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Rente: Beiträge steigen verdeckt weiter, Hauptsache es merkt niemand

Redaktion

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Am Freitag hatte Bundesarbeitsminister Heil Verbesserungen bei Mütterrente und Erwerbsmindersrunte präsentiert. Das kann man gut oder weniger gut finden – Ansichtssache! Auch hatte Heil verkündet, Geringverdiener bei den Beiträgen zu entlasten. So eine Maßnahme ist wohl sinnvoll. Heil sprach von Generationengerechtigkeit, um der es ihm gehe. Teil von Heils Plan für die Rente ist unter anderem (er nennt es ein Rentenreform-Konzept), dass bis zum Jahr 2025 erreicht werden soll das Rentenniveau bei 48% zu halten. Gleichzeitig soll bis dahin der Beitragssatz nicht über 20% steigen.

Dafür soll unter anderem als „Finanzierungsvorsorge“ weitere 8 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, aus Steuermitteln, und nicht aus Mitteln der Beitragszahler der Rentenversicherung. Laut Gesetzentwurf soll der ganze Entwurf von Minister Heil bis 2025 zusätzlich 32 Milliarden Euro kosten. Hier enthalten ist die Mütterrente als mit Abstand größter Posten in Höhe von aufsummiert 26 Milliarden Euro bis 2025.

Von diesen 32 Milliarden Euro sollen 10,6 Milliarden Euro aus dem Steuerhaushalt kommen. Wir wir in vergangenen Artikeln schon aufgezeigt hatten, buttert der Steuertopf, der ja eigentlich mit der Rentenkasse gar nichts zu tun hat, immer mehr Geld zu, damit das Rentenniveau nicht kollabiert, und die Rentenbeiträge nicht explodieren. Im nächsten Jahr werden sogar 98 Milliarden Euro aus dem Steuerhaushalt in die Rentenkasse überwiesen, damit das System nicht kollabiert.

Ohne dieses Geld müssten die Renten massiv gekürzt und die Beiträge stark angehoben werden. Aber durch die aktuellen Maßnahmen von Herrn Heil steigen die Rentenbeiträge natürlich weiter, denn das Geld fällt ja nicht vom Himmel. Aber die Beiträge der Rentenversicherung steigen nicht. Wie das? Nun, eigentlich sollten die Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung, die von den Arbeitnehmern automatisch über ihre Lohnabrechnung gezahlt werden, ab nächsten Jahr von 18,6% auf 18,3% sinken. Das entfällt schon mal.

Und wie vorhin schon erwähnt, fließen nochmal zusätzliche 10,6 Milliarden Euro bis 2025 aus dem Steuerhaushalt. Somit steigen die Beiträge. Nur nennt man es nicht „Beitragserhöhung zur Rentenversicherung“. Dieser Beitrag verschwindet über den Steuerzuschuss im gigantischen Bundeshaushalt, der wie gesagt durch Steuern gespeist wird. Und da die Steuern derzeit kräftig sprudeln, fällt das rein optisch niemandem auf. Das bedeutet aber auch: Würden die ständig steigenden Steuerzuschüsse zur Rente und dieser neue Zuschuss nicht aus den Steuermitteln fließen, hätte der Bundeshaushalt deutlich weniger Ausgaben, und die Steuern könnten gesenkt werden.

Somit werden die Rentenbeiträge erhöht, in dem die Steuern nicht gesenkt werden. Klingt auf den ersten Blick komisch, ist aber sachlogisch richtig. Die Steuern könnten sinken, wenn die Rente nicht subventioniert wird. Somit ist die Nicht-Senkung der Steuern eine verdeckte Beitragserhöhung für die Rente. Das Ziel scheint klar zu sein (unsere „Verschwörungstheorie“). Die Bundesregierung möchte verhindern, dass auf den Lohnzetteln der Arbeitnehmer Jahr für Jahr steigende Rentenbeiträge zu sehen sind. Also nimmt man das Geld lieber aus dem Steuerhaushalt.

Alles in bester Ordnung bei der Rente?

