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Manipulation an den Aktienmärkten, Teil 4: Konkursverschleppung von Unternehmen und Staaten

Über das unglaubliche Versagen der Ratingagenturen und Banken-Risikomodelle

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Von Bullennörgler

Vereinfacht ausgedrückt erfolgt die Einschätzung von Insolvenzprognosen analog der Ermittlung des Risikoaufschlags bei Krediten. Das Standardrisikomaß im Finanzsektor ist dabei das „Value at Risk“, welches Markt- und Kreditrisiken abbildet. In der Praxis ermitteln solche und andere Risikokennzahlen Ratingagenturen sowie Finanzunternehmen wie Goldman Sachs auf die sich dann fast der ganze Weltfinanzsektor verlässt. Wenn ein gesunder Anbieterwettbewerb, gute Modelle, Expertise sowie Unabhängigkeit gegeben und Eigeninteressen ausgeschlossen sind, gibt es gegen dieses Vorgehen auch nicht viel einzuwenden.

 

Die großen Drei

Erstaunlicherweise erfolgt aber die Bewertung und Analyse von Wirtschaftsunternehmen, Banken und Staaten hinsichtlich ihrer Bonität und Risiken durch nur drei Ratingagenturen. Standard and Poor’s ist die dominierende Ratingagentur neben den kleineren Unternehmen Moody’s und Fitch Ratings. Die großen Drei beherrschen ca. 95 Prozent des Weltmarkts. Auch sind die Eigentümer von S&P Global und Moody’s weitestgehend dieselben. Es sind amerikanische Fond- und Investmentgesellschaften wie Vanguard, BlackRock, Berkshire Hathaway, Capital World und State Street.

Dass hier nicht Unabhängigkeit sichergestellt ist und Eigeninteressen vorhanden sind, liegt auf der Hand. Auch erfolgt regelmäßig politische Einflussnahme durch die US-Regierung und so ist es auch weniger erstaunlich, dass z.B. in der letzten Finanzkrise aus risikofreien AAA-Papieren über Nacht Ramsch werden konnte.

 

Goldman Sachs

Ähnliches berichtete die FINANCIAL TIMES über die Prognosefähigkeiten von Goldman Sachs. So wurde im Jahre 2007 bei Ausbruch der Finanzkrise von Goldman Sachs an mehreren Tagen in Folge 25-Sigma-Ereignis vermeldet. Um es greifbarer zu machen, hat die Nottingham Business School das mal nachgerechnet (How Unlucky is 25-Sigma, https://arxiv.org/ftp/arxiv/papers/1103/1103.5672.pdf )?

  • Ein 3-Sigma-Ereignis kommt alle 741 Tage vor, also ungefähr einmal in drei Jahren.
  • Ein 4-Sigma-Ereignis kommt alle 31.560 Tage vor, also einmal in 126 Jahren.
  • Ein 5-Sigma-Ereignis kommt alle 2.483.046 Tage vor, entspricht allen 13.932 Jahren. So lange ist die Eiszeit her.
  • Ein 6-Sigma-Ereignis kommt alle 1.009.976.678 Tage vor – also einmal in 4.039.906 Jahren – so lange gibt es den heutigen Menschen.
  • Ein 7-Sigma-Ereignis einmal in 3.105.395.365 Tagen. – fünfmal länger als es Leben auf der Erde gibt.

Die Wahrscheinlichkeit für ein 25 Sigma Ereignis ist so hoch, wie ein Lottogewinn von mehr als 21 Mal in Folge!

Ein anderes Beispiel meldete Goldman, als die Schweiz die Bindung des Franken an den Euro auflöste. Diesmal handelte es sich angeblich um ein 20-Sigma-Ereignis. Was so unwahrscheinlich ist, dass die Anzahl Jahre, die es dauert, bis so ein Ereignis eintritt, zehnmal größer ist, als die geschätzte Anzahl an Partikeln im gesamten Universum.

Trotz dieses unglaublichen Versagens der Ratingagenturen und Risikomodelle hat sich nichts grundlegend geändert, so dass bei der nächsten Krise wieder alle ganz überrascht von angeblich unvorhersehbaren Ereignissen sprechen werden.

