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Ölpreis: Libyen und US-Finanzminister bescheren 5 Dollar-Absturz

Der Ölpreis war lange Zeit gestiegen. Im großen Bild betrachtet war es ein Anstieg über 12 Monate von 45 auf bis zu 75 Dollar Anfang Juli im WTI-Öl. Der letzte Push für den steigenden Ölpreis lag in den neuen Sanktionen der USA gegen den Iran. Kein Iran-Öl soll ab November mehr auf den Weltmarkt gelangen. Das entzieht dem Weltmarkt natürlich eine große Angebotsmenge, was für Knappheit und steigende Preise sorgt.

Aber die OPEC hatte Ende Juni dagegen gehalten und versprochen ab Anfang Juli ihre Fördermenge um ca 1 Million Barrels raufzusetzen. Dann kam Libyen letzte Woche mit einer Nachricht, die den Markt überraschte. Mehrere Häfen zur Öl-Verschiffung gingen wieder ans Netz nach Ausfällen, die dem Chaos im Land geschuldet waren. Möglicherweise kommen so zügig weitere 850.000 Barrels pro Tag auf den Markt.

Ölpreis reagiert auf Mnuchin

Der Ölpreis (WTI) sackte daraufhin um 3 Dollar ab von 73 auf 70 Dollar. Aber aktuell folgt US-Finanzminister Mnuchin. Wie US-Medien berichten, verkündete Mnuchin folgende Nachricht schon letzten Freitag, was sie aber erst gestern veröffentlichten nach einer Zusage, diese Info zurückzuhalten. Man werde (das US-Finanzministerium) einigen Öl-Importeuren möglicherweise Ausnahmen von den Iran-Sanktionen erteilen.

Sie könnten dann trotz extrem strenger Iran-Sanktionen der USA auch weiterhin iranisches Öl kaufen. Dabei hatte man doch jüngst quasi den gesamten Planeten eindringlich dazu aufgefordert ab November gar kein Öl mehr aus dem Iran zu kaufen. Wer dies tue, werde durch die USA ebenfalls sanktioniert. Und jetzt diese Kehrtwende. Mnuchin sagte auch, dass man natürlich weiterhin wolle, dass die Käufe von iranischem Öl auf 0 sinken. Aber wenn einige Teilnehmer dies nicht zügig hinbekämen, denke man über Ausnahmen nach.

Man wolle den Ölmarkt nicht ärgern, so Mnuchin. Möglicherweise wird die Regierung Trump nun versuchen auch über November hinaus eine schrittweise längerfristige Absenkung der Käufe iranischen Öls hinzubekommen, damit der Schock für den Weltmarkt nicht ganz so schlimm ist. Bloß kein weiter steigender Ölpreis, mag vielleicht die Anweisung von Trump an Mnuchin gewesen sein? Schließlich braucht Trump für seine Wähler daheim niedrige Benzinpreise. Trump hatte sich beispielsweise schon beim König von Saudi-Arabien über zu hohe Preise beschwert.

Bei signifikanten Rückgängen der Angebotsmenge am Ölmarkt habe das US-Finanzministerium laut Mnuchin die Möglichkeit Ausnahmen zu gewähren (bei den Iran-Sanktionen). Und dies werde man auch tun. Das bedeutet im Klartext: Ab November kommt es wohl nicht zu einem brutalen Cut von iranischen Öl-Exporten, und der Weltmarkt verliert somit nicht abrupt eine große Menge an Öl-Angebot. Mehr iranisches Öl für längere Zeit als gedacht, das bedeutet mehr Preisdruck.

Daher ist der Ölpreis gestern etwas mehr als zwei Dollar weiter abgesackt nach den News aus Libyen letzte Woche. Somit hat der Markt insgesamt eine Abwärtsstrecke von etwas mehr als -5 Dollar zurückgelegt (aktuell 67,73 Dollar im WTI), hauptsächlich aufgrund dieser beiden Nachrichten, die für spürbar mehr Angebot auf dem Weltmarkt sorgen. Erstmal Pause beim steigenden Ölpreis? Ach ja… übrigens denkt Donald Trump derzeit angeblich darüber nach die nationale Öl-Reserve anzutasten. Geschieht das, kommt noch mehr Öl auf den US-Markt, und die Kurse fallen (erst einmal) weiter.

Der WTI-Ölpreis seit Mitte Juni
Der WTI-Ölpreis seit Mitte Juni.



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1 Kommentar

  1. Nach den staatlich gesteuerten Währungen ,Aktien u.Anleihenkursen hat die Trump Administration es fertig gebracht auch noch die Ölpreise zu manipulieren.
    Ich denke, dass er kurz vor seiner sicheren Abwahl dann noch die Immopreise hochtreibt, das wäre dann noch eine kleine Abgangsentschädigung. ( Nur als Spass gemeint.

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