Auch durch Arbeitsminister Heil wurde am Freitag erneut das Bild vermittelt, dass man Maßnahmen ergreife um die Rente zu stabilisieren. Dabei ist die Rente doch längst pleite. Sie wird nur durch Steuern am Leben erhalten. By the way… es ist eine reine Ansichtssache. Ist es in Ordnung Steuern zu nehmen für die Rentenzahlungen? Hauptsache es läuft irgendwie weiter? Das kann man so oder so sehen. Uns geht es um Ehrlichkeit, um Transparenz. Der „einfache“ Bürger wird kaum bis gar nicht merken, in welchen Dimensionen die Rentenkasse unterfinanziert ist.

Hubertus Heil bastelt gerade an der Rente herum, damit mit Ach und Krach bis zum Jahr 2025 „erst einmal“ alles halbwegs weitergeht wie bisher. Aber eine ehrliche Bestandsaufnahme, eine ehrliche Präsentation des Status Quo gegenüber dem Bürger, das fehlt. Egal welche Regierung, egal welche Partei im zuständigen Ministerium das Sagen hat. Wer traut sich schon Millionen Menschen zu sagen, wie schlimm die Lage bei der Rente ist? Man erinnere nur an Norbert Blüm. Keine Angst liebe Leute, die Rente ist sicher!

Aktuell springen übrigens wie so oft „renommierte“ Ökonomen der Bundesregierung zur Seite. Laut HA meint der Berliner Wirtschaftsforscher Bruno Kaltenborn aktuell, dass das Thema Altersarmut „jetzt und in absehbarer Zeit nicht das Kernproblem“ sei. Gerade mal 3% der Menschen über 65 seien auf staatliche Grundsicherung angewiesen. Bei Kindern unter 15 Jahren seien es 15, unter den Erwerbstätigen 8%. „Man sollte das Risiko von Altersarmut nicht dramatisieren“, so Kaltenborn. Da möchten wir nur fragen: Schauen Sie doch mal zusammen mit normalen Arbeitnehmern in deren jährlichen Bescheid, welchen sie von der Deutschen Rentenversicherung erhalten. Was da für Mini-Summen für die zukünftigen Rentenzahlungen genannt werden, das soll keine Altersarmut bedeuten?

Rente Rentenversicherung Hubertus Heil
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil bastelt gerade an der Rente herum. Foto: Olaf Kosinsky (CC BY-SA 3.0 de)

16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    asyoulike

    16. Juli 2018 09:49 at 09:49

    Moin, moin,

    kurz noch zum Bescheid der Rentenversicherung. Sind hier schon die Krankenkassenbeiträge der Rentner berücksichtigt? M.E. nicht. Diese betragen ca. 15% und müssen in Abzug gebracht werden, um dann die wirkliche „netto“ Rente zu erhalten. Aber Rentner können auch ihre Mini-Rente aufstocken, vorausgesetzt, man verfügt nicht über zuviel Eigentum aus seiner Lebensarbeitszeit.
    Fazit: Wer sich auf die Rentenversicherung verläßt, der ist verlassen.

    • Avatar

      asisi1

      16. Juli 2018 14:21 at 14:21

      Nicht zu vergessen , die Versteuerung und die Pflegeversicherung. die bringen die rente so richtig runter. Am besten man ist ein Zudringling und arbeitet mit dem Piepstengel, auch zwei oder drei frauen sind von Vorteil. die bekommen von den links-grün Richtern alles!

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      Christoph Kupke

      17. Juli 2018 09:59 at 09:59

      Genau so ist es.Man sollten den Leuten die nichts für Deutschland getan haben ,nichts geben.Macht die Tür zu und Deutschland ist Reich.

    • Avatar

      Wolfgang Rothmann

      31. Juli 2018 12:12 at 12:12

      Sie haben die Pflegeversicherung vergessen. Damit sind wir bei fast 20%

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    Ketzerlehrling

    16. Juli 2018 09:49 at 09:49

    Ist das Spielchen in DE nicht seit Jahrzehnten an der Tagesordnung. Man registriert diese Mätzchen kaum noch.

