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Olaf Scholz und Ukraine-Krieg: Wo bleibt die „Kennedy-Rede“?

Warum sagt Olaf Scholz nicht: "Ich bin ein Kiewer"?

Wo bleibt die "Kennedy-Rede" von Olaf Scholz zum Ukraine-Krieg?

Wo bleibt die „Kennedy-Rede“ von Olaf Scholz zum Ukraine-Krieg?

Bis Sonntag, den 27. Februar, drei Tage nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs, waren weite Teile der deutschen Parteien moralisch in einem intellektuellen Ökosystem zu Hause, das Kimme und Korn nicht einmal geistig mehr zusammenbrachte. Das hat sich nun geändert. Während am Sonntag der Bundestag in einer Sondersitzung zum Krieg in der Ukraine zusammenkam, demonstrierten etwa eine halbe Million Menschen auf der Straße des 17. Juli: Ein Meer an Menschen – vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule! Unter dem Eindruck des heldenhaften Widerstands in der Ukraine, aber auch unter dem Eindruck der demonstrierenden Massen wenige hundert Meter vom Reichstag entfernt, rangen sich Olaf Scholz und die Bundesregierung zu einer Unterstützung des ukrainischen Volkes mit Waffen durch. Der Umschwung beinhaltet einen Kurswechsel der Ampelregierung um 180 Grad und wird von der Presse als solcher bejubelt. Allein, es war ein Umschwung, bei dem Olaf Scholz und die Bundesregierung Getriebene waren, anstatt dynamische Akteure.

Wo bleibt Olaf Scholz mit Ausruf: „Ich bin ein Kiewer!“?

Olaf Scholz agiert als Getriebener, anstatt die Ereignisse politisch zu steuern. Sein Satz vom 24. Februar, Putin werde erkennen, dass der Ukraine-Krieg ein Fehler sei, ist nicht nur empathielos, sondern auch fantasielos. Schon in einem Jahr wird er vergessen sein, er ist nicht für die Geschichtsbücher.

Fast zeitgleich zur Erklärung des deutschen Kanzlers hielt der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk seinen unvergesslichen Aufruf vor der Presse:

„Wir appellieren an die deutsche Öffentlichkeit, an die Menschen guten Willens hier in der Bundesrepublik: Bitte helfen Sie uns, die Bundesregierung zu überzeugen, dass sie uns Ukrainern in diesen dramatischen Stunden und Tagen nicht nur mit Worten der Solidarität, sondern vor allem mit mutigen Taten – und zwar sofort – unter die Arme greift.“ (finanzmarktwelt.de hat diese Rede im Wissen um ihre historische Bedeutung im vollen Wortlaut sofort publiziert).

Was Melnyk in ihr zielsicher aufspießt, ist Folgendes: Die abgenutzten Floskeln der Solidarität im Ukraine-Krieg, die kostenlosen Betroffenheitsschablonen (als dächte man auf deutscher Seite nur oberschwellig an Solidarität und unterschwellig an kneifen) – all das ist längst wohlfeil, abgestanden und verbraucht.

Was es von deutscher Seite bräuchte – und Melnyk meinte -, ist eine Erklärung des Bundeskanzlers Olaf Scholz, unmissverständlich, eindeutig und programmatisch der Weltöffentlichkeit zugesprochen. Etwa in dem Stile: „Das Deutsche Volk hat im Zweiten Weltkrieg unendlich viel Leid über das ukrainische Volk gebracht. Wir haben unsere Lektion gelernt. Deswegen steht Deutschland heute in dieser schweren Stunde unverrückbar an der Seite des ukrainischen Volkes. Wir wollen helfen, wo immer Hilfe geboten ist. Wir wollen unterstützen nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit Taten.“

Eines ist klar: die Entwicklungen verlaufen rasant, bis vor wenigen Wochen lebten wir noch in einer anderen Welt. Aber was Olaf Scholz jetzt gelingen könnte, ist eine Rede von ähnlicher Kraft, wie sie 1963 der damalige US-Präsident Kennedy in Berlin hielt – und die in dem historisch so immens kraftvollen Satz kulminierte: „Ich bin ein Berliner„.

Ähnliches war vor wenigen Tagen dem ukrainischen Präsidenten Tagen Wolodymyr Selenski gelungen:

„Wir teilen Waffen aus an alle, die fähig und in der Lage sind, unsere Unabhängigkeit und Souveränität zu schützen. Von jedem hängt unsere Zukunft ab. Jeder, der Kampferfahrung hat, der die Ukraine verteidigen kann und möchte, soll sich melden“, erklärte der ukrainische Präsident in seinem verzweifelten Apell am 24. Februar 2022.

