Anleihen

Anleiherenditen und Devisenmarkt Scholz für EU-Schulden gegen Energiekrise – Messbare Marktreaktion

Gestern wurde bekannt, dass Deutschland gemeinsamen EU-Schulden wohl zustimmen wird. Anleiherenditen und Euro zeigten eine Reaktion.

Kurse auf einer Grafik

Gestern Nachmittag berichteten wir. Olaf Scholz wird gemeinsamen EU-Schulden im Kampf gegen die hohen Energiepreise zustimmen. Das dürfte die FDP wohl nicht gerne hören. Und was bedeutet das? Deutschland haftet in großem Maße mit für diese neu aufzunehmenden Schulden, die dann europaweit zum Dämpfen der Energiepreise eingesetzt werden.

Was bedeutet das einen Schritt weiter gedacht? Länder wie Italien müssen selbst weniger neue Schulden aufnehmen, wenn es gemeinsame EU-Schulden im Kampf gegen die Energiekrise geben wird. Ein weniger belasteter Staatshaushalt in Italien und anderen hoch verschuldeten Ländern in der Eurozone bedeutet, dass die Renditen ihrer Staatsanleihen sich erholen können. Dieser Effekt ist auch konkret messbar.

Schauen wir auf den folgenden Chart. Er zeigt seit Freitag letzter Woche den BTPBUND-Spread, also die Spanne zwischen der Rendite für zehn Jahre laufende Staatsanleihen aus Italien und Deutschland. Gestern Mittag lag der Spread noch bei 253 Basispunkten – die Rendite für Italien-Schulden lag also 2,53 Prozentpunkte über der für deutsche Papiere. Dann als gestern Nachmittag der Bloomberg-Artikel veröffentlicht wurde, dass Deutschland den gemeinsamen EU-Schulden zustimmen will, knallte der Spread schnell runter auf 225 Punkte (heute 241). Das bedeutet: Die Renditen für deutsche Anleihen stiegen ruckartig, während die für Italien-Schulden sanken. Wird die deutsche Bundesregierung ihre Zustimmung für die gemeinsamen EU-Schulden auch offiziell bekanntgeben, könnte diese Bewegung noch deutlich größer ausfallen.

Rendite für Italien-Anleihen im Vergleich zu Deutschland

Auch im Euro war eine Reaktion messbar (siehe folgender Chart). Euro vs US-Dollar wertete gestern Nachmittag in einer schnellen Reaktion auf von 0,9700 auf 0,9735, um dann aber schnell wieder diesen Gewinn zu verlieren. Man dachte sich vielleicht: Gemeinsame Schulden, gemeinsame starke Schultern, Kampf gegen die Rezession, das ist auch gut für den Euro? Aber dann wohl die Gegenreaktion: Gemeinsame EU-Schulden öffnen die Tür für eine maßlose Neuverschuldung, und immer mehr Staatsschulden sind Euro-negativ.

Verlauf von Euro gegen US-Dollar seit gestern

FMW/Bloomberg/Charts: TradingView



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