  3. Avatar

    Wolfgang Koch

    16. Juli 2018 10:05 at 10:05

    Ohne dieses Geld(Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt) müssten die Renten(und Pensionen!) massiv gekürzt und die Beiträge stark angehoben werden!Es ärgert mich jedesmal bis aufs Blut wenn ich immer nur von“Renten“lese,wenn es mal wieder angeblich vorn und hinten nicht reicht.Der Anteil der heutigen(in Zukunft wird er stark zunehmen!)Pensionslasten, übersteigt sicherlich die Zuschüsse des Bundes in die Rentenkasse,um etliches.Vorschlag:Keine Bundeszuschüsse mehr,dafür die Pensionen direkt aus dem Haushalt bezahlen.Gekürzt wie die Renten werden die sowieso nie.Dann „schau’n mer mal(Worte des letzten deutschen Kaisers vor seiner unrühmlichen Abdankung!)wie sich die RENTENKASSE dann schlägt.

  4. Avatar

    md

    16. Juli 2018 10:31 at 10:31

    also für mich ist das ein fiasko. kaum ist ein spd’ler für renten zuständig wird schon wieder angstmache betrieben. fehlt nur noch das er wie sein parteikollege eichel einen leeren aktenkoffer öffnet.
    wir haben zur zeit eine brummende wirtschaft, wenig arbeitslosigkeit etc etc….
    ausserdem würde es mich brennend interessieren wie die rentenkassen in den restlichen euro ländern aussieht.
    sind deren rentenkassen leer oder doch in einem besseren zustand wie das eurolokomotiveland brd.

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    jumpin1

    16. Juli 2018 10:52 at 10:52

    Die Rente hat ein Problem und wird auch zukünftig Probleme haben (Alterspyramide).
    Aber ich fände es grundsätzlich unfair, wenn dieses Problem, das alleine aus der gesellschaftlichen Entwicklung seit den 70er Jahren (Doppelverdiener, tolles Leben, wenig oder keine Kinder, alles von der Gesellschaft gefördert und gewollt)nur den Rentnern angelastet würde durch Rentenkürzungen oder großen Beitragserhöhungen. Und deshalb halte ich es für richtig, dass die gesamte Gesellschaft über die Steuerzuschüsse (also alle) das Niveau aufrecht erhält. Damit trägt jeder Teil der Gesellschaft einige Lasten, aber auch alle partizipieren durch die vorhandene weitere Wettbewerbsfähigkeit in unserer Arbeitswelt im weltweiten Vergleich.
    P.S. Ich bin kein Einzahler im Rentensystem, werde also nie Rentner sein.

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    RoterMilan

    16. Juli 2018 10:58 at 10:58

    Mal was zum Nachdenken:

    Nahles feilt an Rentenreform

    Details
    Geschrieben von Linck Diethard
    Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2016

    Leserbrief von Herrn Borkowski an die Oldenburger Volkszeitung

    veröffentlicht am 19. April 2016

    Laut Hans Böcklerstiftung bekommt ein österreichischer Rentner durchschnittlich 1560 Euro Rente, ein deutscher Rentner gut 500 Euro weniger.

    Auch Österreich hat eine umlagefinanzierte Rente. Nur im Gegensatz zu Deutschland, greift die österreichische Politik nicht in gefüllte Rentenkassen, um Aufgaben der Allgemeinheit, auf die gesetzlich Versicherten abzuladen ( versicherungsfremde Leistungen ). Zuletzt die Mütterversicherung (Anmerkung der ADG: müsste Mütterrente heissen) 2014. Für diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe werden bis 2017 (Anmerkung der ADG: müsste 2020 heissen) ca. 34 Milliarden Euro Beitragsgelder der Rentenbeitragszahler verwendet.

    Wie schrieb mir 2013 ein Bundestagsabgeordneter: „eher legt sich ein Hund einen Wurstvorrat an, als dass die Volksparteien Rentenrücklagen unangetastet lassen“.