Sicher: Scholz ist kein Kennedy. Anders als der juvenil auftretende Kennedy ist Olaf Scholz eher in sich gekehrt, kein wirklich guter Rhetoriker. Aber es geschieht doch immer wieder, dass Politiker „über sich hinaus wachsen“ in historischen Situationen: so etwa Chruchill, der vor den Luft-Attacken Hitler-Deutschlands auf England auch eher blaß wirkte – aber dann mit seinen Worten die Seele der Briten erreichte.

Historische Stunden verlangen historische Worte – das wußte schon Kennedy! Warum sagt Olaf Scholz nicht: „Ich bin ein Kiewer“?

Konvent der Chatbeiträge – viel kraftvoller als Olaf Scholz

Der Konvent der Chatbeiträge zum Ukraine-Krieg im Internet ist nicht nur um Längen sympathischer und empathischer als die offiziellen deutschen Stellen, sondern auch bedeutend fantasievoller: Schon jetzt sei Vitali Klitschko neben Zelenskij der Held der Stunde, schreibt Juri Schnöller. Dimitrij Kapitelmann twittert: „Liebe Deutsche Bahn, wäre es möglich, ankommende Menschen aus der Ukraine ohne Fahrschein fahren zu lassen? So wie es in Polen bereits praktiziert wird?“

Und Igor Matviyets schreibt: „Sehr geehrte Bundeskanzlerin Angela Merkel, können Sie bitte Ihr gutes Russisch für eine direkte Ansprache an die Menschen in Russland nutzen?“ Ob Merkel hinter den Kulissen tätig wurde, wissen wir nicht – die Deutsche Bahn wurde.

Ukraine-Krieg mit Ansage

Historiker werden womöglich dereinst feststellen, dies alles sei gleichsam mit Ansage gekommen. Putin habe nie öffentlich verhehlt, dass er an die Eigenstaatlichkeit der Ukraine nicht glaube. Doch war der Westen zu der Zeit noch zu sehr mit Corona beschäftigt. Der planetare Tod brachte deutsche Kinder-Aktivisten dazu, ihre Hände, die schwere Arbeit noch nicht kennen, an Straßen und Flugbahnen festzukleben. Sie nennen sich apokalyptisch die „Letzte Generation“, und sind es im übertragenen Sinne auch. Bis eben wog der planetare Tod noch soviel schwerer als der Tod in der Ukraine. Nun ist das alles schlagartig wie verflogen – es geht ans „Eingemachte“ im Hier und Jetzt!

Es ist zu hoffen, dass Deutschland nicht erneut moralisch versagt.



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13 Kommentare

  1. Die Forderung von Bundeskanzler Olaf Scholz, sein Amtsvorgänger Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder solle als Rosneft-Aufsichtsratsvorsitzender zurücktreten, ist absoluter energie- und rohstoffpolitischer Unsinn. Unser ordnungspolitisches Leitbild sagt uns, daß die Rohstoffmärkte der Welt so frei sein sollten wie möglich. Wo hierbei politisch verursachte Probleme bestehen, muss sich die Politik einschalten. Die Russische Föderation ist auch ein OPEC+-Mitgliedsland. In diesem Zusammenhang besitzt Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder auch als Ehrenvorsitzender des Nah- und Mittelostverein e.V. Kenntnisse darüber, wie wichtig politische Stabilität für eine stabile Rohstoffversorgung ist.

  2. Herr Habenicht,
    bin sicher kein Putin Freund, aber finde Ihren Beitrag einseitig und maßlos.
    Es zündelt ja schon der Rest der Welt.
    Es steht gut an, Beweggründe seitens Putin mit einzubeziehen.

  3. Es ist immer eine Frage des Vergleichs.
    Olaf Scholz ist mir ausgesprochen sympathisch, wenn ich beispielsweise an Donald Trump denke.
    Da genieße ich direkt das Schweigen des Olaf.

    1. @Columbo, wenn ich an Donald Trump denke, wird sogar Putin wieder ansatzweise erträglich.
      Trump, ein Monster, das ein fernes Ungeheuer in freundschaftlicher Rivalität zu überbieten versuchte. Ein erratischer Zerstörer, der das dritte große Untier in China mit seinen Zollkriegen auf Konfrontationskurs gegenüber der restlichen Welt führte.

  4. Ich genieße auch das Schweigen unseres Sparbuch-Olaf’s. Nur leider tut er dies nicht 24/7

  5. Wer eine Kennedy-Rede halten will, sollte auch in der Lage sein, ggf. den nächsten Schritt zu gehen. Da aber der „Kaiser“ sowas von nackig ist, würde solch eine Rede den Kreml zwar zum Wackeln bringen, aber nur, weil die Russen sich schlapp lachen würden. Unsere naive, einseitige und moralinsaure Journaille mit Tunnelblick würde das natürlich wieder als halben Sieg feiern.

