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Asien

Risse in Chinas Schattenbanken-System

Markus Fugmann

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Von Claus-Peter Sesin

Ende Januar dürfte erstmals ein großer Fonds aus Chinas Schattenbankensystem faul werden.  Die Großbank ICBC, die den Fonds vermarkten half, will Investoren für die Verluste nicht entschädigen. Der Vertrauensschwund könnte zu einer Kettenreaktion führen.

Um schädlichen Marktüberhitzungen, insbesondere am Immobilienmarkt, entgegenzuwirken, fährt die chinesische Zentralbank (PBoC) seit gut einem Jahr die Liquidität zurück. Damit versucht sie vor allem das ausufernde Schattenbanken-System trocken zu legen, das ihr schon lange ein Dorn im Auge ist.
Die Akteure im Schattenbankensystem – regionale Banken, Fonds, private Geldverleiher und sonstige Investoren – refinanzieren sich wie normale Banken hauptsächlich am chinesischen Interbankenmarkt. Je mehr Zinsen sie dort zahlen müssen, desto weniger Gewinn werfen ihre halblegalen Verleih-Aktivitäten ab. Die von der PBoC verordneten Liquiditätsengpässe führten wunschgemäß dazu, dass sich die Zinsen am chinesischen Interbankenmarkt verteuerten – teils deutlich.

Ab Sommer 2013 entwickelte sich jedoch eine unangenehme Eigendynamik. Im Juli und später noch einmal im Dezember schossen die Zinsen an Chinas Interbankenmarkt auf über zehn Prozent hoch. Dies ist ein Indiz, dass die chinesischen Banken einander nicht mehr trauen. Sie haben Angst, ihre an andere Banken ausgeliehenen Gelder nicht mehr zurück zu erhalten.
Um eine unkontrollierbare Panik zu vermeiden, flutete die chinesische Zentralbank den Markt im Juli und im Dezember mit Milliardenspritzen. Marktbeobachter sehen darin – zumindest bislang – einen Sieg der Schattenbanker: In akuten Notlagen sind Chinas Zentralbanker offenbar nach wie vor zu einem Bailout bereit, um Schlimmeres zu verhindern.

Dennoch bleiben die sprunghaft angestiegenen chinesischen Kurzfristrenditen ein Alarmsignal. US-Großspekulant George Soros sagte Anfang Januar, dass die angespannte Lage an Chinas Interbankenmarkt eine „fatale Ähnlichkeit“ zur Geldklemme aufweise, die ab Sommer 2007 in USA aufkam und in deren Gefolge 2008 viele Banken – darunter Lehman – pleite gingen.
Banken verdienen ihr Geld normalerweise, indem sie langfristig (etwa an Hauskäufer) Geld zu hohen Zinsen verleihen und sich kurzfristig günstig u. a. am Interbankenmarkt refinanzieren. Die Zinsdifferenz ist ihr Gewinn, und wenn sie mit hohem Hebel (= wenig Eigenkapital) arbeiten, dann können die Erträge – und Boni – sehr hoch ausfallen. Dieses Geschäftsmodell basiert jedoch auf Vertrauen. In einer Vertrauenskrise wird für wackelige Banken die kurzfristige Refinanzierung teuer, wenn nicht gar unmöglich. Dies geschah 2007 in USA – und seit 2013 droht es auch in China.
Letztes Jahr musste die chinesische Zentralbank zudem feststellen, dass sie mit ihrer Liquiditätsverknappung das exakte Gegenteil von dem erreichte, was sie eigentlich wollte: Das Schattenbankensystem verzeichnete wider Erwarten einen regelrechten Boom. Grund: Viele marode Firmen, die wegen der Geldverknappung von normalen Banken keine Kredite mehr erhielten, mussten sich wohl oder übel an windige Verleiher aus dem Graumarkt wenden. Teure Zinsen zu zahlen war für sie immer noch besser, als sofort pleite zu gehen.
Verkomplizierend hinzu kommt, dass das Normalbankensystem eng mit dem Schattenbankensystem verwoben ist – und dies nicht nur hinsichtlich der gemeinsamen Refinanzierung am Interbankenmarkt: Chinesische Normal- und Großbanken vermitteln an betuchte Investoren gern hochrentierliche Anlageprodukte, die aus dem lukrativen – da zinshohen – Schattenbanken-Sektor stammen. Denn dafür können sie üppige Provisionen einstreichen. Das Problem für die Käufer solcher Produkte bleibt indes die Haftung. Bislang gingen sie hedonistisch davon aus, dass bei Rückzahlungsproblemen die Bank, die ihnen die Anlageprodukte vermittelte, schon irgendwie einspringen werde – oder dass zumindest am Ende die Zentralbank aushelfe.
Diese Hoffnung wurde Ende letzter Woche erstmals enttäuscht. Ein Schattenbanken-Fonds mit dem ebenso hochfliegenden wie irreführenden Namen „Credit Equals Gold # 1 Collective Trust Product“ kann bei seiner Endfälligkeit am 31. Januar 2014 voraussichtlich nicht voll bedient werden. Zu den Vermarktern dieses Produkts zählt u. a. die chinesische ICBC (Industrial and Commercial Bank of China). ICBC lehnte am Donnerstag gegenüber Anlegern, die auf ihre Empfehlung in diesen Fonds investiert hatten, jegliche Haftung ab.
Emittentin dieses Hochzins-Fonds ist das Treuhandunternehmen China Credit Trust. Die Schattenbank nutzte die vereinnahmten Gelder unter anderem, um einen Kredit an den nicht börsennotierten chinesischen Kohlenförderer Shanxi Zhenfu Energy Group Ldt. zu vergeben. Der Geschäftsführer dieser Firma kam im Mai 2012 hinter Gitter, weil er Geldeinlagen in Empfang genommen hatte, ohne über eine Banklizenz zu verfügen. 2013 fiel obendrein der Weltmarktpreis für Kohle, was die Firma noch weiter in die Enge trieb. Ihren Kredit an China Credit Trust wird sie voraussichtlich nicht zurückzahlen können. Auch andere Kohleförderer sind von den Preisrückgängen getroffen, darunter die Liansheng Resources Group. Große Probleme haben zudem regionale Immobilienentwickler, die ihre oft unrentablen Projekte mit Krediten aus dem Schattenbankensystem finanziert haben.
Die US-Ratingagentur Standard & Poors meldete am Freitag, dass chinesische Immobilienentwickler 2014 wegen unzureichender Finanzierung deutlich unter Druck geraten werden. Analysten gehen zudem davon aus, dass dem chinesischen Schattenbankenmarkt durch Tapering (QE-Reduzierung) in USA Liquidität entzogen wird. Erschwerend hinzu kommt, dass große Städte wie Peking und Schanghai der ausufernden Immobilienspekulation aktiv einen Riegel vorschieben wollen. Im Dezember verzeichneten chinesische Immobilienpreise die stärksten Anstiege seit zwölf Monaten.
Die chinesische Zentralbank wandelt daher auf schmalem Grat: Sie muss zur Blasen- und Inflationsbekämpfung die Liquidität verknappen, darf damit aber im Schattenbankensystem keine Panik erzeugen. Die Geldverknappung zeigt bereits Wirkungen: Im Dezember schwächte sich Chinas Industrieproduktion ab, und der Zuwachs in 2014 soll jüngsten Prognosen zufolge der schwächste der letzten 24 Jahre werden. Das Gros der Analysten rechnet für 2014 mit einem leicht reduzierten BIP-Wachstum von 7,4 Prozent; 2013 lag es nach den heute morgen veröffentlichten Zahlen bei 7,7 Prozent. Ab 7,2 Prozent befürchtet die chinesische Regierung negative Auswirkungen für den Arbeitsmarkt.
Schieflagen im Schattenbankenmarkt könnten die PBoC jedoch dazu zwingen, wider Willen erneut die Liquidität zu erhöhen. PBoC-Präsident Zhang Xiaohu schrieb im Magazin „China Finance“, dass er den „Liquiditäts-Level dem Bedarf anpassen“ wolle, eine straffere Geldpolitik jedoch vorziehe. Chinas KP fürchtet indes Wiederholungen der Geldmarkt-Turbulenzen, die sie – offenbar auch politisch – für „zu gefährlich“ hält. In diesem Klima könnte auch die PBoC weiter auf ihrem „Zickzack-Kurs“ bleiben – was den Schattenbankern noch eine Gnadenfrist bescherte.
Die chinesische Gesamtschuldenquote ist seit 2008 von 130 auf 210 Prozent des BIP hoch geschnellt – der schnellste Anstieg, den je eine größere Volkswirtschaft verzeichnete. Dies erhöht die Gefahr einer Boom/Bust-Entwicklung wie in Japan nach 1990. Insgesamt hat die PBoC seit 2008 den Gegenwert von 15,4 Billionen US-Dollar in das landeseigene Bankensystem gepumpt – das 2,5-fache des chinesischen BIPs und sieben Mal mehr als im gleichen Zeitraum die US-Notenbank Fed. Trotz dieser massiven Stimulation fiel Chinas Aktienindex SSE heute unter die Marke von 2000 Punkten – ein Kursniveau, das nur knapp über dem letzten Krisentief im Winter 2008/2009 liegt.

