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Manipulation an den Aktienmärkten, Teil 4: Konkursverschleppung von Unternehmen und Staaten

Über das unglaubliche Versagen der Ratingagenturen und Banken-Risikomodelle

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am

Von Bullennörgler

Vereinfacht ausgedrückt erfolgt die Einschätzung von Insolvenzprognosen analog der Ermittlung des Risikoaufschlags bei Krediten. Das Standardrisikomaß im Finanzsektor ist dabei das „Value at Risk“, welches Markt- und Kreditrisiken abbildet. In der Praxis ermitteln solche und andere Risikokennzahlen Ratingagenturen sowie Finanzunternehmen wie Goldman Sachs auf die sich dann fast der ganze Weltfinanzsektor verlässt. Wenn ein gesunder Anbieterwettbewerb, gute Modelle, Expertise sowie Unabhängigkeit gegeben und Eigeninteressen ausgeschlossen sind, gibt es gegen dieses Vorgehen auch nicht viel einzuwenden.

 

Die großen Drei

Erstaunlicherweise erfolgt aber die Bewertung und Analyse von Wirtschaftsunternehmen, Banken und Staaten hinsichtlich ihrer Bonität und Risiken durch nur drei Ratingagenturen. Standard and Poor’s ist die dominierende Ratingagentur neben den kleineren Unternehmen Moody’s und Fitch Ratings. Die großen Drei beherrschen ca. 95 Prozent des Weltmarkts. Auch sind die Eigentümer von S&P Global und Moody’s weitestgehend dieselben. Es sind amerikanische Fond- und Investmentgesellschaften wie Vanguard, BlackRock, Berkshire Hathaway, Capital World und State Street.

Dass hier nicht Unabhängigkeit sichergestellt ist und Eigeninteressen vorhanden sind, liegt auf der Hand. Auch erfolgt regelmäßig politische Einflussnahme durch die US-Regierung und so ist es auch weniger erstaunlich, dass z.B. in der letzten Finanzkrise aus risikofreien AAA-Papieren über Nacht Ramsch werden konnte.

 

Goldman Sachs

Ähnliches berichtete die FINANCIAL TIMES über die Prognosefähigkeiten von Goldman Sachs. So wurde im Jahre 2007 bei Ausbruch der Finanzkrise von Goldman Sachs an mehreren Tagen in Folge 25-Sigma-Ereignis vermeldet. Um es greifbarer zu machen, hat die Nottingham Business School das mal nachgerechnet (How Unlucky is 25-Sigma, https://arxiv.org/ftp/arxiv/papers/1103/1103.5672.pdf )?

  • Ein 3-Sigma-Ereignis kommt alle 741 Tage vor, also ungefähr einmal in drei Jahren.
  • Ein 4-Sigma-Ereignis kommt alle 31.560 Tage vor, also einmal in 126 Jahren.
  • Ein 5-Sigma-Ereignis kommt alle 2.483.046 Tage vor, entspricht allen 13.932 Jahren. So lange ist die Eiszeit her.
  • Ein 6-Sigma-Ereignis kommt alle 1.009.976.678 Tage vor – also einmal in 4.039.906 Jahren – so lange gibt es den heutigen Menschen.
  • Ein 7-Sigma-Ereignis einmal in 3.105.395.365 Tagen. – fünfmal länger als es Leben auf der Erde gibt.

Die Wahrscheinlichkeit für ein 25 Sigma Ereignis ist so hoch, wie ein Lottogewinn von mehr als 21 Mal in Folge!

Ein anderes Beispiel meldete Goldman, als die Schweiz die Bindung des Franken an den Euro auflöste. Diesmal handelte es sich angeblich um ein 20-Sigma-Ereignis. Was so unwahrscheinlich ist, dass die Anzahl Jahre, die es dauert, bis so ein Ereignis eintritt, zehnmal größer ist, als die geschätzte Anzahl an Partikeln im gesamten Universum.

Trotz dieses unglaublichen Versagens der Ratingagenturen und Risikomodelle hat sich nichts grundlegend geändert, so dass bei der nächsten Krise wieder alle ganz überrascht von angeblich unvorhersehbaren Ereignissen sprechen werden.

Durch diese falschen/manipulierten Ratings und darauf aufbauenden Financial Engineerings der Unternehmen sind seit dem Ende der Finanzkrise die Schulden im Unternehmenssektor auf über 45% der Wirtschaftsleistung gestiegen, was sogar die Höchstwerte während der Internet-Hausse und des Immobilienbooms übertrifft.

