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Tesla ist in jeder Hinsicht einzigartig… verfilzt!

In einer gestern veröffentlichten Ergänzung zum Jahresbericht 2019 berichtet Tesla einige pikante Details über das Board of Directors, den Finanzvorstand und CEO und Großaktionär Elon Musk selbst. Keine einzige dieser Neuigkeiten wirft ein positives Licht auf Tesla und einige Konstruktionen dürften sogar einzigartig sein.

Tesla findet keine bezahlbare Versicherung mehr für den Aufsichtsrat

Der vielleicht größte Hammer ist die offen gelegte Tatsache, dass die Versicherungsprämien für das Board of Directors so stark gestiegen sind, dass Tesla sich die Versicherung nicht mehr leisten konnte oder wollte. Dass die Prämien stark stiegen, dürften vor allem daran liegen, dass das Board of Directors die ihm obliegenden Aufgaben nicht wirklich ernsthaft wahrnimmt und dadurch dem Unternehmen Schäden entstanden. Ein Risiko, dessen Übernahme Versicherungen gern höher entlohnt wissen wollten.

Das Board of Directors ist vergleichbar mit einer Mischung aus einem deutschen Aufsichtsrat und Vorstand. Ein reines Kontrollgremium wie den Aufsichtsrat gibt es im US-amerikanischen System nicht. Doch Teslas Board of Directors ist dann doch wieder vergleichbar mit einem deutschen Aufsichtsrat, da im Board keine geschäftsführenden Mitglieder sitzen. Somit bleibt als Aufgabe des Board of Directors, die Geschäftsführung des Unternehmens zu überwachen und notfalls zu maßregeln. Genau dieser Aufgabe kommt das Board bei Tesla jedoch nicht nach. Das Board ließ sich 2018 in die Lügengeschichte einbinden, Elon Musk wolle Tesla von der Börse nehmen und hätte das dafür nötige Kapital von rund 70 Milliarden US-Dollar zusammen bekommen.

Nachdem die Börsenaufsicht feststellte, dass es weder Kapital noch einen Plan zum Delisting gab, wurde eine außergerichtliche Einigung gefunden, die unter anderem vorsah, dass eine sachkundige Person Elon Musks Äußerungen vorab prüft und genehmigt. Wenige Wochen später veröffentlichte Musk jedoch offensichtlich ungeprüfte und ungenehmigte Produktionsprognosen, die von den zuvor veröffentlichten Prognosen nach oben abwichen. In einer Erwiderung auf die daraufhin von der Börsenaufsicht eingereichte Klage stellte Tesla klar, dass eine sachkundige Person Elon Musks Tweets auf Twitter vorab prüft und genehmigt: Elon Musk selbst. Spätestens dieser Fall sollte jeder Versicherung klargemacht haben, dass der Aufsichtsrat bei Tesla entweder nicht willens oder nicht in der Lage ist, die Geschäftsführung effektiv zu kontrollieren und daraufhin stiegen die Prämien.

Der zu Beaufsichtigende versichert die Aufseher gegen Fehlverhalten

Jedes andere Unternehmen hätte selbige wohl bezahlt. Nicht so Tesla, die chronisch in Geldknappheit leben, obwohl sie ebenso chronisch das Gegenteil behaupten. Tesla fand einen neuen Versicherer für den Aufsichtsrat: Elon Musk. Richtig gelesen. Die Person, die vom Board of Directors kontrolliert werden soll, versichert gleichzeitig persönlich das Board of Directors gegen mögliche Schadensersatzansprüche, die aus einem Fehlverhalten des Boards herrühren.

Das alles ist bereits ein massiver Interessenkonflikt. Er wird aber noch größer. Denn Elon Musk ist offiziell nur Bezieher des kalifornischen Mindestlohns. Er bezog von Tesla im Jahr 2019 nur 23.760 US-Dollar Gehalt. Dazu gibt es massig Aktienoptionen, die an bestimmte Kennzahlen wie Umsatz und Aktienkurs gekoppelt sind. 2019 gab es daher gar keine Optionen, 2018 hingegen Optionen im Wert von rund 2,3 Milliarden US-Dollar. Da Elon Musk zwar gern Subventionen vom Steuerzahler entgegennimmt, aber nur ungern Steuern zahlt, verkauft er keine Aktien, um Einkommen zu generieren. Stattdessen hinterlegt er sie als Sicherheit für Kredite. Und davon nahm er eine ganze Menge auf. 54% all seiner Aktien, und das sind 20,8% aller Tesla-Aktien, sind inzwischen als Kreditsicherheit hinterlegt. Ein Anstieg um 35% in nur einem Jahr.

Der Aufsichtsrat ist vor allem an kurzfristig hohen Aktienkursen interessiert

Und die Konflikte gehen weiter. Auch der Aufsichtsrat wird nur zu kleinen Teilen fix entlohnt. Die fixen Vergütungen schwanken zwischen 11.196 und 191.257 US-Dollar im Jahr. Wesentlich attraktiver sind die umfangreichen Optionspakete, die 2019 zwischen 1,2 und 5,9 Millionen US-Dollar lagen. Der Aufsichtsrat hat also ein großes Interesse an einem hohen kurzfristigen Aktienkurs und weniger an langfristigem Unternehmenserfolg. Fassen wir also zusammen: Wegen Pflichtverletzung in der Vergangenheit findet der Aufsichtsrat keine bezahlbare Versicherung mehr. Stattdessen versichert den Aufsichtsrat die zu beaufsichtigende Person, die illiquide und auf einen hohen Aktienkurs angewiesen ist, da die Hälfte der gehaltenen Aktien als Kreditsicherheit dienen.

Würde der Aufsichtsrat nun zum Schluss gelangen, dass Elon Musk aufgrund diverser Verfehlungen und jahrelang nicht eingelöster Versprechen in Bezug auf Absatzzahlen und Gewinne zu entlassen ist, würde der Aktienkurs aller Voraussicht nach einbrechen. Sei es, weil Musk-Fans mit einem solchen Unternehmen nichts mehr zu tun haben wollen, sei es, weil er seine Aktien aus Trotz auf den Markt wirft, sei es, weil die kreditgebenden Banken bei sinkenden Aktienkursen die Kreditsicherheit veräußern. Gleichzeitig hängt jedoch der Großteil der Aufsichtsratvergütung am Aktienkurs. Welchen Weg der Aufsichtsrat bei diesem Interessenkonflikt einschlagen würde, bewies er in der Vergangenheit. Es ist dieser Weg, der zu den hohen Versicherungsprämien führte. Kleines Details am Rande: Der Chief Financial Officer hat von den knapp 11.000 Aktien, die er besitzt, ebenfalls 7.100 Aktien als Kreditsicherheit hinterlegt. Also einen noch größeren Anteil als Musk.

Alle Entscheidungsträger bei Tesla leben mit Interessenkonflikten

Also alle relevanten Entscheidungsträger bei Tesla sind in einem Interessenkonflikt gefangen, der darauf hinausläuft, dass alle Beteiligten auf jeden Fall einen hohen Aktienkurs anstreben, ihre Position im Unternehmen aber durchaus Schritte erfordern kann, die den Aktienkurs belasten. Dass dieser Interessenkonflikt zum Nachteil der Aktionäre aufgelöst werden kann, beweist der Fall SolarCity. Tesla übernahm ein praktisch insolventes, defizitäres Unternehmen, geführt von Musks Familienangehörigen und Musk selbst, bei dem Musk Großaktionär und dessen Gläubiger eines von Musks anderen Unternehmen war, zu einem deutlichen Aufpreis auf den damals aktuellen Aktienkurs. Sofort nach der Übernahme begann die stille, bis heute andauernde Abwicklung des Unternehmens. Der Aufsichtsrat von Tesla war mit allem einverstanden.

Tesla CEO Elon Musk
Tesla-Chef Elon Musk. Foto: NASA



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2 Kommentare

  1. Tesla war, ist und bleibt ein gigantisches Ponzi Schema. Der geniale Verkäufer Musk hat eine große Schar Gläubiger (nicht die mit dem Geld) um sich versammelt und zapft mit deren propagandistischer Hilfe die Kassen an.
    Musks Trick ist genial simpel und funktioniert immer auf dieselbe Weise. Wenn die Kohle ausgeht, dann wird eine neue Idee (die er wahrscheinlich in alten Science Faction Romanen findet) aus dem Hut gezaubert. Muss aber vor allem gigantisch klingen. Sonst ist das ja nicht „visionär“. Dadurch setzt bei seinen Fans und vielen Investoren der Verstand aus und die Aktienkurse explodieren. Es folgt eine Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien und schon sind wieder ein paar Milliarden in der Kasse die dann die nächsten zwei Jahre finanzieren.
    Und wie lange kann man das Spiel treiben? Bei den ständigen Liquiditätsflutungen die wir nun seit 10 Jahren sehen, noch ziemlich lange.

    Es gab in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte schon eine Reihe solcher Systeme die in der Regel über Jahrzehnte funktioniert haben. Allerdings muss Musk aufpassen, das beim Zusammenbruch der Konstruktion seine reichen Freunde nicht zu viel Kohle verlieren. Das kann in den USA schon mal böse ins Auge gehen.

    1. Positive Zahlen und es wird wieder massiv FUD gestreut.
      Aktienpakete sind etwas ganz normales für Mitarbeiter und Vorstände, vorallem in den USA. Würde der Aufsichtsrat so an einem hohen Aktienkurs hängen, würden sie nicht auch bei niedrigem verkaufen, denn manche verkaufen monatlich ihr Paket, komplett unabhängig vom Kurs.
      Und warum sollte man nicht seine Aktien als Keditsicherheit verwenden, ein Plus von 200% deckt leicht jeden Kredit und stellt sich als absolut richtige Entscheidung heraus wenn man sein Geld nicht verschenken möchte.

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