Folgen Sie uns

Allgemein

Steuern: Der Scholz-Irrsinn kommt ab 1. Januar – Verlustverrechnung 20.000 Euro

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Wir hatten dieses Jahr mehrmals über den geplanten Wahnsinn (oder auch Irrsin) berichtet, der da im Hause des Olaf Scholz ersonnen wurde. Durch eine Änderung des Einkommensteuergesetzes (§ 20 Absatz 6) sollte die jährliche Verlustverrechnung auf Termingeschäfte auf 10.000 Euro begrenzt werden (Rechenbeispiele hier). Dadurch würden Gewinne nach Steuern noch kleiner ausfallen. Und bei bestimmen Konstellationen würde ein Anleger, der vor Steuern effektiv Gewinn in einem Jahr macht, nach Steuern sogar Verluste machen!

Und nun? Letzten Mittwoch beschloss der Bundestag trotz voriger eindeutiger Reklamationen eines Fachausschusses des Bundesrates diese Änderung im Einkommensteuergesetz. Und am Freitag bestätigte der Bundesrat dann diese Änderung, zusammen mit einem gigantischen Batzen an anderen Beschlüssen.

Verlustverrechnung 20.000 Euro statt bisher angedacht 10.000 Euro

Wichtig für Anleger ist: Die jährliche Verlustverrechnung wurde nochmal nachgebessert. Statt 10.000 Euro kann man jetzt 20.000 Euro Verlust pro Jahr anrechnen, und darüber reichende Verluste in die Folgejahre schieben. Aber weiter gilt: Bei bestimmen Konstellationen kann man nach Steuern Verlust machen, obwohl man vor Steuern Gewinne erzielt hat. Was für ein Irrsinn! Diese Änderung gilt für Termingeschäfte, wie zum Beispiel Optionsscheine, Futures, und vielleicht auch für CFDs. Ob zum Beispiel Zertifikate mit unter diese Regelung fallen werden, und ob CFDs eng gefasst auch wirklich betroffen sind? Da muss man als Anleger wohl in den nächsten Monaten über seinen Steuerberater beim zuständigen Finanzamt nachfragen lassen, wie „Termingeschäfte“ von Steuerbeamten in der Realität definiert werden. Denn eine fertige steuerliche Definition des Wortes „Termingeschäfte“ für die Finanzämter, die letztlich die Steuern berechnen, scheint es noch nicht zu geben.

Aber Januar lebt der Anleger also in dieser neuen schönen Welt des Olaf Scholz, dem Sparbuch-Olaf. Der bekennt sich ja stolz dazu nur das Sparbuch als Geldanlage zu nutzen. Also kann man ruhig diese ganzen Derivate-Geschäfte bestrafen, die ja eh nur nutzlose nervige Spekulation sind? Aber was war nochmal mit dem Kapitalmarkt-Standort Deutschland? Wollte die Bundesregierung nicht auch hier seit Jahren etwas tun, damit die Deutschen mehr privat vorsorgen? Mit dieser Gesetzesänderung verpasst man den Anlegern einen weiteren Nackenschlag, auch wenn auf den ersten Blick nur reine Spekulanten betroffen sind.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatte vor einigen Tagen (noch vor den Entscheidungen von Bundestag und Bundesrat) deren Entscheidungen zur Verlustverrechnung vorweggenommen und scharf kritisiert. So sagt die DSW, dass mit den Entscheidungen nicht nur jüngste Entscheidungen des Bundesfinanzhofs konterkariert würden. Sie seien auch klar verfassungswidrig, wie dies auch der Bundesrat festgestellt habe. Das Gesetz sei in dieser Form nicht hinnehmbar. Hier die Original-Verkündung des Bundestags vom letzten Mittwoch zur Gesetzesänderung:

Änderungen gibt es auch bei der Anrechnung von Verlusten aus Termingeschäften. Die bisherige Verrechnungsbeschränkung in Höhe von 10.000 Euro wird auf 20.000 Euro angehoben. Damit können Verluste aus Termingeschäften, insbesondere aus dem Verfall von Optionen, im laufenden Kalenderjahr bis zu 20.000 Euro mit Gewinnen aus Termingeschäften und mit den Erträgen aus sogenannten Stillhaltergeschäften ausgeglichen werden. Nicht verrechnete Verluste können auf Folgejahre vorgetragen werden und jeweils in Höhe von 20.000 Euro mit Gewinnen aus Termingeschäften und Stillhalterprämien verrechnet werden. Verluste aus der Ausbuchung wertloser Wirtschaftsgüter oder der ganzen oder teilweisen Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung können mit Einkünften aus Kapitalvermögen bis zur Höhe von 20.000 Euro im Jahr ausgeglichen werden. Auch hier ist die Übertragung und Verrechnung nicht verrechneter Verluste auf die Folgejahre möglich.

Olaf Scholz drückt Irrsinn zum Thema Verlustverrechnung durch
Olaf Scholz. Foto: Olaf Kosinsky CC BY-SA 3.0 de

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Mike Lohmann

    21. Dezember 2020 16:51 at 16:51

    Die wichtigste Frage ist nun, welche Ausweichmöglichkeiten sich sinnvoll ergeben, um die Dummheiten und Schäden von fachfremden Politikern ausgleichen zu können.

  2. Avatar

    Jan

    21. Dezember 2020 17:41 at 17:41

    Wenn verfassungswidrig, gibt es ein Instanz der dann aktiv wird? Und dagegen klagt?
    Könnte ein Zusammenschluss von Anlegern da erfolgreich klagen?
    Was ist mit ein Handelsfirma die handelt mit Öl, Kartoffeln, Blumen oder sonnst was,diese Firmen spekulieren doch genau so.

  3. Avatar

    Martin

    21. Dezember 2020 19:46 at 19:46

    Here we go, V-Klage dazu wurde im November eingereicht, durch Crowd Funding (ca 25k€) finanziert.

    https://www.youtube.com/watch?v=dKh4pC5304o

    um diesen kompletter Irrsin zu stoppen. DA Optionschein ausgenommen sind, sit die Vermutung nahe das der Typ von GOldmann Sachs im BMF das alles initiiert hat. Scholz & Binding (das Gehirn dahinter) haben ja von Börse & Finanzen eh keine Ahnung

  4. Avatar

    Jan

    21. Dezember 2020 20:00 at 20:00

    Hallo Mike,
    Das ist einfach: keine Verluste mehr machen.
    Viel Erfolg, mir ist es heute nicht gelungen.

  5. Avatar

    Feedback

    22. Dezember 2020 11:04 at 11:04

    Zu Herrn Scholz habe ich vor kurzem glaube ich eine Handelsblattüberschrift gelesen: in der Art: „Ich bin der wirtschaftskompetenteste Kanzler, der zu kriegen ist.“
    Na jetzt folgt doch dem guten Herrn Scholz mal in sein Traumland. Vielleicht können wir uns die Welt dann so träumen wie sie uns gefällt. Da gabs glaube ich ein Mädchen in einem Astred Lindgren Buch, das sich die Welt auch so gemacht hat, wie sie ihr gefällt ;-).
    Sie hatte zwei rote Zöpfe, er vermute ich zwei rote Socken ;).

    Das Peter-Prinzip ist in der Politik ja Standard und nix neues :-).

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte seit dem Jahr 2014

weiterlesen

Aktien

Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage