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USA: Deshalb hat sich dieser „brutale“ Kapitalismus entwickelt

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

„Wir“ Europäer verabscheuen oft den aus unserer Sicht „brutalen“, „rücksichtslosen“ und „menschenverachtenden“ Turbokapitalismus in den USA. Aber kann es sein, dass unsere subjektive Sichtweise das Problem ist? Um zu verstehen, warum sich in den USA dieser „brutale“ Kapitalismus entwickelt hat, ist ein Blick in die Geschichte notwendig…

USA Börsenbulle nahe Wall Street New York City
Der Bulle symbolisiert steigende Aktienkurse – Statue nahe der Wall Street in New York City.
Foto: Arturo Di Modica; Foto von Andreas Horstmann/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Der Blick in die Geschichte ist entscheidend

Wer verstehen will, warum sich in den USA der Kapitalismus und das grundlegende Verständnis der breiten Masse der Bevölkerung hierzu völlig anders entwickelt hat als in Europa, muss einen Blick in die Geschichte werfen, und zwar lange zurück in den Zeitraum von 1600-1900. Es gibt einige hochinteressante Bücher, die genau diese Epoche beleuchten, und es ist mehr als empfehlenswert sich dort einzulesen. Ganz bewusst mache ich hier keine Buchempfehlung – da soll jeder selbst entscheiden, was er kauft oder nicht kauft – nur so viel: es lohnt sich eingehend mit dieser Epoche der USA zu beschäftigen, denn jenseits von Bürgerkrieg und Indianerausrottung gab es hochinteressante kaum in der breiten Öffentlichkeit bekannte Teilbereiche der US-Geschichte.

Die „Offensichtliche Bestimmung“ der USA

Streng gläubige Christen, die sich in vielen kleinen Bewegungen zusammenschlossen, merkten Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr, dass sie in einem Europa, dass sich zunehmend von der Religion entfernte, nach und nach zur Randgruppe wurden, um es mal so zu bezeichnen. Diverse Gruppen aus allen Teilen Europas (Oberbegriffe „Evangelikale„, „Calvinisten“, „Puritaner“) machten sich Richtung Amerika auf um dort ihre Religion frei ausleben zu können. In einem relativ (Indianer) menschenleeren Land fanden sich diese streng religiösen Gruppen auf einmal aus meinungsbildende Mehrheit wieder. Obwohl die Staatsgründer der USA Religion und Staat strikt trennten, wurden die streng religiösen Ansichten dieser Gruppen zur unausgesprochenen Staatsraison der USA, die bis heute anhält. Diese Staatsraison wurde im 19. Jahrhundert mit der Bezeichnung „Manifest Destiny“ ausgedrückt.

Manifest Destiny USA
Foto: John Gast / gemeinfrei

Was bedeutet das? Sinngemäß ins Deutsche übersetzt heißt es „Offensichtliche Bestimmung„. Journalisten und religiöse Anführer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten diese Doktrin, wonach es die offenkundige göttliche Bestimmung der USA und seiner europäischen Zuwanderer sei, den neuen Kontinent in Besitz zu nehmen, zu bewirtschaften, zu arbeiten, und sich die Tiere und wilde Ureinwohner Untertan zu machen. Bei genauer Betrachtung ist all dies auch in dem Bild von John Gast aus dem Jahr 1872 erkennbar, dass das Manifest Destiny in einem einzigen Bild ausdrücken soll. Die Göttin, die über allem schwebt ist „Columbia“ und stellt als Person die USA dar. Sie zivilisiert und unterwirft die wilden Ureinwohner und bringt mit dem Telegraphendraht den Fortschritt Richtung Westen, und dies alles in Gottes Auftrag. Nicht alle religiösen Einwanderergruppen teilten diese expansive „von Gott gesandte“ Politik. Gruppen wie die Amisch und Quäker kümmerten sich nur um sich selbst, und verweigerten z.B. im Bürgerkrieg und späteren Kriegen vollständig den Dienst an der Waffe. Dies war aber eine zahlenmäßig recht kleine Gruppe.

Gottes Werk

Dieses „Manifest Destiny“ floss in die Selbstdarstellung der neuen Nation USA ein und prägt die Menschen bis heute. Dies sieht man z.B. an der aggressiven und expansiven Herangehensweise in den Bereichen Wirtschaft und Politik. Man muss diese (aus unserer Sichtweise) aggressive Grundhaltung nicht teilen, man kann oder sollte sie sogar kritisieren. Aber sich grundlegend klarzuwerden, dass dies von Geburt an das Grundverständnis dieser Nation war, erleichtert den Blick und das Verständnis auf die amerikanische Herangehensweise in fast allen Themengebieten.

Lloyd C. Blankfein, langjähriger Chef von Goldman Sachs, sozusagen die personifizierte Inkarnation des Bösen für jeden Kapitalismus-Kritiker, sagte 2009 mitten in der Finanzkrise er „verrichte das Werk Gottes„. Es ging um kritische Fragen zu seinem Geschäftsgebaren. Mit „Gottes Werk“ meinte er sei zu verstehen, dass Goldman Sachs unter seiner Führung Firmen helfe an Geld zu kommen und zu wachsen.

Lloyd Blankfein Goldman Sachs USA
Lloyd C. Blankfein, Chef von Goldman Sachs
Foto: Paul Elledge Photography/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Wenn wir Europäer vom Chef von Goldman Sachs hören er verrichte „Gottes Werk“, lachen wir natürlich herzlich und regen uns darüber auf. Auch in den USA empört man sich über so eine Äußerung, aber deutlich weniger als bei uns. Und warum kommt gerade einem Amerikaner dieses Wortspiel über die Lippen? „Hart zu arbeiten“ und dadurch Gott zu gefallen – dieser tief verwurzelte Glaube aus der Gründerzeit der USA mündet in dieser Aussage, die natürlich in dem heutigen Zusammenhang (Finanzkrise) auch für viele Amerikaner mehr als unangemessen ist.

Durch „harte Arbeit“ Gott gefallen

Was man heute als religiöse Rechte in den USA bezeichnet (Überbegriff „Evangelikale“), waren in der Gründerzeit der USA die Puritaner. Sie glaubten fest an ein „von Gott auserwähltes Volk“, das parallel zur Heilsgeschichte auch in der weltlichen Geschichte dem Rest der Welt Vorbild sein solle. Dazu kam eine Überzeugung auf sich selbst gestellt und nur dem eigenen Gewissen gegenüber verantwortlich zu sein. „Calvin´s“ Interpretation der Bibel entnahmen die Puritaner, dass Arme und Reiche nebeneinander in der Schöpfungsordnung vorgesehen seien (Prädestination).

Erworbenen Wohlstand betrachtete man als „Zeichen der Güte Gottes“, der zu frommer Wohltätigkeit verpflichte. Aus dem Wunsch die Güte Gottes zu empfangen wurde die Grundmaxime der „harten Arbeit“ in den USA. Viel arbeiten, hart arbeiten, möglichst viel Geld verdienen, zu Wohlstand kommen, um so Gott zu gefallen.

Oft hört man von US-Präsidenten, Parlamentariern oder Promis in den USA den Ausspruch „hart arbeitende Amerikaner„. Bevor ich mich mit der Geschichte der USA vor dem 1. Weltkrieg eingehend beschäftigt habe, dachte ich immer „was meinen die immer alle mit „hart arbeitende Amerikaner“? Chinesen, Deutsche und Russen arbeiten ja auch hart ?! Aber dieser Ausspruch spiegelt das vorher beschriebene tief in der amerikanischen Gesellschaft verwurzelte Ideal wieder… „viel arbeiten, viel Geld machen ist grundlegend positiv und gottgefällig – arm zu sein das Gegenteil“.

Eine andere Art zu leben

Sollten wir Europäer, die wir doch alles besser wissen, nicht mal einen Schritt zurücktreten und nicht ständig alles kritisieren, was uns nicht passt? Wir erachten es als asozial, wenn Asiaten Hunde essen, genau so finden wir es menschenverachtend, wenn die Turbo-Kapitalisten in den USA mal eben so aus Gründen der Gewinnmaximierung zehntausende Arbeiter entlassen, nur weil die Quartalszahlen eines Konzerns nicht stimmen. Andersrum könnten aber Menschen in der dritten Welt uns als asozial empfinden, weil wir Deutschen unsere Hunde teilweise besser behandeln als unsere Mitmenschen. Reine Ansichtssache, oder? Die Amerikaner wählen alle vier Jahre ihre Regierung. Auch wenn das Wahlrecht in den USA es schwierig macht, aber wenn die Amerikaner die „ausbeuterischen“ Verhältnisse in ihrem Land nicht mehr ertragen könnten, hätte sich dort nicht längst eine linke Massenbewegung etabliert ähnlich wie die Linken oder Grünen bei uns, die in einzelnen Bundesstaaten den Gouverneur stellen oder sogar einen Senator nach Washington entsenden könnten? Passieren tut dies aber nicht, oder nur in sehr geringem Umfang. Nicht nur die Elite, sondern in der Tat die breite Masse der Bevölkerung hat ein ganz anderes Grundverständnis von Geld als „wir“ in Europa. Es ist ein Streben nach Erfolg und Wohlstand, das sich aus dem ehemals evangelikalen Streben ableitet von Gott gefallen zu wollen. Im Lauf von 200 Jahren, so scheint es zu sein, hat sich diese Auslegung von Frömmigkeit gegenüber Gott zu dem entwickelt, was wir heute als Turbokapitalismus in den USA bezeichnen.


11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Edna

    4. Juni 2015 11:29 at 11:29

    Es ist völlig hirnrissig die Brutalität des Kapitalismus in den USA mit dem Glauben zu begründen!
    Erzählen sie das bitte einem langjährigen Mitarbeiter, der kurzfristig gefeuert wird und seine Familie nicht mehr ernähren kann.

    Die USA sind heute eines der wohl multikulturellsten Länder der Welt – und säkularisiert, soweit ich weiß. Glauben hat also nichts in den Gesetzen zu suchen, die entscheiden wie Menschen miteinander umgehen möchten.

    Abgesehen davon geht das auch im christlichen Sinne gegen die Nächstenliebe.

    Dass die Menschen nicht darauf reagieren, hat mit der durch Medien gebildeten Meinung zu tun, dass jeder für sein Glück verantwortlich ist. Dass heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass man rücksichtslos handelt.

    Die USA arbeiten intensiv mit medialer Propaganda, die die öffentliche Meinung in ihre Richtung lenkt. Wie zum Beispiel im Falle der letzten Kriege der USA. Doku: https://www.youtube.com/watch?v=J_souEi9gaE&list=PLPb-dBJCkKiNmZPmWSDmKGt5ofP5ErC2T&index=9

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      joah

      4. Juni 2015 12:00 at 12:00

      Viele Dinge rühren aber aus dem „Glauben“ (Religionen) her, bishin zu den heutigen Rechtssystemen, welche natürlich dann außerhalb des Glaubens, jedoch auch immer wieder unter zu Hilfenahme derer wieder erweitert beziehungsweise verfeinert wurden. Glaube und Gesetz – damals als Gebote bezeichnet – gehören geschichtshistorisch eben sehr eng zusammen, auch wenn man es immer wieder gern getrennt sehen will.

      Sicherlich dient auch das zu harte Streben nach etwas in Ausprägung durch Exzesse (Manipulation, Betrug, Massenentlassung, Wahlbetrug, Kriege, Völkerrechtsbrüche, etc.) dieser Doktrin, jedoch anscheinend eher nicht mehr im ursprünglichen Sinne. Man könnte also behaupten, dass die Vernunftkomponente darin untergegangen ist.

      Was Propaganda und Manipulation angeht: das gab es schon seit hunderten Jahren – es gibt aber immer einen der sie ausführt, jedoch einen noch Schwachsinnigeren, der sie glaubt. Das ist das eigentliche Problem.

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      admin

      4. Juni 2015 13:41 at 13:41

      Hallo Edna, danke für den Kommentar. Ich bin auch nicht allwissend und höre mir gerne alles an!