    Die Solidarsysteme sind Ausdruck und Errungenschaft einer zivilisatorisch gewachsenen Gemeinschaft und sichern den sozialen Frieden. Sie können nur funktionieren, wenn ausnahmslos alle Bürger eingebunden sind, also auch Politiker, Beamte, Besserverdienende und Selbstständige. Die solidarische Sozialversicherung ist keine Gleichmacherei, sondern stellt nach Artikel 3 des ( GG ) Gleichbehandlung her. In Deutschland entzieht sich ein grosser Teil der Bevölkerung der sozialen Verantwortung, oder ist schlicht nicht beitragspflichtig. Solange aber ausgerechnet diejenigen, die mit ihren Beiträgen die gesetzlich geregelten Solidarsysteme finanzieren, offensichtlich keinen Anspruch auf eine angemessene Beteiligung haben, wird bei den Bürgern das Gefühl für Gerechtigkeit nicht aufkommen und soziale Unruhen herrschen. Umso bedauerlicher ist es, daß die Verantwortlichen der politischen Parteien diese Solidarität immer mehr in Frage stellen.

    Eine Abschaffung des Zweiklassensystems wird nur möglich sein, wenn hunderttausende gesetzlich Versicherte, für eine Bürgerversicherung auf die Straße gehen. Die Frage wird nicht sein ob, sondern wann dies geschieht.

    Für mich wird künftig nur eine Partei wählbar sein, die die Bürgerversicherung im Programm hat.

    Freundliche Grüsse aus dem sonnigen Damme,

    Bernd Borkowski

    D-49401 Damme

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    steve

    16. Juli 2018 11:11 at 11:11

    Is mir ziemlich egal ob mir das Geld aufm dem Lohnzetel fehlt oder durch ausbleibende Steuersenkung.

    Vorteil bei der jetzigen Variante:
    Das Geld wird nicht für andere Sinnlosigkeiten verschwendet . Zumindest teilweise

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    Macwoiferl

    16. Juli 2018 11:21 at 11:21

    Herzlich gelacht über den Kommentar von RoterMilan!
    „Auf die Straße gehen“, das kennt ihr hier alle nur aus der Theorie!
    „Soziale Unruhen“ = Merkel wieder wählen, der „Tagesschau“ alles glauben und auf eine Partei vertrauen, die „die Bürgerversicherung im Programm hat.“
    Nie war so viel Weiter-So wie heute.
    Eher fallen die Tumbdeutschen um vor Hunger als dass sie auf die Straße gehen, Meister!
    Lass mal stecken deine sozialen Unruhen und zisch dir ein kühles Bierchen!

    • Avatar

      Christoph Kupke

      17. Juli 2018 10:15 at 10:15

      Keiner geht auf der Strasse,Du hast Recht. Warum auch?Wir nehmen alle auf,die vom Kuchen etwas haben wollen.Leistung dafür ist fast Null.Deutschland wird bald Auslanda genannt! Danke Regierung!

  9. Avatar

    Leser

    16. Juli 2018 14:20 at 14:20

    Mit der halben Wahrheit wird aus jeder Meldung eine Fake-News.

    Die „Rente“ hat mit der ursprünglichen bismarkschen Rente nichts mehr zu tun.
    Seit Adenauer wurden Lasten als Wahlgeschenke an das (Dumm-)Volk gegeben, die mit der eigentlichen Rente nichts zu tun hatten. Und die Wahl-Schafe haben nicht begriffen, das sie diese Geschenke selbst bezahlen.
    Einmal über (unnötig) höhere Beiträge, andererseits über Bundeszuschüsse, um diese Geschenke aus zu gleichen (sonst wäre es schon lange explodiert).

    Würde man ALLE versicherungsfremden Leistungen ausschließlich aus Steuermitteln zahlen, würde sogar Blüms Satz „Die Rente ist sicher.“ (nicht nur seine) wieder stimmen.
    Nur, scheinbare „Wohltaten“ ein zu sacken ist ja so angenehm – wenn man nicht bemerkt, dass man sie selber zahlt.
    Glückwunsch.