 

Quelle: Finanzen und Wirtschaft

 

Zombie-Firmen

In Verbindung mit den sehr geringen Zinsen bergen die auf Basis der falschen/manipulierten Ratings vergebenen Kredite zwei enorme Risiken:

  • Ersten haben sogenannte Zombie-Unternehmen immer noch Kredite bekommen, obwohl sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Ihr Konkurs wurde dadurch aber nur aufgeschoben.
  • Zweitens haben eigentlich gesunde Unternehmen ihre Kreditwürdigkeit dazu ausgenutzt, sich stark zu verschulden um eigene Aktien zurückzukaufen sowie hohe Dividenden auszuzahlen. In einer Rezession sind dann die Rücklagen sehr schnell aufgebraucht, so dass auch viele dieser eigentlich gesunden Unternehmen Konkurs anmelden müssen.

Das heißt Zombie-Unternehmen wie auch ein Teil der eigentlich gesunde Unternehmen und somit die gesamte Volkswirtschaft können es nicht leisten, dass Ratings angepasst werden oder Zinsen steigen. Es ist deshalb zu vermuten, dass die Anzahl der verschleppten Konkurse in der nächsten Krise nachgeholt werden und die Auswirkungen auf die normalen Arbeitnehmer deutlich schlimmer werden als bei der letzten Krise.

 

Hinweis zum Autor: Der Bullennörgler ist ausgebildeter Wirtschaftsingenieur sowie selbständiger Unternehmer und als solcher ein unabhängiger Beobachter der Weltwirtschaft. Sein Vermögen verwaltet der Bullennörgler erfolgreich seit mehr als zwei Jahrzehnten selbst. Als aktiver Anleger hat er den Japan-Boom und Crash, die Flash Crashs 1987 und 1989, den Dotcom Boom und Crash, die Finanzkrise und die Eurokrise miterlebt. Nur bei einem dieser Crashs war er mit einer hohen Aktienquote investiert. Sein Credo ist unabhängiges Selberdenken und Rumnörgeln an intransparenten oder interessengesteuerten Wirtschaftsstrukturen, Nachrichten und Medien.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Michael

    30. April 2019 11:41 at 11:41

    Großes Lob an den Bullennörgler! Ihre bisherigen 4 Teile über Manipulation an den Aktienmärkten finde ich sensationell gut. Fundiert, informativ und dennoch für jedermann verständlich geschrieben, kein Fach-Kauderwelsch, wie wir es vom großartigen Segler seinerzeit immer ertragen mussten.

    Kommentare und redaktionelle Beiträge wie diese oder die von @Wolfgang M. wären sehr wünschenswert anstelle des kontinuierlichen rechstpopulistischen Gewäschs über eine angebliche links-sozialistische Flutwelle, die über unser schönes Schland hereingebrochen ist.

  2. Marko

    30. April 2019 12:46 at 12:46

    Wann kommt der erste Teil bezüglich der Manipulationen an den Anleihemärkten, lassen Sie mich raten,… gar nicht ? 😀

    sagt Ihr Bärennörgler ? 😉

    „Vereinfacht ausgedrückt erfolgt die Einschätzung von Insolvenzprognosen analog der Ermittlung des Risikoaufschlags bei Krediten. Das Standardrisikomaß im Finanzsektor ist dabei das „Value at Risk“, welches Markt- und Kreditrisiken abbildet. In der Praxis ermitteln solche und andere Risikokennzahlen Ratingagenturen sowie Finanzunternehmen wie Goldman Sachs auf die sich dann fast der ganze Weltfinanzsektor verlässt. Wenn ein gesunder Anbieterwettbewerb, gute Modelle, Expertise sowie Unabhängigkeit gegeben und Eigeninteressen ausgeschlossen sind, gibt es gegen dieses Vorgehen auch nicht viel einzuwenden.“

    Goldman Sachs und „gesund“ bzw, „vertrauenswürdig“ ? Wie war das noch mal mit ihren (GS-) ABS-Wetten gegen den Markt, und „gewissen“ Südländern, die sich unter Mithilfe von GS defintiv in den EUR „herein gemogelt“ haben ? – Ihr „Bären“ wisst von nix, na klar…

    Die (US-) Ratingagenturen sind natürlich nicht manipuliert, die (US-)Ratingagenturen erklären höchst selbstverständlich vollkommenst „wertneutral“ den Markt…

    Ich kann diesbezüglich nur eines sagen : Schaut doch mal auf EUR/USD – Kurs : das ist der Markt !

    Oder, das ist alles gelogen ? – Kann ja sein ?! Also Ihr Bären, langsam….

    Ist eine ausgewiesene Marktmanipulation der Anleihemärkte durch die EZB mit Billigst-Zinsen gesund ? – Ist es das ?

    Na dann, viel Spaß

    Hier mal „Futter“ für Euch :

    https://www.onvista.de/news/kutzers-zwischenruf-schock-fuer-sparer-nie-mehr-zinsen-221011805

    „Hallo allerseits! Die gute Nachricht vorweg: Es geht um eine Meinung, eine Prognose – nicht um eine gesicherte Tatsache. Die schlechte Nachricht: Uns drohen Jahrzehnte ohne Zinsen. Das wäre eine Katastrophe für die deutschen Kontensparer und nicht nur die). Wer das sagt, ist nicht irgendeiner, sondern Martin Lück. Und der denkt und handelt für Blackrock, den größten Vermögensverwalter der Welt. In einem FAZ-Interview (ein Muss für Euch alle!) wird ihm die Frage gestellt: Wie lange werden wir mit niedrigen Zinsen leben müssen? Womöglich gar Jahrzehnte? Lücks Antwort: „Ich halte das für ein plausibles Szenario. Japan erlebt eine solche Situation nun ja schon seit dem Ende des vergangenen Jahrhunderts. Zwischen Japan und Europa bestehen erschreckende Parallelen. Erstens hat sich Europa viel zu lange Zeit gelassen mit der Reparatur des eigenen Bankensystems. So ähnlich war das damals auch in Japan. Noch problematischer ist aber eine zweite Parallele, die Demographie. Japan hat die am schnellsten alternde Bevölkerung der Welt. Auf den Plätzen zwei und drei folgen ausgerechnet zwei europäische Volkswirtschaften, nämlich Italien und Deutschland. Eine alternde Bevölkerung, der es an Nachwuchs mangelt, kann das Wirtschaftswachstum aber nicht in gleichem Maße in Schwung halten. Wir müssen uns also auf ein strukturell geringeres Wirtschaftswachstum als in der Vergangenheit einstellen. Und in einem solchen Szenario ist mit hohen Zinsen nicht zu rechnen.“

    So so „Blackrock“ der schwarze Felsen, das sagt schon alles… 😀

    Den YEN mit dem EUR zu vergleichen, das sind „Welten“ – wie gesagt, liebe Bären…

    Ihr zieht alle Register, nur weiter so… Wir Bullen sammeln Eurer Geld auf… So einfach ist das.
    Punkt.

  3. Pingback: *** Die heutigen Meldungen sollte man kennen! *** | das-bewegt-die-welt.de

  4. Macwoiferl

    30. April 2019 14:38 at 14:38

    @Marko: Was Du faseln?
    Ahso Du bist Bulle. Na dann. Kauderwelsch, klaro.
    Nie war es so einfach reich zu werden – man muss nur die drei, vier Mafio Droghischen Gesetze der Marktmanipulation verstanden haben: nach oben, whatever it takes, und wenns das Leben kostet. Zur Not Verkaufsverbot (war Thema in fmw!)
    Damit das net so nach Gier klingt nennen wir das „moderne monetäre Theorie“ (die ausgehen wird wie die Theorie des Ikarus, mit gewachsten Flügeln fliegen zu können. Sorry, war nur eine Theorie. Nächstes Mal klappts!)
    Bulle = gieriger Mitläufer. Kann man machen. Sehr, sehr einfach gestricktes hirnloses Tun in diesen Zeiten.
    Bär = überlegt was er tut (dank Gehirn): soll ich einsteigen in einen Markt, der so manipuliert ist und unberechenbar? Der mit Wirtschaft rein GAR NIX mehr zu tun hat?,
    Respekt vor allen, die nachdenken.

