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US-Wahl 2020: Wie reagieren die Vermögenden auf das Mögliche?

Die US-Wahl rückt immer näher – wie aber positionieren sich die Reichen im Vorfeld, angesichts eines möglichen Sieges der US-Demokraten?

Joe Biden gilt als Mann der Mitte. Als langjähriger Vize von Barrack Obama kennt er die Grundsäulen der US-Wirtschaft. Er wird also bei einem Wahlsieg, den viele Unternehmen schon einpreisen, weder große Veränderungen vornehmen, die den US-Konsum beeinträchtigen, mit seinem 70 Prozent-Anteil, noch wirklich der Wall Street schaden wollen, auf deren Wohlergehen auch die Altersvorsorge von Millionen Amerikaner fußt. Aber er wird sich an eine spezielle Schicht in den USA heranwagen, den Superreichen, dies hat er mehrfach auf seinen Wahlveranstaltungen wählerwirksam betont. Wie reagieren die Vermögenden, angesichts dieser möglichen Steuerkeule?

US-Wahl: Die Veränderung in der demokratischen Partei

Der ehemalige Vizepräsidenten hat sich im Vorwahlkampf gegen Kandidaten des linken Spektrums der Partei, Elizabeth Warren und Bernie Sanders, durchgesetzt. Dies gibt ihm aber keine freie Hand nach einem Wahlsieg, denn der linke Flügel hat nach Angaben des Marktforschungsinstituts Gallup mächtig zugelegt. Die Moderaten im Sinne Bidens machten Mitte der 90-er-Jahre noch die Hälfte der demokratischen Partei aus, heute ist es nur noch ein Drittel. Und diese linke Mehrheit ist gerade dabei eine Monopolklage gegen die großen Hightech-Konzerne in gesetzliche Regelungen zu forcieren. Dazu noch die Anhebung der Unternehmensteuern von 21 auf 28 Prozent und vor allem die Absicht Auslandsgewinne wieder mit 15 Prozent versteuern zu lassen. Damit werden manche Unternehmen im Silicon Valley heimlich mit einem Sieg Trumps liebäugeln, ohne es laut zu artikulieren. Doch auf eine Klientel haben es alle Demokraten abgesehen.

Die USA, das Land der Superreichen

In den Vereinigten Staaten mit seiner Bevölkerung von 331 Millionen Menschen leben tatsächlich 40 Prozent aller Millionäre weltweit, 18,6 Millionen extrem Wohlhabende. Dies ergibt sich aus dem jüngsten Vermögensreport der Credit Suisse, der zudem noch offenbart, dass im Land der „ehemals“ unbegrenzten Möglichkeiten die Zahl der Superreichen mit über 50 Millionen Dollar sogar viermal höher ist als im zweitreichsten Millionärsstandort, China (wo es aber zusätzlich noch viermal so viele Einwohner gibt als die USA). Und genau auf diesen Geldadel zielen die Steuerprogramme der Demokraten ab, zumal diese Klientel während der Rezession aufgrund der Pandemie noch stark an Vermögen zugelegt hat. Die Namen Jeff Bezos, Bill Gates, Mark Zuckerberg oder Elon Musk sind die Beispielgeber für viele Kampagnen, stehen sie doch für das unglaubliche Auseinanderdriften von Einkommen und Superreichtum. Das Vermögen des Amazongründers ist allein im Coronajahr 2020 um fast 80 Milliarden Dollar gestiegen, wegen seines Konzerns Amazon, der wegen der Trumpˋschen Steuerreform in den Jahren 2017 und 2018 sogar 130 Millionen Dollar an Steuerrückerstattungen vom amerikanischen Staat erhalten hat.

Die Reichen sollen nach dem Willen der Demokraten nach ihrem Sieg bei der US-Wahl wesentlich höhere Steuern bezahlen müssen – deshalb haben, dem Nachrichtendienst Bloomberg zufolge, Vermögensberater ihrer reichen Klientel bereits empfohlen, das Vermögen abzusichern. Zum Beispiel durch „geschicktes“ Vererben und Schenken.

Erbschaften werden in den USA über dem Freibetrag von 350.000 Dollar mit 40 Prozent besteuert. Außer man transferiert das Geld in Stiftungen oder nutzt das Instrument der Schenkung für die Nachkommen.

Donald Trumps Geschenk für Reiche

Im Zuge der Steuerreform 2017 wurde durch die Trump-Administration das Gesetz erlassen, dass bei Schenkungen bis zu 11,58 Millionen Dollar (Singles) oder 23,16 Millionen Dollar (Verheiratete) keine Steuern anfallen. Eine Regelung, für die es keine zeitliche Begrenzung gibt, das heißt man kann über viele Jahre diesen Freibetrag der Schenkung nutzen. Deshalb gibt es die Empfehlungen der Vermögensberater diese Regelung zu nutzen, bevor sich das Zeitfenster nach der US-Wahl im Falle eines Sieges von Biden schließt. Zitat auf Bloomberg: Use it or loose it!

