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Strategisches Nordkorea, oder wie man ein teures Atom- und Raketenprogramm finanzieren kann

Was würden Sie tun, wenn sie vor der großen Aufgabe stünden ein Atom- und Raketenprogramm zu entwickeln, Ihnen aber keine Geldmittel in sehr hohen Mengen zur Verfügung stehen? Das Optimalste wäre…

Redaktion

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Ein Gastkommentar von @Forex-Stratege

Was würden Sie tun, wenn sie vor der großen Aufgabe stünden ein Atom- und Raketenprogramm zu entwickeln, Ihnen aber keine Geldmittel in sehr hohen Mengen zur Verfügung stehen? Das Optimalste wäre es ein Programm zu entwickeln, für das andere bezahlen – was mich selbst also wenig oder bestenfalls gar nichts kostet. Im extremsten Fall könnte ich sogar noch Gewinne damit erzielen. Doch wie soll so etwas möglich sein?

Führen wir mal ein mögliches Gedankenspiel durch. Was wäre dafür nötig so ein Szenario zu erreichen, wie könnte man so etwas umsetzen? Hohe Kosten fallen vor allem für Wissenschaftler und Arbeiter an, die das Atom- und Raketenprogramm entwickeln und aufbauen. Außerdem werden sehr hohe Ausgaben für Logistik, Material und Infrastruktur entstehen.

Um diese gewaltigen Kosten zu kompensieren oder zumindest teilweise auszugleichen, bräuchte man auch eine sichere Einnahmequelle, am besten sogar projektbezogen. Wie würden Sie dieses Problem lösen? Eine mögliche Variante wäre die Welt zu verunsichern, und von dieser Unsicherheit zu profitieren. Da man selber die Verunsicherung jederzeit steuern kann (ansteigend oder absinkend), und da man folglich das Aggressionspotenzial in der eigenen Hand hat, entsteht ein gewaltiger Informationsvorsprung.

Würde ein Land diesen Vorsprung an der Börse ausnutzen, könnte es gigantische Einnahmen erzielen und eine sehr hohe Kostendeckung erreichen. Ein Beispiel: Ich schieße eine Rakete bewusst über Japan hinweg, und verunsichere die Welt. Ich weiß, dass daraufhin die Börsen und Währungsmärkte auf die Unsicherheit reagieren. Ich verkaufe vor diesem Ereignis zum Beispiel USD und kaufe Schweizer Franken, weil mit einem kurzfristigen Absinken des USDCHF-Kurses zu rechnen ist, da einige Investoren in die sichere Fluchtwährung Schweizer Franken wechseln bei größeren Problemen in der Welt.

Das ist natürlich nur ein Beispiel von vielen – viele denken auch an Gold als sicheren Hafen usw… jede Rakete, die ich also abschieße, bringt mich meinem Ziel eines entwickelten Atom- und Raketenprogramms näher, und gleichzeitig verdiene ich verrückterweise damit auch noch Geld. Eine optimalere Situation, um ein solches Programm zu entwickeln, wäre ja fast nicht mehr denkbar. Natürlich ist dies nur ein Gedankenspiel – aber wenn etwas mit hohen Potenzial denkbar ist, und dazu noch einfach in der Anwendung, wie oft werden solche Sachen nicht genutzt? Und dies ist nur ein extrem einfaches Beispiel.

Dieses Gedankenspiel wäre so komplex aufbaubar, dass man nicht nur die Programme teilfinanziert – vielleicht schafft man es sogar sich damit komplett zu finanzieren, oder darüber hinaus. Die Variante war nur eine sehr simple. Da ist noch so viel mehr möglich um aus extremen Informationsvorsprüngen
Gewinne zu erzielen! Nichts ist so profitabel an der Börse, als die Unsicherheit zu steuern und schon vorher zu wissen, wann etwas passiert. Das Endprodukt wäre eine Gelddruckmaschine im größten Ausmaße, die gleichzeitig das gewünschte Ziel ermöglicht.

An dieser Stelle wollen wir das Gedankenspiel beenden. Noch nie war es preislich so günstig für Nordkorea ein Raketenprogramm zu entwickeln. Würden Sie es sich entgehen lassen? Was wäre, wenn ein großer Teil des Aggressionspotenzials Nordkoreas nur darauf zurückzuführen ist, dass man das Ziel eines Atom- und Raketenprogramms einfach nur leichter und dramatisch billiger erreichen kann? Würde es die Lage in der Welt erleichtern? Wahrscheinlich nicht – aber sie wäre dadurch vielleicht besser zu verstehen. Aber da man hierzu keine genaueren Informationen hat, wollen wir auch nicht weiter darüber spekulieren, und es auch nur als ein Gedankenspiel betrachten.

