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Märkte

Ölpreis-Absturz geht weiter: Die aktuellsten Gründe und ein Ausblick

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der Ölpreis kollabiert weiter. Gestern hatten wir vor dem nächsten großen Absturz schon gewarnt, und so kam es denn auch (schlecht verstecktes Eigenlob). Um 16:30 Uhr deutscher Zeit brachte die US-Energiebehörde ihre wöchentlich vermeldten Lagerbestände für Rohöl. Bei einer Erwartung von minimalen Rückgängen in den Lagern wurde es ein Zuwachs von 6,8 Millionen Barrels. Was für ein Desaster für die Öl-Bullen am Terminmarkt.

Öl-Lagerbestände USA seit 2015

Öl-Lager in den USA werden voller

Der Chart der Lagerbestände reicht zurück ins Jahr 2015. Man sieht in den letzten Wochen den deutlichen Anstieg der Lager von 440 auf jetzt 483,3 Millionen Barrels. Je höher die Lagerbestände, desto mehr Angebotsmenge ist offensichtlich auf dem Markt, die keinen Abnehmer findet, und daher eingelagert werden muss. Das ist natürlich negativ für den Ölpreis-Verlauf. Auch die US-Fördermenge steigt im Wochenvergleich weiter an auf 12,4 von vorher 12,3 Millionen Barrels pro Tag. Das drückt auch auf den Preis!

Und so fiel der WTI-Ölpreis gestern ab 16:30 Uhr innerhalb von 90 Minuten um mehr als 2 Dollar auf 50,58 Dollar im Tief. Letzte Woche geschah genau das selbe (zwei Pfeile im folgenden Chart). Nach den Lagerdaten kam der kräftige Absacker. Mit aktuell 51,84 Dollar konnte sich der Ölpreis über Nacht wieder etwas erholten, aber er notiert immer noch gut 1 Dollar unter dem Niveau von gestern kurz vor der Lager-Veröffentlichung. Und er notiert weiterhin unter der Marke von 52,11 Dollar, dem wichtigen Tief von letztem Freitag. Damit ist der Weg für tiefere Kurse offen, zumindest aus charttechnischer Sicht.

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Ölpreis WTI auf kurze Sicht

Ölpreis-Entwicklung Vorschau charttechnisch und fundamental

Es gab diese Woche auch Presseorgane, die auf die stützenden Aussagen der Saudis vom Montag hinwiesen („wir tun alles um den Markt zu stabilisieren“). Deshalb sei der Ölpreis Montag und Dienstag nicht weiter gefallen. Dazu meinen wir: Man schaue am besten nochmal in den Chart vom Montag. WTI-Öl stieg nach den Saudi-Aussagen um 50 Cent an, um kurz darauf wieder 50 Cent zu fallen. Die Saudi-Aussagen interessieren den Terminmarkt zumindest letzte und diese Woche nicht. Handelskrieg, US-Zinsen und vor allem die Lager sind im Augenblick zumindest (!) wichtiger für die Trader.

Natürlich könnte man abgesehen von der kurzfristigen Charttechnik auch fragen, ob bei Betrachtung des Gesamtbildes der Ölpreis nicht langsam mal genug gefallen ist. Verbleiben tut zum einen die Unterstützung bei 50 Dollar (eine psychologisch runde Summe). Der in den USA hoch angesehene Öl-Experte John Kilduff erwähnte jüngst bei CNBC nach den aktuellen Lagerdaten, wie wichtig die 50 Dollar-Marke als Support ist. Denn vorher sei es für den Markt sehr schwer gewesen sie nach oben zu durchbrechen. Und vor allem das Tief bei 43 Dollar aus Dezember 2018 ist ein gigantisch großer Widerstand, so meinen wir. Von 66 auf 52 Dollar ist WTI gefallen, und das in nur sechs Wochen. Das müsste doch eigentlich reichen als „große“ Verschnaufpause im Ölpreis? Im größeren Gesamtbild, welches auch die Fundamentaldaten einschließt, wollen wir auch immer die OPEC mit ihren Mengenkürzungen im Auge behalten, welche vermutlich für den Rest des Jahres verlängert werden.

Und die Sanktionen der USA gegen Venezuela und Iran bleiben ja auch bestehen. Diese Faktoren könnten (nicht müssen) in den kommenden Wochen wieder an Wichtigkeit gewinnen. Also wie gesagt. Charttechisch ist der Weg frei für einen tieferen Ölpreis. Fundamental könnten auf mittlere Sicht höhere Kurse gerechtfertigt sein. Wie immer unser Hinweis: Der Ölmarkt ist und bleibt unberechenbar. Bilden Sie sich bitte ihre eigene Meinung!

Ölpreis WTI seit September 2018
Der WTI-Ölpreis seit September 2018.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Gixxer

    7. Juni 2019 12:41 at 12:41

    „Charttechisch ist der Weg frei für einen tieferen Ölpreis. Fundamental könnten auf mittlere Sicht höhere Kurse gerechtfertigt sein.“
    Sehe das ähnlich: auf kurze Sicht (ein paar Tage) sollten höhere Kurse drin sein. Auf Sicht von zwei, drei Wochen würde ich aber sogar mit Kursen von unter 50$ rechnen.

  2. Avatar

    Prognosti

    7. Juni 2019 14:28 at 14:28

    Trump wollte einen tieferen Ölpreis, Trump wollte tiefere Zinsen, dank der Zölle die die Wirtschaft abwürgen bekommt der GröPaz alles was er will. Die Rechnung wird später präsentiert.

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Finanznews

Aktienmärkte: Ich werde bullisch – schnell verkaufen! Marktgeflüster (Video)

Wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen! Deshalb werde ich jetzt extrem bullisch – Aktien steigen immer!

Markus Fugmann

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Die Konjunktur in den USA brummt, wie heutige Daten zeigen – also werde ich jetzt bullisch für die Aktienmärkte! Denn wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen, oder? Dazu kommt jetzt auch noch der Stimulus in den USA – besser geht nicht! Und nächste Woche werden Apple, Facebook und Tesla ihre Zahlen berichten – das wird sicher extrem bullisch werden, denn die tollen Zahlen sind bestimmt noch nicht ausreichend eingepreist, oder? Ausserdem: Aktien steigen immer – das zeigt schon der Blick in die Geschichte! Und heute ist Janet Yellen als Finanzministerin bestätigt worden – können Sie sich an einen einzigen Tag erinnern, an dem die Aktienmärkte gefallen sind, als Yllen noch Fed-Chefin war? Eben..

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Allgemein

Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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Konjunkturdaten

Aktuell: Öl-Lagerbestände +4,4 Mio Barrels (jetzt 486,6 Mio)

Claudio Kummerfeld

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Die wöchentlich vermeldeten Öl-Lagerbestände in den USA (Rohöl) wurden soeben mit 486,6 Mio Barrels veröffentlicht. Dies ist im Vergleich zur Vorwoche ein Plus von 4,4 Mio Barrels, wobei die Erwartungen zur Vorwoche bei -1,1 lagen.

Die Benzinbestände wurden im Vergleich zur Vorwoche mit -0,3 Millionen Barrels veröffentlicht. Die Erwartungen gegenüber der Vorwoche lagen bei +2,8 Millionen Barrels.

Die Dienstag Abend um 22:35 Uhr veröffentlichten API-Lagerbestände wurden mit +2,6 Mio Barrels beim Rohöl gemeldet (-0,3 erwartet).

Der Ölpreis (WTI) reagiert in den ersten Augenblicken nach Verkündung mit -7 Cents bei 52,43 Dollar.


source: tradingeconomics.com

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