      Wie ich im Artikel auch schrieb, haben ja schon die Gründerväter die Trennung von Staat und Kirche vorgesehen. Wie ich im weiteren Verlauf meines Artikels schrieb, hat sich nach meiner Ansicht dieser puritanische Grundgedanke nach und nach entwickelt zu dem, was wir heute als Turbokapitalismus bezeichnen. Das soll ja nicht bedeuten, dass die Amerikaner von heute genau so denken wie die vor 200 Jahren, sondern dass eine Grundidee von Generation zu Generation weitergegeben wurde, unausgesprochen, aber als inoffizielle Staatsraison,.

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        Ralle

        4. Juni 2015 19:41 at 19:41

        Hallo admin,

        ich denke, jegliche Begründung, durch Religion oder Glaube, für wirtschaftliche Ausbeutung, ist spätestens seit K. Marx obsolet und mindestens seit Kant oder Hegel hirnrissig und rückwärtsgewandt!
        Genau diese Lebensregeln haben Preußen in den Abgrund und Deutschland fast ins Jenseits gestoßen!
        Arbeit, Ordnung, Pünktlichkeit und unabdingbarer Fleiß – watt ´nen Schxxß!
        Das Ergebnis in VSA wird das gleiche wie 1945 in GoG sein! –> Zusammenbruch, historische Schuld, hysterische Aufschreie für jeden Vorwurf dieser – schlußendlich ein DEBAKEL!

        Überdenkt bitte, aus was diese „Nation“ erwachsen ist – aus „Pilgervätern“, „Prostituierten“ und verurteilten Kriminellen – die Passagiere der Mayflower!

        … und jetzt versuchen sie, auf verschiedenen Wegen – wieder einmal, die Menschheit zu beglücken – in dem sie diese in den Abgrund des „Strahlentodes“ schicken werden! vG Ralf

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          joah

          5. Juni 2015 00:44 at 00:44

          Es gibt einen fundamentalen Unterschied in der Bedeutung des Wortes „Begründung“ und „Grund“ – die Vermischung haben einzig und allein Sie betrieben, denn darin die Begründung zu sehen, ist eine deutlich weiterführende Interpretation (zu weit).

          Was Karl Marx angeht: erst lesen, dann in Zeit- sowie Wirtschaftskontext setzen und schlussendlich zu Gedanken führen. Zu viele Fehlinterpretationen werden auf diesem Gebiet begangen.

          Auch wenn derzeit diverse Kritizitäten heraufbeschwört versucht zu werden (in anderen Kommentaren meinerseits erwähnte Exzesse –> Ende eines Systems), so sind Ihrerseits weitere Anmerkungen eher als wirr zu bezeichnen – „nomen est omen“ anhand Ihres selbst gewählten Nicknames.

  2. Avatar

    joah

    4. Juni 2015 11:49 at 11:49

    Sehr guter Artikel, der mein Wissen wieder mal ein Stück erweitert und mir gleichfalls wieder ein paar „Rechercheaufträge“ erteilt hat. Danke dafür

    Eine kleine Anmerkung aus meiner Sicht:
    Die eigentliche Maxime (Streben nach Gottgefallen) hat sich die USA aber leider genau mit diesem Verhalten in vielen Bereichen der Bevölkerung schon sehr deutlich abgewandt und damit den ursprunglichen Gedanken schon sehr hart abgewandelt. Ist davon ausser dem Streben überhaupt noch die „Gott-Komponente“ enthalten? Dies äußert sich mMn nach gerade in diesen Entlassungsexzessen, wohingegen die Manager sich selbst zu deutlich in die eigene Tasche schaufeln, etc. pp.. Ich würde eher sagen, das sie ihren ureinstigen Leitfaden schon verloren haben.Leider.

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    Fabian Brändle

    4. Juni 2015 12:19 at 12:19

    Sehr geehrter Herr Kummerfeld

    Ein sehr guter, kompakter Artikel,. ich danke Ihnen sehr für diese „weberianische“ Sicht der Dinge!