  6. @Emil Fritz

    „… sollen gefälligst eine Waffe in die Hand nehmen und als Vorbild an der Seite der Ukraine gegen Russland kämpfen. Werden sie das tun? Mit Nichten…“

    Mit Nichten und Neffen in den Krieg zu ziehen, kann man nun wirklich nicht verlangen, mitnichten!

  7. Ich rätsele über dem Satz: „Ob Merkel hinter den Kulissen tätig wurde, wissen wir nicht – die Deutsche Bahn wurde.“
    Die Deutsche Bahn wurde hinter den Kulissen tätig?
    Wie wurde sie tätig? Mit welchem Erfolg?
    Rätsel über Rätsel.
    Oder einfach nur schlampig formuliert und das Ende des Satzes schlicht vergessen?

  8. Das ist was man im Krieg als erstes macht den Gegner blind und taub. Und wer es nach 2 Jahren immernoch nicht gemerkt hat ,man hat nicht Putin manipuliert ,sodaß er blind und taub ist, NEIN , wir hier sind es die
    manipuliert werden.Unsere freie Entscheidungsfähigkeit wird eingeschränkt. Nicht Putin ist der Gegner ,sondern wir hier im „Wiener Kaffeehaus“. Das was sie fürchten ist das treffen und sprechen im öffentlichen nicht onlineregistrierten Raum.
    Ich werde ab heute in meiner Umgebung mit den Leuten reden ,ich hoffe ihr tut das auch.
    Mit Argusaugen werde ich die nächsten Schritte gegen die Grundrechte beobachten.Besser ich irre mich,
    alsdaß ich morgen in einer „besseren Welt“ aufwache. Auch ein Tor-Browser funzt nicht mehr. Ob mit einem Linuxrechner mehr zu erreichen ist ?,leider aufwändig.

  9. Die deutschen Bundesregierung ist zu allererst der Sicherheit der eigenen Bevölkerung verpflichtet, die Ihnen auch das Leben bezahlt und sie auch beschützt. Jegliche unkalkulierbare Risiken sind zu vermeiden. Militärisch wie wirtschaftlich. Deutschland rettet auch nicht den Westen oder hat besondere Privilegien dafür in der Vergangenheit erhalten. Wir sind nur Vasallen.

    Kennedy hat diesen Satz nicht in Verbindung einer kriegerischen Auseinandersetzung gesagt, der droht zu einem Flächenbrand zu eskalieren. Ein völliger unsinniger Propaganda Aufruf.

    Eine miltitärische direkte oder indirekte Beteiligung der NATO und D, dient wesentlich der US Geopolitik, die Deutschland schadet. Außerdem geht man das Risiko ein von Millionen Toten der eigenen Bevölkerung für ein Land, das weder EU, Nachbar, Nato oder sonst mit uns eine tiefere Verbindung hat. Das dort Menschen sterben ist tragsich, aber das hat die EU auch nicht geficht bei dem Irakkrieg mit 1 Mio. Toten. Schon dieser Krieg war völkerrechtswidrig und die Russen haben glaube ich nicht die Amerikaner deswegen sanktioniert oder wollten Sie aus irgendwelchen Systemen ausschließen. Gleichermaßen beim Balkankrieg und den dortigen Bombadierungen einer Macht, die 5000km weg ist.

    Die Ukrainische Führung kann auch jederzeit kapitulieren als weitere Opfer zu akzeptieren oder den Forderungen nachgeben. Nach dem die Führung aber mit der EU und den USA geflirtet hat – in Kenntnis des Risikos – geht es mehr um Ihre eigene Machterhaltung oder Hoffung auf mehr Geld von der EU. Die EU ist doch ein riesiges Umverteilungssystem. Und die Amerikaner optieren auch auf die Ausbeutung von Rohstoffen in der Ukraine.

    Man braucht die Russen nicht in den Schutz nehmen – es ist eine Sch…Aktion, aber so ganz einfach böser Russe und guten Ukrainier in der heutigen dichotomen Manier, wo nur eine Meinung gilt, geht es nicht. Zu komplex, was seit Ende der 1990er dort läuft.

    Wer Gründe sucht nach A-Waffen oder NATO Beteiligung ist ein Kriegstreiber und potentieller Massenmörder. Herr Döpfner ist in dieser Kategorie. Die Idee begrenzter A-Waffen kam sogar aus den USA, die ja immer weit weg und sicher sitzen. Aus dieser Position kann man immer gut zündeln.