Wie denkt ihr darüber?


Vater und Großvater vom aktuellen Herrscher Nordkoreas Kim Jong Un. Foto: J.A. de Roo / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

24 Kommentare

24 Comments

  1. Avatar

    Sprenzi

    20. September 2017 14:11 at 14:11

    Tolle Idee – wann starten wir?? :-))

  2. Avatar

    Walter Schmid

    20. September 2017 14:11 at 14:11

    Interessantes Gedankenspiel.

  3. Avatar

    Sprenzi

    20. September 2017 14:16 at 14:16

    Meine erste Rakete startet am Sonntag von München aus und überfliegt Berlin. Ich denke, das hat einen massiven Einfluss auf das Wahlergebnis!

  4. Avatar

    Feldmaen

    20. September 2017 14:20 at 14:20

    Das ist doch ein alter Hut und allgemeine Praxis der großen Player an der Börse. Ich will günstig in Kryptos investieren, dann muss ich nur Dimon heißen und Bitcoins Betrug nennen. Oder ich heiße George Soros und tröte mit einem Megafon das ich short in Deutschen Bank Aktien bin. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Sind alle Short gehe ich long. Marktmacht ebend. Und das Kim Jong Un niemals Amerika angreifen würde sollte jedem klar sein, da könnte er auch gleich den nächsten Wasserstoffbombentest in seinem Vorgarten durchführen. Man darf sich von den dicken Fischen nicht verarschen lassen!

    • Avatar

      Petkov

      20. September 2017 15:08 at 15:08

      In seinen Vorstellungen ist sein Vorgarten Südkorea :-)

  5. Avatar

    Rainer Köhler

    20. September 2017 14:31 at 14:31

    Nicht schlecht ;-)
    Dann will ich mal eine schöne Verschwörungstheorie daraus spinnen: Ein geheimer Kreis aus Hedgefondsmanagern und Bankern arbeitet in absoluter Geheimhaltung mit dem nordkoreanischen Regime zusammen. Oder noch besser: Kim Jong Un ist der geheime Strippenzieher hinter sagenumwobenen Elitenzirkeln der Wallstreet.
    (Kreatives Denken fördert die geistige Fitness)

    • Avatar

      Feldmaen

      20. September 2017 14:41 at 14:41

      Ja, genau! Das würde so einiges erklären! ;-)

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    ex- Bänker

    20. September 2017 14:50 at 14:50

    Wäre da noch die Sache mit den Insidern, da sicher einige Privilegierte mitverdienen dürften müsste sich das in irgendeinem Chart auswirken.Hat mal einer geschrieben dass beim 6Tage -Krieg der anscheinend überraschend kam der Goldchart vorgängig reagierte.Ich meine auch dass beim Ch FR.- Schock keine Insider am Werk waren weil der jetzige Chef der SNB ein in dieser Branche unüblich seriöser Mann am Ruder ist. Er wurde dafür weltweit von höchster Stelle kritisiert.Hätte es Insider gegeben wäre der FR.- weniger schockartig gestiegen.Was für die Amis nachteilig ist dass sie keine Goldmann Sachs Leute in Koreas Regierung haben.Könnte sein dass die Chinesen u. Russen diesmal besser informiert sind.Früher oder später werden die sowieso mehr Gewicht haben u.der DJ wird dann vielleicht nur auf 500 000 steigen statt wie Buffet meint auf eine Million.

  7. Avatar

    Sprenzi

    20. September 2017 14:58 at 14:58

    Und dazu muss man wissen: Kim Jong Un wurde bereits im zarten Alter von 14 Jahren, als er noch in der Schweiz zur Schule ging, auf Veranlassung der Illuminati zum Freimaurer-Meister gewählt!

    • Avatar

      Feldmaen

      20. September 2017 15:26 at 15:26

      Das Tom Hanks da noch nicht drauf gekommen ist, ich leg mich ab!

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    Bademeister

    20. September 2017 15:28 at 15:28

    @FOREX-Stratege Die beschriebene Angststrategie funktioniert nicht nur in/für Nordkorea! Nordkorea kupfert diesbezüglich bei den USA ab! Während jedoch für Nordkorea jeweils nur für kurze Zeit „das Fenster offen“ ist, verdienen sich Trump und seine reichen Freunde nun schon bald seit einem Jahr ununterbrochen goldene Nasen…und irgendwann stumpft jedes Volk/Marktwirtschaft bzgl. Negativ- und Positivmeldungen und den daraus logischen und unlogischen Aktionen und Reaktionen ab. Aufgrund gerade solcher Verfallsymptome haben es Bit- und Altcoins immer leichter, anonym und scheinbar ereignis- und grundlos zu steigen.
    Bestes Beispiel in Deutschland aktuell die Dieselproblematik und der zwar von ganz Oben gesteuerte, aber von Industrie und Volk noch nicht angenommene E-Hype. Wird das genauso enden wie das Ding mit den ach so tollen Energiesparlampen? Damals wurde gebasht was das Zeug hielt, um anscheinend einige wenige Lobbyisten uber Nacht reich zu machen…heute weiss man, dass die Dinger teuer sind, dreimal soviel Energie wie angegeben verbrauchen und obendrein noch schädlich für die Umwelt sind….es gibt aber mittlerweile keine Alternative mehr.

    • Avatar

      Forex-Stratege

      20. September 2017 17:18 at 17:18

      da gebe ich dir voll Recht.

    • Avatar

      Feldmaen

      20. September 2017 17:50 at 17:50

      Den E-Hype gibt es bei uns (noch) nicht, da er ökologisch und wirtschaftlich auch noch nicht wirklich sinnvoll ist. Ganz anders sieht es aber in den chinesischen Megacities aus, hier gibt es ja das allbekannte Problem mit dem Smog. Da wird das Elektroauto schon bald nicht mehr wegzudenken sein, ganz ohne Hype…

      • Avatar

        Bademeister

        20. September 2017 19:32 at 19:32

        Der E-Hype in Deutschland ist der überhastete und unüberlegte Versuch der jetzigen Bundesregierung, der Politik „America First“ von Donald Trump erfolgreich(?) entgegenzutreten. Es wird tatsächlich geglaubt, mit Wissens- und Technologievorsprung (?) die USA im globalen Autobau „subtil und mit guten Argumenten“ ausboten zu können. Trump will mehr Chevrolets…auf deutschen Straßen sehen, die sind aber nicht „E“. Amerika wird es auf Jahrzehnte mit den Eigenmarken nicht hinbekommen „E“ zu werden, weil sich der größte Teil der Autobesitzer um die Umwelt nicht schert, der Sprit immer noch superbillig ist und auf Jahrzehnte die benötigte Infrastruktur dafür fehlt (ein belastbares nationales Stromnetz), im Gegensatz zu Europa, ist (abgesehen von der kleinen Musk-Schmuddelbude, die wesentlich mehr redet als produziert und danach erst verkaufen könnte)
        China wie Amerika autotechnisch eine andere Welt. Die Luft war dort schon vor Jahrzehnten genauso dreckig wie heute, da ist die heutige flexible und individuellere Fortbewegung von immer mehr Menschen das Problem. Mit dem konventionellen Autobau haben die Chinesen nicht viel am Hut, deshalb forciert man jetzt das „E“-Ding, mit dem man heute schon international punkten kann (ich sehe kaum einen E-Roller auf unseren Straßen, der nicht aus China kam…hab mir vor zwei Wochen selber so ein Ding gekauft und bin damit zufrieden).
        Und noch was: Mit einem E-Auto werden wir in Zukunft gläserne Fahrer sein, spätestens bei der nächsten Dockingstation werden unsere Daten von irgendwem ausgelesen werden können, wennst keine Zulassung mehr hast, die Versicherungsrate nicht bezahlt hast, oder anderwärtig böse warst wird das Ding rumsplumps stillgelegt.
        Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich für Konsumenten absolut keine Vorteile bzgl. „E“, es gibt wesentlich mehr Fragen als Antworten und echten Alternativen, die vorher noch penibel abgeklärt werden müssten…nicht so wie der Schnellschuss bei den Energiesparlampen…

  9. Avatar

    Gerd

    20. September 2017 15:39 at 15:39

    Das Spielchen habe ich 2014/2016 zusammen mit Ministerpräsident
    Alexis Tsipras aus Griechenland auch schon praktiziert.
    Ja zu den EU-Bedingungen – rauf mit den Kursen. Nein zu den Bedingungen, die Pleite winkt – runter mit den Kursen. Das haben wir ungefähr so fünf mal hin und her gemacht.

