund“ bzw, „vertrauenswürdig“ ? Wie war das noch mal mit ihren (GS-) ABS-Wetten gegen den Markt, und „gewissen“ Südländern, die sich unter Mithilfe von GS defintiv in den EUR „herein gemogelt“ haben ? – Ihr „Bären“ wisst von nix, na klar…

    Die (US-) Ratingagenturen sind natürlich nicht manipuliert, die (US-)Ratingagenturen erklären höchst selbstverständlich vollkommenst „wertneutral“ den Markt…

    Ich kann diesbezüglich nur eines sagen : Schaut doch mal auf EUR/USD – Kurs : das ist der Markt !

    Oder, das ist alles gelogen ? – Kann ja sein ?! Also Ihr Bären, langsam….

    Ist eine ausgewiesene Marktmanipulation der Anleihemärkte durch die EZB mit Billigst-Zinsen gesund ? – Ist es das ?

    Na dann, viel Spaß

    Hier mal „Futter“ für Euch :

    https://www.onvista.de/news/kutzers-zwischenruf-schock-fuer-sparer-nie-mehr-zinsen-221011805

    „Hallo allerseits! Die gute Nachricht vorweg: Es geht um eine Meinung, eine Prognose – nicht um eine gesicherte Tatsache. Die schlechte Nachricht: Uns drohen Jahrzehnte ohne Zinsen. Das wäre eine Katastrophe für die deutschen Kontensparer und nicht nur die). Wer das sagt, ist nicht irgendeiner, sondern Martin Lück. Und der denkt und handelt für Blackrock, den größten Vermögensverwalter der Welt. In einem FAZ-Interview (ein Muss für Euch alle!) wird ihm die Frage gestellt: Wie lange werden wir mit niedrigen Zinsen leben müssen? Womöglich gar Jahrzehnte? Lücks Antwort: „Ich halte das für ein plausibles Szenario. Japan erlebt eine solche Situation nun ja schon seit dem Ende des vergangenen Jahrhunderts. Zwischen Japan und Europa bestehen erschreckende Parallelen. Erstens hat sich Europa viel zu lange Zeit gelassen mit der Reparatur des eigenen Bankensystems. So ähnlich war das damals auch in Japan. Noch problematischer ist aber eine zweite Parallele, die Demographie. Japan hat die am schnellsten alternde Bevölkerung der Welt. Auf den Plätzen zwei und drei folgen ausgerechnet zwei europäische Volkswirtschaften, nämlich Italien und Deutschland. Eine alternde Bevölkerung, der es an Nachwuchs mangelt, kann das Wirtschaftswachstum aber nicht in gleichem Maße in Schwung halten. Wir müssen uns also auf ein strukturell geringeres Wirtschaftswachstum als in der Vergangenheit einstellen. Und in einem solchen Szenario ist mit hohen Zinsen nicht zu rechnen.“

    So so „Blackrock“ der schwarze Felsen, das sagt schon alles… :D

    Den YEN mit dem EUR zu vergleichen, das sind „Welten“ – wie gesagt, liebe Bären…

    Ihr zieht alle Register, nur weiter so… Wir Bullen sammeln Eurer Geld auf… So einfach ist das.
    Punkt.

  3. Pingback: *** Die heutigen Meldungen sollte man kennen! *** | das-bewegt-die-welt.de

  4. Avatar

    Macwoiferl

    30. April 2019 14:38 at 14:38

    @Marko: Was Du faseln?
    Ahso Du bist Bulle. Na dann. Kauderwelsch, klaro.
    Nie war es so einfach reich zu werden – man muss nur die drei, vier Mafio Droghischen Gesetze der Marktmanipulation verstanden haben: nach oben, whatever it takes, und wenns das Leben kostet. Zur Not Verkaufsverbot (war Thema in fmw!)
    Damit das net so nach Gier klingt nennen wir das „moderne monetäre Theorie“ (die ausgehen wird wie die Theorie des Ikarus, mit gewachsten Flügeln fliegen zu können. Sorry, war nur eine Theorie. Nächstes Mal klappts!)
    Bulle = gieriger Mitläufer. Kann man machen. Sehr, sehr einfach gestricktes hirnloses Tun in diesen Zeiten.
    Bär = überlegt was er tut (dank Gehirn): soll ich einsteigen in einen Markt, der so manipuliert ist und unberechenbar? Der mit Wirtschaft rein GAR NIX mehr zu tun hat?,
    Respekt vor allen, die nachdenken.