    Darf ich Sie freundlich um einen Buchtipp bitten?

    mit besten Grüssen aus der Schweiz

    Fabian Brändle

    • Avatar

      admin

      4. Juni 2015 13:37 at 13:37

      Hallo Herr Brändle, danke danke!
      Auch wenn ich keinen Buchtipp geben wollte… weil sie so nett gefragt haben :-)

      „Die USA vor 1900“ von Willi Paul Adams

  4. Avatar

    zrt

    4. Juni 2015 13:34 at 13:34

    Ich musste öfter lachen, während ich das obige Märchen gelesen habe.

    Columbia, die heidnische Gottheit, die im besten Freimaurer-Manier die Erleuchtung bringt. Das hat mit Christen schon gar nichts zu tun, sondern mit unseren heutigen Technokraten, den ur-Enkeln der damaligen.

    Kapitalismus (= frei, echt) gab es in den USA schon seit Lincoln-Mord nicht mehr, da die Nation seither beinahe ununterbrochen unter Notstandsgesetzen regiert wird, von einer relativ kleinen Gruppe Oligarchen.

    Die Verfassung der USA und das ursprüngliche System waren und sind super, nur haben die dort schon lange keine funktionierende Justiz und werden quasi per Verordnung regiert. Mit Demokratie oder der ursprünglichen Republik hat das gar nichts mehr zu tun.

    Das gleiche wie überall eben, nur dass sie mit größeren Keulen spielen.

    • Avatar

      joah

      4. Juni 2015 23:05 at 23:05

      Das die Verfassung „außer Kraft“ gesetzt wurde (eigentlich nicht), liegt daran, das die Leute kein Rechtsverständnis haben (wollen). Es ist den Leuten eben sehr schwer zu erklären, das ein Unterschied zwischen den „United States of America“ (= Staatenverbund, Gebietsentität) und den „UNITED STATES OF AMERICA“ (= Institution, juristische Person) besteht – ähnliches, abgewandeltes Spiel in unseren Landen. Die Verfassung gilt und ist gültig, da sich alle jedoch rechtlich in der Institution befinden, darin nicht. Deswegen gelten Firmenstatute und dort gilt: „top-down“ + „Schnauze halten, sonst Problem!“. Wer es verstanden hat, kann den Weg nach draußen finden und sich nur noch „Schnittstellen“ ins System verschaffen – ansonsten unabhängig sein.

      Wenn Sie den Rest als Notstandsgesetze ansehen, dann schauen Sie doch in unsere Regulatorien – kurzum: hier in Deutschland/BRD sieht es noch katastrophaler aus, oder glauben Sie, das die BRD eine Verfassung hätte?

  5. Avatar

    khaproperty

    4. Juni 2015 19:06 at 19:06

    Es gibt keine Brutalität im kapitalistischen System, denn ihm ist jede menschliche Regung fremd, was seine Stärke ausmacht, weil damit – jedenfalls ohne die unegale Einmischung gefühliger Menschen mitsamt ihrer überaus schädlichen sogenannten Moral – Verläßlichkeit verbunden ist, die ebendieses System erst zuverlässig funktionieren ließe, es zum brauchbaren Instrument zum Nutzen der Menschen werden läßt.

    Alles weitere zu diesem Thema ist weitgehend dem Mystizismus von Gefühl, Meinung und Entrüstung zuzuordnen – und daher kaum sachlich erörterungsfähig.

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Weniger Konsum: So deutlich ändert sich das Verhalten bei Gering- und Normalverdienern

Claudio Kummerfeld

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Brieftasche wird zusammengepresst

Grundsätzlich ist es kein Geheimnis. Durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste geht der Konsum bei vielen Menschen in der Coronakrise deutlich zurück. Und je weniger Konsum, desto schlechter geht es den Betrieben, die Konsumprodukte zur Verfügung stellen. Schaut man dieser Tage auf zahlreiche Aussagen von Politik und Ökonomen, dann läuft die Konjunkturerholung derzeit auf Hochtouren, und wir haben die Lücke zur Vor-Corona-Zeit fast schon wieder geschlossen. Aber wer sich die Innenstädte, Restaurants, Einzelhandel, Reisebüros, Fluggesellschaften uvm anschaut, kann an so eine glatte, wunderschöne Erholung nicht so recht glauben. Ganz abgesehen von dem Heer der Solo-Selbständigen, die quasi unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in ein Desaster schlittern, und direkt bei Hartz4 landen, ohne Sonderhilfen.

