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Schweiz importiert wieder russisches Gold

Finanziert die Schweiz indirekt Putins Krieg?

Schweiz Gold

Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn wurden drei Tonnen russisches Gold an Schweizer Scheideanstalten geliefert: Laut Angaben des Schweizer Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) wurden im Monat Mai über drei Tonnen Gold aus Russland in die Schweiz importiert.

Laut BAZG war das Gold zur Verarbeitung deklariert. Dies ist der erste Import seit Kriegsbeginn und könnte ein Beleg dafür sein, dass die ablehnende Haltung der Schweizer Industrie gegenüber russischen Edelmetallen aufweicht. Die importierte Menge entspricht etwa zwei Prozent der monatlichen Gesamtmenge, die Scheideanstalten in der Schweiz im Durchschnitt benötigen.

Die Schweiz ist die führende Gold-Handelsnation

Der Gold- wie der gesamte Rohstoffhandel sind sehr verschwiegen, aber in 2018 importierte die Schweiz 2241 Tonnen Gold. Sie spielt von jeher im internationalen Goldhandel die klassische Rolle eines Drehkreuzes und ist die führende Gold-Handelsnation. Sie beheimatet die größten Scheideanstalten mit den weltweit bedeutendsten Kapazitäten zur Goldraffination, nämlich MKS PAMP SA, Metalor Technologies SA, Argor-Heraeus SA und Valcambi SA, die zusammen rund zweit Drittel des weltweit jährlichen Goldbedarfs decken. Zudem gilt die Schweiz, insbesondere Zürich, als bedeutender und diskreter Lagerort für Goldbarren.

Bann auf russische Goldbarren mit Kriegsbeginn

Nachdem die Londoner Bullion Market Association (LBMA, Vereinigung von 145 Unternehmer aus 30 Ländern) nach Kriegsbeginn allen russischen Betrieben die Akkreditierung entzog, kam dies de facto einem Bann für russische Goldbarren gleich. Schließlich ist die London Metall Exchange einer der größten Edelmetall-Handelsplätze der Welt. Der Ausschluss russischer Betriebe aus der LBMA hatte insgesamt dazu geführt, dass nur noch Barren aus der Zeit vor dem Kriegsbeginn akzeptiert und gehandelt wurden. Allerdings gibt es eine Hintertür, denn der Import von Gold ist nicht direkt sanktioniert. Russisches Gold kann also auch direkt von einer ausländischen Scheideanstalt gekauft, neu eingeschmolzen und gestempelt werden.

Dubai als Zwischenhändler für russisches Gold?

Die Schweizer NGO Swissaid, die seit Jahren zur Schweizer Goldindustrie recherchiert, wies auf den bemerkenswerten Umstand hin, dass die Goldimporte aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) enorm zugenommen haben. Auch die Schweizer Wochenzeitung WOZ berichtete kürzlich in einem Artikel, dass alleine im März 36 Tonnen Gold und im April über 20 Tonnen aus den VAE in die Schweiz kamen.

Dies ist weit außerhalb der sonst seit Jahren üblichen importierten Mengen. Swissaid befürchtet, dass das Gold ursprünglich aus Russland kommt und schreibt weiter: „Die VAE sind ein problematischer Goldumschlagplatz. Sie wurden bereits von Ländern wie Venezuela oder Libyen, die internationalen Sanktionen unterworfen waren, zur Goldwäsche genutzt.“

Gold spielt für die russischen Staatsfinanzen und die heimische Währung eine ähnlich wichtige Rolle wie die Energie-Rohstoffe. Sie finanzieren den Staatsapparat und ermöglichen zudem die Kriegsführung.

„Geld führt Kriege, aber wenn es will, schafft es auch Frieden“ – mittelalterliches deutsches Sprichwort

Die Mehrzahl der Einkäufer bleibt aber vorsichtig, wenn es um russische Edelmetalle geht. Bei Palladium entsteht dadurch eine konstante Verwerfung zwischen Spot Preis in London und dem Future in New York, da dort die Gefahr viel größer ist, russische Rohbarren untergeschoben zu bekommen.
Die Schweiz hat seit April nur kleine Mengen Palladium importiert. Wenn schon wieder Gold aus Russland importiert wird, warum nicht auch andere Rohstoffe? Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch hier die ersten größeren Importe vermeldet werden oder ein Umweg über einen Drittstaat gefunden wird.



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