  5. Pingback: Diese Artikel und Zahlen sollte man kennen! | das-bewegt-die-welt.de

  6. Marko

    30. April 2019 17:33 at 17:33

    Apropos Manipulation an den Märkten, der US-Präsidient ist diesbezüglich kein Kind von Traurigkeit :

    https://www.onvista.de/news/us-praesident-trump-verklagt-die-deutsche-bank-aktie-bleibt-unbeeindruckt-221052021

    https://www.onvista.de/news/die-geschaefte-der-deutschen-bank-mit-trump-ueber-die-jahrzehnte-2-milliarden-geliehene-dollar-203273339

    https://de.finance.yahoo.com/nachrichten/trump-familie-verklagen-deutsche-bank-071201987.html

    Sowas würde „unser(en) Kanzeler(in) sofort „killen“, tut mir leid …

    Da ist der EUR/Europa an sich „eisenhart“ und ehrlich, während sich die Amis in die Tasche lügen…

    soviel zu Thema, ist die FED / sind Amis die „Leader“, der Welt, das behauptet Ihr doch ?

    Sorry, bei sowas fliegt ein „Leader“ hochkant raus in Europa…

    natürlich hat der Donlad versagt siehe „Altlaic-city“

  7. Marko

    30. April 2019 17:52 at 17:52

    Ach Macwoiferl,

    „Bulle = gieriger Mitläufer. Kann man machen. Sehr, sehr einfach gestricktes hirnloses Tun in diesen Zeiten.
    Bär = überlegt was er tut (dank Gehirn): soll ich einsteigen in einen Markt, der so manipuliert ist und unberechenbar? Der mit Wirtschaft rein GAR NIX mehr zu tun hat?“

    wie gesagt, gehe short. verkaufe den Markt. wo liegt denn Dein Problem ? – Lass mich raten, der Markt fällt nicht ?

    Ja natürlich bin ich ein „hirnloser“ Bulle, und dann ?

    Der Markt hat mit den Anleihemarkt GAR NIX MEHR zu tun, und dann.. ?

    Dann gehe ich short in den Aktienmarkt, genau…

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Ohne Abverkauf kein Deal USA-China! Marktgeflüster (Video)

Die Märkte sind in einem Paradox gefangen: einen Deal kann es nur geben, wenn auch der Schmerz für die USA sehr groß ist, wenn die Wall Street abverkauft

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am

Ein substanzlos optimistischer Tweet von Donald Trump reicht am „magic risk free-Freitag“, um die Aktienmärktre nach oben zu bringen. Nach nichts sehnen sich die Aktienmärkte mehr als diesen angeblich immer wieder kurz vor dem Abschluß stehenden Deal zwischen den USA und China, der derzeit so weit wie noch nie entfernt ist! Und dabei sind die Märkte in einem Paradox gefangen: einen Deal kann es nur dann geben, wenn auch der Schmerz für die USA sehr groß ist, sprich wenn die Wall Street abverkauft – sonst hat Trump keinerlei Grund, seine harte Haltung gegenüber China aufzugeben (zumal die oppositionellen US-Demokraten Trumps harte Haltung teilen!). China aber wird Gespräche nur dann aufnehmen, wenn Trump bei Huawei einen Rückzieher macht..

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Indizes

Chinas Leidensfähigkeit im Handelsstreit – dafür gibt es Grenzen

Über die Schwachstellen der beiden Supermächte im Handelskrieg – im Fokus China

Veröffentlicht

am

Hatte Chinas Regierungschef Xi Jinping nicht erst jüngst sein Volk auf eine magere, entbehrungsreiche Periode hingewiesen? Die Ursachen dafür reichen schon etwas zurück und werden durch den Handelsstreit massiv verstärkt.

 

Chinas Achillesferse: der Arbeitsmarkt

Es ist wahrscheinlich die unzuverlässigste Wirtschaftszahl aus den entwickelten Staaten, Chinas Arbeitslosenstatistik. In den Jahren 2002 bis 2018 stieg diese Zahl nie über 4,3 Prozent und fiel nie unter 3,9 Prozent, einer Marke, die auch derzeit „offiziell“ Bestand hat. Trotz Finanzkrise 2008 und Chinas Wachstumsproblem 2015/2016.

Kann man diesem Wirtschaftsmärchen auch nur im Ansatz trauen? Daraus erschließt sich die große Sorge, die Chinas Regierung am meisten umtreibt, der Angst vor einen Einbruch auf dem Arbeitsmarkt. Ich habe in unserem freundlichen Streitgespräch zwischen Markus Fugmann und mir am letzen Mittwoch darauf hingewiesen, welch sozialer Sprengstoff hinter der Thematik steckt angesichts von weit über 100 Millionen Wanderarbeitern in China, die versorgt werden müssen. Dazu ein paar Argumente.

