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Ölpreis fällt weiter deutlich – warum? Expertin bringt es auf den Punkt

Öl-Bohrinsel

Der Ölpreis fällt immer weiter. Brent und WTI-Öl fallen beide kräftig. Heute ist nun auch das europäische Brent unter die große runde Marke von 100 Dollar gefallen. Vorhin unter 98 Dollar, notiert es aktuell bei 100,28 Dollar. WTI notiert aktuell bei 96,20 Dollar nach 109 Dollar noch am Freitag Abend. Bei den tagelang starken Anstiegen zum Auftakt des Ukraine-Kriegs, und jetzt bei den tagelang enormen Preisrückgängen, da sind zwei, drei Dollar rauf und runter im Ölpreis derzeit kaum noch nennenswerte Bewegungen. Was sind die Gründe für den weiteren Preissturz?

Geopolitik hilft Ölpreis beim Fallen

Vor wenigen Minuten sahen wir einen Tweet von der ukrainischen Verhandlungsseite, der Hoffnungen macht, dass die Verhandlungen mit Russland erfolgreich verlaufen könnten. Dies könnte dem Ölpreis einen weiteren Abwärtsschub geben, weil damit Verknappungsängste für Öl verringert werden. Aber Öl ist nun so stark gefallen in so kurzer Zeit, dass derzeit auch schon aus markttechnischer Sicht jederzeit ein paar Dollar rauf locker drin sind als technische Gegenreaktion.

Daneben wirken auch der gestern gestartete Lockdown in Chinas Metropole Shenzhen entspannend auf den Ölpreis, da man von weniger Öl-Nachfrage in China ausgehen kann. Ebenfalls versucht Russland derzeit offenbar sein Öl an Indien zu verkaufen, mit einen kräftigen Rabatt (wir berichteten gestern bereits). Und Indien scheint kaufen zu wollen. Damit würde die Angebotsmenge an Öl auf dem Weltmarkt wieder steigen, nachdem sich westliche Käufer in einer Art Selbstsanktionierung befinden, wenn es um russisches Öl geht.

Analystenaussagen

Die OPEC-Expertin Amena Bakr hat es auf den Punkt gebracht. Das „Angebotsversprechen“ bringe den Ölpreis derzeit runter. Leute, es wird genug Öl geben, also keine Angst!? Auch sagt sie, dass kein Extra-Öl aus dem Iran, Venezuela oder von der OPEC+ auf den Markt komme, und dass der Ölpreis dennoch falle. Warum? Weil die noch vor wenigen Tagen viel höheren Preise wenig mit einer Angebotsknappheit zu tun gehabt hätten, sondern mit geopolitischen Spannungen (Ukraine-Krieg).

Der Chefanalyst des Brokers Oanda Jeffrey Halley sagt laut aktuellen Berichten, dass Wachstumssorgen aufgrund der Stagflationswelle zwischen der Ukraine und Russland, die Zinserhöhung der Fed in dieser Woche und die Hoffnung auf Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland den Ölpreis belasten. Es scheine so zu sein, dass das alte Sprichwort, dass das beste Mittel gegen hohe Preise „hohe Preise“ sind, nach wie vor Gültigkeit habe, so seine Worte. Damit meint er wohl: Je höher der Ölpreis, desto mehr Verbraucher können ihn nicht mehr bezahlen, und die Nachfrage nach Öl sinkt, was dann zu fallenden Preisen führt.

Carsten Fritsch von der Commerzbank sagt heute, dass hinter dem fallenden Ölpreis die Hoffnungen auf einen Waffenstillstand in der Ukraine stehen, nachdem die laufenden Friedensgespräche Fortschritte erzielt haben sollen. Zudem reagiere China auf den stärksten Anstieg der Corona-Infektionszahlen seit dem Ausbruch in Wuhan vor gut zwei Jahren mit einer Reihe von Lockdowns. Davon betroffen sind auch Metropolregionen wie Shanghai und Shenzhen. Zudem habe eine Provinz im Nordosten Chinas ein Reiseverbot erlassen, was laut Carsten Fritsch nicht spurlos an der Ölnachfrage in China vorübergehen dürfte. Darüber hinaus habe Indien Bereitschaft geäußert das durch den Käuferstreik westlicher Abnehmer deutlich verbilligte russische Öl kaufen zu wollen.

Die russische Ölproduktion scheint trotz der Sanktionen und der Schwierigkeiten beim Verkauf des Öls laut Carsten Fritsch noch normal zu laufen. Aus den USA soll wohl deutlich mehr Öl an den Markt kommen. Die US-Schieferölproduktion soll im April laut US-Energiebehörde um 117.000 auf 8,71 Mio. Barrel pro Tag steigen. Das ist das höchste Niveau seit März 2020, bevor die Corona-Pandemie die Produktion hatte einbrechen lassen.

Chart zeigt Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit dem 23. Februar
Im Chart sehen wir den WTI-Ölpreis seit dem 23. Februar. Man sieht gut, wie fast der gesamte Anstieg, der durch den Ukraine-Krieg verursacht wurde, wieder verloren wurde.



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