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Asien

Coronavirus beendet australischen Weltrekord des „ewigen“ Wachstums

Ein unglaublicher Rekord wird zu Ende gehen, Down Under erlebt nach fast 30 Jahren wieder einmal eine Schrumpfung seiner Wirtschaft – das Coronavirus aber erfasst alle Ecken dieser Welt

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Es war eigentlich schon im letzten Jahr absehbar, als der Hunger nach Rohstoffen in China abebbte: Ein unglaublicher Rekord wird zu Ende gehen, Australien erlebt nach fast 30 Jahren wieder einmal eine Schrumpfung seiner Wirtschaft – das Coronavirus aber erfasst alle Ecken dieser Welt.

Konjunkturwunder in Australien vor dem Coronavirus

Rezession, was ist das?  Das dürften sich viele Erwachsene in Australien in diesen Tagen denken, wenn das Land in den Strudel vieler Länder gerät, die ihre Konjunkturaussichten infolge des Coronavirus in ungeahnte Tiefen absenken. Denn selbst gestandene Dreißiger dürften sich nicht mehr an die ersten beiden Quartale des Jahres 1991 zurückerinnern, als es zuletzt eine wirtschaftliche Schrumpfung auf dem fünften Kontinent gab – und auch noch eine sehr milde. Australien hatte schon im Jahre 2017 den bisherigen Rekordhalter, die Niederlande, als Wachstumswunder abgelöst, die eine Phase von 103 Quartalen Wachstum geschafft hatten. Jetzt ist es das Coronavirus, das mit seinen Bekämpfungsmaßnahmen ein Wirtschaften im üblichen Sinn unmöglich macht.

Die kommende Rezession

Egal wie erfolgreich ein Land im Kampf gegen das Coronavirus auch vorankommt: Covid-19 verschont keine Volkswirtschaft. Deshalb sind die Prognosen des Internationalen Währungsfonds für das Ausmaß der Rezession für Australien gar nicht so viel besser als für Deutschland: 6,7 zu 7 Prozent. Anders als in der letzen Schrumpfung im Gefolge der Subprime-Krise, als das deutsche BIP um 5,7 Prozent abstürzte, währenddessen Australien sogar noch ein zweiprozentiges Wachstum generieren konnte. Dafür gibt es natürlich ein paar handfeste Gründe. Australien ist ein Rohstoff-Reservoir ohnegleichen und für China der große Lieferant in seinem jahrzehntelangen Giga-Wachstum gewesen.

Man konnte in allen Bereichen liefern: Energie, Kohle, Erze, Metalle, alles was China für seinen Bauboom benötigte. Demzufolge kamen die ersten Wachstumssorgen schon 2019 auf, als Chinas Wirtschaft Gang für Gang zurückschaltete. Der globale Lockdown wegen des Coronavirus brachte dann den Kollaps der Rohstoffmärkte. Australischen Statistiken zufolge gingen im letzen Jahr 34 Prozent der Exporte des Landes noch nach China, gefolgt an zweiter Stelle von Japan mit 16 Prozent.

Aber damit könnte der fünfte Kontinent schon wieder etwas vorzeitigen Auftrieb bekommen, schließlich ist man im Reich der Mitte schon heftig damit beschäftigt die Produktion wieder hochzufahren, zumindest in die Nähe vorheriger Produktionskennziffern.

Das Rohstoffland Australien befindet sich in seinen Hoffnungen auf höhere Rohstoffumsätze und -preise in bester Gesellschaft, insbesondere in der der Ölstaaten. Kein Wunder, wenn der weltweite Flugverkehr zu zwei Drittel lahmgelegt wurde, Ozeanriesen und Kreuzfahrtschiffe in den Häfen stehen und 1,3 Milliarden Kfz weniger bewegt werden.

Coronavirus bereits unter Kontrolle?

In Sachen Coronavirus blicken viele Länder auf Down Under, um die Hintergründe zu erfahren, warum Australien nicht nur so wenig Coronainfizierte zu verzeichnen hat, sondern auch einen enorm raschen Rückgang dieser Zahlen erreichen konnte. Hier die letzten Zahlen der John-Hopkins-Universität:

Australien:

Insgesamt 6738 Infizierte, 88 Tote, 5626 Genesene und nur noch 1024 aktive Fälle.

Die Zahl der täglichen neue Infektionen mit dem Coronavirus kann man hingegen schon an Händen abzählen. Wieso hat der G20-Staat die Corona-Pandemie bisher so gut in den Griff bekommen? Man reagierte ähnlich wie andere südostasiatische Staaten mit einer frühen Eindämmung der Infektionsausbreitung. Konsequent durchgeführte Quarantänemaßnahmen und natürlich die besondere Lage des Inselstaates haben zu dieser Situation beigetragen. Ein großer Unterschied zu der Vorgehensweise der großen Bruderstaaten USA und Großbritannien, die sehr zögerlich mit ihren Maßnahmen vorgingen.

Auch in punkto elektronischer Überwachung der mit dem Coronavirus Infizierten ist Australien vielen Ländern voraus. Am letzten Wochenende hat man als erster westlicher Staat eine Corona-Warn-App eingeführt. Anscheinend mit großem Erfolg, denn schon in den ersten Stunden sei die App mehr als eine Million Mal heruntergeladen worden, so Australiens Gesundheitsminister Greg Hunt.

In einem Land mit 26 Millionen Einwohnern aber einer Fläche von 7,7 Mio Quadratkilometern (Deutschland 357.000) könnte man sich da schon etwas aus dem Weg gehen.

Australiens bisherige Bilanz im Kampf gegen das Coronavirus:

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Australien

Die noch am Coronavirus Erkrankten in Australien

Fazit

Sollte es in Down Under mehr als zwei Quartale wirtschaftlich abwärts gehen, hat ein fast 30 Jahre währender Wachtumszyklus sein Ende gefunden. Wie ungewöhnlich lang diese Periode gewesen ist, zeigt die Statistik der typischen Konjunkturzyklen. Normalerweise dauern Wirtschaftsaufschwünge um die sechs bis zehn 10 Jahre.

Der gerade zu Ende gegangene Zyklus in den USA war der längste seiner Geschichte, verlängert durch eine opulente Steuerreform und der Hilfe der Notenbank auf knapp 11 Jahre.

Rezessionen hingegen sind sehr viel kurzlebiger, so etwa 1,5 Jahre im Durchschnitt, mit Ausnahme der großen Depression von 1929 bis 1933 in den USA, die 43 Monate lang gedauert hatte.