  5. Pingback: Diese Artikel und Zahlen sollte man kennen! | das-bewegt-die-welt.de

  6. Avatar

    Marko

    30. April 2019 17:33 at 17:33

    Apropos Manipulation an den Märkten, der US-Präsidient ist diesbezüglich kein Kind von Traurigkeit :

    https://www.onvista.de/news/us-praesident-trump-verklagt-die-deutsche-bank-aktie-bleibt-unbeeindruckt-221052021

    https://www.onvista.de/news/die-geschaefte-der-deutschen-bank-mit-trump-ueber-die-jahrzehnte-2-milliarden-geliehene-dollar-203273339

    https://de.finance.yahoo.com/nachrichten/trump-familie-verklagen-deutsche-bank-071201987.html

    Sowas würde „unser(en) Kanzeler(in) sofort „killen“, tut mir leid …

    Da ist der EUR/Europa an sich „eisenhart“ und ehrlich, während sich die Amis in die Tasche lügen…

    soviel zu Thema, ist die FED / sind Amis die „Leader“, der Welt, das behauptet Ihr doch ?

    Sorry, bei sowas fliegt ein „Leader“ hochkant raus in Europa…

    natürlich hat der Donlad versagt siehe „Altlaic-city“

  7. Avatar

    Marko

    30. April 2019 17:52 at 17:52

    Ach Macwoiferl,

    „Bulle = gieriger Mitläufer. Kann man machen. Sehr, sehr einfach gestricktes hirnloses Tun in diesen Zeiten.
    Bär = überlegt was er tut (dank Gehirn): soll ich einsteigen in einen Markt, der so manipuliert ist und unberechenbar? Der mit Wirtschaft rein GAR NIX mehr zu tun hat?“

    wie gesagt, gehe short. verkaufe den Markt. wo liegt denn Dein Problem ? – Lass mich raten, der Markt fällt nicht ?

    Ja natürlich bin ich ein „hirnloser“ Bulle, und dann ?

    Der Markt hat mit den Anleihemarkt GAR NIX MEHR zu tun, und dann.. ?

    Dann gehe ich short in den Aktienmarkt, genau…

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US-Wahl: Noch drei Monate Unsicherheit – Wall Street hat Trump abgehakt

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Nur etwas mehr als eine Woche dauert es bis zur US-Wahl, aber fast 90 Tage sind es noch, bis in den USA die Amtseinführung des neuen bzw. alten Präsidenten stattfindet. Bis dahin sind große Würfe im US-Kongress in Sachen Wirtschaftshilfen unwahrscheinlich. Können die Aktienmärkte ihren Optimismus auch gegen die ungewöhnliche Vielfalt an Unsicherheiten aufrechterhalten und ihre Kursniveaus verteidigen – oder droht ein neuer Crash?

US-Wahl der Extreme

Die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 finden in einer Zeit statt, in der die Finanzmärkte mit außergewöhnlichen Unsicherheiten konfrontiert sind. Diese begannen schon vor gut einem Jahr mit der Beinahe-Implosion des US-Repo-Marktes. Damals konnte nur durch Notfallmaßnahmen der US-Geldpolitik in Form von Interventionen am Geldmarkt und durch die zur Verfügung Stellung von internationalen US-Dollar-SWAP-Linien ein Kollaps des Bankensystems verhindert werden.

Ohne die anhaltende und im Zuge der Pandemie sogar noch drastisch ausgeweitete Notfallpolitik der US-Notenbank Fed wäre der Stress am Markt für US-Repo-Geschäfte wohl auch ein Thema bei der US-Wahl gewesen. Schließlich war es auch die hohe Neuverschuldung durch das US-Finanzministerium die zu der Liquiditätsaustrocknung am Markt für kurzlaufende US-Staatsanleihen führte. Dabei lautete eines der spektakulärsten Wahlversprechen von Donald J. Trump gegenüber The Washington Post im April 2016 die damals 19,3 Billionen US-Dollar hohen Bundesschulden im Falle seiner Wahl innerhalb von nur acht Jahren komplett zu tilgen. Auch ohne die Kosten der Corona-Pandemie war das utopisch und nichts weiter als billige Wahlkampfpropaganda. Die Schuldenuhr zeigt gemäß US-Finanzministerium zum 22. Oktober 2020 übrigens einen Stand von 27,1 Billionen US-Dollar an (Public Total Debt). Ein Anstieg um 7,3 Billionen US-Dollar bzw. 36 Prozent seit dem Amtsantritt von Präsident Trump im Januar 2017.

