Folgen Sie uns

Indizes

Kampf der Notenbanken gegen Rezession – wer würde am meisten verlieren?

Die Notenbanken der Welt stemmen sich gegen die Abkühlung ihrer Volkswirtschaften mit der Standardmedizin..

Avatar

Veröffentlicht

am

Von Australien über Europa bis in die USA, die letzte Woche zeigte einen weltweiten Trend. Die Notenbanken der Welt stemmen sich gegen die Abkühlung ihrer Volkswirtschaften mit der Standardmedizin, der Zurverfügungstellung von billigem Geld – um das Abgleiten in eine Rezession zu verhindern. Nein nicht alle, es gibt eine Ausnahme: Das „Superland“ Norwegen erhöhte letzte Woche die Leitzinsen um 25 Basispunkte, wegen der starken Wirtschaft und deutete an, in der zweiten Jahreshälfte diese weiter anzuheben.

Werbung: Gratis in Aktien und ETFs investieren. Null-Provision, Null-Aufwand! Erhalten Sie eine Gratisaktie im Wert von bis zu 100€

 

Die taumelnde Weltwirtschaft – auf dem Weg in eine Rezession?

Der Rückgang im Welthandel ist dokumentiert, sei es die Weltbank, die OECD oder der Internationale Währungsfonds, alle sehen einen starken Rückgang in der Weltwirtschaft voraus, natürlich befeuert durch den Handelsstreit zwischen den führenden Wirtschaftsnationen. Die Notenbank Australiens versucht sich mit ihrer Zinssenkung dem Unvermeidlichen zu widersetzen, nämlich dem Ende eines unendlichen Aufschwungs (bereits über 27 Jahre – Weltrekord).

Japan und Europa haben unterschiedliche Beweggründe, wollen im Grunde aber auch eine mögliche Schrumpfung abwenden – und die USA?

In der größten Ökonomie scheint eine Rezession weit entfernt, aber die Fed sieht natürlich die Signale des Rentenmarktes und der Präsident braucht eine starke Wirtschaft für seine Wiederwahl.

 

Der große Aktienmarkt-Verlierer bei einer Rezession

Bei einer Rezession kam es in der Vergangenheit zu wirtschaftlichen „Standardfolgen“, die jede Regierung abzufedern versucht. Rückgang der Wirtschaftsleistung, Anstieg der Arbeitslosigkeit, Vermögenseinbußen an den Kapitalmärkten etc. Dies gilt für jede Volkswirtschaft – betrachten wir aber die Situation in den USA, so fallen einem sofort zwei Konstellationen auf, die von vielen Volkswirten einfach noch ignoriert werden.

Das Risiko der Unternehmensanleihen. Es war vermutlich einer der Gründe im Dezember 2018, warum Jerome Powell seine geldpolitische Wende vollzogen hat. Das Abstufungsrisiko der Anleihen der Unternehmen, von denen sich 54 Prozent schon im BBB-Status befinden, also knapp über Ramsch. Ein Zinsanstieg und sie würden von den Agenturen abgestuft werden, aus den Depots fliegen und vermutlich eine veritable Krise auslösen.

 

Rezession und Aktienmarktrisiko

Die Zahlen sind überaus imposant und erschreckend zugleich. Der US-Aktienmarkt ist von seinem letzten zyklischen Tief im März 2009 von unter 10 Billionen US-Dollar auf aktuell über 32 Billionen Dollar (Quelle Bloomberg) gestiegen. Die Marktkapitalisierung aller Weltbörsen beträgt hingegen gerade mal 86 Billionen Dollar.

Die Amerikaner haben einen Großteil ihres Vermögens in dieser Anlageklasse sitzen, sei es über Fonds oder ganz einfach in ihrer Altersvorsorge. Betrachtet man die Größe des Bruttoinlandsprodukts der USA (20,4 Bio.$), so wird deutlich, welche Folgen allein schon ein Bärenmarkt (> 20% Rückgang) für die Amerikaner hätte. Zwar spielt der Handelskrieg um die Vorherrschaft in der Wirtschaftswelt mittel- und langfristig eine große Rolle sowie das Handelsbilanzdefizit der USA mit über 600 Milliarden Dollar. Aber im Vergleich zur Vermögensinflation an den Aktienmärkte sind das hier fast schon die berühmten „Peanuts“.

Das wissen natürlich auch die Chinesen, nur glauben die großen Akteure an den Aktienmärkten (noch) nicht an die volle Eskalation im Handelsstreit und halten die Kurse oben.

 

Deutschlands geringe Aktienquote

Diese große Achillesferse der Amerikaner wird deutlich, wenn man die Relation Aktienmarkt-Marktkapitalisierung und Höhe des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland betrachtet. Die Bewertung aller deutschen Aktien (Dax, M-Dax, Tech-Dax, S-Dax) beträgt gerade mal gut zwei Billionen Euro, bei einem deutschen Bruttoinlandsprodukt von 3,386 Billionen Euro (2018). Ein ganz anderes Verhältnis als in den USA.

Was anlagetechnisch wie ein Fehler erscheint, bedeutet bei einer kommenden Rezession auch ein vermindertes Vermögensrisiko – zumindest für diese Kategorie. In Deutschland besitzen 16% der erwachsenen Bevölkerung Aktien, in den USA über 50

Auch in anderen Wirtschaftszonen wie Japan, China oder der EU ist das Verhältnis Marktkapitalisierung der Aktienmärkte zur Wirtschaftsleistung nicht annähernd so extrem wie in den USA.

