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Märkte

Ölpreis steigt – mit Bodenbildung? Erneute Warnung, Achtung

Claudio Kummerfeld

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am

Der Ölpreis zeigt heute wie auch die Aktienindizes eine ganz vorsichtig positive Grundstimmung. Denn am Donnerstag beginnen in Washington DC neue Gespräche zwischen China und den USA bezüglich des auf Hochtouren laufenden Handelskriegs. Und als positive „Anschubhilfe“ in die Woche kann man auch die US-Arbeitsmarktdaten vom letzten Freitag ansehen. Die fielen zwar schlechter aus als erwartet. Aber der Vormonat wurde kräftig nach oben revidiert bei den neu geschaffenen Stellen in den USA, so dass der Markt am Freitag auch schon mal freudig reagierte, weil man hofft, dass es auch für September in vier Wochen eine Aufwärts-Revision geben wird. Und so kamen Öl und Indizes von Freitag Nachmittag bis jetzt ganz leicht positiv in die Woche. Alles gut also?

Ölpumpe Beispielbild - Ölpreis mit Bodenbildung?
Foto: pixabay / ARMBRUSTERBIZ

Ölpreis leicht am Ansteigen

Der WTI-Ölpreis ist von Freitag vor den Arbeitsmarktdaten in den USA von 52,60 Dollar bis jetzt auf 53,58 Dollar gestiegen. Schaut man auf die letzten Tage, so könnte man mit viel positiver Energie aus heutiger Rückschau sagen: Ja, da hat sich vielleicht ein kleiner Boden gebildet bei 52,50 Dollar, wenn man den Absturz am Donnerstag ignoriert. Aber es ist eine eher schwammige und wacklige Hoffnung, dass dies schon eine wirklich stabile Bodenbildung ist.

WTI Ölpreis Verlauf in den letzten 10 Tagen

Vorsicht

Schon am Freitag hatten wir gewarnt, und tun es heute erneut. Sich auf Hoffnungen rund um neue China-USA-Gespräche zu stützen, sowie auf eine ziemlich wacklige Bodenbildung im Chart, da braucht man gute Nerven, und vielleicht einiges an Luft auf dem Margin-Konto beim Broker. Aber wir wollen niemandem hier eine Empfehlung für Long oder Short aussprechen!

Die beiden ISM-Indizes am Dienstag und Donnerstag ließen die Aktienindizes und den Ölpreis schnell und spürbar fallen. Das zeigt, wie fragil die Lage ist. Negative Konjunkturdaten können den Ölpreis schnell runterziehen. Auch die Tatsache, dass die Saudis ihren Ausfall von 5,7 Millionen Barrels pro Tag binnen zwei Wochen wieder hochfahren konnten nach diesen heftigen Angriffen, das hat den Markt entspannt (fallende Preise). Heute kamen aus Deutschland wirklich sehr schlechte Daten für die Auftragseingänge der Industrie (im August -6,7% im Jahresvergleich).

Auch das sollte den Gesamtmarkt eigentlich negativ beeinflussen, was aber offenbar ignoriert wird. Und ob die am Donnerstag startenden Gespräche in Washington DC überhaupt etwas Positives zu Tage fördern, ist völlig unklar. Hinzu kommen diese Woche noch von Energieagenturen Monatsberichte, die womöglich Abwärtsrevisionen auf der Nachfrageseite bringen könnten. Also, die Lage für Bullen ist sehr unsicher, auch wenn sich der Ölpreis in diesem Moment (!) relativ ruhig zeigt.

Kurzfristig positiv für den Ölpreis?

Kurzfristig leicht positiv für die Bullen sind die Massenproteste im Irak zu bewerten, welche eventuell die Öl-Lieferungen des Landes beeinträchtigen könnten. Aber mal ehrlich. Die Erfahrungen zeigen, dass die Öllieferungen durch solche Ereignisse nie strukturell gefährdet sind, sondern immer nur kurzfristig. Auch werden in Libyen Öl-Anlagen runtergefahren aus Wartungsgründen. Kurzfristig mag ein wenig Angebot fehlen, aber ab in einer Woche geht es auch schon wieder zurück auf Normalniveau.

Auch in der Nordsee vor Großbritannien gibt es Reparaturen an einer Pipeline, was vielleicht für kurze Zeit die Angebotsseite beeinflusst. Aber wie auch bei den großen Stürmen, die hin und wieder im Golf von Mexiko das Angebot in den USA beeinflussen – es sind immer nur Ereignisse, die für ein paar Tage einen kleinen Effekt haben, und danach kehrt man auf das alte Niveau zurück. Von daher sollte man (so unsere Meinung) nicht zu viel Hoffnung geben in solche News, dass sie die Angebotsseite negativ beeinflussen.

Der aktuelle kleine Anstieg im Ölpreis kann auch immer noch als technische Reaktion auf den wochenlang stark fallenden Preis angesehen werden. Aber wir haben auch keine Glaskugel. Handelskrieg (inklusive Donald Trump-Tweets), Konjunkturdaten, Lagerbestände und Energieagenturen können diese Woche für reichlich Wirbel am Ölmarkt sorgen. Blind vertrauen sollte man als Öl-Bulle nicht auf diese aktuelle „Bodenbildung“. Schaut man sich den WTI-Ölpreis im folgenden Chart mal im etwas größeren Bild an seit Dezember 2018, dann erkennen Chartisten seit Juni drei Tiefpunkte um die 51 Dollar. Hier könnte man von einer Unterstützung sprechen, wovon wir jetzt aber noch 2,5 Dollar entfernt sind. Am Ende (Stammleser können es wohl nicht mehr hören) der Hinweis: Der Ölmarkt ist und bleibt unberechenbar. Verlassen Sie sich bitte nicht nur auf unsere Meinung/Berichterstattung. Bilden Sie sich bitte Ihre eigene Meinung.

