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Märkte

Ölpreis-Absturz um 5 Dollar – Gründe, Rückblick, Ausblick

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Was für eine Hammer-Bewegung. Binnen 27 Stunden fällt der Ölpreis (WTI) um etwas mehr als 5 Dollar auf einen Tiefstkurs von 57,30 Dollar gestern Abend. Aktuell hat er sich über Nacht etwas erholt auf 58,54 Dollar. Was ist passiert? Und kann man die folgenden Begründungen für diesen Absturz wirklich erst nehmen?

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Lagerbestände, Konjunktur und Handelskrieg

Wir berichteten schon gestern über die Initialzündung für diesen Absturz. Im Chart sieht man ganz klar den Ausgangspunkt beim Ölpreis-Absturz. Es war Mittwoch um 16:30 Uhr deutscher Zeit, als die Öl-Lagerbestände in den USA höher als erwartet vermeldet wurden. Vollere Lager drücken auf den Preis. Aber wie wir gestern schon schrieben, steigen die Lager schon seit Monaten immer weiter an. Also jetzt auf einen Schlag so zu tun, als sei das ein ganz neuer Trend, reicht nicht als Auslöser für einen ganz plötzlichen 5 Dollar starken Absturz.

Trader am Terminmarkt wie auch Finanzmedien in den USA bringen nun noch weitere Gründe für den starken Absturz. Von Mittwoch Abend bis gestern Mittag gab es eine Pause in diesem Mini-Crash. Dann ging es weiter von 61 Dollar runter auf 57,30 Dollar. Dieser zweite Schub war unserer Meinung nach eine Art technischer Abverkauf. Endlich mal kräftig drauf hauen und Luft ablassen nach dem monatelangen Anstieg im Ölpreis! Aber Trader und Finanzmedien sagen dazu, dass neben den Öl-Lagern ja gestern auch noch negative Wirtschaftsdaten aus Europa und Japan hinzu kamen. Und der böse Handelskrieg, der habe gestern (ganz plötzlich?) auch Ängste geschürt. Ja, ja, ganz plötzlich will man bemerkt haben, dass die Konjunktur Probleme bekommen könnte, weshalb die Nachfrageseite schwächeln könnte?

Ölpreis nun nach unten ausgebrannt?

Nach unserer Meinung ist das eine eher fadenscheinige Begründung. Denn schwache Konjunkturdaten gibt es schon seit Monaten, und der Handelskrieg läuft ebenfalls seit Wochen auf Hochtouren. Wir glauben weiterhin an einen technisch bedingten und vielleicht auch überfälligen kräftigen Abverkauf, damit mal Luft aus dem Ballon abgelassen werden kann. Wie geht es weiter? Im folgenden Chart sieht man den WTI-Ölpreis seit dem 15. Mai. Eingezeichnet sind die beiden Abwärtsschübe seit Mittwoch Nachmittag. Dass nach unten die Luft raus ist, und dass die Begründungen nur vorgeschoben waren, damit man mal kräftig abverkaufen konnte, ist durchaus möglich. Ein neuer, großer, kräftiger Anlauf auf Kurse über 63 oder 65 Dollar ist in den nächsten Tagen möglich. Sicher ist das aber natürlich nicht! Wir können es nicht oft genug betonen. Der Ölmarkt ist und bleibt unberechenbar.

Ölpreis WTI kurzfristig

Ölpreis-Korrektur im großen Bild

Im folgenden Chart sieht man den Ölpreis-Verlauf seit August 2018. Von 42 Dollar stieg der Kurs bis auf über 66 Dollar. Dass eine Erholung oder auch Pause notwendig war, ist nachvollziehbar. Seit Wochen besprechen wir dieses Thema. Nur wie lange und wie groß diese Verschnaufpause werden würde, konnten auch wir natürlich unmöglich vorhersagen. Nach einem leichten Abwärtstrend seit Ende April hat der Kurs dann seit gestern nochmal kräftig nachgegeben. Frage auch anhand dieses Charts: War es das jetzt mit der Pause? Kann der Öl-Bulle jetzt erneut einsteigen und auf Kurse über 63 oder 65 Dollar spekulieren? Gut möglich. Aber nochmal: Der Ölmarkt ist und bleibt unberechenbar, wie man jüngst sehen konnte.

