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Schulden und Defizite der EU-Mitgliedsstaaten – wie der tatsächliche Missstand wunderschön überdeckt wird

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Italien, Spanien und Portugal stehen am Schlechtesten da, wenn man den Schuldenberg und das Haushaltsdefizit des Staates kombiniert. Alle drei gehören jeweils zu den sechs schlechtesten Ländern mit mehr als 80% Staatsverschldung in Relation zum BIP, und gleichzeitig einem Defizit von 2% oder mehr. Das zeigen aktuelle Eurostat-Daten für Ende 2017.

Aber halt. Da fehlt doch Griechenland. Richtig. Die Griechen sind zwar die Nummer 1 in Sachen Staatsverschuldung mit 180% in Relation zum BIP. Aber ein Defizit im Haushalt weist Griechenland nicht mehr auf. Da haben die Tot-Sanierer aus Brüssel ganze Arbeit geleistet. Wenn ein Staat seine Sozial-Ausgaben, Pensionen und Gehälter nur weit genug kürzt, kann eben auch Athen sogar einen Überschuss ausweisen. Der lag Ende 2017 bei 0,8% (Deutschland +1,0%).

Die Gesamtzahlen für die EU sehen so schön aus, und laufen so wunderbar in die richtige Richtung. Die Tabelle zeigt es eindrucksvoll. Das Gesamtdefizit der EU-Staaten lag 2014 noch bei 2,9%, jetzt nur noch bei 1%. Toll. Man nähert sich dem Überschuss! Und die Gesamtverschuldung in Relation zum BIP lag 2014 noch bei 86,4% – jetzt sind es nur noch 81,6%. Sie geht immer weiter zurück. Auch das klingt doch bestens.

Wenn da nur ein Problem nicht wäre. Die tatsächlich reale Verschuldung der Staaten in Euro hat immer weiter zugenommen. Die prozentuale Relation der Schulden zum BIP sinkt nur, weil das BIP selbst weiter gestiegen ist. Die tatsächlichen Euro-Schulden stiegen von 2014 bis 2017 von 12,1 auf 12,55 Billionen Euro. Offiziell klingt die Headline-Aussage von Eurostat so:

Im Jahr 2017 verringerten sich das öffentliche Defizit und der öffentliche Schuldenstand relativ gesehen sowohl im Euroraum (ER19) als auch in der EU28 im Vergleich zu 2016. Gemessen am BIP ging das öffentliche Defizit im Euroraum von 1,6% im Jahr 2016 auf 1,0% im Jahr 2017 und in der EU28 von 1,7% auf 1,0% zurück. Gemessen am BIP verringerte sich der öffentliche Schuldenstand im Euroraum von 89,1% (Ende 2016) auf 86,8% (Ende 2017) und in der EU28 von 83,3% auf 81,6%.

Schulden

4 Kommentare

4 Comments

  1. asyoulike

    22. Oktober 2018 17:21 at 17:21

    Moin, moin,

    sehr interessanter Artikel. Was kann nun der Kleinanleger und Gelegenheitstrader hieraus ableiten? Das die Sache am Ende schief gehen muss und alles nur eine Frage der Zeit ist, dass scheint unstrittig. Die Kernfrage scheint nur zu sein, wann es soweit ist. M.E. tut man diesen Ländern auch auf Dauer keinen Gefallen, sie im Korset der EU zu belassen. Wieso nicht einfach eine Art 2. Bundesliga? Eines scheint aber auch so sicher wie das Ahmen in der Kirche zu sein und das sind die Kosten, die am Ende der einfache Steuerzahler in der BRD zu tragen hat. Wir hier im Dorf haben das Glück, dass hier ein Unionspolitiker wohnt, der wird dann haften, ob ihm das passt oder nicht.

  2. Beobachter

    22. Oktober 2018 18:06 at 18:06

    Ein treffender Satz heute von Dr. Bernd Heim.
    UNSERE WELT WIRD IN DEN NÄCHSTEN JAHREN WIEDER ZU LERNEN HABEN,DASS DAUERHAFTER WOHLSTAND U.ECHTER REICHTUM NUR DURCH ANSTRENGENDE ARBEIT, NICHT ABER DURCH MEHR KREDITE U.DAS DRUCKEN VON UNMENGEN VON GELD ENTSTEHEN.
    Vor diesem Hintergrund waren die von Verlusten gezeichneten Handelstage der Vorwochen nur ein kleiner
    Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Jahren noch auf uns zukommen könnte.
    Da müssen dann aber Einige umdenken! Vermögensvermehrung durch immer mehr Schulden sollte plötzlich nicht mehr funktionieren ?

  3. Altbär

    22. Oktober 2018 18:14 at 18:14

    Und da wären da noch wegen des Anlagenotstandes die immensen Summen, die in der Altersvorsorge fehlen u.den Staat noch Jahrzehnte belasten werden.Die Tiefzinsphase hat ja die Staaten kurzfristig entlastet.

  4. Tino

    22. Oktober 2018 21:53 at 21:53

    Das Problem ist unser Schuldgeldsystem, in Kürze wird die Verschuldung auch wieder stärker als das BIP zunehmen wenn die Firmen und Privathaushalte nicht mehr genug aufnehmen können.

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Das „Peter (Altmaier) Prinzip“ – wenn unfähige Politiker befördert werden

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Kürzlich ist etwas sehr Ungewöhnliches passiert: Vertreter des deutschen Mittelstands und der deutschen Industrie haben sich negativ über Wirtschaftsminister Peter Altmaier geäussert – ein echter Affront!