Durch diese falschen/manipulierten Ratings und darauf aufbauenden Financial Engineerings der Unternehmen sind seit dem Ende der Finanzkrise die Schulden im Unternehmenssektor auf über 45% der Wirtschaftsleistung gestiegen, was sogar die Höchstwerte während der Internet-Hausse und des Immobilienbooms übertrifft.

 

Quelle: Finanzen und Wirtschaft

 

Zombie-Firmen

In Verbindung mit den sehr geringen Zinsen bergen die auf Basis der falschen/manipulierten Ratings vergebenen Kredite zwei enorme Risiken:

  • Ersten haben sogenannte Zombie-Unternehmen immer noch Kredite bekommen, obwohl sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Ihr Konkurs wurde dadurch aber nur aufgeschoben.
  • Zweitens haben eigentlich gesunde Unternehmen ihre Kreditwürdigkeit dazu ausgenutzt, sich stark zu verschulden um eigene Aktien zurückzukaufen sowie hohe Dividenden auszuzahlen. In einer Rezession sind dann die Rücklagen sehr schnell aufgebraucht, so dass auch viele dieser eigentlich gesunden Unternehmen Konkurs anmelden müssen.

Das heißt Zombie-Unternehmen wie auch ein Teil der eigentlich gesunde Unternehmen und somit die gesamte Volkswirtschaft können es nicht leisten, dass Ratings angepasst werden oder Zinsen steigen. Es ist deshalb zu vermuten, dass die Anzahl der verschleppten Konkurse in der nächsten Krise nachgeholt werden und die Auswirkungen auf die normalen Arbeitnehmer deutlich schlimmer werden als bei der letzten Krise.

 

Den 5. und letzten Teil der Serie „Manipulationsskandale als Kurstreiber der Aktienmärkte“ mit dem Titel „Was wird passieren und was soll man tun?“ lesen Sie hier..

 

Hinweis zum Autor: Der Bullennörgler ist ausgebildeter Wirtschaftsingenieur sowie selbständiger Unternehmer und als solcher ein unabhängiger Beobachter der Weltwirtschaft. Sein Vermögen verwaltet der Bullennörgler erfolgreich seit mehr als zwei Jahrzehnten selbst. Als aktiver Anleger hat er den Japan-Boom und Crash, die Flash Crashs 1987 und 1989, den Dotcom Boom und Crash, die Finanzkrise und die Eurokrise miterlebt. Nur bei einem dieser Crashs war er mit einer hohen Aktienquote investiert. Sein Credo ist unabhängiges Selberdenken und Rumnörgeln an intransparenten oder interessengesteuerten Wirtschaftsstrukturen, Nachrichten und Medien.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Michael

    30. April 2019 11:41 at 11:41

    Großes Lob an den Bullennörgler! Ihre bisherigen 4 Teile über Manipulation an den Aktienmärkten finde ich sensationell gut. Fundiert, informativ und dennoch für jedermann verständlich geschrieben, kein Fach-Kauderwelsch, wie wir es vom großartigen Segler seinerzeit immer ertragen mussten.

    Kommentare und redaktionelle Beiträge wie diese oder die von @Wolfgang M. wären sehr wünschenswert anstelle des kontinuierlichen rechstpopulistischen Gewäschs über eine angebliche links-sozialistische Flutwelle, die über unser schönes Schland hereingebrochen ist.

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    Marko

    30. April 2019 12:46 at 12:46

    Wann kommt der erste Teil bezüglich der Manipulationen an den Anleihemärkten, lassen Sie mich raten,… gar nicht ? :D

    sagt Ihr Bärennörgler ? ;)

    „Vereinfacht ausgedrückt erfolgt die Einschätzung von Insolvenzprognosen analog der Ermittlung des Risikoaufschlags bei Krediten. Das Standardrisikomaß im Finanzsektor ist dabei das „Value at Risk“, welches Markt- und Kreditrisiken abbildet. In der Praxis ermitteln solche und andere Risikokennzahlen Ratingagenturen sowie Finanzunternehmen wie Goldman Sachs auf die sich dann fast der ganze Weltfinanzsektor verlässt. Wenn ein gesunder Anbieterwettbewerb, gute Modelle, Expertise sowie Unabhängigkeit gegeben und Eigeninteressen ausgeschlossen sind, gibt es gegen dieses Vorgehen auch nicht viel einzuwenden.“

    Goldman Sachs und „gesund“ bzw, „vertrauenswürdig“ ? Wie war das noch mal mit ihren (GS-) ABS-Wetten gegen den Markt, und „gewissen“ Südländern, die sich unter Mithilfe von GS defintiv in den EUR „herein gemogelt“ haben ? – Ihr „Bären“ wisst von nix, na klar…

    Die (US-) Ratingagenturen sind natürlich nicht manipuliert, die (US-)Ratingagenturen erklären höchst selbstverständlich vollkommenst „wertneutral“ den Markt…

    Ich kann diesbezüglich nur eines sagen : Schaut doch mal auf EUR/USD – Kurs : das ist der Markt !

    Oder, das ist alles gelogen ? – Kann ja sein ?! Also Ihr Bären, langsam….

    Ist eine ausgewiesene Marktmanipulation der Anleihemärkte durch die EZB mit Billigst-Zinsen gesund ? – Ist es das ?

    Na dann, viel Spaß

    Hier mal „Futter“ für Euch :

    https://www.onvista.de/news/kutzers-zwischenruf-schock-fuer-sparer-nie-mehr-zinsen-221011805

    „Hallo allerseits! Die gute Nachricht vorweg: Es geht um eine Meinung, eine Prognose – nicht um eine gesicherte Tatsache. Die schlechte Nachricht: Uns drohen Jahrzehnte ohne Zinsen. Das wäre eine Katastrophe für die deutschen Kontensparer und nicht nur die). Wer das sagt, ist nicht irgendeiner, sondern Martin Lück. Und der denkt und handelt für Blackrock, den größten Vermögensverwalter der Welt. In einem FAZ-Interview (ein Muss für Euch alle!) wird ihm die Frage gestellt: Wie lange werden wir mit niedrigen Zinsen leben müssen? Womöglich gar Jahrzehnte? Lücks Antwort: „Ich halte das für ein plausibles Szenario. Japan erlebt eine solche Situation nun ja schon seit dem Ende des vergangenen Jahrhunderts. Zwischen Japan und Europa bestehen erschreckende Parallelen. Erstens hat sich Europa viel zu lange Zeit gelassen mit der Reparatur des eigenen Bankensystems. So ähnlich war das damals auch in Japan. Noch problematischer ist aber eine zweite Parallele, die Demographie. Japan hat die am schnellsten alternde Bevölkerung der Welt. Auf den Plätzen zwei und drei folgen ausgerechnet zwei europäische Volkswirtschaften, nämlich Italien und Deutschland. Eine alternde Bevölkerung, der es an Nachwuchs mangelt, kann das Wirtschaftswachstum aber nicht in gleichem Maße in Schwung halten. Wir müssen uns also auf ein strukturell geringeres Wirtschaftswachstum als in der Vergangenheit einstellen. Und in einem solchen Szenario ist mit hohen Zinsen nicht zu rechnen.“

    So so „Blackrock“ der schwarze Felsen, das sagt schon alles… :D

    Den YEN mit dem EUR zu vergleichen, das sind „Welten“ – wie gesagt, liebe Bären…

    Ihr zieht alle Register, nur weiter so… Wir Bullen sammeln Eurer Geld auf… So einfach ist das.
    Punkt.

  3. Pingback: *** Die heutigen Meldungen sollte man kennen! *** | das-bewegt-die-welt.de

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    Macwoiferl

    30. April 2019 14:38 at 14:38

    @Marko: Was Du faseln?
    Ahso Du bist Bulle. Na dann. Kauderwelsch, klaro.
    Nie war es so einfach reich zu werden – man muss nur die drei, vier Mafio Droghischen Gesetze der Marktmanipulation verstanden haben: nach oben, whatever it takes, und wenns das Leben kostet. Zur Not Verkaufsverbot (war Thema in fmw!)
    Damit das net so nach Gier klingt nennen wir das „moderne monetäre Theorie“ (die ausgehen wird wie die Theorie des Ikarus, mit gewachsten Flügeln fliegen zu können. Sorry, war nur eine Theorie. Nächstes Mal klappts!)
    Bulle = gieriger Mitläufer. Kann man machen. Sehr, sehr einfach gestricktes hirnloses Tun in diesen Zeiten.
    Bär = überlegt was er tut (dank Gehirn): soll ich einsteigen in einen Markt, der so manipuliert ist und unberechenbar? Der mit Wirtschaft rein GAR NIX mehr zu tun hat?,
    Respekt vor allen, die nachdenken.

  5. Pingback: Diese Artikel und Zahlen sollte man kennen! | das-bewegt-die-welt.de

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    Marko

    30. April 2019 17:33 at 17:33

    Apropos Manipulation an den Märkten, der US-Präsidient ist diesbezüglich kein Kind von Traurigkeit :

    https://www.onvista.de/news/us-praesident-trump-verklagt-die-deutsche-bank-aktie-bleibt-unbeeindruckt-221052021

    https://www.onvista.de/news/die-geschaefte-der-deutschen-bank-mit-trump-ueber-die-jahrzehnte-2-milliarden-geliehene-dollar-203273339

    https://de.finance.yahoo.com/nachrichten/trump-familie-verklagen-deutsche-bank-071201987.html

    Sowas würde „unser(en) Kanzeler(in) sofort „killen“, tut mir leid …

    Da ist der EUR/Europa an sich „eisenhart“ und ehrlich, während sich die Amis in die Tasche lügen…

    soviel zu Thema, ist die FED / sind Amis die „Leader“, der Welt, das behauptet Ihr doch ?

    Sorry, bei sowas fliegt ein „Leader“ hochkant raus in Europa…

    natürlich hat der Donlad versagt siehe „Altlaic-city“

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    Marko

    30. April 2019 17:52 at 17:52

    Ach Macwoiferl,

    „Bulle = gieriger Mitläufer. Kann man machen. Sehr, sehr einfach gestricktes hirnloses Tun in diesen Zeiten.
    Bär = überlegt was er tut (dank Gehirn): soll ich einsteigen in einen Markt, der so manipuliert ist und unberechenbar? Der mit Wirtschaft rein GAR NIX mehr zu tun hat?“

    wie gesagt, gehe short. verkaufe den Markt. wo liegt denn Dein Problem ? – Lass mich raten, der Markt fällt nicht ?

    Ja natürlich bin ich ein „hirnloser“ Bulle, und dann ?

    Der Markt hat mit den Anleihemarkt GAR NIX MEHR zu tun, und dann.. ?

    Dann gehe ich short in den Aktienmarkt, genau…

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Finanznews

Coronakrise: Funken der Hoffnung! Videoausblick

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In der Coronakrise gibt es erste Funken der Hoffnung – und die Aktienmärkte feiern diese Funken mit einer Rally. Die Todeszahlen in New York, Italien und Spanien sinken – US-Präsident Trump verbreitet daraufhin in seiner täglichen Pressekonferenz Optimismus. Nun kommt es darauf an, ob das schon ein Trend ist – oder eben doch nicht. Wenn nicht, wäre die Rally eine weitere Bärenmarktrally während der Coronakrise. Wenn doch, wird die Rally mit Dynamik weiter gehen. Anders als in der Finanzkrise ziehen die wichtigsten Länder nicht an einem Strang: Trump droht mit Öl-Zöllen, die EU verhängt Gegenzölle gegen einige US-Waren. Die nächsten beiden Wochen werden die Weichen stellen!

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Coronakrise: Warum stehen die Aktienmärkte noch so hoch?

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Die Coronakrise errreicht einen Hochpunkt nach dem anderen – und viele reiben sich derzeit verwundert die Augen: Warum stehen die Aktienmärkte so hoch, angesichts der schlechtesten Konjunkturaussichten in den vergangenen 100 Jahren? Gerade mal 20 bis 25 Prozent im Minus und nur leicht im Bärenmarkt. Spinnen die Börsianer – oder sehen Sie etwas anderes, was man aus den gegenwärtigen Daten nicht entnehmen kann? Hierzu ein paar Argumente aus der bullishen Sicht der Märkte.

Coronakrise: Was bringt uns das zweite Halbjahr?

Aus der Sicht der Börsen geht es fast nie um die Gegenwart oder die nahe Zukunft. Aktienmärkte fragen, wie sieht es in einigen Monaten aus? Also haben wir im Spätsommer 2020 noch Millionen von Coronainfizierten in den USA und ein Vielfaches davon an Arbeitslosen im Gefolge der Coronakrise? Das scheint sich in den Kursen derzeit niederzuschlagen.