Der Anbieter Creditreform (Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Lösungen zum Forderungsmanagement) hat heute eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, die sich vor allem dem Konsum der Gering- und Normalverdiener in der Coronakrise widmet. Ende August mussten demnach hochgerechnet rund 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland auf einen Teil ihres Haushaltseinkommens verzichten. Auffällig sei, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betreffe, die ein dünneres Finanzpolster hätten als Gutverdiener. So fehlten laut der Umfrage rund drei Viertel der Befragten bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens.

Verhalten beim Konsum geändert

So haben die Menschen lauf Creditreform ihr Verhalten beim Konsum bereits geändert. So gaben 55 Prozent der Befragten Ende August an, krisenbedingt weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung auszugeben. Das entspricht rund 22,7 Millionen Haushalten. Fast jeder Dritte sei sich unsicher, ob das Geld in den kommenden zwölf Monaten reicht, um alle finanziellen Verpflichtungen wie Miete und Nebenkosten, Kredite oder Versicherungsbeiträge bezahlen zu können. Gut jeder Zehnte gab sogar an, die Ratenzahlungen für Konsum-, Immobilien- oder Kfz-Kredite gestundet zu haben.

In Notzeiten schauen die Menschen laut aktueller Aussage von Creditreform strenger auf ihr Geld und verzichten eher auf unnötigen Konsum. Die Menschen würden den Rotstift demnach zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Bei Medikamenten, der Altersvorsorge oder ihren Haustieren seien sie hingegen kaum zu Abstrichen bereit. Diese Ausgabenvorsicht helfe derzeit noch, die finanzielle Situation der Haushalte zu stabilisieren. Aber sollten die Menschen langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, rechne man mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher. Besonders brisant würden die kommenden Wochen, da die von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen im Oktober wieder aufgehoben sei. Die Folge wären nicht nur steigende Insolvenzzahlen bei den Unternehmen, sondern auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, so Creditreform.

Grafik zeigt Gründe für sinkende Einkommen

Grafik zeigt wo Verbraucher beim Konsum sparen

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Gewerbeumsatz im August rückläufig – warum es tatsächlich aber ein Anstieg ist

Claudio Kummerfeld

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Sprühender Funken bei Industrieproduktion

Den Gewerbeumsatz prognostizieren die Statistiker vom Statistischen Bundesamt aus den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen. Daher können sie heute für den Monat August vorläufig sagen, dass der Umsatz in der gewerblichen Wirtschaft (gemeint sind die Bereiche Industrie, Bau sowie Handel und Dienstleistungen) im Vergleich zu Juli um 1,3 Prozent gesunken ist. Der Wert für August liegt vor Revision um 4,7 Prozent niedriger als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland. Diesen Abwärtshaken beim Aufschwung erkennt man auch im Chart am Ende des Artikels, der den Indexverlauf seit Anfang 2015 anzeigt.

Dieser aktuelle Rückgang kann aber täuschen. Man achte zum Beispiel auf die aktuellen Worte von Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank. Die deutschen Unternehmen hätten zwar im August 1,3% weniger umgesetzt als im Juli gemacht. Aber der ohnehin starke Juli-Umsatz sei nach oben revidiert worden. Juli und August zusammen liegen jetzt 9,2 Prozent über dem 2. Quartal, und beim BIP zeichne sich ein starkes Plus von 9 Prozent ab, so seine Worte.

Und siehe da, schauen wir uns doch mal den Juli-Indexwert in der heute veröffentlichten Grafik der staatlichen Statistiker an. Er liegt bei 128,0 Indexpunkten. Schaut man auf die Original-Veröffentlichung der Statistiker für Juli vom 27. August, dann sieht man hier einen Juli-Indexwert von nur 125,9. Also, in der Tat. Der Juli-Wert wurde heute von 125,9 auf 128 kräftig nach oben revidiert. Von daher ist der heutige Rückfall auf 126,3 im August immer noch höher als in der Erst-Veröffentlichung für Juli aus dem Vormonat. Geht man also nach den jeweiligen Erstschätzungen, dann klettert der Gewerbeumsatz von Juli auf August weiter an.