Weitere Unsicherheitsfaktoren für die zukünftige Wirtschafts- und Gewinnentwicklung in den USA sind neben der wieder stark an Dynamik gewinnenden Corona-Pandemie die Zerschlagungsbestrebungen von „Big Tech“, die nach wie vor prekäre Lage am US-Arbeitsmarkt mit über 30 Millionen Transferleistungsempfängern sowie saisonbereinigt rund 12,6 Millionen Arbeitslosen im September 2020.

Fast unbemerkt von den Devisenmärkten hat sich kurz vor der US-Wahl das Handelsbilanzdefizit der USA mit 67,1 Mrd. US-Dollar im August 2020 auf das höchste Niveau seit der Lehman-Krise im Jahr 2008 aufgebläht. Der Handelskrieg, nicht nur mit China, konnte diese Entwicklung nicht verhindern. Nach wie vor sind die USA in der Gesamtbetrachtung nicht in der Lage, in vielen Sektoren international wettbewerbsfähig zu sein (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Die Herausforderungen, mit denen die USA in Friedenszeiten während dieser US-Wahl konfrontiert werden, sind einmalig. Dies gilt auch für den Amtsinhaber Donald J. Trump, der in vielen seiner Handlungen und Worte sehr unkonventionell und extrem anmutet. Man kann nur spekulieren, wie ein Präsident oder eine Präsidentin anderen Charakters eine solche Gemengelage meistern würde.

Der heimliche Präsident tritt bei der US-Wahl gar nicht an

In Kombination mit dem US-Staatsdefizit in Höhe von ca. 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ergibt sich mit dem Defizit im Außenhandel ein fatales Bild für die größte Volkswirtschaft der Welt. Das Mantra des stärksten und mächtigsten Landes der Welt ist nur noch eine hohle Phrase, basierend auf der Androhung von Waffengewalt und extraterritorialen Repressalien. Ob die Welt ohne diesen Status besser dastünde, ist seriös nicht prognostizierbar und auch nicht, wie lange diese Epoche der US-Dominanz noch währt.

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet aber weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed, die beliebig viele Dollars zum Ausgleich des Zwillingsdefizits und zur Aufrechterhaltung der US-Wirtschaft erzeugen kann. Natürlich auch, um die Party im Börsensaal auf der Titanic in Schwung zu halten. Dem heimlichen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Jerome Hayden „Jay“ Powell und seinem Offenmarkt-Komitee sei Dank.

Die Bilanzsumme der US-Notenbank (Fed) hat nun kurz vor der US-Wahl mit einem Gesamtvolumen von 7,18 Billionen US-Dollar das absolut und in Relation zum jährlichen BIP höchste Niveau aller Zeiten erreicht. Dabei kann man den geldpolitischen Akteuren keine Parteinahme für den ein oder anderen Kandidaten im US-Wahlkampf unterstellen. Die Intention der anhaltenden Geldflutung des Finanzsystems ist schlicht und einfach, dessen Existenz weiterhin sicherzustellen. Gegen diese Zwangslage wird auch in Zukunft keiner der zur Wahl stehenden Kandidaten Politik betreiben können. Damit manifestiert sich die Rolle der zum Teil in privater Hand befindlichen Fed als Staat im Staate weiter und die Demokratie US-amerikanischer Prägung wird trotz Wahl endgültig zur Illusion.

Die Wallstreet hat Trump schon abgehakt

Die Finanzmärkte haben diesen Zusammenhang längst hergestellt, was auch erklärt, warum sich die Vermögenspreise trotz der Vielfalt extremer Unsicherheiten, inkl. dem Ausgang der US-Wahl, in luftigen Höhen bewegen. Besonders deutlich wird dies an der positiven Korrelation zwischen steigenden Umfragewerten für den Herausforderer Joseph Biden und der Zuversicht auf ein noch größeres, von der Fed finanziertes Stimulusprogramm. Für diese Aussicht ignoriert man sogar mögliche Steuererhöhungen für Einkommensmillionäre und Unternehmen im Falle eines Sieges der Demokraten bei der US-Wahl.

