Anleihen

Fitch Rating AA+ Unverständnis über USA-Abstufung – die Arroganz des letzten Zufluchtsorts

Fitch hat die USA abgestuft. Die "Experten" finden das absurd und sinnlos. Daran erkennt man die Arroganz des "Letzten Zufluchtsorts".

Heute Nacht hat Fitch – eine der drei großen Ratingagenturen – die USA abgestuft in ihrem Rating von AAA auf AA+. Das Unverständnis, ja das Kopfschütteln unter „Experten“, Ökonomen und sonstigen Beobachtern war als Reaktion auf die Abstufung groß. Man zeigte sich regelrecht fassungslos. Anerkannte Ökonomen wie Paul Krugman sagen zum Beispiel, dass die Entscheidung von Fitch weithin und zu Recht belächelt wird. Andere sagten, das Downgrade sei ein seltsamer Schritt, das Risiko eines US-Ausfalls sei absurd. Die Abstufung  werde wahrscheinlich eher abgetan, als dass sie die US-Wirtschaft und die Märkte nachhaltig stört. Und so kann man es fortsetzen mit der Kritik. Gewiss, die Staatspleite der USA steht nicht bevor, weil das US-Finanzministerium in der Lage ist immer neue Schulden aufzunehmen. Aber es gibt nun mal ein echtes Problem.

USA-Abstufung – die Arroganz des letzten Zufluchtsorts

Man kann sagen: Hier zeigt sich die Arroganz des „Letzten Zufluchtsorts“. Wenn Anleger wie Pensionskassen oder Fonds sehr große Geldsummen, also hunderte von Milliarden Dollars oder Euros unterbringen müssen in sicheren Geldanlagen, dann bleiben ihnen vor allem die großen Währungsräume Eurozone und USA, die auch vom Volumen der Anleihemärkte her groß genug sind, um viel Anlegergeld aufzunehmen. Und wenn man annehmen würde, dass das weltweite Finanzsystem in Schwierigkeiten gerät, oder das nur Europa oder nur die Schwellenländer angeschlagen sind, dann flüchten Anleger stets in den Dollar-Raum. Seit Jahrzehnten gelten die USA, der US-Dollar und US-Staatsanleihen sozusagen als der letzte sichere Zufluchtsort in Krisenzeiten.

Dieses Bewusstsein ist auch in den USA über Jahrzehnte gewachsen und zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Wie also kann Fitch sich nur erdreisten den USA das Top-Rating zu entziehen? Jahrzehntelange zügellose Staatsverschuldung, und stets deutlich mehr Ausgaben als Einnahmen, lassen den Schuldenberg immer schneller wachsen. Und selbst wenn die Zinsen mal nicht so hoch sind, so steigt die fortlaufende Zinslast für die US-Regierung von der Tendenz her immer weiter, weil der Schuldenberg immer weiter wächst.

969 Milliarden Dollar Jahres-Zinskosten für die US-Regierung

Ich habe hier mal eine Grafik erstellt aus der Datenbank der Federal Reserve. Wir sehen in der folgenden Grafik der St Louis Fed seit dem Jahr 1970 als rote Linie die Entwicklung im US-Leitzins. Aktuell liegt er bei 5,12 %. Auch sehen wir in der Grafik als blaue Linie die fortlaufend aktualisierte annualisierte Zinslast der US-Regierung für ihre Schulden. Aktuell beträgt die jährliche Zinslast unglaubliche 969 Milliarden Dollar! Als Vergleich dazu: Im Jahr 2007, als der Leitzins bei 5,26 % stand, betrug die jährliche Zinszahlung „nur“ 414 Milliarden Dollar, und im Jahr 2000 bei noch höheren Zinsen 353 Milliarden Dollar.

Zinszahlungen der US-Regierung im Vergleich zum US-Leitzins

US-Staatsverschuldung steigt extrem schnell an

Derzeit laufen die Zinszahlungen völlig aus dem Ruder, und die Staatsschuld explodiert regelrecht. Alleine seit dem Aufheben der Schuldenobergrenze vor zwei Monaten ist die US-Staatsverschuldung um „läppische“ 1,2 Billionen Dollar angestiegen auf aktuell 32,6 Billionen Dollar.

Auch wenn die folgenden Chartdaten nicht super aktuell sind – es geht hier um das große Bild: Der TradingView Chart zeigt, wie die US-Staatsverschuldung seit 1970 ansteigt von damals 500 Milliarden Dollar auf jetzt wie gesagt 32,6 Billionen Dollar. Parallel dazu stieg auch die Relation von Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt der USA immer weiter an. Und da wollen die „Experten“ behaupten, die Kritik von Fitch sei sinnlos, übertrieben, unsinnig? Die USA haben ein gigantisches Problem, aber sie haben nun mal (noch) den Luxus, vom globalen Kapitalmarkt als letzter Zufluchtsort angesehen zu werden. Von daher läuft die Party (noch) weiter.

Entwicklung der US-Staatsverschuldung seit 1970

Andre Stagge mit aktueller Analyse

Erst vor wenigen Minuten hat der Börsenexperte Andre Stagge seine Analyse zur Abstufung der USA durch Fitch veröffentlicht. Er sieht diesen Schritt als durchaus berechtigt an, nämlich als Signal. Eine konkrete erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit für US-Staatsschulden sieht er nicht. FMW: Ja, es ist so – ausfallen werden die US-Schulden nicht, aber als Signal für die Explosion bei Staatsschulden, Neuverschuldung und Zinslast war die Abstufung wichtig.



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5 Kommentare

  1. Ihren Einschätzungen kann man nur zustimmen, und vor allem ist es schockierend was die sogenannten „Experten“ hier so von sich geben. Mit einem AA+ sind die USA noch gut bedient, denn ich wage mal zu behaupten, das wenn man konsequent vorgehen würde, stünde das Rating um einige Stufen niedriger. Die USA und vor allem die Gesetzgeber aus beiden politischen Lagern, machen aber auch den Eindruck das sie das alles gar nicht interessiert, und irgendeiner schon dafür bezahlen wird.

    1. @Stiller User, Sie schreiben: „denn ich wage mal zu behaupten, das wenn man konsequent vorgehen würde, stünde das Rating um einige Stufen niedriger.“
      Exakt, so ist es! Die Fakten dazu gleich im Marktgeflüster!

  2. Amerika hat bald fertig

    Ist ja logisch,dass die Abstufung kommen musste, denn bei der Griechenlandkrise haben die Superprofis alles für gut befunden und die Abstufung erst nach dem Kollaps vorgenommen.Ein gleiches Desaster wäre für Finanzpolizisten eher nicht förderlich. Seitdem weiss auch jedes Kind,dass diese Institute nicht unabhängig sind und wenn sie die Situation für schlecht befinden muss es sehr schlecht sein.Amerika ist nur dank der Grösse und der Weltleitwährung Dollar noch ein „vermeintlich SICHERER HAFEN“. Was heisst schon sicher ? Gemäss Marc Faber hat die Konfetti- Währung gegen das CH – Fränkli innert 40 Jahren immerhin ca. 75% verloren.
    Der Gipfel war,dass die Donald Trompete beim Währungskrieg andern Ländern noch Währungsmanipulation vorwarf.

  3. Fugmann der kann’s

    Leider sind die Videos von Herr Stagge sehr schlecht verständlich.Bei dieser Gelegenheit ein Kompliment an Herr Fugmann, sehr klar, deutlich ,gut verständlich und zudem noch die Wahrheit wie sich später meistens herausstellt.

  4. Sollten die BRICS Staaten noch eigene Währung einführen denn ist Ende der US Vormacht.

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