  10. Avatar

    Isntit

    16. Juli 2018 14:36 at 14:36

    Die sonst von mir sehr geschätzte FMW legt beim Thema Steuerzuschuss zur Rentenversicherung eine erstaunliche Ignoranz an den Tag. Mit dem Steuerzuschuss werden vor allem die versicherungsfremden Leistungen gedeckt, das sind Leistungen, für die nie Beiträge bezahlt wurden. Früher waren das z. B. Kriegsopferrenten, heute ist es vor allem die Mütterrente. Es ist nur gerecht, wenn diese Leistungen auch von den Beamten und selbstständigen mitgetragen werden und nicht an den Beitragszahlern hängen bleiben. Kein Grund, jede Woche mit fadenscheinigen Argumenten dagegen zu polemisieren.

  11. Avatar

    rainer smieskol

    17. Juli 2018 08:21 at 08:21

    Hallo und guten Morgen,

    Alle Parteien haben keine Lösung. Blüms Rente mit mtl. ca 8.000 € ist aber sicher. Politiker die nicht selbst in dieses System eingebunden sind, dürften hierüber auch nicht befinden.

    Ich erinnere an eine talkshow in den Neunzigern mit Frau Christiansen und Herrn Henkel. Eingeladen war eine Schuhverkäuferin, die ihre besch.. Lebenssituation schilderte. Frau Christinsen und Herr Henkel, deren mtl. Einkommen im fünf bis sechstelligem Bereich liegen/lagen) diskutierten dann über die Höhe des Einkommens, es ging um 100 DM mehr oder weniger.

    Die Medien tragen an diesen Zusatänden gleich großen Anteil. Alles was von den Politkriminellen geäussert wird, wird zu wenig hinterfragt und „unverblümt“ dem Bürger präsentiert. Immer wieder der Blüm, das war schon ein schlimmer Finger ;-)

    mfg Rainer Smieskol

  12. Avatar

    Martin1

    30. Juli 2018 12:45 at 12:45

    In dem Artikel hätte erwähnt werden sollen, warum kein Geld mehr in der „Rentenkasse“ ist!

    Guckt man sich die Geschichte der RV an, fällt auf, dass Ende der 60er/Anfang der 70er als der Staat Geld brauchte, er sich genau an der Kasse bediente und im Gegenzug Fehlbeträge mit Steuern aufzufüllen.

    Soo verkehrt ist das oben Kritisierte nicht: Wer keine oder eine kleine Rente bekommt, erhält Sozialhilfe. Auch von Steuern.
    Also linke Tasche, rechte Tasche wie man sagt.

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Aktien

Experte Andre Stagge über die Tech-Zahlen, US-Wahl und EZB

Claudio Kummerfeld

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Der Tradingexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden Video mehrere aktuelle Börsenthemen. Vermutlich wird die EZB ab Dezember aktiver werden in Sachen Rettungsmaßnahmen. Gestern Abend haben die vier großen Tech-Konzerne Apple, Google, Amazon und Facebook ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Andre Stagge weist darauf hin, dass alle vier zwar die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen haben – und er geht auf die Gründe ein, warum die Aktien nachbörslich nicht entsprechend positiv reagierten. Auch wirft Andre Stagge einen Blick auf die große Wahrscheinlichkeit, dass Joe Biden die US-Wahl nächste Woche gewinnen könnte.

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Aktienmärkte und Wirtschaft 2020: Ein Jahr der Extreme

Wer es geschafft hat, die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2020 oder die der Aktienmärkte auch nur ein paar Wochen vorherzusagen, sollte Lotto spielen

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Wer es geschafft hat, die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2020 oder die der Aktienmärkte auch nur ein paar Wochen vorherzusagen, sollte mal Lotto spielen, bei diesem Glück. Denn das Coronajahr wird in die Geschichte eingehen mit all seinen Anomalien, die es gewiss noch nicht allzu häufig in dieser Form gegeben hat. Wirtschaft, Finanzen und Aktienmärkte lieferten (und liefern?) Ausschläge ungeahnten Ausmaßes.

Aktienmärkte: Die saisonalen Muster – Fehlanzeige

Viele Börsianer versuchen aus den statistisch gehäuften, jahreszeitlich bedingten Mustern, Profit zu erzielen. Aber 2020?