    Sah damals finanziell sehr gut aus für uns, also für Griechenland und mich.
    Mittlerweile haben wir die Milliardengewinne aber schon wieder verprasst. Oder? Nee, Geld ist deshalb keines da, weil das nur eine schöne Vorstellung war. Aber seinerzeit wollte niemand auf meinen veröffentlichten Vorschlag hören.
    Na, jetzt hatte ich dafür bis vor einiger Zeit halt in ÖL gemacht, mit Saudi Arabien.
    Förderkürzung Ja- Nein- Ja – Nein, u.s.w.

    Ach, da da findet sich immer was.

  10. Avatar

    Jan

    20. September 2017 15:43 at 15:43

    Seit ich mir mit Geldanlage beschäftige, sinne ich auf ein Hebel um alle Kollegen Anleger bei zu bringen das yxAG oder irgendwelche Währung gleich abstürzt oder so.
    Bislang ohne Lösung. Mein Megafon reicht nur bis zum Nachbarn und der Handelt nicht. Das die Großen das erfolgreich machen ist so klar wie das System. Aber vielleicht sind Sie, verehrte Autor erst seit gestern dabei?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      20. September 2017 15:47 at 15:47

      @Jan, der Autor ist nicht gerade seit gestern dabei, ganz im Gegenteil..

    • Avatar

      Forex-Stratege

      20. September 2017 17:14 at 17:14

      Das was du schreibst wird doch schon oft bei Pennystocks sehr oft gemacht. Dort auch komplett nachweissbar. Der Artikel war nur ein Gedankenspiel, welches in der aktuellen politischen Lage einfach zum Denken anregen sollte, das nicht immer alles so sein muss, wie es scheint auf dem ersten Blick.

      Das viele Sachen auch getan werden, vor allem wenn sie einfach umsetzbar sind, das sollte klar sein. Da hast du Recht.

  11. Avatar

    Gerd

    20. September 2017 15:43 at 15:43

    Es war 2014/ 20 1 5 nicht 2016.

  12. Avatar

    PK

    20. September 2017 15:48 at 15:48

    ich habe genau da schon drüber nachgedacht und halte es für absolut wahrscheinlich, daß Kim Yong Un genau das macht, wie damals die al Qaida 9/11.
    Aber müsste er dann nicht Spuren am Terminmarkt hinterlassen ?

    • Avatar

      Forex-Stratege

      20. September 2017 17:23 at 17:23

      das kommt eben total darauf an wie man es macht. Die Möglichkeiten sind ja fast unendlich. man könnte auch direkt einfach CHF tauschen gegenüber anderen Währungen bei Banken, viele Derivate nutzen,…. . Man könnte sogar Handelsstrategien handeln, und erst wenn es gegen einen läuft „intervenieren“ mit Informationsvorsprung,…… das rausfinden der Spuren ist bestimmt nicht so leicht wie man es sich vorstellt. Ausser man eröffnet ein Konto auf den Staat Korea und kauft direkt mal was.

  13. Avatar

    Patrick Vandercar

    20. September 2017 16:45 at 16:45

    Der James Bond Film Casino Royale behandelt doch genau ein solches Thema!
    Was war mit dem Anschlag auf den BVB?
    Oder schaut euch die Serie Billions an da werden auch solche Machenschaften behandelt. Vorsprung durch Wissen = ein haufen Geld!

  14. Avatar

    Jan

    20. September 2017 18:08 at 18:08

    Ah!
    Da habe ich eine idee.
    Wir kommunizieren über dieses Medium.
    Sobald der geheime Botschaft kommt, kaufen alle Öl long. Damit verursachen wir ein Puls, die Masse folgt, die Algos folgen und bei 2% oder so steigen wir alle aus und kaufen sofort Öl short. Der Masse merkt, das war ein Luftnummer, steigt aus, die Algos drehen um und wir gewinnen nochmal!
    Wieso habe ich das nicht eher bedacht?
    Macht ihr mit?

    • Avatar

      Bademeister

      20. September 2017 18:56 at 18:56

      Was glaubst du, wieso sich Mutti in dieser Woche keinen Anschlag mehr wünscht?…und warum sich die AFD über die Aussage von Altmaier so freuen kann?
      Nächste Woche dann dürfen wir endlich Bilder sehen von den Großdemonstrationen in Frankreich, Polen und Barcelona!
      Ein Gros der Menschen in dem Land ist doch nicht mehr fähig, einen eigenständigen und ernsthaften Gedanken zu fassen, geschweige denn so zu leben…sonst ist ja wirklich alles im Öl…und genau für solch „unheilbare Fälle“ sind doch Algos und Mutti erfunden worden.

