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Türkei: Donnerstag ist der große Zins-Tag – und Erdogan kämpft gegen Kryptos

Türkei Flagge

Wer sich für finanzielle Abläufe rund um die Türkei interessiert, für den wird übermorgen ein sehr wichtiger Tag sein. Am Donnerstag um voraussichtlich 13 Uhr deutscher Zeit wird die türkische Zentralbank ihre Zinsentscheidung verkünden. Wohl seit Jahren ist die Spannung noch nie so hoch gewesen im Vorfeld einer Zinsentscheidung in der Türkei. Wir berichteten die letzten Tage bereits.

Leitzins in Türkei vor Senkung?

Wird der Leitzins für die Türkei gesenkt von 19 Prozent auf vielleicht 18, 17 oder 16 Prozent? Möglich ist es, aber es wäre für die türkische Lira womöglich ein fatales Signal. Denn die Inflation ist die letzten Monate immer weiter gestiegen auf zuletzt 19,25 Prozent. Damit liegt sie über dem Leitzins. Um die Inflation einzudämmen, müsste man den Zins eigentlich weiter anheben, oder zumindest einige Zeit lang bei 19 Prozent belassen. Aber Präsident Erdogan hat dieses Jahr schon mehrfach deutlich gemacht, dass er drastisch sinkende Zinsen wünscht, sogar unter das Niveau von 10 Prozent.

Nun hatte er dieses Jahr sämtliche Führungskräfte in der Zentralbank bereits ausgetauscht. Bislang konnte man dort dem Drängen von Präsident Erdogan widerstehen, und der Leitzins blieb bei 19 Prozent. Aber jüngste Äußerungen aus der Zentralbank legen den Schluss nahe, dass es übermorgen womöglich zu einer Zinssenkung kommen wird. Denn die Zentralbank will ab sofort nicht mehr die offizielle Inflationsrate, sondern die Kerninflation (ohne Energie- und Lebensmittelpreise) als maßgeblichen Richtwert für die Preissteigerung in der Türkei ansehen. Und die Kerninflation liegt nicht bei 19,25 Prozent, sondern „nur“ bei 16,8 Prozent. Geht man danach, hätte die Zentralbank Luft für Zinssenkungen.

Wie gesagt, für die türkische Lira könnte eine Zinssenkung ein fatales Signal sein. Aber wenn es so kommt, wird die Lira dann durch Interventionen kurzfristig am Absturz gehindert? Nichts genaues weiß man vorher nicht. Aber man sollte sich Donnerstag 13 Uhr als Termin im Kalender rot anstreichen. Türkische Lira, Anleihen und Aktienmärkte könnten durch die Zinsentscheidung deutlich in Bewegung gebracht werden.

Erdogan im Kampf gegen Kryptowährungen

Wichtig ist auch: Haben Menschen Alternativen zu kräftiger Inflation und Währungsabwertung, fliehen sie. Von daher ist es für die seit Jahren dramatisch abgewertete türkische Lira schon ein Problem, wenn die Menschen ihr Geld nicht nur in Euro oder US-Dollar konvertieren, sondern auch in Kryptowährungen. Unlängst war in der Türkei eine Regulierung für Kryptowährungen erlassen worden. Wie auch in Russland ist es Staatsbürgern zwar noch erlaubt Kryptowährungen zu halten, aber für Zahlungen von Dienstleistungen darf man Kryptowährungen in der Türkei nicht mehr verwenden.

Aktuell gibt es laut übereinstimmenden Berichten neue Aussagen von Präsident Erdogan über Kryptowährungen. Man befinde sich im Krieg mit Kryptowährungen, so seine Worte. Man habe einen „separaten Krieg und einen eigenen Kampf“. Man würde niemals Kryptowährungen unterstützen. Denn man werde die eigene Währung mit eigener Identität weiterführen. Der Bitcoin war heute Nacht übrigens auf 40.445 Dollar abgerutscht, konnte sich bis jetzt aber wieder auf 43.190 Dollar erholen.



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