Das Jahr begann relativ stabil, am Ende des Januars hatten sich S&P 500 und Dax kaum bewegt, was nach der Statistik auf einen ruhigen Jahresverlauf hindeuten würde. Bis Ende Februar ging es aufwärts, dann kam Corona. Nach der fulminanten Aufholjagd von Ende März und durch den April hinweg hätte man doch erwarten können, dass ein „Sell in May, but remember to come back in September“ funktioniert, nur erreichten die US-Indizes just am 2. September ein Allzeithoch, um praktisch den ganzen Monat hindurch zu korrigieren. Im Wahljahr sollte es einen schwachen Monat Oktober geben, bis zur letzten Woche, in der eine Wahlrally einsetzt. Doch was haben wir in den letzten Tagen erlebt? Einen Einbruch des Dow Jones von 2000 Punkten und beim Dax von über 1000 Zählern. Nun steht nur noch die Jahresendrally im Schlussquartal, als eiegntlich sehr sicheres saisonales Muster der Aktienmärkte, zur Disposition.

Der Konjunkturverlauf – ohne historisches Vorbild

Die Pandemie um Covid-19 führte zu einem bisherigen Konjunkturverlauf, den wohl kein Ökonom auf der Rechnung hatte. Chinas Konjunktur stürzte im ersten Quartal um 6,8 Prozent in die Tiefe und erholte sich in Q2 bereits schon wieder um 4,9 Prozent. Im Westen erwischte es im zweiten Quartal Großbritannien am stärksten mit minus 20,4 Prozent, gefolgt von Spanien mit minus 18,5 Prozent, Deutschland kam mit minus 9,7 Prozent noch relativ glimpflich davon, so wie die USA mit minus 9,5 Prozent auf Quartalsbasis. Auf Jahressicht allerdings mit erschreckenden 31,4 Prozent und gestern kam die erste Schätzung für das dritte Quartal in den Staaten: Plus 33,1 Prozent im Jahresvergleich, was auf den ersten Blick wie nach einer totalen Erholung aussieht, aber es hätten über 45 Prozent Anstieg sein müssen, um diesen Quartalseinbruch zu egalisieren.

Im europäischen Verfahren gerechnet: Nach minus 9,5 Prozent (Q2), jetzt plus 7,4 Prozent.

Auf alle Fälle brachte 2020 bisher die schnellste und tiefste Kurzrezession aller Zeiten, mit einem Wirtschaftseinbruch, der fast überall einem unvollständigen V gleicht, eher einem spiegelverkehrten Wurzelzeichen, das eine Erholung um etwa 90 Prozent anzeigt. Jetzt erleben wir die zweite Coronawelle, die in manchen Ländern vermutlich eine Double-Dip-Recession im vierten Quartal des Jahres zur Folge haben wird. Wie reagiren nun die Aktienmärkte?

Die Entwicklungen der Aktienmärkte

Wenn es bisher eine so genannte V-förmige Erholung geben sollte, dann haben dies die Aktienmärkte vollzogen. Nach einem Absturz der Märkte ab dem 20. Februar, wie man ihn noch nie in einer solchen Geschwindigkeit beobachtet hat – es brauchte nur 16 Tage vom Allzeithoch bis in einen Bärenmarkt – stürzten S&P 500 und Dax innerhalb von nur 34 Tagen um 33,9 beziehungsweise 39,6 Prozent in die Tiefe: Beim US-Leitindex auf 2206 und beim Dax auf 8255 Punkte. Aber es folgte eine ebenso spektakulären Erholung innerhalb nur eines halben Jahres.

Der Dax brauchte nur gut zwei Monate, um bis Anfang Juni um 57 Prozent auf 12913 Punkte zu steigen und nur ein halbes Jahr um mit 13460 Punkten fast sein Allzeithoch von Ende Februar zu erreichen (13788 Punkte).

