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Ölpreise fallen unter 100 Dollar – Diese Faktoren drücken den Preis

Ölpreise fallen unter 100 Dollar – Diese Faktoren drücken den Preis

Die Sorgen vor einer Rezession und neuen Lockdowns in China belasten die Ölpreise der Sorten WTI und Brent. Von ihren Höchstständen im März und Juni sind die Preise deutlich zurückgekommen. Alleine am Dienstag sackten die Ölpreise bis zu acht Prozent ab. Am heutigen Vormittag fiel der Ölpreis für die Nordseesorte Brent unter die Marke von 100 Dollar, während das amerikanische WTI bei 91,70 Dollar notiert. Der Preisrückgang der Sorte WTI seit dem März-Hoch beträgt somit knapp 28 Prozent. Öl ist damit wieder fast so „billig“ wie vor dem Ukraine-Krieg. Zum Vergleich: Im März nach dem Überfall russischer Truppen auf die Ukraine kostete ein Fass WTI in der Spitze 126,30 und Brent 139,10 Dollar.

Neben den Konjunktur- und China-Sorgen belastet ebenfalls die gedämpfte Nachfrage aufgrund der US-Dollarstärke die Rohölpreise. Zudem findet das russische Öl wieder Abnehmer, nachdem man in Europa die Nachfrage gedrosselt hatte. Aus technischer Sicht haben sowohl die amerikanische als auch die Nordseesorte eine entscheidende Unterstützung erreicht.

Ölpreise: Rezessionsängste und Furcht vor Lockdowns belasten

Ausschlaggebend für die fallenden Ölpreise sind die Sorgen vor einer Abkühlung der Wirtschaft infolge der Energiekrise in Europa. Die Marktteilnehmer spekulieren derzeit darauf, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession fallen könnte. In der größten Volkswirtschaft den USA mehren sich nämlich die Signale für eine bevorstehende Rezession. Die Furcht vor einer geringeren Nachfrage lässt den Preis für das schwarze Gold schließlich weiter sinken. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat sich zuletzt besorgt geäußert. IEA-Direktor Fatih Birol sagte: „Dieser Winter wird in Europa sehr, sehr schwierig werden“. Eine mangelnde Energieversorgung könnte demnach ernste Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben, so seine These.

Ein weiterer Belastungsfaktor ist die Corona-Situation in China. Angesichts der zuletzt steigenden Anzahl an Neuinfektionen, kehrt die Angst vor neuen Lockdowns zurück. Aufgrund der harten Null-Covid-Politik der chinesischen Regierung könnte es zu einem erneuten Lockdown der Wirtschaftsmetropole Shanghai kommen. Dies würde nicht nur zu einem Rückgang der Nachfrage nach Öl führen, sondern auch die Weltwirtschaft belasten. China ist als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt einer der größten Ölverbraucher.

Zudem sorgen Marktanpassungsmechanismen am Rohölmarkt dafür, dass das russische Urals-Öl wieder Abnehmer findet. Vor allem China und Indien reiben sich derzeit die Hände und kaufen das vom Westen verschmähte russische Öl. Russland ist mittlerweile seit zwei Monaten der wichtigste Öllieferant Chinas, noch vor Saudi-Arabien. Laut dem finnischen Forschungszentrum für Energie kaufte Indien indessen so viel Öl aus Russland wie noch nie zuvor. Das Öl nutzt man aber nicht nur für sich, sondern verkauft es als raffinierte Ölprodukte nach Europa und in die USA weiter. All die Faktoren machen es derzeit unwahrscheinlich, dass die Ölpreise für WTI und Brent nochmal die Jahreshochs erreichen.

WTI und Brent unter Druck

Während der Ölpreis für die Sorte Brent heute unter die 100-Dollar-Marke gefallen ist, rutschte das WTI-Öl auf 91,20 USD. Damit notiert der Preis für WTI unter der wichtigen Unterstützungsmarke von 92,70 USD. An dieser Stelle konnte der Kurs in den vergangenen Monaten immer wieder nach oben abdrehen. Die Aufgabe für die Bullen ist es, die Unterstützung auf Tagesbasis zu verteidigen, andernfalls könnte WTI seine bärische Struktur aufrechterhalten. Bricht der Ölpreis aus seiner Seitwärtsrange nach unten aus, drohen tiefere Kurse bis zunächst 87,70 USD. Die nächste markante Unterstützung liegt jedoch erst an den Hochs aus Oktober 2021 bei rund 84,00 USD.

Um die technische Lage etwas aufzuhellen, muss das WTI-Öl zuerst die 200-Tage-Linie bei 94,79 USD nachhaltig überwinden. Bei der Sorte Brent sehen wir ein ähnliches Bild. Hier dreht sich jedoch alles um die psychologische Marke von 100 USD. Darüber könnten wir eine Erholung sehen – darunter ist mit weiteren Abgaben zu rechnen.

Sorgen vor Rezession und Lockdowns lassen WTI, Brent abstürzen

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2 Kommentare

  1. Das OPEC+-Mitgliedsland Russische Föderation kann trotz des Öl-Embargos zur globalen Ölversorgung beitragen. Jedoch sind die Erträge im Ölgeschäft für Russland geringer geworden.

  2. Jetzt ratet doch mal, woher nun das Öl kommt, dass Deutschland nicht mehr aus Russland kauft.
    Die griechischen Tanker mit dem russischen Öl, werden Saudi-Arabien niemals sehen, sonder gleich deutsche Häfen anlaufen.
    So hat Russland was verdient, die griechischen Tankerbesitzer, die Saudis, und….
    Wer bezahlt das eigentlich alles?
    Schaut mal in den Spiegel.

    Saudi-Arabien verdoppelt seine Öl-Importe aus Russland

    https://app.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/rohstoffe-saudi-arabien-verdoppelt-oel-importe-aus-russland-zur-stromerzeugung/28508876.html

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