    Der Konflikt ist insgesamt vermeidbar gewesen mit intelligenten Außenpolitik, die es schon lange nicht mehr gibt. Es ist die Hypris der Werte Schwätzer mit Wunsch zum umkrempeln der Gesellschaften, welche jedes noch so erdenkliche Randproblemchen aufplustern und dabei völlig klare Interessen und Risiken übersehen. Diese glauben im Besitz der alleinigen absoluten Wahrheit zu sein und nur sie wüssten wie das Leben und Gesellschaft richtig zu sein hat. Man schaut auf andere Lebensentwürfte intolerat und piefkig herunter. Lieberalität ist was von gestern. Die Steigerung lautet daher: An unseren Wesen „muss“ die Welt genesen. Daher auch die hysterischen medialen Reaktionen. Was diese Leute nicht verstehen. Im medialen und virtuellen kann das Runde, eckig gemacht werden, aber in der knallharten Realität vom Homo homini lupus geht das anders. Das ist ja eine Generation, die mutig am Handy sind und dann ist es vorbei sobald die in den realen Clinch müssen wird’s eng.

    Daher fällt es schwer die Interessen eines der wichtigsten Rohstofflieferanten und Wirtschafts Partnern zu sondieren, mit denen man eher die Perspektive gesucht hätte und jetzt auf Jahre weg ist. Auch geo-strategisch. Da wurde eine erfolgreiche Außenpolitik großer Staatsmänner seit den 1970er Jahren vaporisiert. Wenn man schon hört feministische Außenpolitik. 90% von dem was Frau Baerbock an Technik, benutzt oder anfasst haben Männer erstellt. Sagen die nun wir machen maskuline Technik? In sollchen Köpfen ist gähnende Leere mit maximal ein paar Worthülsen, was mit Patronenhülsen nun beantwortet wird.

    Russland ist auch ein europäisches Land mit starken kulturellen Bindungen. Dort wo sofortige Deeskalation stehen müsste, melden sich völlige Dilettanten zu Wort mit „Waffenlieferung“ die meist ohne Ausbildung oder Berufserfahrung, nie in der BW dienten und nur ansatzweise einen Feldeinsatz nachvollziehen können. Man kann doch das täglich erleben wie eine Generation sich in einer 24 Std. Komfortzone aufhält und vergessen hat, woher das alles kommt. Das Weltbild wird immer so hingedreht das es wieder in diese Komfortzone passt.

    Von keinem Vater soll je ein Sohn für Lamprechts, von der Leyen, Roth, Habeck, Baerbock, Merkels, Scholze oder sonst einen dieser seelenlosen Politdarsteller in den Krieg ziehen, die jahrzehntelang eben die verachtet und geblockt haben, die das nun am Ende lösen sollen. Die gesamte Verteidigung mutierte zu einem Werte Kasperletheater mit schwangerengerechten Panzern, Kitas, Queer Webseiten, sodem kaum ein Batallion einsatzbereit ist. Hier eine Idee: Benennt die Gulaschkanone in Gurkenkanone um, das ist vegan und passt in die realitätsferne Illusionswelt.

    Führungen in aufstrebenden asiatischen Ländern und auch Russland ist das nicht entgangen. Jüngere Leser wissen das nicht, früher standen nach 1 Std. ein paar Tausend Mann komplett kampfbereit an den Fahrzeugen – um 3:00 Nachts – und ganz ohne Handy und Cafe Latte! Das lief wie am Schnürchen – selbst erlebt.

    Was sagt „Fugi“: Schlechte Zeiten schafft starke Menschen, Starke Menschen schaffen gute Zeiten. Gute Zeiten schaffen schwache Menschen. Schwache Menschen schaffen schlechte Zeiten. Und so ist der Status.

    Deutschland hat mit ca.15 Mio Kriegstoten in Russland und Ukraine eine historische Verantwortung zu lösen anstatt zu versuchen die Russen durch Sanktionen und Waffenlieferung noch mehr zu provozieren. Wir haben 2x Russland angeriffen und nicht anders herum. Soll jetzt der 3. Angriff kommen? Warum? Aus Solidarität? Zu wem den? Die immer nach Solidarität rufen sind selber doch nur in einer Sache solidarisch – zu Ihrem eigenen Bankkonto und Sofa. Herr Habicht Sie wollen durch die Hintertür den Kriegseintritt erschwafeln, vorbei an Realitäten – Sie gehören zu diesen schwachen Menschen, die in dieser Komfortzone operien, im glauben es kommt nichts zurück. So sicher sollte man da nicht sein und das wissen abgehärtete starke Menschen, die Geschichtbücher kennen.