Auch Deutschland hatte bereits sieben Rezessionen seit den 1960-er-Jahren erleben müssen, die tiefste während der Finanzkrise 2008/2009 mit gut minus fünf Prozent. Aktuell wäre man wahrscheinlich heilfroh, wenn es 2020 durch das Coronavirus mit einem solchen Minus sein Bewenden hätte..

Wegen des Coronavirus endet in Australien eine Rekordzeit ohne Rezession

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Asien

Coronakrise: Vorteil China gegenüber den USA am Automarkt

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Der Lockdown aufgrund der Coronakrise reißt riesige Löcher in die Staatsfinanzen der verschiedenen Volkswirtschaften  in der Welt, in die Bilanzen von vielen Unternehmen –  aber auch in die Budgets von Verbrauchern. Dabei ist der Konsum der ganz entscheidende Faktor in den Bruttoinlandsprodukten der Länder, nicht nur in den USA mit ihren aberwitzigen 70 Prozent, sondern auch in Deutschland (über 50 Prozent). Dabei kommt ein Produkt unter die Räder, von denen es in verschiedenen Modellen schon 1,3 Milliarden auf der Erde gibt – das Automobil. Ganz besonders betroffen sind die USA.

Vor der Coronakrise: Alles auf Pump

Klar werden auch in Deutschland Automobile geleast, auf Kredit gekauft, bestimmt über die Hälfte aller Neufahrzeuge. Nicht so wie in den 1970-ern, wo noch 70 Prozent der Privat-Pkw in bar bezahlt wurden. Damit kommt auf die deutsche Automobilindustrie in der Coronakrise ein zweifaches Problem zu: Erstens ein wochenlanger Produktionsausfall durch den Lockdown, auch infolge der Störung der Lieferketten. Fast noch schlimmer aber ist, zweitens,  die massive Verschlechterung der Solvenz vieler Leasing- und Kreditvertragskunden. So hat Daimler erst vorgestern bekanntgegeben, 400 Millionen Euro an Risikovorsorge für geplatzte Finanzierungungsverträge zurückstellen zu wollen. Der Autoverkauf läuft sehr stark über die Autobanken, die Automobilindustrie hat einen gewichtigen Anteil an der weltweiten privaten Schuldenwirtschaft.

Das Land der unbegrenzten Schulden

In den USA, wo die Beleihung von Kreditkarten zum Alltag gehört, wurde das Thema Autofahren auf Pump fast schon ins Exzessive getrieben. Man spart nicht auf ein eigenes Auto, sondern schließt einen Leasingvertrag ab, den man wiederum aus dem Gehaltskonto zu Monatsende abstottert. Aufgrund der niedrigen Zinsen hangelte man sich sogar immer höher in der Wagenklasse.

Da erkennt man sofort, aus welcher Richtung in Bälde ein richtiger Gegenwind wehen wird: Wie viele Amerikaner haben sich seit gut einem Monat arbeitslos gemeldet? Insgesamt über 26 Millionen US-Bürger! Fatalerweise standen viele von ihnen mit ihren Autokrediten schon Ende 2019 mit 1,3 Billionen Dollar in den Miesen, laut einem Bericht der US-Notenbank.

Diese Problematik gibt es natürlich auch in Deutschland, selbst die bayerische Nobelmarke BMW musste schon zu Zeiten der Finanzkrise zwei Milliarden Euro an Kreditausfällen abschreiben. Glücklicherweise gibt es noch den chinesischen Markt. Volkswagen hat trotz Coronakrise nicht nur alle seiner 23 Werke in China wieder in Betrieb genommen, das Land (war) mit 40 Prozent der Autoverkäufe auch der ganz große Treiber für den 11-Marken-Konzern.

Vorteil China in der Coronakrise

Bis vor Kurzem wollte man noch, auch auf Druck von Donald Trump, die Produktion von Kfz- und Autoteilen in den USA weiter erhöhen. Jetzt hört man die ersten Stimmen, die von Fernost als stärker zu präferierendem Ziel in der Zukunft sprechen. Hinzu kommt ein Vorteil, der in einer Schuldenkrise noch gewisse Vorteile besitzt: Der chinesische Markt hat schon einen über 20 Monate andauernden Schrumpfungsprozess hinter sich, nach einer enormen Phase der Überkapazitäten. Und noch eines zählt augenblicklich: Die Chinesen agieren noch wie die Deutschen im alten Jahrhundert – sie bezahlen ihre Vehikel zumeist bar, beziehungsweise nicht so sehr auf Kredit.

Die Coronakrise wird sich in den USA am stärksten auswirken

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Coronakrise: Warum China nicht mehr Wachstumsmotor sein wird!

China ein Doppelproblem: Verschuldung und Arbeitslosigkeit im Innern – und als Exportland eine fehlende Nachfrage der durch die Coronakrise lahmgelegten Rest der Welt

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Die Wirtschaftswelt blickt in der Coronakrise wieder einmal auf China: Die weltweite Pandemie um Covid-19 hat im Reich der Mitte ihren Anfang genommen und dort scheint man das Problem auch zuerst wieder in den Griff zu bekommen. Schon nach der Finanzkrise 2009 hatte China die globale Ökonomie mit riesigen Infrastrukturprogrammen wieder auf die Beine gebracht. Doch dieses Mal könnte es viel, viel schwieriger werden.

China, der stotternde Wachstumsmotor der Welt und die Coronakrise

In der heutigen Nacht wurden die Wachstumszahlen für das erste Quartal des Jahres 2020 veröffentlicht, das Virusquartal für die Volkswirtschaft China – und es wurde das schlechteste seit Jahrzehnten. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts betrug auf Jahresvergleich minus 6,8 Prozent, es war der erste Rückgang des Wirtschaftswachstums seit Beginn der offiziellen Quartalsveröffentlichungen im Jahr 1992. Die von Reuters befragten Analysten hatten mit minus 6,5 Prozent gerechnet. Doch auch im zweiten Quartal wird das Wachstum noch sehr bescheiden ausfallen, wie chinesische Volkswirte prognostizieren. Ein Hauptgrund dafür ist die stotternde Nachfrage aus dem Ausland wegen der Coronakrise. Chinas Industrie hat zwar die Produktion nach dem wochenlangen Shutdown wieder aufgenommen, aber man produziert sehr viel auf Lager, da die Nachfrage aus dem Ausland fehlt. Covid-19 hat die meisten Exportländer im Griff – und das ist der große Unterschied zur Finanzkrise und der raschen Erholung von damals – heute fehlen viele Kunden und damit die Nachfrage.

Chinas überragende Bedeutung für die Weltwirtschaft

Das Land mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern steht zwar nominal nur für etwa 16 Prozent des Weltsozialprodukts – aber für weitaus mehr, wenn man seinen Anteil am Wachstum der Welt betrachtet. Noch im letzten Jahr hatte dieser Anteil 46,3 Prozent am weltweiten Wirtschaftswachstum betragen, im Jahr 2012 sogar sagenhafte 76 Prozent, wie Daten des IWF zeigen. China hatte nach 2010 mit einem Stimulus von 500 Milliarden Dollar (dies entsprach 13 Prozent der Wirtschaftsleistung) die eigene Wirtschaft angekurbelt und der Welt zu einem Aufschwung aus der Krise verholfen. Dies wird – kurzfristig in der Coronakrise – und auch langfristig nicht mehr so möglich sein, zunächst einmal stehen große Teile der Weltökonomie still.

Chinas interne Probleme

Mit Spannung erwartete man aktuell auf Daten zur Arbeitslosigkeit, wobei man hierzu gleich einmal einwenden muss, dass es kaum eine Wirtschaftszahl eines großen Landes gibt, die so sehr von den Regierungsstellen beeinflusst wird. Über viele Jahre hinweg hatte diese Zahl fast eine Konstante um die 4 Prozent dargestellt. Im Februar musste selbst China einen Anstieg auf 6,2 Prozent vermelden, aktuell wurde heute Nacht ein Rückgang auf 5,9 Prozent verkündet.