Rückläufig ist der heutige August-Wert nur, weil man einen aktuellen Schätzwert in Relation zu einer revidierten Zahl setzt. Sinn macht es aber nur, wenn man entweder zwei Schätzwerte oder zwei revidierte Werte miteinander vergleicht. Man darf vermuten, dass der August-Wert, welcher Ende Oktober veröffentlicht wird, nach oben revidiert wird. Denn die Statistiker erwähnen heute auch, dass sich die Werte aufgrund von Nachmeldungen durch Revision noch erhöhen können. Der Anstieg im Gewerbeumsatz in Deutschland geht also vermutlich weiter, ohne unterbrechenden Abwärtshaken.

Chart zeigt Verlauf im Gewerbeumsatz seit 2015

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Meine Absage an Panikmache und Alarmismus – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Zentralbanken fluten derzeit wieder den Markt mit frischem Geld. Zunächst senkte die US-Fed den Leitzins im März praktisch auf Null (0-0,25 %). Die US-Regierung erprobte daneben gleich einmal eine Art Helicopter-Geld und unterstützte Arbeitslose mit 600 USD pro Monat.

Dann feuerte die EZB in den Markt und stockte im Rahmen des sog. PEPP-Programms (Pandemic Emergency Purchase Programme) die turnusmäßigen Anleihenkäufe um 600 Milliarden Euro auf. Derweil wurde die PEPP-Maßnahme nochmals erweitert. Nunmehr lassen die Währungshüter um Christine Lagarde bis Juni 2021 insgesamt 1,35 Billionen Euro rollen, um die angeschlagene Konjunktur zu stabilisieren.

Nie zuvor haben Notenbanken und nationale Regierungen derartige Summen mobilisiert in solch kurzer Zeit in den Markt gegeben. Im Vergleich dazu mutet die Geldpolitik der vergangenen Jahre geradezu konservativ und zurückhaltend an.

Vor diesem Hintergrund mehren sich die Stimmen, die nicht nur steigende Inflation prognostizieren, sondern zumindest für den Euro wieder die Existenzfrage aufwerfen. Die Sorgen vieler Marktteilnehmer spiegeln sich eindrücklich unter anderem in steigenden Preisen für Gold und Silber. In dieser Situation sucht man Substanz, und einer Papierwährung trauen diese Substanz üblicherweise nicht zu. Nichts als bedrucktes Papier, so der verbreitete Tenor.

Aber schauen wir uns die Fakten an. Ist es im digitalen Zeitalter überhaupt noch zulässig von einer Papierwährung zu sprechen? Tatsächlich laufen gegenwärtig in der Euro-Zone Geldscheine und Münzen im Wert von rund 1,4 Billionen Euro um. Das entspricht also grob der Bewertung der Apple-Aktie vor vier Wochen. Heute hat Papiergeld streng genommen kaum noch eine wirtschaftliche Funktion außerhalb des Dienstleistungssektors bzw. des Einzelhandels. Papiergeld brauchen wir um Semmeln beim Bäcker zu holen und um ein Eis auf die Hand beim Stadtbummel zu kaufen.

Alle modernen Währungen sind heute elektronisch. Die wahren Geldmassen lagern heutzutage auf Konten, in Depots oder sind in Immobilien gebunden. So wiegt etwa der private Immobilienmarkt allein in Deutschland rund 5 Billionen Euro. Der DAX, also nur die 30 größten Unternehmen hierzulande, wiegen derzeit rund 1 Billion Euro. Noch ein Beispiel: Der französische Leitindex CAC 40 ist noch schwerer. Seine Unternehmen sind gegenwärtig rund 1,5 Billionen Euro schwer.

Möglicherweise sind diese Marktwerte aufgebläht. Diese Aussage ist zulässig. Die Aussage, dass eine moderne Währung ungedeckt von Sachwerten wäre, hingegen ist Humbug. Ich halte ganz generell die Sorgen um den Kollaps des Euro bzw. einer anderen westlichen Währung für übertrieben. Die Sorge, dass eine…..

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