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Autoindustrie: Das Problem ist der Standort Deutschland

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Autoindustrie in Deutschland im Wandel

Steht die deutsche Autoindustrie vor einem Niedergang wie der Standort Detroit, die ehemalige Hochburg der Autoproduktion in den USA? Die Deutsche Bank (DB) hat ein hochinteressantes Research-Dokument dazu veröffentlicht. Darin wird die Branche nicht wirklich schlecht geredet. Aber schaut man genauer hin, geht es vor allem um den Standort Deutschland, der problematisch sein soll. Die deutsche Autoindustrie selbst sei relativ gut aufgestellt, aber eben nicht der Standort Deutschland. Vorab wollen wir aus der Analyse einige Aussagen erwähnen, was denn positiv am Standort Deutschland zu bewerten ist.

Der Automobilstandort Deutschland verfüge über außergewöhnliche Vorteile. Zu nennen sei vor allem die enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, industriellen Zulieferern, Ausrüstern (z.B. Maschinenbau), Entwicklungsdienstleistern, Logistikunternehmen sowie von universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen. Von dieser vertikal integrierten Wertschöpfungskette sowie dem über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Beschäftigten könne der Standort zehren. Auch der intensive brancheninterne Wettbewerb war und ist ein Motor für stetige Innovationskraft und Produktivitätsfortschritte. Fasst man aber alle in der Analyse der DB skizzierten Faktoren zusammen, dann falle es jedoch schwer, die Zukunftsaussichten für den Automobilstandort optimistisch zu sehen.

Negative Standortfaktoren für die Autoindustrie in Deutschland

Negativ zu erwähnen hat die DB-Studie so einiges. Und dabei geht es überhaupt nicht um den Absturz während der Coronakrise, sondern um strukturelle Faktoren. Zum Beispiel würden strenge CO2-Grenzwerte für neue Pkw in der EU dazu führen, dass die Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen müssten. Der resultierende Kostenanstieg verschärfe den Strukturwandel in der Branche. Kaum jemand erwarte, dass die Netto-Bilanz dieses Strukturwandels für die Wertschöpfung und Beschäftigung der Automoindustrie in Deutschland positiv ausfallen wird.

Auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Klima- und Energiepolitik hätten dazu beigetragen, dass der Kapitalstock in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung oder der Chemieindustrie in Deutschland seit vielen Jahren sinke. Diese Sektoren zählen auch zur automobilen Wertschöpfungskette. Durch die Investitionszurückhaltung würden laut der Studie Teile dieser Kette geschwächt. Höhere Kosten kämen auf die Autoindustrie auch durch die geplante Verschärfung der europäischen Abgasnormen zu (Euro 7). Im Volumensegment dürfte der Kostenaufschlag pro Fahrzeug besonders ins Gewicht fallen. Dies setze die Produktion von „Autos für den Durchschnittsbürger“ in Hochlohnländern wie Deutschland, aber auch in Frankreich oder Italien unter Druck.

Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten habe sich Deutschlands Position laut der Studie der DB im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Auch die anhaltenden Handelskonflikte würden die Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem ist die Pkw-Nachfrage im wichtigen westeuropäischen Absatzmarkt gesättigt. Schließlich bedeute die demografische Entwicklung eine Herausforderung, da sie zu einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial führe und die Nachfrage dämpft.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen sei es fraglich, ob die früheren Produktionshöchststände am Standort Deutschland jemals wieder erreicht werden. Die DB befürchtet, dass es immer schwerer wird, eine konkurrenzfähige Produktion von Pkw im Volumensegment in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Autoproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Ähnlich sei es der Autoindustrie im US-Bundesstaat Michigan (Detroit) ergangen, wo heute deutlich weniger Fahrzeuge gefertigt werden als zu Beginn des Jahrhunderts. Die deutsche Autoindustrie sei besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.

Autoindustrie wird sich anpassen – Standort mit Problem?

Wir wollen nur kurze und interessante Auszüge der DB-Studie zitieren. Zum Beispiel gehen wir nochmal auf den Detroit-Vergleich ein. Die DB sagt, dass dieser Vergleich vielleicht zunächst schockieren möge. Aber noch immer würden in Michigan viele Light Vehicles (LV) produziert. Allerdings waren es in den letzten Jahren etwa ein Drittel weniger Fahrzeuge als zu Beginn dieses Jahrhunderts. In der Folge ist der Anteil des Bundestaates an der gesamten LV-Produktion der USA von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 20 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Profitiert hätten dagegen einige Südstaaten der USA, in denen auch deutsche Hersteller in neue Autofabriken investiert haben. Hohe Standortkosten in Michigan (z.B. Lohn- und Pensionskosten der angestammten Belegschaft) seien ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung innerhalb der USA gewesen. Eine ähnliche Entwicklung sei für den Automobilstandort Deutschland nicht unwahrscheinlich. Auch in Deutschland könnten die Produktionszahlen der Branche dauerhaft unterhalb der früheren Niveaus verharren. Der Anteil Deutschlands nicht nur an der globalen, sondern auch an der europäischen Automobilproduktion drohe zu sinken.

Die DB-Studie geht an das gesamte Thema durchaus differenziert heran. Man schreibt die Branche nicht einfach pauschal ab. Unter dem Strich sei man davon überzeugt, dass die deutsche Autoindustrie besser für die „elektromobile“ Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet sei als der Automobilstandort Deutschland. Die Unternehmen könnten Standortentscheidungen frei treffen und sich im Laufe der Zeit anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen an einem Standort verschlechtern. Bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven des Standorts Deutschland würden aus heutiger Sicht jedoch die negativen Faktoren überwiegen. Bedauerlich dabei sei, dass ein Teil dieser Faktoren durch eine klimapolitische Regulierung begünstigt werde, die deutlich weniger effektiv als möglich und teurer als nötig sei.

Der Vorwurf an die deutsche Autoindustrie, technologische Trends zu verschlafen, werde auch beim Übergang zu E-Mobilität stetig wiederholt. Doch auch in diesem Fall sei er laut DB nicht pauschal zutreffend. Richtig sei, dass der Anteil deutscher Hersteller an den verkauften Elektroautos in vielen Märkten unter ihrem Marktanteil bei traditionellen Fahrzeugen liegt. Gleichwohl gleicht der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität einem Langstreckenlauf und nicht einem Sprint. Kein Anbieter liege uneinholbar vorne. Zudem sei die Produktpipeline der deutschen Hersteller gut gefüllt. Die Deutschen seien eben lediglich später dran als manche Konkurrenten, aus Sicht der Autoren der Studie jedoch nicht zu spät.

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Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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Achtung: Korrektur voraus – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Stimmung auf dem digitalen Börsenparkett ist prächtig. Wir haben überhaupt nicht genug Geld, um alle die großartigen Titel des internationalen Kurszettels kaufen zu können, so eine verbreitete Empfindung.

Das sind einige der Zutaten dieser Euphoriewelle, die bereits seit einigen Monaten über die Aktienmärkte hinwegrollt.

Fokussierung auf wenige Trendbranchen: Die Hausse verkürzt sich zunehmend auf einige wenige Titel aus einigen Trendbranchen wie Wasserstoff oder E-Mobilität. Das waren zuletzt etwa die Favoriten auf der Privatanleger-Plattform Tradegate: NEL ASA, Plug Power, Xiaomi, Tesla und Ballard Power.

Es ist ein Warnsignal, wenn eine Hausse nur noch auf den Schultern weniger Aktien liegt. Gesund ist eine Hausse immer dann, wenn sie von möglichst vielen Aktien aus unterschiedlichen Branchen getragen wird.

Kauf zu jedem Preis: Typisch ist dabei, dass die Anleger derzeit bereit sind, für eine „geile“ Aktie jeden Preis zu bezahlen. Die Bewertung interessiert nicht mehr, solange der Titel einer Trendbranche zuzurechnen ist. Typisch ist auch, dass man diese Aktien nicht erst in einer Woche haben will, sondern jetzt sofort. Folglich verzichten immer mehr Anleger auf die Bestimmung eines Kauflimits und fassen stattdessen billigst zu.

In der Folge erleben wir immer öfter prozentual zweistellige Kursanstiege auf Tagesbasis, ohne dass eine Nachricht aus dem Unternehmen vorliegt. Zu Deutsch: Die Kursanstiege sind in der Regel nicht mehr fundamental begründet.

Am Ende entsteht ein gewaltiger Sog, dem wir uns kaum noch entziehen können. Selbst Profis fallen dann um, werfen ihre bewährten Strategien über…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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