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Ölpreis robust dank Klimaschutz? Top-Analyst mit interessanter Meinung

Öl-Pumpe in der Wüste

Kann der Ölpreis wegen dem derzeitigen politischen Druck gegen die Ölkonzerne ansteigen? Oder anders formuliert: Können die OPEC-Staaten ihre Ölproduktion ausweiten, ohne den Ölpreis zum Absturz zu bringen? Das wäre nämlich möglich, wenn die westlichen Öl-Konzerne und Frackingfirmen ihre Fördermengen nicht ausweiten, und auch ihre Investitionen in neue Öl-Felder zurückschrauben. Schwächeln die einen Anbieter beim Ausbau des Angebots, können andere Anbieter (in den Fall womöglich die OPEC) einspringen. Was das dem globalen Klimaschutz helfen soll, wenn die fossilen Brennstoffe nicht mehr in den USA, Norwegen oder Schottland gefördert werden, sondern dafür vermehrt in Saudi-Arabien, Iran und Russland – das erschließt sich mir nicht.

Hilft der Klimaschutz dem Ölpreis?

Aber gut. Schauen wir auf heute getätigte Aussagen von Eugen Weinberg von der Commerzbank, dem vermutlich besten Rohstoffanalysten hierzulande. Sein heutiger Öl-Kommentar trägt den Titel „Klima-Politik spielt OPEC in die Hände“. Er verweist nämlich darauf, dass insbesondere in den letzten Wochen die Themen Klimaschutz, CO2-Emissionen und der Umbau der internationalen Ölkonzerne zu „klimaneutralen“ Energieproduzenten immer stärker in den Fokus der jeweiligen Managements und Aktionäre rücken. Dies dürfte die Investitionspläne der Konzerne schon kurzfristig massiv beeinträchtigen, wobei eine stark steigende Ölproduktion angesichts der hohen Politisierung, der Stigmatisierung fossiler Energieträger und der Sensibilisierung des Themas Umwelt- und Klimaschutz aktuell kaum vermittelbar sei. Die OPEC+ dürfte daher an ihren Plänen zur Produktionsausweitung trotz der möglichen Rückkehr der iranischen Ölexporte festhalten, so die Meinung von Eugen Weinberg.

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Klimaschutz im Westen hilft OPEC und Russland?

Folgt man seiner Argumentation, dann füllen die OPEC, Russland und andere Förderländer (die keinen grünen Daumen haben?) die Lücke auf, die von westlichen Förderern hinterlassen wird. Die auf Öleinnahmen angewiesenen OPEC-Länder können ihre Kassen wieder voll machen, und der globale Ölmarkt wird dennoch nicht mit zu viel Ölangebot geflutet – und gleichzeitig kann der Ölpreis stabil bleiben oder sogar weiter steigen? Alle sind glücklich, außer den Umweltschützern und den Aktionären der westlichen Ölkonzerne? Denn es wird nicht weniger Öl gefördert. Die Ölproduktion, die verschiebt sich lediglich in andere Länder.

Eugen Weinberg sagt heute auch, dass im Gegensatz zur Vergangenheit, als sich das Nicht-OPEC-Angebot ebenfalls rasch wieder erholte, die Produktionssteigerung (bei höherer Nachfrage nach der Coronakrise) insbesondere in der westlichen Welt recht holprig verlaufen dürfte. Zum einen würden die Anleger (insbesondere die der Schieferölfirmen) verlangen, dass man den Fokus weg von der Expansion um jeden Preis hin zu Profitabilität, Schuldenabbau und nachhaltigem Wachstum legt. Der weitere Anstieg der Anzahl aktiver Ölbohrungen in den USA in der letzten Woche auf nun 359 bzw. den höchsten Wert seit April letzten Jahres sollte seiner Meinung nach nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese weiterhin nur rund halb so hoch ist wie noch im März 2020.



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