 

Chinas Zählweise der Arbeitslosigkeit

Ein Grund für die seltsamen Arbeitslosenzahlen liegt wohl in der Erfassung. Nach dem chinesischen Einwohnermeldesystem (Hukou) werden Stadtbewohner als Arbeiter registriert und die Landbevölkerung als Bauern. Damit werden die Hunderte Millionen Wanderarbeiter von der Statistik nicht richtig verbucht, wenn sie ihre Heimat verlassen, um in einer Fabrik zu arbeiten.

 

Chinas Sozialsysteme

Da man in China sehr geringe Beiträge in die Arbeitslosenversicherung einzahlt – in Peking sind es gerade mal 0,2% vom Salär, 0,8% zahlt der Arbeitgeber – melden sich viele Menschen nach einem Jobverlust nicht arbeitslos, weil es eben kaum etwas bringt. Aus anderen Statistiken (Volksuniversität Peking) ergeben sich bedenkliche Entwicklungen. Im ganzen Land sind die Jobangebote um 10 Prozent gesunken, während die Nachfrage um 8 Prozent gestiegen ist. Allein in Peking ist die Zahl der Arbeitssuchenden im letzten Quartal 2018 um 47 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen und dies war noch deutlich vor der weiteren Verschärfung der Zölle durch Donald Trump.

Zwar unterstützt der Staat seine Firmen und fordert zu Einstellungen auf, jedoch beträgt der Anteil der Privatfirmen bereits 85 Prozent. China steckt im größten Strukturwandel seit Jahrzehnten – dem Wandel von der Produktionsstätte für die Welt hin zu einem Hightech-Land mit Dienstleistungssektor.

 

Ein weiteres Problem – Industrieroboter

Auch in China schreitet die Automatisierung voran. Nach offiziellen chinesischen Angaben ist die Zahl der Industriearbeiter von 2012 bis 2017 um 60 Millionen zurückgegangen, den Ausgleich bildeten die Jobs im Dienstleistungsbereich. Aktuell sehr interessant auch die Absicht des Endfertigers von Apples iPones, Foxconn, 30 Prozent seiner Arbeiter durch Roboter zu ersetzen.

Aus all den angeführten Argumenten wird deutlich, warum Xi Jinping seine Landsleute auf härtere Zeiten eingeschworen hat, auch unabhängig vom Handelsstreit. Er vertraut auf die Leidensfähigkeit seiner Bürger, aber bei massiven Jobverlusten, ohne Auffangsystem, dürfte diese rasch an ihre Grenzen geraten. Die berüchtigten sozialen Unruhen. Auch wenn Xi Jinping auf Lebenszeit gewählt wurde, hat er keine Allmacht und eine Rezession würde ein soziales Problem ungeahnten Ausmaßes generieren.

 

Fazit

Es ist zweifelsohne ein Kampf der Giganten, der Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China. Und derzeit ist nicht absehbar, wer ab welchem Punkt einlenken wird, um einen gesichtswahrenden Kompromiss zu erzielen.

Es gibt aber zwei Schwachstellen, die von keiner Regierung ignoriert werden kann. In den USA ist es der Aktienmarkt, über den ich schon mehrere Kommentare verfasst habe „Das Billionen-Dollar-Risiko…“ und für China das oben skizzierte Beschäftigungsproblem. Mal sehen, wen es härter trifft und wer eher einlenkt. Auf eines möchte ich aber fast schon wetten: Donald Trump wird bei einem Aktieneinbruch in der Größenordnung von 10 Prozent plus ganz schön kleinlaut werden. Nur vertrauen die Märkte bisher immer noch auf den wirtschaftlichen Status der Supermacht – bald tempi passati?

 

Von Kzw – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8937812

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Indizes

Aktienmärkte: Ab wann greift der „Trump-Put“?

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Von

Gibt es einen „Trump-Put“, also eine Versicherung gegen fallende Kurse? Gestern wieder ein optimistischer Tweet von Trump – und schon erholten sich die US-Indizes. Faktisch – das bringt Jochen Stanzl gut auf den Punkt – geht das Geld aus Sektoren und Aktien heraus, die in Sachen Handelskrieg viel zu verlieren haben, und in Sektoren und Aktien hinein, die davon wenig betroffen zu sein scheinen. Linke Tasche, rechte Tasche..

Aber das 2.Quartal könnte negative Überraschungen bringen bei den Firmenergebnissen der US-Konzerne (auf Link im Tweet klicken):

Aber hören wir die klaren Aussagen von Stanzl:


By Steve Jurvetson from Menlo Park, USA – The Donald & Mark Wahlberg, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55327521

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