    1. Bravo! Ich kann Ihnen da nur zustimmen, hätte es aber selbst niemals mit so viel praktischem Hintergrund und in so klarer Sprache formulieren können. Es braucht Vorbilder wie Sie, von denen die jungen Leute was lernen können. Ich bin sicher, sie wollen das auch. Leider leben wir in einer Zeit, in der die Erfahrung nicht mehr geschätzt wird. Alles neu, alles anders, was kümmert mich der Mist von Gestern. Das war vielleicht mal so, aber wir erschaffen schließlich die Welt von morgen usw. usf. Was dabei dann rauskommt, ist das „Wolkenkuckusheim“ von dem „Fuggi“ spricht.
      Ich mache der Jugend allerdings daraus keinen Vorwurf. Sie wissen es eben nicht besser und die Jugend war schon immer idealistisch, in Teilen „revolutionär“, was ich nicht schlimm finde. Schlimm finde ich vielmehr die „älteren Jedis“, also jene mit „weit mehr Erfahrung“, die es eigentlich besser wissen müssten, aber nicht mehr in der Lage sind, in einen ernsthaften Dialog zu treten. Stattdessen werden selbst die abstrusesten Ideen mit Applaus beklatscht und das „politische Engagement“ bewundert. Ist ja auch viel einfacher und bequemer so. „Kinder an die Macht!“ heißt eben auch: keinen Stress für uns und um die Zukunft, da sollen sich die jungen Leute doch bitte selber kümmern. Da kommen wir Alten ja eh nicht mehr mit. Sie, lieber Pazifist, scheinen da eine Ausnahme zu sein. Großen Respekt!

  10. Es reizt mich zu kommentieren, aber da weiß man ja gar nicht, wo man da anfangen soll.
    Bei der Geschichte vielleicht? Würde sich bei einem Historitker ja anbieten. Also z.B. „unendlich viel Leid über das ukrainische Volk gebracht“. Interessant. Über das russische aber nicht? Kann diesen Hinweis leider nicht nachvollziehen.
    Oder bei den Chatbeiträgen, die ja „viel kraftvoller“ sind als die Rede eines Bundeskanzlers? Interessant. Ist das jetzt der neue Maßstab für Regierungschefs?
    Bei dem Rekurs auf Churchill vielleicht und dem damit implizieten Vergleich Putins mit Hitler und dem zweiten Weltkrieg? Wollen Sie das wirklich vergleichen?
    Oder bei der Bezugnahme auf die Aktivisten der „letzten Generation“, die es laut Ihrer Einschätzung zumindest „im übertragenen Sinne“ auch sind? Wirklich? Glauben sie das? Oder anders formuliert: Ist das erstgemeint oder wie ist das „im übertragenen Sinne“ zu verstehen?
    Bei Ihrem Konzept von Moral, das offenbar darin zu bestehen scheint, heldenhaft zu kämpfen, solange es nur der guten Sache dient?
    Sie sehen schon, lieber Herr Habenicht, Fragen über Fragen. Es wäre schön, wenn Sie bei Ihrem nächsten Artikel etwas konkreter werden könnten.
    In einem muss ich Ihnen aber einfach klar und deutlich widersprechen: Nein, es ist nicht so, dass zu hoffen ist, dass Deutschland nicht erneut „moralisch versagt“. Wobei ich wiederrum nicht weiß, was genau damit gemeint ist. Um welches Versagen geht es hier? Ist das wieder eine Anspielung auf den zweiten Weltkrieg, den Holocaust?
    Zu hoffen ist vielmehr, dass sich Deutschland, seine Bürger, seine Öffentlichkeit nicht von emotionsgeladenen Beiträgen wie den Ihren (zu denen es leider zuhauf gibt) in Versuchung führen lässt und Entscheidungen trifft, die die Folgen nicht aus den Augen verlieren.
    Kurz gesagt: Es hat jetzt um pragmatische Lösungen zu gehen, mit denen alle Parteien leben können und eben bitte nicht – nicht schon wieder(!) – um den Endsieg gegen das Böse.

  11. @ Pazifist, richtig, darum habe ich nie begriffen,dass der Russe immer der Böse ist und man Putin mit seinen Anliegen nie ernst nahm.
    Weil er früher Agent war war er noch böser und darum nicht akzeptiert.Ich bin kein Historiker,aber war der geliebte Gorbatschow nicht eher zu lieb beim Zerfall der Sowjetinion ? und hat zuviell hergegeben was jetzt Putin zurückholen will?

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