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Ölpreis fällt deutlich – wie die Rezessionsangst andere Faktoren überschattet

Der Ölpreis fällt in den letzten 48 Stunden deutlich, zusammen mit dem Aktienmarkt. Die Rezessionsangst überschattet positive Faktoren.

Öl-Pumpe

Der Ölpreis fällt in den letzten 48 Stunden deutlich! WTI-Öl fällt seit Dienstag Mittag von 122,50 Dollar auf aktuell 113,19 Dollar. Das europäische Brent-Öl fällt im selben Zeitraum von 125 Dollar auf aktuell 116,78 Dollar. Woher kommt diese massive Schwäche, was ist hier los?

Überraschend starker Absturz im Ölpreis

Noch am Dienstag hatten wir über den robusten Ölpreis berichtet, der sich nach einer kurzen Schwächephase wieder auf hohem Niveau festsetzen konnte. Unterstützt wurde dies durch den Wegfall von hunderttausenden Barrels an täglicher Ölförderung in Libyen, weil dort mal wieder politisches Chaos herrscht, und Ölanlagen und Verladeterminals nicht in Betrieb sind. Daran hat sich bis jetzt auch nichts geändert.

Aber schauen wir auf das Gesamtbild. Der Chart zeigt in der orangen Linie, wie der US-Aktienmarkt (S&P 500 auf CFD-Basis) seit dem 8. Juni fast durchgehend fällt. Die große Rezessionsangst geht um. Kurzzeitig konnte der WTI-Ölpreis (blaue Linie) diesem Abwärtsdrang widerstehen, was gut sichtbar ist im Anstieg mittig im Chart. Aber man sieht: Der Ölpreis ist dann doch wieder gen Süden geschwenkt und „begleitet“ den Aktienmarkt wieder auf dem Weg nach unten. Denn je schlechter die Konjunkturaussichten, desto schlechter auch die Aussichten für die Nachfrage nach Öl.

Weitere Faktoren für die Öl-Schwäche

Gestern kam belastend für den fallenden Ölpreis hinzu, dass die Lagerbestände für Rohöl in den USA mit +2 Millionen Barrels im Wochenvergleich höher vermeldet wurden als erwartet. Ebenfalls gestern wurde der Monatsbericht der Internationalen Energie-Agentur (IEA) veröffentlicht. In ihrer Headline-Aussage sagte die IEA, dass die weltweiten Ölmärkte bis Ende 2022 aufgrund des verlangsamten Nachfragewachstums und des steigenden globalen Angebots wieder ins Gleichgewicht kommen werden. Aber mahnend erwähnt die IEA auch für den Ölpreis positive Faktoren, wie die sich verstärkenden Russland-Sanktionen, eine sich erholende Nachfrage nach Öl in China, sowie die Unsicherheiten in Libyen und bei der OPEC+.

Fed-Entscheidung

Die gestern Abend verkündete Zinsanhebung der Federal Reserve um 75 Basispunkte sowie bereits für Juli anstehende Anhebung um 50 oder 75 Basispunkte drücken auf die gute Laune. Wenn die Zinsen so schnell und kräftig angehoben werden, verteuern sich Kredite für Verbraucher in den USA, für Hauskäufer und Unternehmen. Die Rezessionsgefahr nimmt zu, was auf eine möglicherweise nachlassende Öl-Nachfrage in den USA hindeutet. Über den fallenden Ölpreis wird dies vom Ölmarkt schon mal eingepreist. Hier und jetzt drückt wie gesagt vor allem die Rezessionsgefahr auf den Ölpreis. Aber wie man es bereits vorgestern sehen konnte – plötzlich schafft es der Ölmarkt sich vom fallenden Aktienmarkt abzukoppeln, weil man plötzlich doch auf andere Faktoren schaut als nur auf die anstehende Rezession. Gelingt dem Markt diese Abkopplung erneut?

Chart vergleicht Ölpreis mit S&P 500 seit dem 8. Juni TradingView Chart vergleicht Verlauf von Ölpreis und S&P 500 (CFD-Basis) seit dem 8. Juni.



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1 Kommentar

  1. Ich glaube eher den Ölindustrie-Informationen der OPEC+, als die der Internationale Energieagentur (IEA). Die OPEC+ prognostiziert für die 2. Hälfte d.J. eine steigende Nachfrage nach Erdöl. Von daher wird der Ölpreis in Kürze wieder steigen.

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