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Ukraine-Krieg, Inflation, Lieferprobleme – Arbeitsmarkt völlig unberührt

Angesteller in der Gastronomie

Schon die offizielle Arbeitslosenquote für März, die am Donnerstag letzter Woche veröffentlicht wurde, zeigte es. Von Februar auf März ging die Quote von 5,3 auf 5,1 Prozent zurück. Auswirkungen von Ukraine-Krieg, Inflation oder Lieferproblemen waren am Arbeitsmarkt (noch) überhaupt nicht zu spüren, im Gegenteil. Und jetzt sehen wir in der heutigen Veröffentlichung des ifo-Instituts zum Thema Kurzarbeit, dass auch hier der Trend rückläufig ist. 620.000 Menschen waren in Kurzarbeit, nach 685.000 im Februar.

Auch wenn die Kurzarbeit in der Industrie etwas zunimmt – die Zuwächse sind so gering, dass man im größeren Bild gesehen kaum von einem nennenswerten Anstieg oder gar Trend sprechen kann. Hier dazu vom ifo-Institut Aussagen im Wortlaut:

Im Gastgewerbe sank die Zahl von 215.000* auf 170.000, also von 20,2* auf 16,0 Prozent der Beschäftigten. Im Einzelhandel sank die Zahl merklich von 96.000* auf 56.000, also von 3,9* auf 2,3 Prozent. In der Industrie ging es dagegen hoch von 122.000* auf 140.000 (2,0 Prozent), darunter in der Autoindustrie von 36.000* auf 43.000 (4,5 Prozent).

Vor Corona hatte die Zahl der Kurzarbeitenden im Februar 2020 bei 134.000 gelegen, im März 2020 war sie sie auf 2,6 Millionen gesprungen und im April 2020 hatte sie den Rekordwert von 6 Millionen erreicht. Der vorherige Höchstwert während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise lag im Frühjahr 2009 bei 1,5 Millionen Kurzarbeitenden.

Dieses entspannte Gesamtbild am deutschen Arbeitsmarkt mag sich eventuell dank der drei genannten Faktoren noch ändern. Aber aktuell jedenfalls ist davon nichts zu spüren. Vielleicht werden auch in den nächsten Jahren Probleme aller Art am Arbeitsmarkt durch den enormen Demografiewandel überdeckt – dass nämlich immer mehr Menschen in Rente gehen, aber immer weniger junge Menschen auf den Arbeitsmarkt nachrücken. Dieser Effekt könnte die Arbeitslosenquoten womöglich dauerhaft niedrig halten.

ifo Grafik zur Kurzarbeit



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1 Kommentar

  1. Ihre Argumentation klingt (grundsätzlich) plausibel. Allerdings erscheint mir genauso plausibel, dass das Wirtschaftswachstum geringer wird und sich gleichzeitg der Beschäftigungsgrad stabilisiert. Dann würde sich sicherlich die Frage stellen, wie wir den Sozialhaushalt finanzieren können.
    Zusätzlich werden uns Polen, Slowakei und Tschechien noch erhebliche Kopfschmerzen bereiten, da diese aktuell erhebliche Produktivitätsfortschritte erzielen.

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