 

Fazit

Einmal mehr wird aus diesen Überlegungen ersichtlich, welch großes Risiko der US-Präsident eingeht, wenn er den Protektionismus mit Zöllen und Sanktionen auf die Spitze treibt. Ein weiterer Einbruch der Weltwirtschaft würde auch Auswirkungen auf die USA haben und Schluss wäre es mit der Wohlstandsillusion an der Wall Street. Deshalb blickt Donald Trump auch alle paar Stunden auf den Stand des Dow Jones, seinem Referenzindex.

Das ist die Situation vor dem G20-Gipfel.

 

Die EZB versucht, eine Rezession zu verhindern

Der EZB Tower
Foto: Epizentrum – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38317255

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    25. Juni 2019 10:01 at 10:01

    Wieder eine treffende Analyse, es schadet nicht ,wenn die grösste tickende Zeitbombe (Unternehmensanleihen) wieder einmal erwähnt wird. Dazu gibt es einen treffenden Artikel von Carmen Reinhart ( Die Märkte sehen immer das was sie wollen )
    Ich bin gespannt ,wie lange die Zündschnur dieser Bombe noch verlängert werden kann.

  2. Avatar

    Lausi

    25. Juni 2019 10:40 at 10:40

    Dazu passend auch das neuste Video von Florian Homm: https://youtu.be/kXTAI8Dl5XQ Hat auch einen gewissen Unterhaltungswert – nur an seiner Aussprache sollte er noch etwas feilen 🙂

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Aktienmärkte: Perfekter Sturm? Marktgeflüster (Video)

Avatar

Veröffentlicht

am

Braut sich da für die Aktienmärkte der perfekte Sturm zusammen – mit einem Potential, wie wir es zuletzt im Januar 2018 und im Dezember 2018 gesehen haben? Manches spricht dafür: die extreme Positionierung der Investoren vor allem im US-Tech-Sektor, die mangeldenen Absicherungen (Put-Optionen), der Glaube, dass nichts schief gehen könne, weil die Fed ja als Retter jederzeit bereit stehe etc. etc. Aber nun scheint das Coronavirus vor allem in Südkorea und Japan um sich zu greifen, die WHO zeigt sich zunehmend nervös. Und die Wall Street realisiert, dass auch die amerikanischen Aktienmärkte und die US-Wirtschaft nicht immun sind gegen Schocks (heute der Einbruch beim US-Einkaufsmanagerindex vor allem im Dienstleistungsbereich)..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

weiterlesen

Aktien

Kommt eine 10% Korrektur bei Aktien? China pumpt Geld, Gold steigt, und zwei Aktienideen

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

China pumpt Milliarden ins Finanzsystem und senkt seinen Leitzins. Das soll helfen gegen die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus. Manuel Koch bespricht das Börsengeschehen dieser Woche im folgenden Video. Goldman Sachs sieht die Möglichkeit, dass die Aktienmärkte um 10% einbrechen könnten. Gold hat laut Empfehlungen der trading-house Börsenakademie, die im Video besprochen werden, die Möglichkeit auf 1.700 Dollar zu steigen. Die Aktie von Airbus sei eine Short-Idee. Für beide Empfehlungen gibt es im Video konkrete Einstiegsmarken.

weiterlesen

Indizes

Die EZB hat eine Meinung zur aktuellen Hausse am Aktienmarkt

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Die Zentrale der EZB in Frankfurt

Wie viele Kommentatoren gibt es dieser Tage, die kund tun, dass die aktuelle Hausse am Aktienmarkt eine Manie ist, eine reine Gier, ein Trieb der Angst, weil man keine Gewinne verpassen will, usw. Dazu noch billiges Geld von den Notenbanken, die Aktien fast alternativlos machen. Also, alles stumpf rein in den Aktienmarkt? Das Lustige oder auch Traurige ist: Einer der Hauptverursacher dieser Situation meldet sich zu Wort, und sieht das kritisch, was er geschaffen hat. Es ist die EZB.

Es ist eine knochentrockene Aufgabe sich durch den vier Wochen verzögert veröffentlichten Sitzungstext der EZB zu kämpfen. Aber mit einem Tag Verzögerung haben wir uns das angetan. Gestern wurde nämlich der Sitzungstext des EZB-Rats aus Januar veröffentlicht. Und siehe da, man hat auch eine Meinung zum Aktienmarkt. Eigentlich äußert sich die Europäische Zentralbank nicht zu konkreten Entwicklungen am Aktienmarkt. Denn man ist ja ein „neutraler“ Player, und hat nur die Preisstabilität im Blickpunkt? Aber sie äußert sich im aktuellsten Sitzungsprotokoll wie folgt (ins Deutsche übersetzt):

Es sei angemerkt worden (man merkt schon, Protokollanten-Slang), dass der Anstieg des Aktienmarktes nicht mit einer Verbesserung der Gewinnerwartungen (der Unternehmen) in Zusammenhang zu stehen scheint. Wie es auch in den Vereinigten Staaten der Fall zu sein scheint, deute dies auf eine mögliche Abkoppelung zwischen den lebhaften Finanzmärkten und den weiterhin gedämpften Aussichten für die Realwirtschaft hin. Es wurde auf die Aktienmärkte verwiesen, wo der anhaltende Anstieg der Bewertungen nur schwer mit den schwächeren Gewinnaussichten auf beiden Seiten des Atlantiks, den gedämpften Gewinnmargen und der allgegenwärtigen Unsicherheit zu vereinbaren war. Es wurde auch angemerkt, dass höhere Immobilienpreise zu einer Fragilität des Finanzsystems führen könnten, die durch die makroprudenzielle Politik nicht ausreichend berücksichtigt werden könnte.

Dazu kann man nur sagen: Die Diagnose mag zwar richtig sein. Aber dass der Verursacher sich besorgt zeigt über die Folgen seines eigenen Handelns, ist schon bemerkenswert!

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen