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Notenbanken Aktuell: Russland senkt Leitzins unter Vorkriegsniveau

Die Zentralbank von Russland hat vor wenigen Minuten verkündet, dass der Leitzins von 9,50 Prozent auf 8,00 Prozent gesenkt wird.

Russland-Fahne

Die Zentralbank von Russland hat vor wenigen Minuten verkündet, dass der Leitzins von 9,50 Prozent auf 8,00 Prozent gesenkt wird. Am 10. Juni wurde er von 11,00 auf 9,50 Prozent gesenkt. Nach Kriegsausbruch gegen die Ukraine lag er zeitweise im Hoch bei 20 Prozent. In der Grafik sieht man den Zinsverlauf in den letzten 12 Monaten.


source: tradingeconomics.com

Erläuterung der Zentralbank zur Zinssenkung

Die aktuellen Verbraucherpreiswachstumsraten sind laut Zentralbank in Moskau nach wie vor niedrig und tragen zu einer weiteren Verlangsamung der jährlichen Inflation bei. Dies sei sowohl auf den Einfluss einer Reihe einmaliger Faktoren als auch auf die gedämpfte Verbrauchernachfrage zurückzuführen. Die Inflationserwartungen der Haushalte und Unternehmen seien deutlich zurückgegangen und hätten das Niveau vom Frühjahr 2021 erreicht. Der Rückgang der Wirtschaftstätigkeit verlaufe langsamer als noch im Juni erwartet. Das außenwirtschaftliche Umfeld für die russische Wirtschaft sei jedoch nach wie vor schwierig und beeinträchtige die Wirtschaftstätigkeit weiterhin erheblich.

In Zukunft will die Zentralbank bei ihren Leitzinsentscheidungen die tatsächliche und erwartete Inflationsdynamik in Bezug auf das Ziel und die wirtschaftlichen Transformationsprozesse sowie die Risiken, die sich aus den inländischen und externen Bedingungen ergeben, und die Reaktion der Finanzmärkte berücksichtigen. Man will die Notwendigkeit einer Leitzinssenkung in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 in Betracht ziehen. Nach der Prognose der Zentralbank wird die jährliche Inflation in Russland angesichts des geldpolitischen Kurses im Jahr 2022 auf 12,0-15,0 %, im Jahr 2023 auf 5,0-7,0 % und im Jahr 2024 wieder auf 4 % sinken.

Inflationsentwicklung. Die aktuellen Verbraucherpreiswachstumsraten sind laut Aussage der Zentralbank nach wie vor niedrig und tragen zu einer weiteren Verlangsamung der jährlichen Inflation bei. Im Juni sank die jährliche Inflationsrate auf 15,9 % (nach 17,1 % im Mai) und ging den Schätzungen vom 15. Juli zufolge auf 15,5 % zurück. Der Rückgang der Gesamtinflation sei weitgehend auf die anhaltende Anpassung der Preise für Waren und Dienstleistungen zurückzuführen, nachdem diese im März stark angestiegen waren. Unterstützt wurde dies durch die Dynamik des Rubel-Wechselkurses und die allgemein gedämpfte Verbrauchernachfrage. Gleichzeitig liegen die Indikatoren, die die nachhaltigsten Preisbewegungen widerspiegeln, nach Schätzungen immer noch über 4 %.

Die Kombination von Risiken, die durch das außenwirtschaftliche Umfeld entstehen, könnten sowohl inflationsfördernde als auch inflationshemmende Auswirkungen haben. Eine weitere Verschärfung der Außenhandels- und Finanzrestriktionen könnte sich laut der Zentralbank inflationsfördernd auswirken und damit zu einem schwächeren Rubel und einem stärkeren Rückgang des Potenzials der russischen Wirtschaft führen als im Basisszenario erwartet.

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Die Engpässe auf der Angebotsseite könnten sich insbesondere dadurch verstärken, dass die Lagerbestände an Fertigerzeugnissen, Rohstoffen und Komponenten im Falle anhaltend negativer Einfuhrtrends nur langsam wieder aufgefüllt werden. Die Erkenntnis, dass die Risiken einer weltweiten Rezession zunehmen, könnte wiederum die Auslandsnachfrage nach russischen Exporten weiter abschwächen und infolgedessen einen schwächeren Rubel zur Folge haben. Die Aufrechterhaltung eines beträchtlichen Handelsüberschusses bei einer im Vergleich zu den Einfuhren stabileren Exportdynamik könne zu einer Disinflation führen.

In Zukunft will die Zentralbank bei ihren Entscheidungen über den Leitzins die tatsächliche und erwartete Inflationsdynamik in Russland in Bezug auf das Ziel und die wirtschaftlichen Transformationsprozesse sowie die Risiken, die sich aus den in- und ausländischen Bedingungen ergeben, und die Reaktion der Finanzmärkte berücksichtigen. Man will die Notwendigkeit einer Leitzinssenkung in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 in Betracht ziehen.



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