Viele könnten von einer falschen Grundprämisse ausgehen.:Was nicht beachtet wird beim Vergleich mit früheren Rezessionen, selbst mit der von 1929 ist, dass es noch nie ein Situation gab, in der die Wirtschaft staatlich verordnet in Teilbereichen so auf null heruntergefahren wurde (und auch absehbar wieder hochgefahren wird).

Nicht einmal im Zweiten Weltkrieg wurde in den USA einem Friseur, einem Bäcker, einem Hot-Dog-Verkäufer u.a. die Arbeit untersagt. Das heißt aber auch, dass die kommenden Tage des Lockdowns alles überbieten werden, was es an kurzfristigen (!) Wirtschaftsindizes wie Arbeitslosenanträge, Verbrauchervertrauen etc. je gebeben hat. Klar, vermutlich erleben wird bald,  dass es wegen der Coronakrise in den USA 25 Millionen Arbeitslose geben wird –  in einem Land mit einer Hire-and-Fire-Mentalität. Aber Covid-19 hat ein natürliches Ende. Und dann wird es kurzfristig Anstiegsdaten aus tiefem Niveau geben, wie es sonst nur in Aufbauphasen nach einen Bombenkrieg möglich ist – einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt bereits China mit seinen Einkaufsmanagerindizes.

Beispiel Deutschland

Wir haben bereits in dieser Woche R-0 erreicht (Feststellung Robert-Koch-Institut): das heißt, ein Infizierter steckt nur noch einen Menschen an. Vor drei Wochen lag dieser Wert bei 3-7 und damit noch deutlich höher. Bereits in wenigen Tagen/Wochen wird sehr wahrscheinlich die Zahl der „active cases“ sinken und dann die ersten Maßnahmen der Integration ins Arbeitsleben erfolgen. Die Epidemiologen dürfen nur nicht zu früh Entwarnung geben, sonst würde durch Leichtsinn der ganze Effekt zunichte gemacht werden und sich der Schaden der Coronakrise noch  potenzieren. Nach dem 20. April wird es in Deutschland ziemlich wahrscheinlich mit einer leichten Exitstrategie losgehen.

Coronakrise: Wird die Arbeitslosigkeit Bestand haben?

Die US-Börsen sehen nicht mehr auf den Mai, in dem die schlechtesten Arbeitslosenzahlen seit 1930 kommen werden, sondern sie blicken vermutlich auf den Sommer und später. Deshalb fallen sie auch zur Zeit nicht so stark, trotz der schlechtesten Arbeitslosenzahlen, die man sich ausmalen kann. Man erwartet bereits das Schlimmste und wenn Goldman Sachs von 25 Millionen im Mai spricht, so ist das weitgehend schon eskomptiert. Sonst müssten die Börsen schon weit über 50 Prozent ihres Wertes verloren haben. Das ist ein Grund, warum die Aktienmärkte derzeit nicht in die Tiefen fallen, die dem aktuellen Wirtschaftseinbruch durch die Coronakrise entsprächen. Der Zukunftsaspekt der Börse und als zweiter Grund das 10 Billionen-Dollar-Rettungspaket weltweit, was den Konsum vor einem totalen Kollaps bewahrt.

Was einige Investoren immer noch unterschätzen, ist die absolute Hemmungslosigkeit, Schmerzfreiheit oder Radikalität der US-Regierung, um den US-Konsum zu retten. Wenn das 4 Billionen-Dollarpaket für die Coronakrise nicht ausreicht, wird man eben noch weitere Billionen hinterherschieben: es ist ein Wahljahr und Donald Trump wird ohne Rücksicht auf Verluste alle fiskalpolitischen Mittel einsetzen.

Dass er damit die Verschuldung der USA in gefährlichste Dimensionen anheben wird, das kümmert ihn bisher noch wenig. Schließlich hat er wohl den stärksten Glauben Aller in die Einzigartigkeit der US-Wirtschaft und deren Leitwährung. Spricht er nicht schon dauernd davon, wie gestärkt Amerika aus der Coronakrise hervorgehen wird? Noch glauben ihm die Weltmärkte: der Dollar ist nach wie vor die Leitwährung und die Federal Reserve kann als eine der wenigen Notenbanken in unvorstellbarem Ausmaß Geld drucken. Dass das nicht ewig gut gehen kann und auch in einem Desaster enden könnte (muss?) – das steht auf einem anderen Blatt. Bisher sind die USA eine der wenigen Länder, die noch niemals einen Staatsbankrott erleben mussten. Deutschland hingegen schon derer sieben, in den letzten 200 Jahren. God bless America..

Noch ein Wort zu China: Warum sind dort im Januar/Februar wegen der Coronakrise die Aktienmärkte nicht in die Tiefe gestürzt, als eine Schlüsselindustrie, die Automobilbranche, mit 92 und 80 Prozent Rückgang die schlechtest denkbaren Daten geliefert hat? Weil man erwartet hat, dass sich die Wirtschaft ab April/Mai von der Coronakrise wieder erholen wird. Was gerade auch geschieht.

Das ist nämlich auch für die USA der springende Punkt: Man kann doch nicht erwarten, dass die Masse der Friseure, Bäcker, Souvenirhändler (um nur ein paar einfache Beispiele zu nennen) auch in drei oder sechs Monaten noch arbeitslos sein werden. Von einem langsamen Wiedereinstieg im Flug- und Touristikgeschäft gar nicht zu reden. Die Touristikbranche steht für acht Prozent des weltweiten BIPs. Menschen werden wieder den Friseur (und viele Dienstleister, vom Masseur bis zum Fitnessstudio) brauchen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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ETF: Wie funktionieren sie – und sind sie auch in der Krise ungefährlich?

Sind ETFs auch in einer Krise geeignet? Über die Funktion eines ETF – und was in der Corona-Krise passierte

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ETF war das Zauberwort unter den Anlageprodukten: während Vermögensverwalter stetig Rückgänge bei den Zuflüssen an Kundengeldern verkraften mußten, traten die ETFs einen jahrelangen Siegeszug an. Wird das so bleiben? Ist ein ETF für jedermann geeignet? Und ist es vor allem auch ein „Krisen-sicheres“ Instrument? Hier ein kurzer Überblick über die relevanten Fakten!

Was ist ein ETF?

Der Begriff ETF stammt aus dem englischen und bedeutet „Exchange Traded Fund“. Vereinfacht gesagt, handelt es sich dabei um einen börsengehandelten Indexfonds der die Weiterentwicklung eines Portfolios aus Wertpapieren darstellt. ETFs sind also Fonds, die wie Aktien über die Börse gehandelt werden. Ein ETF kann unterschiedlichste Arten eines Index abbilden, z.B. einen bestehenden Index wie den DAX, aber auch eine Zusammenstellung einer Branche.

Die Anteile daran werden dann an der Börse gehandelt, genauso wie die Aktien eines einzelnen Unternehmens. Für die meisten Investoren ist es schwierig alle Aktien aus einem Index zu kaufen oder zu verkaufen, zudem würde es einen hohen Kapitaleinsatz erfordern. Es ist daher für viele Investoren viel einfacher und günstiger, einen ETF zu handeln, der eine definierte Auswahl an Aktien oder Anleihen enthält.

Der Kurs bestimmt sich wie bei einer Aktie durch den Markt, also durch Angebot und Nachfrage. Weil ein ETF nichts anderes als ein Paket aus Wertpapieren ist, entspricht der Kurs in der Regel dem Gesamtwert der zugrundeliegenden Aktien. Der wohl bekannteste ETF ist der MSCI World, es handelt sich um einen internationalen Aktienindex bestehend aus über 1600 Unternehmen weltweit. Eine große Anzahl an Anlegern nutzen diese Anlageform auch als Sparplan, es werden z.B. monatliche Sparbeträge eingezahlt, um über einen längeren Zeitraum durch den Zinseszins zu profitieren.

Wie entsteht ein ETF?

ETF-Anteile werden durch autorisierte Marktteilnehmer, auch Market Maker genannt, kreiert. Diese arbeiten mit bekannten Anbietern wie z.B. der DWS (Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen) zusammen, die Fondsparte der Deutschen Bank. Professionelle Finanzinstitutionen wickeln die Ausgabe und Rückgabe von ETF-Anteilen gemeinsam im Hintergrund ab. Das Ergebnis ist eine einfache und reibungslose Investmentform. Genau das macht es für Anleger auch so leicht, ein ETF wie eine Aktie an der Börse zu handeln.