Dies ist die offizielle Rate. Michael Pettis, ein Finanzprofessor an der Peking University, kommt auf andere Daten, denn China nimmt die 293 Millionen Wanderarbeiter, die einen großen Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung ausmachen, gar nicht erst in seine Statistik mit auf. Er schätzt, dass mindestens 10 Prozent dieser Arbeiter ihren Arbeitsplatz infolge der Auswirkungen der Coronakrise, vorrangig im Dienstleistungssektor, verloren haben. Seiner Meinung nach ist die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie von der chinesischen Regierung angegeben.

Damit kommen wir zum zweiten Problem für die chinesische Volkswirtschaft. Diese hohe Arbeitslosigkeit wird Folgen für den Konsum haben. Auch im Reich der Mitte könnte es massive Probleme mit der Verbrauchernachfrage geben. Wie in anderen Ländern auch, werden die Bürger dauerhaft mehr sparen und weniger ausgeben. Interessanterweise hat man auch in China bereits begonnen, Gutscheine (Helikoptergeld) an die Bevölkerung zu verschenken. Bei Nachforschungen über deren Verwendung wurde festgestellt, dass es vor allem Lebensmittel und Zigaretten waren, für das dieses Geld ausgegeben wurde. Nicht etwa für Autokäufe, die im Januar um 90 Prozent, im Februar um circa 80 Prozent und im März um 40 Prozent wegen der Coronakrise eingebrochen waren. Außerdem hat auch Chinas Wirtschaft ein Problem, welches in vielen Ländern Sorgen bereitet.

Auch das „Institute for International Finance“ schätzt die chinesische Gesamtverschuldung auf 310 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt. Ein Faktor, der künftige Stützungsmaßnahmen limitiert, wie etwa eine größere Bazooka.

Vor Kurzem hatte man in China noch versucht, die vielen faulen Kredite der staatseigenen Firmen zu reduzieren, um das Problem der Stabilität nicht ausufern zu lassen. Nach Ansicht von Finanzexperten könnte China mit weiteren großen Fiskalpaketen noch abwarten, bis sich die globalen Nachfragebedingungen für die Produktion verbessert haben. Außerdem braucht das Land für die Herstellung von Gütern aus der Elektronik- und Automobilbranche viele Vorleistungen aus anderen Teilen der Welt – und dort ist in der Coronakrise derzeit zumeist „Ebbe“ angesagt.

Fazit: China fällt in der Coronakrise als Wachstumsmotor aus

Auch in der Volksrepublik China scheint eine Phase großen Wirtschaftswachstums zu Ende zu gehen. Nach regelmäßigen jährlichen Wachstumsraten von über 10 Prozent bis vor zehn Jahren, war die Quote auch größenbedingt gefallen, auf zuletzt 6 Prozent vor der Coronakrise. Überbordende Investitionen in die heimische Infrastruktur mit einer horrenden Verschuldung hauptsächlich staatsseigener Firmen haben die zweitgrößte Wirtschaft der Welt schon vor der Pandemie belastet. Wie oben dargestellt, war China der große Treiber für das globale Wachstum. Doch jetzt hat China ein Doppelproblem: Verschuldung und Arbeitslosigkeit im Innern und als Exportland eine fehlende Nachfrage der durch die Coronakrise lahmgelegten Rest der Welt. Globalisierung mag keine (trumpschen) Handelskriege – und sie verträgt erst recht keine pandemische Entwicklung. Aus der jetzigen dramatischen Entwicklung eines globalen Lockdowns kommt man nur gemeinsam wieder heraus, dies wird auch in China schmerzlich zu spüren sein.

In der Coronakrise wird China als Wachstumsmotor ausfallen

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