Allgemein

S&P 500: Rally – aber entscheidend ist die Fed!

Das große Thema bleibt die US-Notenbank mit ihrer Geldpolitik

Erst am Montag war im Wochenausblick die Rede davon, dass die im S&P 500 so wichtige 50-Tage-Linie am Freitag gehalten hat. Dann tauchte am Wochenende die Geschichte aus dem Wall Street Journal auf, die erzählte, dass Omikron zwar ansteckender aber gleichzeitig weniger gefährlich sein könnte. Und rumms ging es mit Schwung nach oben, bei einem Fear&Greed-Indexstand von 20 und großen Put-Absicherungen wenig verwunderlich.

Lebenszeichen der Reopening-Werte

Der gestrige Tag war wieder einmal ein Beispiel dafür, wie rasch der Aktienmarkt auf Nachrichten und ihrer Interpretation für die Zukunft reagiert. Eben weil vor den Bildschirmen bei den großen Investoren Abertausende von Mathematikern und Physikern sitzen, die den Markt nach Signalen durchforsten, nach Arbitarge und die Systeme danach einstellen, wie es der promovierte Mathematiker und Portfoliomanager Dr. Andreas Beck auszudrücken pflegt. Der Markt hat daher alles andere als eine lange Leitung, eine Neubewertung geschieht oft in kürzester Zeit, wie es sonst nirgendwo der Fall ist. Dieses Reappraisal muss natürlich zu Fehleinschätzungen führen, weil kein Modell valide in die Zukunft sehen kann und voraussagen, was der Markt macht und damit die Menschen mit ihren Gefühlen. Denn die sind es, die die Kurse bestimmen und nicht irgendwelche Gesetzmäßigkeiten.

Und wie schnell so eine Neubewertung stattfinden kann, zeigt die Reaktion bei den Impfstoffwerten BioNTech und Moderna, die am gestrigen Tag zweistellige Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe hinnehmen mussten. Ohne eine Unternehmensmeldung, einfach aus der Annahme, dass Omikron die Pandemie in den nächsten Monaten schneller beenden könnte.

Natürlich reagierten auch die typischen Pandemieverlierer aus der Reise- und Freizeitbranche. Ob US-Fluglinien wie American und Delta Air Lines, United und Southwest, Reiseportale wie TripAdvisor, Airbnb oder Booking, die Titel gingen zwischen drei und neun Prozent nach oben. Auch Bankaktien und Energietitel profitierten von einer „möglichen“ Verbesserung der Pandemie-Lage.

Der Tag der neuen Hoffnung im Schaubild des S&P 500

S&P 500 Schaubild

Das große Fragezeichen bleibt – die US-Notenbanksitzung

Klar ist die Verteidigung des 50-Tage-Durchschnitts beim S&P 500 erst einmal ein gutes Zeichen. Aber das Freitaghoch konnte beim Index noch nicht überwunden werden und es hängt noch eine gewaltige Unsicherheit in der Luft: Was macht die Federal Reserve? Darüber kann es auch in den nächsten acht Tagen kaum offiziell etwas Neues geben, denn die US-Notenbank befindet sich bis dahin in einer sogenannten „Quiet Period“, in der es keine Statements zur Notenbankpolitik geben sollte. Zwar ist das Tapering am Markt eingepreist, nicht aber eine beschleunigte Rückführung der Anleihekäufe oder gar die Möglichkeit eines früheren Beginns der Zinsanhebungen in 2022.

Man erkennt dies ganz eindeutig an den zinsempfindlichen und zumeist kleineren Wachstumswerten, die sehr negativ auf höhere Zinsen reagieren. Obwohl schon öfters formuliert: Es ist der Diskontierungsfaktor, der die hohe Bewertung von Wachstumswerten bei annähernd Nullzinsen möglich macht und dieses Umfeld ändert sich gerade – aber wie schnell?

Kaum ein Chart zeigt dies deutlicher, als das Bild des ARK Innovation ETFs von Cathie Wood, in dem die Besorgnis steigender Zinsen schon längere Zeit im Jahr 2021 abzulesen ist.

ARKK

Aber die Lage ist nach dem Montag nicht übersichtlicher geworden. Eine nachlassende Bedrohung durch Omikron könnte die Fed erst recht in ihrem zuletzt aggressiven Pfad der geldpolitischen Drosselung bestärken, weitere Kursabgaben des S&P 500 könnten den eigentlich als „taubenhaft“ bekannten Fed-Chef Jerome Powell zur Mäßigung verleiten. Aber was werden erst die am Freitag kommenden Inflationsdaten bewirken?

Die Lage ist für die US-Notenbank sehr diffus geworden. Sie ist aufgrund der Stimmung im Lande geradezu gezwungen aggressiver gegen die Inflation vorzugehen, andererseits könnte das Jahr 2022 einen Rückgang beim Wachstum bringen – zurück zum Trendwachstum, oder gar darunter.

Und in dieser Phase wird die Notenbank die Geldpolitik verschärfen, wo doch selbst der IWF bereits die Wachstumsaussichten für die Welt abgesenkt hat. Auch die Kurse am Anleihemarkt indizieren sehr schwaches Wachstum. All das erzeugt ein Bild der Unsicherheit, die bullish gestimmten Anleger klammern sich an Hoffnungssignale.

Man verweist auf die eigentlich sehr moderate Korrektur in den Indizes, die wiederum deutlich entfernt von einer echten Korrektur (10 Prozent) gewesen ist.

Aber sollte es das schon wieder gewesen sein? Korrektur Nummer 26 in der aktuellen Hausse seit dem Tief bei der Finanzkrise 2009.

S&P 500 dradowns

Fazit

Der gestrige Handelstag brachte wohl wieder einen kleinen Short Squeeze bei all den Aktien, die durch die Hoffnung auf eine möglicherweise geringere Gefährlichkeit von Omikron entstanden ist. Man löste Absicherungen auf, was automatisch zum Kauf des Basiswertes führen muss. Damit stieg der Dow Jones um 1,9 Prozent, auch der große S&P 500 kletterte um 1,2 Prozent. Damit bestätigte sich aber auch ein weiteres Mal die Annahme, dass uns die Volatilität noch eine Zeitlang begleiten könnte. Denn das bedeutet eben einen häufigen Wechsel der Marschrichtung aufgrund der Unsicherheit. Aber auch, dass Viele die Hoffnung auf eine Jahresendrally noch nicht aufgegeben haben.

Dennoch: Das große Thema bleibt die US-Notenbank mit ihrer Geldpolitik. Sie ist reichlich spät dran mit ihren Straffungsmaßnahmen und die Märkte fürchten einen „Policy Error“, ein zu rasches Zurückführen von Liquidität in den Markt, dem Lebenselixier für die Hausse. Dies bleibt vermutlich bis zum 15. Dezember, dem Tag der Fed-Sitzung so und daher könnte sich die Berg- und Talfahrt beim Leitindex S&P 500 schon bald wieder fortsetzen.

Die Hoffnung auf ein versöhnliches Jahresende wurde aber noch nicht aufgegeben.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Bernhard Zimmermann

    Ich denke auch, dass die Omikron zwar ansteckender aber gleichzeitig weniger gefährlich sein könnte. Die Notenbankpolitik ist erst nächstes Jahr Thema. Jetzt ist erst mal Jahresendrally angesagt. „Strong Long“. und ja nicht wieder hier heulen, wenn man wieder nicht dabei ist und zu den Loosern gehört.

  2. Bernhard Zimmermann

    Zur Omikron Variante noch. Irgendwann läuft eine Pandemie immer aus und das könnte mit der Omikron-Variante eingeleitet worden sein.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage