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Unternehmensschulden erreichen weltweit neuen Rekordstand

Möglich gemacht wurde die Explosion der Unternehmensschulden durch die akkommodierende Geldpolitik. Die de facto Abschaffung des Zinses in Japan und Europa, sowie Zinssenkungen in den anderen OECD-Staaten, haben Unternehmen erst in die Lage versetzt, sich in Rekordhöhe zu verschulden und die sogar dazu verleitet, sich auf Kredit quasi selbst von der Börse zu nehmen. Bei den im vergangenen Jahr erneut rekordhohen Aktienrückkaufprogrammen spielte die Neuaufnahme von Unternehmensschulden eine wesentliche Rolle. Die Überlegung der Unternehmen war u. a. die Einsparung von Dividenden. Diese stellen nur Kosten dar, wohingegen Zinsen steuermindernd angesetzt werden können, sofern überhaupt ein Überschuss anfällt.

Problematische Nebenwirkung der Schuldenexplosion

Generell hat der dynamische Anstieg der Unternehmensschulden zur fortschreitenden Zombifizierung im weltweiten Unternehmenssektor beigetragen. In diesem Zusammenhang findet die OECD auch die immer weiter zunehmenden Laufzeiten der Anleihen bedenklich, da mit weiter entfernten Tilgungsterminen auch größere Ausfallrisiken einhergehen. Sollten sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtern oder, Gott bewahre, die Zinsen eines Tages wieder ansteigen, würde ein Großteil der Schuldner mit geringer Bonität den Tag der Tilgung nicht mehr erleben. Volkswirtschaftlich bremsen die Schulden-„Zombies“ das Wachstum, weil sie gerade so auf Pump überleben, aber eben nicht wachsen und investieren. Auch die Innovationskraft geht mangels Forschungsausgaben zurück. Die Stärke des Kapitalismus, die kreative Zerstörung, wird dadurch unterminiert.

Fazit und Ausblick

Das sich permanent weiter aufbauende ökonomische Defizit (immer mehr Schulden für immer weniger Wachstum) droht die Industriestaaten in die Japan-Falle zu treiben. Doch ohne Wachstum ist ein Entrinnen aus der Schuldenfalle kaum noch möglich. Es sei denn, und das ist ein weiteres Risiko der Rekordverschuldung im Unternehmenssektor, die Notenbanken inflationieren die Schulden weg. Dies ginge dann jedoch zulasten der Stabilität des gesamten Wirtschaftssystems und der Kaufkraft der Konsumenten. Ohne die Zentralbanken gäbe es ohnehin keine Perspektive mehr für viele Unternehmen, da mit der Explosion der ausstehenden Anleihevolumina auch der Refinanzierungsbedarf von Jahr zu Jahr ansteigt, da Tilgungen netto nicht stattfinden und der Refinanzierungsbedarf permanent zunimmt. Damit baut sich ein Perpetuum mobile bei der Verschuldung im Unternehmenssektor auf. Eine Lösung des Schuldendilemmas ohne große wirtschaftliche Verwerfungen ist in Anbetracht der Dimension schon jetzt nicht mehr möglich.



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6 Kommentare

  1. Aber Herr Zipfel, das ist doch gewollt?
    Ich lese nur die ganze Zeit, dass „um die Wirtschaft anzukurbeln, werden die Kredite billig gehalten“, Fazit ihres Schreibens: System funktioniert prima.
    Das kann jetzt doch keine Überraschung sein.

  2. Der Zins ist ein unverzichtbares Regulativ für jedes sinnvolle wirtschaftliche Handeln. Mit seiner Abschaffung werden gigantische Blasen und Schuldenberge erzeugt. Es schafft eine trügerische Sicherheit und erzieht zur Faulheit, wenn Geld nichts mehr kostet. Die wirtschaftliche Leistungskraft senkt sich immer weiter ab und kommt ohne Zins auch nicht mehr auf die Beine. Auch Robert Halver hat das leider nicht verstanden.

  3. Das explosive Thema „ UNTERNEHMENSSCHULDEN“ wurde beim langen Interview Friedrich/ Halver zuwenig beleuchtet. Das war schon vor dem Corona Zeitalter in China u.anderswo sehr explosiv.
    Da werden die Notenbanken an ihre Grenzen stossen, die sie schon lange überschritten haben.

  4. @Bombenticker

    Wie geht das denn? „An Grenzen stoßen, die man schon überschritten hat“. Das grenzt an Zauberei, die bei Notenbanken allerdings nie auszuschließen ist.

  5. @Columbo. Das geht so u.das sollten sie als Berggänger wissen.Sie steigen den Berg hinauf u.bei ca.4000 m Höhe kriegen sie keinen Sauerstoff mehr ( Grenze ) Sie steigen weiter hoch weil sie von etwas getrieben sind ( Draghi) Bei 5000 fallen sie tot um u.im freien Fall überschreiten sie die Grenze von oben nach unten.

  6. Pingback: Wirtschaftskrise nur wegen Corona-Pandemie? » InterSoZ.Org

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