Allgemein

Negativzinsen in Schweden und die Lehren: Es bringt nichts!

Schweden-Flagge - Negativzinsen brachten nicht den gewünschten Effekt

Schweden war Trendsetter und Rekordhalter in Sachen Negativzinsen. Die Skandinavier führten als erste überhaupt Strafzinsen für Kontoguthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank ein. In Schweden gab es mit -1,25% auch die höchsten Strafzinsen weltweit. Damit wollte die Riksbank die Geschäftsbanken anregen, mehr Kredite zu vergeben. An Endkunden weitergerechte Negativzinsen sollten diese zu mehr Konsum und Unternehmen zu mehr Investition bewegen. Doch nach dem Ende der schwedischen Negativzinsphase zeigt sich, dass die Ziele nicht erreicht wurden.

Die von bisher fünf Zentralbanken weltweit übernommene Negativzinspolitik wurde von Schweden am 19. Dezember 2019 aufgegeben. An diesem Tag erhöhte die Riksbank die Zinsen von -0,25% auf 0%. Die Frage ist, warum die Zinsen erhöht werden. Normalerweise erhöhen Zentralbanken Zinsen, wenn die Inflation steigt und der Wirtschaft eine Überhitzung droht. Beides ist in Schweden nicht der Fall. Die Inflationsrate ist mit 1,8% moderat. Seit Einführung der Negativzinsen im Jahr 2009 lag sie auch nur in wenigen Monaten leicht über 2%, ansonsten stets darunter.

Kein Indikator zeigt eine nachhaltige Veränderung nach Einführung von Negativzinsen!

Das ist auch kein Wunder, denn die Wirtschaft in Schweden ließ sich durch die Negativzinsen nicht nachhaltig stimulieren. Egal, welche Parameter wir uns anschauen: Es ist keine nennenswerte oder sogar überhaupt keine Beschleunigung seit dem Unterschreiten der 0% Zinsschwellle zu erkennen. Weder nahmen Verbraucher mehr Kredite für Konsum auf, noch sparten sie weniger. Weder investierten Unternehmen mehr, noch stieg das Wirtschaftswachstum unnormal schnell an.

Lediglich der Wechselkurs der schwedischen Krone gab nach. Aber selbst das hatte keinen belebenden Effekt auf den Außenhandel. Der Handelsbilanzüberschuss sank sogar seit 2009, obwohl eine schwache Krone Exporte verbilligt und Importe verteuert, also den Überschuss theoretisch erhöhen sollte. Tatsächlich stieg der Wert der Importe seit 2009 jedoch schneller als der Wert der Exporte.

Öffentlicher Druck stimmte die schwedische Zentralbank um

Interessant ist, dass die Riksbank noch im Oktober 2019 keinen Grund für Zinssteigerungen sah, sondern im Gegenteil für eine expansivere Geldpolitik plädierte. Die Erhöhung der Zinsen zwei Monate später könnte darauf zurückzuführen sein, dass sich die Zentralbank seit geraumer Zeit öffentlicher Kritik für die Kronen-Schwäche ausgesetzt sieht. Lange wurde die Niedrigzinspolitik damit verteidigt, dass die Zentralbank nicht Inflation und Wechselkurs gleichzeitig beeinflussen könne. Wenn die Zentralbank ein Inflationsziel von 2% anstrebe und das noch nicht erreicht sei, bestünde kein Grund für Zinserhöhungen. Ende Oktober erreichte der Wert der Krone gegenüber dem US-Dollar schließlich den tiefsten Stand aller Zeiten, was den Druck abermals erhöht hat. So wie Donald Trump gegen die US-amerikanische Fed austeilt, teilte der schwedische Regierungschef gegen die Riksbank aus. Doch während Trump einen schwachen US-Dollar und niedrige Zinsen fordert, schwang bei der schwedischen Kritik der Wunsch nach höheren Zinsen und einer starken Krone mit, was für eine Exportnation wie Schweden seltsam war.

Mit der Aufgabe der Negativzinspolitik in Schweden reduziert sich die Zahl der mit solchen Zinssätzen operierenden Zentralbanken weltweit auf vier: Eurozone, Japan, Schweiz und Dänemark, die zusammen immerhin 25% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts erzeugen. Die schwedische Zentralbank schafft sich mit der Erhöhung der Zinsen in guten Zeiten zudem einen Handlungsspielraum für den Fall einer Wirtschaftseintrübung. Um im Falle einer Rezession steuernd eingreifen zu können, sollten die Zinsen nicht bereits beim Rezessionsbeginn unter 0% liegen. In genau die entgegengesetzte Richtung steuert die EZB, die noch im September die Negativzinsen von -0,4% auf -0,5% erhöhte.

Steigende Zinsen können die Vorbereitung auf eine Rezession sein

Angesichts der ausbleibenden Erfolge der Negativzinsen sollten sich auch die vier verbliebenen Notenbanken die Frage stellen, ob nicht eine Vorbereitung auf eine mögliche Rezession angebracht wäre. Wenn negative Zinsen weder Inflation, noch Wirtschaftswachstum, Investitionen, Sparquoten, Konsum und Kreditvergabe ankurbeln, dann könnte wenigstens ausgetestet werden, ob moderat steigende Zinsen überhaupt den befürchteten negativen Effekt auf die Wirtschaft haben.

Eines ist für mich klar: Wenn erst einmal eine Rezession startete, wird eine Absenkung der Zinsen von -0,5% auf vielleicht -1% kaum einen Effekt haben. Eine Absenkung von denkbaren 2% auf -1% hätte hingegen mit großer Wahrscheinlichkeit einen entlastenden Effekt. Nicht zuletzt deshalb startete die Fed schon vor geraumer Zeit ihren Zinserhöhungszyklus. Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Eurozonenbewohner ihre Zentralbank so unter Druck setzen wie die Schweden ihre Riksbank?



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Pingback: Meldungen vom 10. Januar 2020 | das-bewegt-die-welt.de

  2. Pingback: Negativzinsen in Schweden und die Lehren: Es bringt nichts! - finanzmarktwelt.de - Counternet News

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage