Devisen

Türkei: Zentralbank-Intervention verpufft – dazu noch Downgrade

Türkei Flagge

Das Statistikamt in Ankara meldete heute früh eine Inflation von 21,3 Prozent für die Türkei, was die Erwartungen von 20,7 Prozent übertraf. Daraufhin wertete die türkische Lira etwas weiter ab. Und siehe da – was man am Mittwoch von der türkischen Zentralbank hörte, verkündete sie heute Mittag erneut. Die Meldung hatte nur einen einzigen Satz. Zitat, ins Deutsche übersetzt: „Die Zentralbank der Türkischen Republik interveniert direkt auf dem Markt, indem sie aufgrund ungesunder Kursentwicklungen Verkaufstransaktionen durchführt.“

Zentralbank der Türkei interveniert am Devisenmarkt – schnell wieder verpufft

Im Klartext: Die türkische Zentralbank verkauft am Devisenmarkt eigene Bestände an Euro und US-Dollar und tauscht sie in türkische Lira um. Damit wollen die Notenbanker die heimische Währung zum Ansteigen bringen, weil sie in den letzten Tagen und Wochen dramatisch stark gefallen war. Und die heutige Meldung hatte wie vorgestern eine kurzen, aber messbaren Effekt. US-Dollar vs Türkische Lira fiel von 13,88 auf 13,31. Aber bis jetzt hat sich der Wechselkurs wieder auf 13,71 erholt. Also konnte die Lira dank der Mitteilung der Zentralbank kurzzeitig etwas aufwerten, aber zeigt nun wieder Schwäche.

„Begrenzter“ Spielraum für Zinssenkungen

Heute sah die türkische Lira ihr Allzeittief bei 13,87 Lira für 1 US-Dollar. Dass sie trotz zweimaliger Intervention der Zentralbank der Türkei (mit entsprechender Mitteilung) dennoch fast direkt am Rekordtief notiert, zeigt ihre Schwäche. Denn Präsident Erdogan will weiter sinkende Zinsen sehen, während die Inflation in der Türkei weiter drastisch ansteigt. Gestern erst sagte der Chef der Zentralbank Şahap Kavcıoğlu laut türkischen Presseberichten, dass die Zentralbank eine Reihe von Zinssenkungen weitgehend abgeschlossen habe, durch die die Kreditkosten in den letzten drei Monaten von 19 Prozent auf 15 Prozent gesunken seien. Der Spielraum für weitere Senkungen sei begrenzt, sagte Kavcıoğlu am Donnerstag in einer Videokonferenz mit lokalen Investoren.

Der weitere Spielraum ist „begrenzt“, die Zinssenkungen sind „weitgehend“ abgeschlossen. Also kann es bei der nächsten Sitzung mit Zinsentscheidung am 16. Dezember noch eine weitere „kleine“ Zinssenkung geben? Denkbar wäre es. Sonst hätte er ja sagen können, dass es gar keinen Spielraum mehr nach unten gibt. Der Devisenmarkt bräuchte für eine Lira-Aufwertung allerdings ein ganz anderes Signal, nämlich das einer Zinsanhebung. Das würde aber wiederum Staatspräsident Erdogan nicht akzeptieren, der für die Türkei drastisch sinkende Zinsen sehen möchte. Er sieht Zinsen als Plage, von der er die türkische Bevölkerung befreien möchte.

Downgrade und Anlaystenmeinung

Auch die Ratingagentur Fitch setzt für die türkische Lira heute noch einen drauf. Man senkt die Einstufung des Ausblicks für die Türkei von Stabil auf Negativ. Die Swissquote-Analystin Ipek Ozkardeskaya sagt zu den heutigen Ereignissen, dass die Auswirkungen der Intervention der Zentralbank eher gering seien, da die Märkte wissen würden, dass die Reserven der Zentralbank dadurch schmelzen. Eine hohe Inflation erfordere eine Zinsanpassung. Der Verkauf der Reserven schwäche die Hand der Zentralbank und dürfte sich ihrer Meinung nach in Zukunft immer weniger auf die Währung auswirken.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira im Verlauf der letzten drei Monate US-Dollar vs Türkische Lira im Verlauf der letzten drei Monate. Man sieht die dramatische Lira-Abwertung. Vor drei Monaten zahlte man noch 8,28 Lira für 1 US-Dollar, jetzt bereits 13,71.



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3 Kommentare

  1. Mal sehen wieviel Pulver (Devisenreserven) der türkischen ZB zur Verfügung steht. Über kurz oder lang scheint dieser Kampf aber verloren zu sein. Die Märkte werden dank überlegener Fuerkraft siegen.

  2. @lausi, ja leider gottes geb ich dir recht. der erdo hat sich mit seinem wirtschaftswissen zu weit aus dem fenster gelehnt.
    sehr wahrsxheiblich hat er gedacht,
    was die fed, ecb oder die boj macht, können wir als schwellenland auch. nein erdo das funktioniert nicht.
    auf uns (brd) zurück zukommen, nichts destotrotz bin ich schon für inflation. ich dachte das bei inflation auch die löhne von arbeitnehmern, in gleicher höhe mitsteigen. aber dem ist bis dato, nicht so.
    es sieht eher danaxh aus das mit der inflation der konsum gezügelt werden soll.
    so sieht es bis dato aus.

    1. @md, alter Polit-Hallodri, kannst du mir mal erklären, warum bei jeder wirtschaftlichen Entwicklung, bei jedem kleinsten Phänomen, gleich immer irgendeine politisch gesteuerte Absicht dahinter stecken soll?

      Ich verstehe es ja ohne weiteres, dass dein Denken durch das gesellschaftliche und politische System in deinem Heimatland dahingehend geprägt sein könnte. In einem Land, wo die Grenzen zwischen radikaler Religion, Politik und Kapitalismus zusehends mehr verschwimmen und wieder mehr in Richtung 19. Jahrhundert abdriften. Weil ein kleiner osmanischer Mini-Diktator und Zwergerl-Sultan meint, seine riesige Knollennase überall reinstecken zu müssen.

      Aber warum sollte bei uns mit der Inflation politisch gesteuert, der Konsum gezügelt werden? Wer sollte hinter einem solchen gesamtgesellschaftlichen Clou stecken? Sind das schon wieder diese hanebüchenen Anti-Grünen-Verschwörungstheorien? Nach dem Motto: Die Grünen sind schuld an der Inflation, weil die doch alles Fossile immer verbieten wollen. Oder sind es George und Elon oder Bill und Ted auf ihrer verrückten Reise?

      Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass die derzeitigen inflationären Tendenzen einfach nur das eher Offensichtliche abbilden: Wirtschaftliche Entwicklungen rat- und rastloser Märkte in einer nie dagewesenen Ausnahmesituation. Das lange vorhersehbare Komplettversagen eines globalen just-in-time Turbo-Kapitalismus, dessen lächerliche Lieferketten wegen eines Schiffchens im Suez-Dünndarm für Monate kollabieren. Hyperaktive und lernresistente Marktteilnehmer, die ihre post-traumatische-Rezessions-Störung durch Turbo-Nachfrage schon nach der ersten und zweiten Mini-Welle zu kompensieren versuchen.

      P.S. mein Freund: Tausch mal deine X- und C-Taste aus 😉

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