Was dem US-Leitindex S&P 500 am 2. September mit 3580 Punkten gelungen ist (Februar-ATH 3386 Punkte): Rekorde der Aktienmärkte inmitten des größten Wirtschaftseinbruchs seit dem Zweiten Weltkrieg. Wie konnte so etwas zustande kommen?

Notenbankbilanzen und Zinsniveau

Wer geglaubt hatte, dass das Jahr 2019 mit seinen über 100 Zinssenkungen durch die Notenbanken dieser Welt der Höhepunkt gewesen sein müsste, den belehrte spätestens der März 2020 eines Besseren. Die Federal Reserve folgte vielen westlichen Notenbanken und senkte die US-Leitzinsen auf 0 bis 0,25 Prozent. Begleitet von Anleihekäufen, die die Fed-Bilanz innerhalb von wenigen Monaten von vier auf 7,18 Billionen Dollar explodieren ließ. Die Europäische Zentralbank war vor Kurzem bei 6,74 Billionen Euro angelangt, zusammen mit der Bank of Japan erreicht man bereits über 20 Billionen Dollar. Die Bilanzsummen der Notenbanken marschieren in ungeahnte Höhen: In Japan auf 136 Prozent zum BIP, in Europa auf 66 Prozent und in den USA auf 37 Prozent.

Dies hat laut JP Morgan folgendes zur Folge (Stand Mitte Oktober):

Weltweit gibt es 17 Billionen Dollar an Anleihen, die keine oder sogar Minuszinsen abwerfen. Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern. Der Anlagenotstand für Kapitalsammelstellen (wie Staats- und Pensionsfonds) hat im Herbst des Jahres 2020 eine bisher noch nicht gesehene Dimension erreicht – und das erklärt die Kurse der Aktienmärkte.

Jetzt stehen die US-Wahlen an und der Sieger muss aus faktischen Gründen angesichts von über 11 Millionen Arbeitslosen und 50 Millionen Lebensmittelmarkenbeziehern in den USA zwangsläufig ein fünftes Rettungspaket auflegen. Außerdem ergab eine Umfrage im Sommer, dass 40 Prozent der Amerikaner keine 400 Dollar an Reserven besitzen, um sich zum Beispiel ein defektes Haushaltsgerät ersetzen zu können. Man kann sich immer nur wundern, wie die US-Regierung hier das Bild einer gesunden US-Wirtschaft zeichnen kann.

Bei einer weiteren Verschuldung stellt sich irgendwann die Frage: Wann wird sich dies bei den Kapitalmarktzinsen bemerkbar machen? In jeder Volkswirtschaft gibt es das Phänomen des Bruchs mit der Linearität, plötzliche Ausbrüche aus einer stabilen Entwicklung, davor sind auch die Vereinigten Staaten nicht gefeit.

Die Forschung für einen Impfstoff

Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurde mit solcher Intensität an einem Impfstoff gegen ein Virus geforscht – Sars-CoV-2. 160 bis 200 Projekte gibt es derzeit weltweit, einige Vakzine befinden sich bereits in der klinischen Phase 3 und die großen Staaten haben vorsorglich schon drei Milliarden Impfdosen bestellt, ohne zu wissen, welches Mittel sich überhaupt durchsetzen und welchen Effekt es überhaupt haben wird. Die Aktien von Moderna, CureVac oder Biontech explodieren an den Börsen um mehrere 100 Prozent, weil viele Investoren einen Milliardenmarkt wittern. Viele Projekte werden im Sande verkaufen, viele Millionen versickern, weil keiner weiß, was sich durchsetzt – und vor allen Dingen wann?

Die Entwicklung der Pandemie

Viele führende Virologen warnen, dass die Welt noch bis Ende des Jahres 2021 mit dem Virus leben müsse oder vielleicht sogar auf Dauer. Was bedeutet dies konkret? Derzeit gibt es weltweit über 45 Millionen bestätigte Infektionen, was angesichts von 7,6 Milliarden Menschen nur ein gutes halbes Prozent der Weltbevölkerung ausmachen würde. Aber sind das überhaupt realistische Zahlen? Wurden aus bestimmten Metropolen der Welt – New York, Neu-Dehli, Sao Paulo, Mexiko City – nicht schon Antikörpertests ausgewertet, die auf eine 20 bis 50 prozentige Durchseuchung von Teilen der Bevölkerung hinweisen?