Jedenfalls könnte eine Reihe von Belastungen auf Konzerne und Vermögende mit einem Einkommen über 400.000 Dollar pro Jahr zukommen. Moodyˋs Analytics kommt auf Belastungen von über vier Billionen Dollar, allerdings über den unrealistischen Zeitraum von zehn Jahren. Dazu die Kürzung der Freibeträge bei Erbschaften und Schenkungen auf das Jahr 2009, aus der Ära Obamas. Eine spannende Situation für viele Vermögende, die eigentlich nicht gewillt sind, sich von dem lieb gewonnenen Vermögen zu trennen.

Fazit

Auf den ersten Blick ist ein Sieg der Demokraten bei der US-Wahl ein großes Übel für die unglaublich große Anzahl an Superreichen in den USA. Auch High Net Worth Individuals (HNWI) genannt, eine besondere Klientel der Vermögenden mit einem Nettovermögen über 30 Millionen Dollar, für die die Finanzbranche sogar ein eigenes Akronym kreiert hat. Aber was wird von alledem umgesetzt werden können und vor allem wann? Noch ist die Pandemie nicht überwunden und dann gleich 2021 mit einer Reihe von Steuererhöhungen beginnen? Eher wird es 2022. Und dann beginnt bereits wieder die Phase der Midterm-Elections mit all den politischen Spielchen um Wahlkampfspenden und Lobbyarbeit.

Money makes the world go round“, heißt es schon seit Langem in den USA. Mal sehen, ob die Demokraten ihre Pläne nach der US-Wahl gegen die Widerstände in den Zirkeln der finanziellen Macht durchsetzen können. Aber vielleicht stellt sich die Frage nach dem 3. November gar nicht, who knows….?

Die Vermögenden fürchten nach der US-Wahl höhere Steuern



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3 Kommentare

  1. Da ist überhaupt nichts spannend. Die Demokraten werden von den Superreichen finanziert und der Schutz ihrer Vermögen sowie das Zuschanzen von Steuergeldern an Selbige ist die Standardübung der Demokraten. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

    Statt dessen werden sie den amerikansichen Mittelstand rassieren und endgültig in den Untergang treiben.

  2. Donald Trump wurde kürzlich Covid-negativ getestet. Was denkt jetzt der typische Trumpwähler und die Unentschlossenen?
    „Mein Präsident war im Krankenhaus schwer an Covid erkrankt und verließ es verfrüht gegen den Rat der Ärzte. Er hat gegen die Krankheit gekämpft, tapfer wie ein amerikanIscher Soldat in Vietnam oder Irak und das Virus besiegt. Noch erschöpft sprach er vom Balkon des Weißen Hauses zu mir und machte mir Mut, an das große Amerika zu glauben und versprach mir, für Recht und Ordnung zu sorgen und daß er sich um mich kümmern werde“.
    Wie blaß und schwächlich wirkt dagegen Biden, der das nicht durchgemacht hat, von dem man gar nicht weiß, ob er wirklich kämpfen kann, denkt der Wähler, vermute ich.
    Wie sollte Biden mit einem derart schwachen Charisma und schwacher psychologischer Wirkung auf den Wähler die Wahl gewinnen?
    Fakten, Argumente, Lüge oder Wahrheit, Betrug oder Ehrlichkeit, Moral oder Unmoral sind dem Volk egal, es zählt die Psychologie, die Suggestion.

  3. Ja und alle Arbeitslosen werden sagen, Trump hat die Wirtschaft gerettet weil der DOW Jones schon fast bei 30000 ist. Diejenigen ohne Krankenversicherungen werden sich auch erfreuen an dem Bild wo Trump mit sechs Ärzten posiert ,die ihn in 3 Tagen mit allen nur möglichen Medikamenten geheilt haben, während gerade die Abschaffung von Obamacare ein Thema ist.
    Trump wurde nur knapp gewählt und hat keine Chance mehr. Es gibt sogar Finanzleute die ihn nicht mehr für wählbar halten.Er kann doch froh sein, so kann er die Börsenkorrektur,die sowieso kommt ( gemässRoland frühestens 2050 bei DOW Jones 500 000 seinem Nachfolger anlasten. Er kann dann in Ruhe mit den grandiosen Hilfspaketen der Demokraten seine unrentablen Geschäfte sanieren.

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