Öl WTI seit Dezember 2018

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Aktien

Handel bei Trade Republik ausgefallen, Robinhood lässt für Zockeraktien nur Positionsschließung zu

Claudio Kummerfeld

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am

Dass es so kommen würde, hatten einige Beobachter schon gemunkelt (so auch wir). Ohh Wunder, ohh Wunder. Robinhood, der namhafteste Broker für die neue hippe junge Zocker-Generation, hat nun bekanntgegeben, dass man erst einmal den Handel für die beliebtesten Zocker-Aktien stark einschränkt wird – und zwar so, dass nur noch offene Positionen geschlossen werden können. Dazu gehört auch die Aktie von Gamestop. Auch Margins werden angehoben. Beim deutschen Pendant „Trade Republic“ ist die komplette Trading App seit mehreren Stunden offenbar zu großen Teilen nicht nutzbar.

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We continuously monitor the markets and make changes where necessary. In light of recent volatility, we are restricting transactions for certain securities to position closing only, including $AAL, $AMC, $BB, $BBY, $CTRM, $EXPR, $GME, $KOSS, $NAKD, $NOK, $SNDL, $TR, and $TRVG. We also raised margin requirements for certain securities.

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Indizes

Rüdiger Born: S&P 500 noch nicht willig für einen Rücksetzer?

Rüdiger Born

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Ist der S&P 500 noch nicht willig für einen Rücksetzer? Das schaue ich mir im folgenden Video direkt am Chart etwas genauer an.

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Gold/Silber

World Gold Council meldet für 2020 Rekordzahlen – positive wie negative

Jörg Bernhard

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Ein Barren Gold

Der Goldpreis performte im vergangenen Jahr mit plus 24,6 Prozent ausgesprochen gut. In den einzelnen Marktsegmente entwickelte sich die weltweite Nachfrage nach Gold allerdings eher uneinheitlich.

Rekordhohe Zuflüsse bei ETFs

Der World Gold Council (WGC), die Interessenvertretung internationaler Goldminenunternehmen, liefert alle drei Monate interessante Daten zum Goldmarkt. Diesmal standen Zahlen zum vierten Quartal bzw. zum Gesamtjahr 2020 zur Bekanntgabe an. Grundsätzlich kann man festhalten: Zu verdanken war die starke Performance im Goldpreis vor allem stark verunsicherten Investoren (unter Joe Biden wird es nicht einfach – mehr dazu hier).

Bei physisch hinterlegten Gold-ETFs (Begriffserklärung hier) fiel das weltweite Kaufinteresse besonders stark ins Gewicht. Obwohl im vierten Quartal Abflüsse in Höhe von 130 Tonnen zu Buche schlugen, haben sich auf Jahressicht die Goldbestände dieser Wertpapiere um 120 Prozent auf 877,1 Tonnen erhöht. Damit wurde zudem der bisherige Rekord aus dem Jahr 2009 (646,1 Tonnen) deutlich übertroffen. Bergauf ging es aber auch mit dem Interesse an Goldbarren bzw. -münzen, wenngleich deutlich weniger dynamisch. Weil in China (-6 Prozent) und Indien (-11 Prozent) deutliche Rückgänge zu verzeichnen waren, war hier insgesamt lediglich ein Zuwachs um drei Prozent auf 896,1 Tonnen verzeichnet worden.

Rekordtief bei der globalen Schmucknachfrage

Ausgesprochen schlecht entwickelte sich im vergangenen Jahr jedoch die Schmucknachfrage. In diesem Marktsegment stellte sich nämlich corona-bedingt ein kräftiger Nachfrageeinbruch bei Gold in Höhe von 34 Prozent auf das Rekordtief von 1.411,6 Tonnen ein. Die beiden wichtigsten Nachfragenationen China (-35 Prozent) und Indien (-42 Prozent) waren hierfür hauptverantwortlich.

Nachlassendes Interesse war aber auch im Notenbankensektor zu beobachten. Nachdem sich die Nettokäufe der Zentralbanken im Jahr 2019 noch auf 668,5 Tonnen belaufen haben, gab es für das vergangene Jahr mit 272,9 Tonnen Gold einen markanten Einbruch um 59 Prozent zu beklagen. Bei der Industrienachfrage überwogen ebenfalls die negativen Vorzeichen. Gegenüber den Vorjahreszahlen stellte sich in diesem Marktsegment ein Minus von sieben Prozent auf 301,9 Tonnen ein.

Last but not least: Auf der Angebotsseite in Gold gab es für 2020 – bedingt durch die Pandemie – trotz des steigenden Goldpreises einen Rückgang des globalen Goldangebots um vier Prozent auf 4.633,1 Tonnen zu beklagen. Während im Recyclingsektor (+ 1 Prozent) leichte Zuwächse erzielt wurden, haben die Lockdowns in der Minenproduktion (-4 Prozent) signifikante Einbußen verursacht.

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