Woran liegt das? Marc Friedrich meint: am sogenannten „Peter-Prinzip“ der negativen Auslese in der Politik. Was das ist, erklärt Marc Friedrich in diesem Video:

 

 

 

Von Olaf Kosinsky – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53950919

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Martin Sonneborn im EU-Parlament über Julian Asange

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Bekanntlich ist der Whistleblower Julian Asange kürzlich in London verhaftet worden – ihm droht die Auslieferung in die USA. Martin Sonneborn bringt den Skandal im EU-Parlament zur Sprache – vor einer unglaublich prall gefüllten Kulisse und mit rhetorischen Ungeheuerlichkeiten..

Sehr sehenswert:


Sonneborn in Stauffenberg-Verkleidung mit Parteikollege Nico Wehnemann auf der Frankfurter Buchmesse 2018
Von Ptolusque – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73580794

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Politischer Tauschhandel mit der Post? 10% höhere Preise für 5000 Jobs

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Die Deutsche Post hat im Jahr 2018 insgesamt 2,2 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet, nach Steuern! 2017 waren es noch 2,9 Milliarden Euro Gewinn. Aber immerhin, 2,2 Milliarden Euro sind auch noch ein nettes Plus (hier nachzulesen). So schlecht kann es dem ehemaligen Staatskonzern also wohl kaum gehen, stimmt´s? Oder brauch man doch ganz dringend mehr Geld?

Obacht! Ähnlich wie Lufthansa oder Deutsche Börse ist auch die Deutsche Post in ihrem Segment der einzig große Konzern in Deutschland, der im Ausland als bedeutender Global Player mitspielen kann (Monopolist oder beinahe Monopolist). Und genau diese Art von Unternehmen will unser aller Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier massiv stützen, schützen und fördern, wie er es in den letzten Wochen klar zum Ausdruck brachte (Nationale Champions schaffen).

Im Januar hatte die zuständige Bundesnetzagentur vorgeschlagen, dass man der Deutschen Post ein Preiserhöhungspotenzial von bis zu 4,8% zugestehen solle. Das fand die Post aber nicht so schön, und drohte indirekt mit der Entlassung von Mitarbeitern. Und was machte Peter Altmaier? Er tat, was zu tun war… die Bundesnetzagentur wurde angewiesen doch bitte ihren Berechnungsschlüssel (richtige Formulierung?) „anzupassen“.

Und ohhh Wunder, heute verkündet die Bundesnetzagentur, dass man der Deutschen Post einen Preiserhöhungsspielraum von bis zu 10,6% zugestehe. Mal eben mehr als verdoppelt, das ist doch was! Und nochmal ohhh Wunder. Die Agentur erwähnt in ihrer Veröffentlichung gleich zwei mal, dass die Deutsche Post versprochen habe im Gegenzug 5.000 neue Stellen zu schaffen. Dazu sagt die Agentur im Wortlaut:

Wir berücksichtigen die Ankündigung der Post, neue Zusteller einzustellen. Die Ankündigungen der Post werden wir überwachen.

Die Bundesnetzagentur wird kontrollieren, dass die angekündigten Neueinstellungen auch tatsächlich erfolgen.

Also, im Klartext: Es gibt einen nicht ausgesprochenen, aber mehr als offensichtlichen politischen Deal. Ihr schafft neue Jobs, dafür dürft ihr so richtig kräftig die Preise raufsetzen. Na da freut sich der Post-Kunde. Das ist doch mal so richtig „Freie Marktwirtschaft“. Gedankenspiel: Die Deutsche Post wird bei ihrer Job-Zusage wohl schon mal genau kalkuliert haben, ob sich die Mehrkosten fürs Personal rechnen bei einer zehnprozentigen Portoerhöhung. Und wollen wir mal wetten, es wird sich rechnen. Und es werden in der Rechnung wohl noch ein paar Taler Gewinn übrig bleiben.

Die +10,6% ist ein Gesamtrahmen. Wie stark zum Beispiel das klassische Briefporto steigt, wird im Mai festgelegt. Aber man darf ruhig von einem Sprung von 70 auf 90 Cent ausgehen. Danke Herr Altmaier. Bauen Sie mal schön weiter ihre „Nationalen Champions“. Die Post-Aktionäre dürften sich freuen. Hier einige weitere aktuelle Originalaussagen der Bundesnetzagentur:

Die Bundesnetzagentur hat für den Zeitraum bis 31. Dezember 2021 einen Preiserhöhungsspielraum von 8,86 Prozent ermittelt, der sich aus einer Produktivitätsrate von minus 5,41 Prozent und einem Inflationsausgleich von 3,45 Prozent zusammensetzt. Weil die Deutsche Post AG Preisanhebungen nicht bereits zum 1. Januar 2019 vornehmen konnte, wird die Preisänderungsrate zusätzlich um rund 0,3 Prozentpunkte pro Monat korrigiert. Die Deutsche Post könnte bei geplantem Inkrafttreten neuer Briefentgelte zum 1. Juli 2019 damit von einem Preiserhöhungspotential von 10,63 Prozent Gebrauch machen.

Neben dem höheren Gewinnsatz berücksichtigt die Entscheidung auch die Auswirkungen der von der Deutschen Post Mitte 2018 angekündigten Umstrukturierungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen. Die Deutsche Post hat damit höhere Kosten unter anderem dafür geltend gemacht, dass ca. 5.000 zusätzliche Mitarbeiter in der Zustellung eingesetzt werden sollen.

Deutsche Post Tower Bonn
Post Tower in Bonn. Foto: Sir James CC BY-SA 3.0

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