ETF: Welche Unterschiede gibt es?

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von ETFs: Zunächst gibt es die physisch replizierenden Fonds. Wie das Wort physisch schon aussagt, handelt es sich hierbei um eine 100-prozentige Nachbildung eines Aktienindex wie z.B. dem DAX oder Dow Jones. Diese bestehen konstant aus 30 Unternehmen, dadurch kann eine sogenannte Vollreplikation angewendet werden. Jedes Unternehmen im DAX hat eine bestimmte Gewichtung, die von der Marktkapitalisierung abhängig ist. In einem physischen ETF-Index werden die Aktien gemäß ihrer Gewichtung gekauft. Das ist für Indizes möglich, die sich nur aus einer übersichtlichen Zahl liquider Aktien zusammensetzen. Ist der Index allerdings sehr groß – wie der MSCI World mit mehr als 1.600 verschiedenen Unternehmen – dann werden nur bestimmte Unternehmensanteile gekauft. Man spricht hierbei von der Teilreplikation.

Bei der synthetisch replizierenden Methode werden nicht die physischen Werte eines Index zugrunde gelegt, sondern es erfolgt eine Nachbildung über Derivate, zu Ihnen zählen Optionen, Termingeschäfte und Tauschgeschäfte (englisch: “Swaps”). Dabei schließt der Fonds einen Vertrag mit einem Swap-Partner ab, wie Finanzinstitute und Investmentbanken, die sich dazu verpflichten, im Tausch gegen eine Gebühr die Indexrendite zu „liefern“. Ein synthetisches ETF ist in erster Linie dafür geeignet, kostengünstig in Nischenmärkte oder Anlageklassen wie Rohstoffe zu investieren, die sonst für die meisten Investoren nur schwer zugänglich sind.

Was ist das Ziel und für wen eignen sich?

Das Ziel eines ETF ist es, genau die Rendite zu erzielen, die der entsprechende Index erzielt. Ein ETF versucht damit gerade nicht, durch gezielte Auswahl einzelner Aktien klüger und besser zu sein als die breite Masse der Investoren. Auf diese Weise können Sie einfach und günstig am Marktgeschehen teilhaben, Sie folgen einfach der Mehrheit. Die Zusammensetzung eines ETF-Index wird mehrmals jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst. Sie müssen sich also um nichts kümmern und können sich getrost zurücklehnen und sich im Erfolgsfall über ihre stetige Rendite freuen. Diese Anlageform eignet sich nicht nur für Profis, sondern insbesondere auch für Privatanleger, die ihr Portfolio nicht aktiv managen möchten und ihr Risiko über eine breite Auswahl an Aktien oder Anleihen streuen wollen.

Kritik an ETF

Im Wesentlichen gibt es zwei Kritikpunkte an ETFs: erstens führe ihr „Siegszug“ zu einer Monopolisierung der Märkte: Aktien wie Apple würden immer Markt-schwerer und daher in unzähligen ETFs immer stärker gewichtet. Dazu komme, dass immer mehr Indizes geschaffen werden (es gibt inzwischen mehr Indizes als Aktien), damit dann auf einen neu geschaffenen Index ein Index-ETF aufgelegt werden kann.

Die Folge: es gibt immer mehr ETFs, die auf eine vorhandene Liquidität der Marktteilnehmer trifft – insofern gaukelten die ETFs eine Liquidität vor, die faktisch gar nicht gegeben sei. Komme es zu crashartigen Situationen an den Märkten, könne der Siegeszug dieses Anlagevehikels  die Dynamik noch verstärken, so die Kritiker. Bei dem jüngsten heftigen Abverkauf im Gefolge der Corona-Krise kam es bislang vor allem in illiquiden Sektoren zu Problemen, etwa bei Junk Bonds – hier gab es deutliche Abweichungen zwischen dem Fondspreis und dem Preis der im Fonds enthaltenen Wertpapiere. Bei einem „großen“ ETF wie etwa dem SPY, der den Leitindex S&P 500 abbildet, kam es dagegen nicht zu derartigen Problemen.

Wie gut ist ein ETF auch in schwierigen Marktlagen geeignet?

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