Aus Sicht vieler tief religiöser Trump-Wähler stellt sich ohnehin die Frage, warum man den exzentrischen Präsidenten nochmals wählen sollte? Schließlich hat er mit der Neubesetzung des obersten Gerichts und der größten Steuerreform der letzten 35 Jahre schon sehr viel erreicht. Wie viel mehr könnte er in einer zweiten Amtsperiode noch erreichen, was sein exzentrisches und volatiles Verhalten aus Sicht evangelikaler und katholischerer Wähler entschuldigt?

Die Zeitlücke nach der US-Wahl

Lediglich die zeitliche Verzögerung zwischen dem Wahltermin am 3. November und der Amtseinführung am 20. Januar könnte bei dieser US-Wahl ein besonderes Risiko darstellen. Die Zahlungen aus den Corona-Hilfspaketen gehen bereits seit August deutlich zurück, die zweite Welle der Pandemie schließt in den USA mit neuen Rekordansteckungen nahtlos an die erste Welle an. Wie lange wird es dauern, bis sich dies in der Konsumentenstimmung sowie den Konjunktur- und Unternehmenszahlen niederschlagen wird?

Ein nochmaliger Corona-Crash als erneute Einstiegsopportunität?

Im wahrscheinlichsten Fall wäre ein nochmaliger Rückschlag bei den Vermögenspreisen eine ebenso lohnenswerte Einstiegsmöglichkeit wie bereits während des Lockdown-Crashs im März dieses Jahres.

Man sollte also trotz aller Risiken nicht zu viele Chips vom Tisch nehmen, auch wenn die Gemengelage zur Vorsicht mahnt. Doch Fakt bleibt: Auf die Fed ist Verlass und deren Pulverkammern, bestehend aus ungedecktem digitalem FIAT-Geld, sind unlimitiert und können unabhängig von finanzpolitischen Entscheidungen des Kongresses die Unternehmen, die Verbraucher und die Finanzmärkte stützen.

Fazit und Ausblick

Mag man zu den US-Präsidentschaftskandidaten stehen, wie man will, für die Finanzmärkte spielt die Musik schon lange nicht mehr in der Pennsylvania Avenue 1600 in Washington (Weißes Haus), sondern Ecke Constitution Ave NW und 20th St. NW (Board of Governors of the Fed).
Besonders bei dieser US-Wahl spielen für Anleger starke Nerven und das Aushalten hoher Volatilität eine große Rolle. Ebenso wie ein gesunder Opportunismus. Dabei ist es für den Anlageerfolg unerheblich, welchen Kandidaten man persönlich präferiert oder ob man an dieses oder jenes glaubt oder nicht glaubt. Entscheidend ist das Verständnis für den Zusammenhang zwischen digitaler Notenpresse und Vermögenspreisen. Diese Konstante wird uns mit weiter zunehmender Bedeutung noch eine Weile erhalten bleiben.

Die US-Wahl bringt zunächst Unsicherheit, aber entscheidend für die Aktienmärkte ist die Fed

 

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Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Das sind die Anleihemärkte, die mit steigenden Renditen von einem klaren Sieg von Joe Biden und den US-Demokraten ausgehen und daher mit einem großen Stimulus rechnen. Die Aktienmärkte dagegen scheinen noch unentschlossen und fokussieren sich auf das kurzfristige Geschehen, ergo die Hoffnung auf einen Stimulus noch vor der US-Wahl. Anders aber sieht es der Devisenmarkt: der US-Dollar bleibt robust, große Player haben ihre Wetten auf einen fallenden Dollar aufgelöst. Wenn aber der Dollar nicht schwächer wird heißt das, dass es den von den Anleihemärkten prognostizierten klaren Sieg der US-demokraten bei der US-Wahl nicht geben wird. Haben also die Devisenmärkte recht – oder doch die Anleihemärkte?

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

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Rüdiger Born: Gute Laune bei Dax und S&P 500 – Rücksetzer möglich?

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