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Marcel Fratzscher und die Zombieunternehmen – was für eine Story!

Claudio Kummerfeld

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Jüngst berichteten wir über Marcel Fratzscher, den Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und seine offenkundige Meinung, dass es derzeit in Deutschland keine Zombieunternehmen zu geben scheint. Damit sind Unternehmen gemeint, die entweder aus ihren Gewinnen nicht mal mehr ihre Zinskosten bezahlen können, oder Unternehmen, die nur dank Staatshilfen am Leben erhalten werden, und natürlich auch dank der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht. Es gibt verschiedene Definitionen von Zombieunternehmen. Einig kann man sich nur darin sein, dass diese Unternehmen unter normalen Umständen, ohne Staatshilfen und in einem gesunden Zinsumfeld schon längst dicht gemacht worden wären.

Warum dieses Thema so wichtig ist? Der eine meint, dass durch die Pleite von Zombieunternehmen in einer Volkswirtschaft Platz geschaffen wird für neue Geschäftsideen, für modernere und innovativere Unternehmen, die auch neue zukunftsträchtigere Arbeitsplätze schaffen. Die anderen, zu denen man Marcel Fratzscher zählen darf, wollen von Zombies am liebsten gar nichts wissen, und scheinen darauf erpicht zu sein so viele Arbeitsplätze in kaputten Unternehmen retten zu wollen wie möglich. Für jeden einzelnen Arbeitnehmer, hinter dem ein einzelnes menschliches Schicksal steht, ist die Rettung seines Arbeitsplatzes natürlich ein eine gute Sache. Aber volkswirtschaftlich gesehen, sollten durch staatliche Eingriffe hunderttausende oder gar Millionen Arbeitsplätze, die marktwirtschaftlich gar nicht oder kaum noch tragbar sind, künstlich am Leben erhalten werden? Oder sollte man sich auf neue Branchen und neue Jobs fokussieren?

Marcel Fratzscher mit Ansichten über Zombieunternehmen

Hier nochmal der kurze Kommentar von Marcel Fratzscher vom 3. September auf Twitter (hier dazu unser Begleitartikel). Zitat: „Ich habe die starke Vermutung, dass niemand von denen, die sich ständig über Zombiefirmen beklagen, auch nur drei „Zombiefirmen“ beim Namen nennen und eine stichhaltige Begründung für ihr Urteil geben können.“ Es war also offensichtlich, dass Herr Fratzscher bezweifelt, dass es derzeit überhaupt Zombieunternehmen in Deutschland gibt. Einen Tag später twitterte Marcel Fratzscher dann folgendes:

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Hier zeigt er einen WELT-Artikel aus Mitte August, in dem davon die Rede ist, dass die Zahl der Zombieunternehmen droht auf 800.000 anzusteigen, und dass sie jetzt bereits laut Creditreform bei 550.000 liege. Marcel Fratzscher twittert dazu, dass 25 Prozent aller deutscher Firmen pleite gehen könnten. Wollen wir wirklich, dass ein Viertel aller deutschen Firmen jetzt pleite geht, so seine Frage an die Twitter-Community. Meint er damit, dass er doch erkennt, dass das Problem bereits da ist? Oder blieb er auch in diesem Tweet bei seiner Ansicht, dass es gar keine Zombies gibt, und dass diese hunderttausenden von Unternehmen erst dann in Schwierigkeiten geraten, wenn zusätzliche Staatshilfe ausbleibt?

Puhhhhh. Da wird einem schon fast schwindelig. Aber es geht weiter. Nur einen Tag nach diesem Tweet scheint Marcel Fratzscher mit dem folgenden Tweet der Öffentlichkeit zeigen zu wollen, dass der Begriff „Zombieunternehmen“ offenbar ein großes Missverständnis ist. Totale Überschuldung? Gar kein Problem. Denn Amazon hätte ja auch jahrelang nur Verluste produziert (was ja auch stimmt). Dazu kann man sagen: Lieber Herr Fratzscher. Gratulation (Satire). Was für ein Vergleich. Amazon hat zwar jahrelang Verluste gemacht. Aber das Unternehmen ist ständig kräftig gewachsen, und hatte eine klare Wachstumsstrategie, bei der man alle Erträge in das Wachstum steckte und auf Gewinne bewusst verzichtete. Und alle Welt konnte sehen, wie die Wachstumsstory bei Amazon nachvollziehbar immer weiter lief, in einem entsprechenden Markt, der das Potenzial dafür bot.

Alles halb so schlimm?

Mit dem Beispiel Amazon will Marcel Fratzscher offenkundig sagen: Leute, hört auch rumzujammern mit euren Zombieunternehmen. Derzeit völlig überschuldete Unternehmen können wie Amazon auch in Zukunft reihenweise wieder erfolgreich werden, wenn der Staat sie jetzt nur mit weiteren Billionensummen durch die Krise rettet. So darf man seine Ansicht wohl im Klartext ausdrücken. Also, alles wird gut in der rosa-roten Welt des Herrn Fratzscher? Übrigens: Beim Klick an dieser Stelle finden Sie im Handelsblatt einen Artikel über den Streit der liberalen Ökonomen in Deutschland gegen die Rettungs-Schuldenmachen-Ökonomen (zu denen auch Herr Fratzscher gehört). Sollte der gute Mann in den nächsten Jahren in die Politik wechseln (ein netter Posten, verschafft durch die SPD?) oder Richtung EZB abwandern, dürfte seine Agenda klar sein. Geld drucken, Schulden machen. Weiter, immer weiter.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

DIW-Chef Marcel Fratzscher
Marcel Fratzscher. Foto: © DIW Berlin / B.Dietl

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Mike Lohmann

    8. Oktober 2020 10:39 at 10:39

    Ach dieser Herr Fratzscher ist inzwischen schon berühmt für seine theoretischen Thesen und diese dürften wohl kaum mehr von einem erfahrenen Fachmann ernst genommen werden.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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am

Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Aktien

Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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