In Ländern wie den USA, Brasilien, Spanien, Belgien u.a. werden offiziell Infektionsraten von 2,5 bis 3 Prozent der Bevölkerung gemeldet, aber der Chef der US-Seuchenbehörde CDC der USA, Redfield, hat sich in diesem Jahr geäußert, dass man mit einer Dunkelziffer von Faktor 10 bei den Infektionen rechnen könne. Die USA haben bereits über neun Millionen Coronainfizierte bei einer Bevölkerung von gut 330 Millionen. Wie viele Menschen werden bis Ende 2021 schon mit dem Virus infiziert worden sein? Selbst der deutsche Virologe, Professor Streeck, rechnet mit einer gewaltigen Durchseuchung bis dahin. Es sei auch bis jetzt nicht klar, welche Immunität ein Impfstoff zur Folge haben wird? Wie viele Menschen werden sich überhaupt impfen lassen (müssen)? Fragen über Fragen.

Aber bei Fortführung der Gedankengänge über die Infektion der Menschheit mit Covid-19 schleicht sich ein unangenehmes Gefühl ein: Deutschland hat im Vergleich zur Bevölkerungszahl eine sehr niedrige Infektionsrate (0.59 Prozent), auch wenn man eine Dunkelziffer mit einbezieht, die aber aufgrund unserer Maßnahmen nicht allzu hoch sein dürfte. Was aber nicht anderes heißt, dass für unser Land noch ein weiter Weg in Sachen Corona bevorsteht – außer der Impfstoff kommt rechtzeitig und mit hoher Wirksamkeit.

Ausblick

Doch zurück zur Wirtschaft und zur Börse. Was bedeutet die aktuelle Gemengelage für das Jahresende der Aktienmärkte? Der Ausgang der Wahlen, die Börsenentwicklung, die Pandemie? In Summa „not predictable“. Doch wird auf eines Verlass sein: Das Gelddrucken geht weiter – so hat Madame Lagarde erst gestern die weiteren Notenbankkäufe der EZB bestätigt: bis mindestens Mitte 2021 wolle man alles tun und den ganzen Instrumentenkasten nutzen, um die Erholung der Wirtschaft zu fördern.

Auch die Bundesregierung hat eine große Summe an Ausfallszahlungen für den Monat des Lockdowns, November, angekündigt, um die wirtschaftlichen Folgen des verordneten Stillstands (Lockdown light) abzumildern.

Die Geldflut wird nicht verebben. Und wenn man den Chart zwischen Notenbankbilanz und Entwicklung der Aktienmärkte (S&P 500) betrachtet, so könnte man eigentlich auf eine bestimmte Jahresendprognose kommen.

Und was die Pandemie und die mögliche Wirkung der gerade angekündigten Lockdown-Maßnahmen betrifft, so empfiehlt sich ein Blick auf Israels Infektionszahlen, dem Land, welches bereits vor einigen Wochen solche verhängt hat..

Aktienmärkte und Wirtschaft im Coronajahr 2020

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Aktien

Dax mit Crash? Mögliche Ausweitung der EZB-Maßnahmen, Ideen zu SAP und Allianz

Redaktion

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Gibt es im Dax einen neuen Crash? Diese Frage bespricht Manuel Koch im folgenden Video mit einer Expertin. Auch Thema seines Videos sind die ganz frisch verkündeten neuen Rettungsgelder für die Wirtschaft, damit der anstehende kleine Lockdown im November verkraftet werden kann. Wichtig ist auch die heute angedeutete Ausweitung der EZB-Maßnahmen im Dezember.

Manuel Koch bespricht im Video auch zwei Handelsempfehlungen der trading house-Börsenakademie. Die Aktien der Allianz seien eine Short-Chance per Stop-Sell-Order. Die Aktien von SAP seien ein Kauf per Stop-Buy-Order. Beide Ideen werden ausführlich begründet.

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