Ölpreis WTI langfristig

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Gixxer

    24. Mai 2019 12:48 at 12:48

    Die Gründe für den Absturz kenne ich auch nicht, ich hatte aber schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass Ende April 2019 in etwa das 61,8% Retracement der Abwärtsbewegung von Oktober bis Dezember 2018 erreicht wurde. In der Folgezeit kam es dann zu einem (drei-welligen) Rückgang bis im Tief auf ca. 60$ am 06.05. Von da an ging es dann wackelig oder überschneidend wie Herr Born immer so schön sagt bis auf nicht ganz 64$ (ca. 50% Retracement des Rückgangs von Ende April bis 06.05.), danach ging es dann zügig nach unten und spätestens gestern wurde man nach unten getriggert (wieder frei nach Rüdiger Born).
    Während der ganzen Zeit gab es meiner Meinung nach mehrere Möglichkeiten relativ risikolos short einzusteigen. Klar, hinterher kann das jeder behaupten.

    Wie sieht es jetzt aber für die kommende Zeit aus?

    Ganz einfach, aktuell sieht es meiner Meinung nach nach einem erfolgten Schub nach unten wieder nach einem wackeligen und überschneidendem Aufwärtsmove aus. Also sollte man sich nun wieder auf die Lauer legen und abwarten, ob es evtl. wieder zu einem Trigger nach unten kommt.
    Ich für meinen Teil denke auf jeden Fall, dass wir trotz der Probleme zwischen USA und Iran noch nicht fertig haben nach unten. Man wird es sehen.

    So, das war jetzt zwar nichts zu den Gründen des Absturzes, aber den Grund muss man ja auch gar nicht kennen, wichtig ist eher, dass man weiß in welche Richtung es geht.

  2. Avatar

    Beobachter

    24. Mai 2019 13:22 at 13:22

    @ Gixxer, ja sie haben recht, der Ölmarkt hat weder mit der Wirtschaft noch den Vorräten etwas zu tun.
    Was auffallend ist, übrigens auch bei anderen Märkten, dass diese 61,8 % Marke sehr oft eine Gegenbewegung auslöst, also charttechnisch bedingt.
    Könnte einmal ein Charttechniker erklären wie man auf diese Marken z.B. 31,2% , 61,8 % u.s.w. kommt.

    • Avatar

      Shong09

      24. Mai 2019 13:31 at 13:31

      Unter Fibonacci sollten Sie etwas dazu finden

  3. Avatar

    Beobachter

    24. Mai 2019 15:28 at 15:28

    @Shong 09, Danke für den Hinweis, hatte die Marke im Auge, getraute mich wegen den Iran Sanktionen nicht zu shorten. War schon eingepreist ,oder typisch unberechenbarer Ölpreis, er fällt. Zwei / drei Wüstensöhne bestimmen diesen Markt, oder konnte der Gröpaz mit einem schmierigen Deal etwas nachhelfen, nachdem die FED mit den Zinsen nicht so richtig spurt ?

    • Avatar

      Shong09

      24. Mai 2019 16:04 at 16:04

      Habe mich wegen der Iran Sanktionen auch keinen Short im Öl getraut. Über den Dow ist quasi der gleiche Trade (Abschwung der Wirtschaft) aber längst nicht so risikoreich bei Ausbruch des Kriegs (meiner Meinung nach) durchzuführen.
      Das Ertragspotenzial mag evtl. im Vergleich leicht niedriger liegen

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Indizes

Andre Stagge über Dax-Turnaround nach großem Verfall und Sommerloch-Short-Strategie

Redaktion

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Von

Der Experte Andre Stagge bespricht im folgenden Video zwei interessante Strategien im Detail. Als da wären Turnarounds im Dax nach dem jeweiligem großen Verfallstag, der viel Mal im Jahr stattfindet (fand erst letzten Freitag statt). Wie geht es dann ab morgen weiter im Dax? Auch die Sommerloch-Short-Strategie wird angesprochen. Mehr zu Andre Stagge und seinen Strategien finden Sie hier. Den YouTube-Kanal von Andre Stagge finden Sie hier.

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Finanznews

Aktienmärkte: Tech-Aktien wieder schwach – Zufall? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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Auch heute sind es wieder die relativ schwachen Tech-Aktien, die die amerikanischen Aktienmärkte belasten. Ist das Zufall? Oder vielmehr eine Folge der Ent-Hebelung, die nun am großen Verfallstag seine Fortsetzung findet? Die große Frage ist und bleibt: wieviel der Ent-Hebelung hat bereits stattgefunden? Die Optionen auf US-Aktien verfallen heute um 22Uhr – die Folgewirkungen des Verfalls könnten dann aber vor allem Anfang nächster Woche auf die Aktienmärkte wirken. So oder so: value-Aktien laufen gegenüber growth-Aktien so gut wie seit dem Jahr 2001 nicht mehr – die Rotation raus aus den Tech-Werten geht also weiter. Derzeit viel stärker – auch das wohl kein Zufall – ist im Vergleich zum Nasdaq der Dax..

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Aktien

Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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