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Kampf der Notenbanken gegen Rezession – wer würde am meisten verlieren?

Die Notenbanken der Welt stemmen sich gegen die Abkühlung ihrer Volkswirtschaften mit der Standardmedizin..

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Von Australien über Europa bis in die USA, die letzte Woche zeigte einen weltweiten Trend. Die Notenbanken der Welt stemmen sich gegen die Abkühlung ihrer Volkswirtschaften mit der Standardmedizin, der Zurverfügungstellung von billigem Geld – um das Abgleiten in eine Rezession zu verhindern. Nein nicht alle, es gibt eine Ausnahme: Das „Superland“ Norwegen erhöhte letzte Woche die Leitzinsen um 25 Basispunkte, wegen der starken Wirtschaft und deutete an, in der zweiten Jahreshälfte diese weiter anzuheben.

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Die taumelnde Weltwirtschaft – auf dem Weg in eine Rezession?

Der Rückgang im Welthandel ist dokumentiert, sei es die Weltbank, die OECD oder der Internationale Währungsfonds, alle sehen einen starken Rückgang in der Weltwirtschaft voraus, natürlich befeuert durch den Handelsstreit zwischen den führenden Wirtschaftsnationen. Die Notenbank Australiens versucht sich mit ihrer Zinssenkung dem Unvermeidlichen zu widersetzen, nämlich dem Ende eines unendlichen Aufschwungs (bereits über 27 Jahre – Weltrekord).

Japan und Europa haben unterschiedliche Beweggründe, wollen im Grunde aber auch eine mögliche Schrumpfung abwenden – und die USA?

In der größten Ökonomie scheint eine Rezession weit entfernt, aber die Fed sieht natürlich die Signale des Rentenmarktes und der Präsident braucht eine starke Wirtschaft für seine Wiederwahl.

 

Der große Aktienmarkt-Verlierer bei einer Rezession

Bei einer Rezession kam es in der Vergangenheit zu wirtschaftlichen „Standardfolgen“, die jede Regierung abzufedern versucht. Rückgang der Wirtschaftsleistung, Anstieg der Arbeitslosigkeit, Vermögenseinbußen an den Kapitalmärkten etc. Dies gilt für jede Volkswirtschaft – betrachten wir aber die Situation in den USA, so fallen einem sofort zwei Konstellationen auf, die von vielen Volkswirten einfach noch ignoriert werden.

Das Risiko der Unternehmensanleihen. Es war vermutlich einer der Gründe im Dezember 2018, warum Jerome Powell seine geldpolitische Wende vollzogen hat. Das Abstufungsrisiko der Anleihen der Unternehmen, von denen sich 54 Prozent schon im BBB-Status befinden, also knapp über Ramsch. Ein Zinsanstieg und sie würden von den Agenturen abgestuft werden, aus den Depots fliegen und vermutlich eine veritable Krise auslösen.

 

Rezession und Aktienmarktrisiko

Die Zahlen sind überaus imposant und erschreckend zugleich. Der US-Aktienmarkt ist von seinem letzten zyklischen Tief im März 2009 von unter 10 Billionen US-Dollar auf aktuell über 32 Billionen Dollar (Quelle Bloomberg) gestiegen. Die Marktkapitalisierung aller Weltbörsen beträgt hingegen gerade mal 86 Billionen Dollar.

Die Amerikaner haben einen Großteil ihres Vermögens in dieser Anlageklasse sitzen, sei es über Fonds oder ganz einfach in ihrer Altersvorsorge. Betrachtet man die Größe des Bruttoinlandsprodukts der USA (20,4 Bio.$), so wird deutlich, welche Folgen allein schon ein Bärenmarkt (> 20% Rückgang) für die Amerikaner hätte. Zwar spielt der Handelskrieg um die Vorherrschaft in der Wirtschaftswelt mittel- und langfristig eine große Rolle sowie das Handelsbilanzdefizit der USA mit über 600 Milliarden Dollar. Aber im Vergleich zur Vermögensinflation an den Aktienmärkte sind das hier fast schon die berühmten „Peanuts“.

Das wissen natürlich auch die Chinesen, nur glauben die großen Akteure an den Aktienmärkten (noch) nicht an die volle Eskalation im Handelsstreit und halten die Kurse oben.

 

Deutschlands geringe Aktienquote

Diese große Achillesferse der Amerikaner wird deutlich, wenn man die Relation Aktienmarkt-Marktkapitalisierung und Höhe des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland betrachtet. Die Bewertung aller deutschen Aktien (Dax, M-Dax, Tech-Dax, S-Dax) beträgt gerade mal gut zwei Billionen Euro, bei einem deutschen Bruttoinlandsprodukt von 3,386 Billionen Euro (2018). Ein ganz anderes Verhältnis als in den USA.

Was anlagetechnisch wie ein Fehler erscheint, bedeutet bei einer kommenden Rezession auch ein vermindertes Vermögensrisiko – zumindest für diese Kategorie. In Deutschland besitzen 16% der erwachsenen Bevölkerung Aktien, in den USA über 50

Auch in anderen Wirtschaftszonen wie Japan, China oder der EU ist das Verhältnis Marktkapitalisierung der Aktienmärkte zur Wirtschaftsleistung nicht annähernd so extrem wie in den USA.

 

Fazit

Einmal mehr wird aus diesen Überlegungen ersichtlich, welch großes Risiko der US-Präsident eingeht, wenn er den Protektionismus mit Zöllen und Sanktionen auf die Spitze treibt. Ein weiterer Einbruch der Weltwirtschaft würde auch Auswirkungen auf die USA haben und Schluss wäre es mit der Wohlstandsillusion an der Wall Street. Deshalb blickt Donald Trump auch alle paar Stunden auf den Stand des Dow Jones, seinem Referenzindex.

Das ist die Situation vor dem G20-Gipfel.

 

Die EZB versucht, eine Rezession zu verhindern

Der EZB Tower
Foto: Epizentrum – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38317255

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    25. Juni 2019 10:01 at 10:01

    Wieder eine treffende Analyse, es schadet nicht ,wenn die grösste tickende Zeitbombe (Unternehmensanleihen) wieder einmal erwähnt wird. Dazu gibt es einen treffenden Artikel von Carmen Reinhart ( Die Märkte sehen immer das was sie wollen )
    Ich bin gespannt ,wie lange die Zündschnur dieser Bombe noch verlängert werden kann.

  2. Avatar

    Lausi

    25. Juni 2019 10:40 at 10:40

    Dazu passend auch das neuste Video von Florian Homm: https://youtu.be/kXTAI8Dl5XQ Hat auch einen gewissen Unterhaltungswert – nur an seiner Aussprache sollte er noch etwas feilen :-)

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