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USA: Deshalb hat sich dieser „brutale“ Kapitalismus entwickelt

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

„Wir“ Europäer verabscheuen oft den aus unserer Sicht „brutalen“, „rücksichtslosen“ und „menschenverachtenden“ Turbokapitalismus in den USA. Aber kann es sein, dass unsere subjektive Sichtweise das Problem ist? Um zu verstehen, warum sich in den USA dieser „brutale“ Kapitalismus entwickelt hat, ist ein Blick in die Geschichte notwendig…

USA Börsenbulle nahe Wall Street New York City
Der Bulle symbolisiert steigende Aktienkurse – Statue nahe der Wall Street in New York City.
Foto: Arturo Di Modica; Foto von Andreas Horstmann/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Der Blick in die Geschichte ist entscheidend

Wer verstehen will, warum sich in den USA der Kapitalismus und das grundlegende Verständnis der breiten Masse der Bevölkerung hierzu völlig anders entwickelt hat als in Europa, muss einen Blick in die Geschichte werfen, und zwar lange zurück in den Zeitraum von 1600-1900. Es gibt einige hochinteressante Bücher, die genau diese Epoche beleuchten, und es ist mehr als empfehlenswert sich dort einzulesen. Ganz bewusst mache ich hier keine Buchempfehlung – da soll jeder selbst entscheiden, was er kauft oder nicht kauft – nur so viel: es lohnt sich eingehend mit dieser Epoche der USA zu beschäftigen, denn jenseits von Bürgerkrieg und Indianerausrottung gab es hochinteressante kaum in der breiten Öffentlichkeit bekannte Teilbereiche der US-Geschichte.

Die „Offensichtliche Bestimmung“ der USA

Streng gläubige Christen, die sich in vielen kleinen Bewegungen zusammenschlossen, merkten Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr, dass sie in einem Europa, dass sich zunehmend von der Religion entfernte, nach und nach zur Randgruppe wurden, um es mal so zu bezeichnen. Diverse Gruppen aus allen Teilen Europas (Oberbegriffe „Evangelikale„, „Calvinisten“, „Puritaner“) machten sich Richtung Amerika auf um dort ihre Religion frei ausleben zu können. In einem relativ (Indianer) menschenleeren Land fanden sich diese streng religiösen Gruppen auf einmal aus meinungsbildende Mehrheit wieder. Obwohl die Staatsgründer der USA Religion und Staat strikt trennten, wurden die streng religiösen Ansichten dieser Gruppen zur unausgesprochenen Staatsraison der USA, die bis heute anhält. Diese Staatsraison wurde im 19. Jahrhundert mit der Bezeichnung „Manifest Destiny“ ausgedrückt.

Manifest Destiny USA
Foto: John Gast / gemeinfrei

Was bedeutet das? Sinngemäß ins Deutsche übersetzt heißt es „Offensichtliche Bestimmung„. Journalisten und religiöse Anführer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten diese Doktrin, wonach es die offenkundige göttliche Bestimmung der USA und seiner europäischen Zuwanderer sei, den neuen Kontinent in Besitz zu nehmen, zu bewirtschaften, zu arbeiten, und sich die Tiere und wilde Ureinwohner Untertan zu machen. Bei genauer Betrachtung ist all dies auch in dem Bild von John Gast aus dem Jahr 1872 erkennbar, dass das Manifest Destiny in einem einzigen Bild ausdrücken soll. Die Göttin, die über allem schwebt ist „Columbia“ und stellt als Person die USA dar. Sie zivilisiert und unterwirft die wilden Ureinwohner und bringt mit dem Telegraphendraht den Fortschritt Richtung Westen, und dies alles in Gottes Auftrag. Nicht alle religiösen Einwanderergruppen teilten diese expansive „von Gott gesandte“ Politik. Gruppen wie die Amisch und Quäker kümmerten sich nur um sich selbst, und verweigerten z.B. im Bürgerkrieg und späteren Kriegen vollständig den Dienst an der Waffe. Dies war aber eine zahlenmäßig recht kleine Gruppe.

Gottes Werk

Dieses „Manifest Destiny“ floss in die Selbstdarstellung der neuen Nation USA ein und prägt die Menschen bis heute. Dies sieht man z.B. an der aggressiven und expansiven Herangehensweise in den Bereichen Wirtschaft und Politik. Man muss diese (aus unserer Sichtweise) aggressive Grundhaltung nicht teilen, man kann oder sollte sie sogar kritisieren. Aber sich grundlegend klarzuwerden, dass dies von Geburt an das Grundverständnis dieser Nation war, erleichtert den Blick und das Verständnis auf die amerikanische Herangehensweise in fast allen Themengebieten.

Lloyd C. Blankfein, langjähriger Chef von Goldman Sachs, sozusagen die personifizierte Inkarnation des Bösen für jeden Kapitalismus-Kritiker, sagte 2009 mitten in der Finanzkrise er „verrichte das Werk Gottes„. Es ging um kritische Fragen zu seinem Geschäftsgebaren. Mit „Gottes Werk“ meinte er sei zu verstehen, dass Goldman Sachs unter seiner Führung Firmen helfe an Geld zu kommen und zu wachsen.

Lloyd Blankfein Goldman Sachs USA
Lloyd C. Blankfein, Chef von Goldman Sachs
Foto: Paul Elledge Photography/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Wenn wir Europäer vom Chef von Goldman Sachs hören er verrichte „Gottes Werk“, lachen wir natürlich herzlich und regen uns darüber auf. Auch in den USA empört man sich über so eine Äußerung, aber deutlich weniger als bei uns. Und warum kommt gerade einem Amerikaner dieses Wortspiel über die Lippen? „Hart zu arbeiten“ und dadurch Gott zu gefallen – dieser tief verwurzelte Glaube aus der Gründerzeit der USA mündet in dieser Aussage, die natürlich in dem heutigen Zusammenhang (Finanzkrise) auch für viele Amerikaner mehr als unangemessen ist.

Durch „harte Arbeit“ Gott gefallen

Was man heute als religiöse Rechte in den USA bezeichnet (Überbegriff „Evangelikale“), waren in der Gründerzeit der USA die Puritaner. Sie glaubten fest an ein „von Gott auserwähltes Volk“, das parallel zur Heilsgeschichte auch in der weltlichen Geschichte dem Rest der Welt Vorbild sein solle. Dazu kam eine Überzeugung auf sich selbst gestellt und nur dem eigenen Gewissen gegenüber verantwortlich zu sein. „Calvin´s“ Interpretation der Bibel entnahmen die Puritaner, dass Arme und Reiche nebeneinander in der Schöpfungsordnung vorgesehen seien (Prädestination).

Erworbenen Wohlstand betrachtete man als „Zeichen der Güte Gottes“, der zu frommer Wohltätigkeit verpflichte. Aus dem Wunsch die Güte Gottes zu empfangen wurde die Grundmaxime der „harten Arbeit“ in den USA. Viel arbeiten, hart arbeiten, möglichst viel Geld verdienen, zu Wohlstand kommen, um so Gott zu gefallen.

Oft hört man von US-Präsidenten, Parlamentariern oder Promis in den USA den Ausspruch „hart arbeitende Amerikaner„. Bevor ich mich mit der Geschichte der USA vor dem 1. Weltkrieg eingehend beschäftigt habe, dachte ich immer „was meinen die immer alle mit „hart arbeitende Amerikaner“? Chinesen, Deutsche und Russen arbeiten ja auch hart ?! Aber dieser Ausspruch spiegelt das vorher beschriebene tief in der amerikanischen Gesellschaft verwurzelte Ideal wieder… „viel arbeiten, viel Geld machen ist grundlegend positiv und gottgefällig – arm zu sein das Gegenteil“.

Eine andere Art zu leben

Sollten wir Europäer, die wir doch alles besser wissen, nicht mal einen Schritt zurücktreten und nicht ständig alles kritisieren, was uns nicht passt? Wir erachten es als asozial, wenn Asiaten Hunde essen, genau so finden wir es menschenverachtend, wenn die Turbo-Kapitalisten in den USA mal eben so aus Gründen der Gewinnmaximierung zehntausende Arbeiter entlassen, nur weil die Quartalszahlen eines Konzerns nicht stimmen. Andersrum könnten aber Menschen in der dritten Welt uns als asozial empfinden, weil wir Deutschen unsere Hunde teilweise besser behandeln als unsere Mitmenschen. Reine Ansichtssache, oder? Die Amerikaner wählen alle vier Jahre ihre Regierung. Auch wenn das Wahlrecht in den USA es schwierig macht, aber wenn die Amerikaner die „ausbeuterischen“ Verhältnisse in ihrem Land nicht mehr ertragen könnten, hätte sich dort nicht längst eine linke Massenbewegung etabliert ähnlich wie die Linken oder Grünen bei uns, die in einzelnen Bundesstaaten den Gouverneur stellen oder sogar einen Senator nach Washington entsenden könnten? Passieren tut dies aber nicht, oder nur in sehr geringem Umfang. Nicht nur die Elite, sondern in der Tat die breite Masse der Bevölkerung hat ein ganz anderes Grundverständnis von Geld als „wir“ in Europa. Es ist ein Streben nach Erfolg und Wohlstand, das sich aus dem ehemals evangelikalen Streben ableitet von Gott gefallen zu wollen. Im Lauf von 200 Jahren, so scheint es zu sein, hat sich diese Auslegung von Frömmigkeit gegenüber Gott zu dem entwickelt, was wir heute als Turbokapitalismus in den USA bezeichnen.


11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Edna

    4. Juni 2015 11:29 at 11:29

    Es ist völlig hirnrissig die Brutalität des Kapitalismus in den USA mit dem Glauben zu begründen!
    Erzählen sie das bitte einem langjährigen Mitarbeiter, der kurzfristig gefeuert wird und seine Familie nicht mehr ernähren kann.

    Die USA sind heute eines der wohl multikulturellsten Länder der Welt – und säkularisiert, soweit ich weiß. Glauben hat also nichts in den Gesetzen zu suchen, die entscheiden wie Menschen miteinander umgehen möchten.

    Abgesehen davon geht das auch im christlichen Sinne gegen die Nächstenliebe.

    Dass die Menschen nicht darauf reagieren, hat mit der durch Medien gebildeten Meinung zu tun, dass jeder für sein Glück verantwortlich ist. Dass heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass man rücksichtslos handelt.

    Die USA arbeiten intensiv mit medialer Propaganda, die die öffentliche Meinung in ihre Richtung lenkt. Wie zum Beispiel im Falle der letzten Kriege der USA. Doku: https://www.youtube.com/watch?v=J_souEi9gaE&list=PLPb-dBJCkKiNmZPmWSDmKGt5ofP5ErC2T&index=9

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      joah

      4. Juni 2015 12:00 at 12:00

      Viele Dinge rühren aber aus dem „Glauben“ (Religionen) her, bishin zu den heutigen Rechtssystemen, welche natürlich dann außerhalb des Glaubens, jedoch auch immer wieder unter zu Hilfenahme derer wieder erweitert beziehungsweise verfeinert wurden. Glaube und Gesetz – damals als Gebote bezeichnet – gehören geschichtshistorisch eben sehr eng zusammen, auch wenn man es immer wieder gern getrennt sehen will.

      Sicherlich dient auch das zu harte Streben nach etwas in Ausprägung durch Exzesse (Manipulation, Betrug, Massenentlassung, Wahlbetrug, Kriege, Völkerrechtsbrüche, etc.) dieser Doktrin, jedoch anscheinend eher nicht mehr im ursprünglichen Sinne. Man könnte also behaupten, dass die Vernunftkomponente darin untergegangen ist.

      Was Propaganda und Manipulation angeht: das gab es schon seit hunderten Jahren – es gibt aber immer einen der sie ausführt, jedoch einen noch Schwachsinnigeren, der sie glaubt. Das ist das eigentliche Problem.

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      admin

      4. Juni 2015 13:41 at 13:41

      Hallo Edna, danke für den Kommentar. Ich bin auch nicht allwissend und höre mir gerne alles an!

      Wie ich im Artikel auch schrieb, haben ja schon die Gründerväter die Trennung von Staat und Kirche vorgesehen. Wie ich im weiteren Verlauf meines Artikels schrieb, hat sich nach meiner Ansicht dieser puritanische Grundgedanke nach und nach entwickelt zu dem, was wir heute als Turbokapitalismus bezeichnen. Das soll ja nicht bedeuten, dass die Amerikaner von heute genau so denken wie die vor 200 Jahren, sondern dass eine Grundidee von Generation zu Generation weitergegeben wurde, unausgesprochen, aber als inoffizielle Staatsraison,.

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        Ralle

        4. Juni 2015 19:41 at 19:41

        Hallo admin,

        ich denke, jegliche Begründung, durch Religion oder Glaube, für wirtschaftliche Ausbeutung, ist spätestens seit K. Marx obsolet und mindestens seit Kant oder Hegel hirnrissig und rückwärtsgewandt!
        Genau diese Lebensregeln haben Preußen in den Abgrund und Deutschland fast ins Jenseits gestoßen!
        Arbeit, Ordnung, Pünktlichkeit und unabdingbarer Fleiß – watt ´nen Schxxß!
        Das Ergebnis in VSA wird das gleiche wie 1945 in GoG sein! –> Zusammenbruch, historische Schuld, hysterische Aufschreie für jeden Vorwurf dieser – schlußendlich ein DEBAKEL!

        Überdenkt bitte, aus was diese „Nation“ erwachsen ist – aus „Pilgervätern“, „Prostituierten“ und verurteilten Kriminellen – die Passagiere der Mayflower!

        … und jetzt versuchen sie, auf verschiedenen Wegen – wieder einmal, die Menschheit zu beglücken – in dem sie diese in den Abgrund des „Strahlentodes“ schicken werden! vG Ralf

        • Avatar

          joah

          5. Juni 2015 00:44 at 00:44

          Es gibt einen fundamentalen Unterschied in der Bedeutung des Wortes „Begründung“ und „Grund“ – die Vermischung haben einzig und allein Sie betrieben, denn darin die Begründung zu sehen, ist eine deutlich weiterführende Interpretation (zu weit).

          Was Karl Marx angeht: erst lesen, dann in Zeit- sowie Wirtschaftskontext setzen und schlussendlich zu Gedanken führen. Zu viele Fehlinterpretationen werden auf diesem Gebiet begangen.

          Auch wenn derzeit diverse Kritizitäten heraufbeschwört versucht zu werden (in anderen Kommentaren meinerseits erwähnte Exzesse –> Ende eines Systems), so sind Ihrerseits weitere Anmerkungen eher als wirr zu bezeichnen – „nomen est omen“ anhand Ihres selbst gewählten Nicknames.

  2. Avatar

    joah

    4. Juni 2015 11:49 at 11:49

    Sehr guter Artikel, der mein Wissen wieder mal ein Stück erweitert und mir gleichfalls wieder ein paar „Rechercheaufträge“ erteilt hat. Danke dafür

    Eine kleine Anmerkung aus meiner Sicht:
    Die eigentliche Maxime (Streben nach Gottgefallen) hat sich die USA aber leider genau mit diesem Verhalten in vielen Bereichen der Bevölkerung schon sehr deutlich abgewandt und damit den ursprunglichen Gedanken schon sehr hart abgewandelt. Ist davon ausser dem Streben überhaupt noch die „Gott-Komponente“ enthalten? Dies äußert sich mMn nach gerade in diesen Entlassungsexzessen, wohingegen die Manager sich selbst zu deutlich in die eigene Tasche schaufeln, etc. pp.. Ich würde eher sagen, das sie ihren ureinstigen Leitfaden schon verloren haben.Leider.

  3. Avatar

    Fabian Brändle

    4. Juni 2015 12:19 at 12:19

    Sehr geehrter Herr Kummerfeld

    Ein sehr guter, kompakter Artikel,. ich danke Ihnen sehr für diese „weberianische“ Sicht der Dinge!

    Darf ich Sie freundlich um einen Buchtipp bitten?

    mit besten Grüssen aus der Schweiz

    Fabian Brändle

    • Avatar

      admin

      4. Juni 2015 13:37 at 13:37

      Hallo Herr Brändle, danke danke!
      Auch wenn ich keinen Buchtipp geben wollte… weil sie so nett gefragt haben :-)

      „Die USA vor 1900“ von Willi Paul Adams

  4. Avatar

    zrt

    4. Juni 2015 13:34 at 13:34

    Ich musste öfter lachen, während ich das obige Märchen gelesen habe.

    Columbia, die heidnische Gottheit, die im besten Freimaurer-Manier die Erleuchtung bringt. Das hat mit Christen schon gar nichts zu tun, sondern mit unseren heutigen Technokraten, den ur-Enkeln der damaligen.

    Kapitalismus (= frei, echt) gab es in den USA schon seit Lincoln-Mord nicht mehr, da die Nation seither beinahe ununterbrochen unter Notstandsgesetzen regiert wird, von einer relativ kleinen Gruppe Oligarchen.

    Die Verfassung der USA und das ursprüngliche System waren und sind super, nur haben die dort schon lange keine funktionierende Justiz und werden quasi per Verordnung regiert. Mit Demokratie oder der ursprünglichen Republik hat das gar nichts mehr zu tun.

    Das gleiche wie überall eben, nur dass sie mit größeren Keulen spielen.

    • Avatar

      joah

      4. Juni 2015 23:05 at 23:05

      Das die Verfassung „außer Kraft“ gesetzt wurde (eigentlich nicht), liegt daran, das die Leute kein Rechtsverständnis haben (wollen). Es ist den Leuten eben sehr schwer zu erklären, das ein Unterschied zwischen den „United States of America“ (= Staatenverbund, Gebietsentität) und den „UNITED STATES OF AMERICA“ (= Institution, juristische Person) besteht – ähnliches, abgewandeltes Spiel in unseren Landen. Die Verfassung gilt und ist gültig, da sich alle jedoch rechtlich in der Institution befinden, darin nicht. Deswegen gelten Firmenstatute und dort gilt: „top-down“ + „Schnauze halten, sonst Problem!“. Wer es verstanden hat, kann den Weg nach draußen finden und sich nur noch „Schnittstellen“ ins System verschaffen – ansonsten unabhängig sein.

      Wenn Sie den Rest als Notstandsgesetze ansehen, dann schauen Sie doch in unsere Regulatorien – kurzum: hier in Deutschland/BRD sieht es noch katastrophaler aus, oder glauben Sie, das die BRD eine Verfassung hätte?

  5. Avatar

    khaproperty

    4. Juni 2015 19:06 at 19:06

    Es gibt keine Brutalität im kapitalistischen System, denn ihm ist jede menschliche Regung fremd, was seine Stärke ausmacht, weil damit – jedenfalls ohne die unegale Einmischung gefühliger Menschen mitsamt ihrer überaus schädlichen sogenannten Moral – Verläßlichkeit verbunden ist, die ebendieses System erst zuverlässig funktionieren ließe, es zum brauchbaren Instrument zum Nutzen der Menschen werden läßt.

    Alles weitere zu diesem Thema ist weitgehend dem Mystizismus von Gefühl, Meinung und Entrüstung zuzuordnen – und daher kaum sachlich erörterungsfähig.

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Aussicht für deutsche Exporte verfinstern sich spürbar

Claudio Kummerfeld

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Über den Hamburger Hafen laufen viele Exporte Richtung Übersee

Die Stimmung der deutschen Industrie für ihre Exporte in den nächsten Monaten verfinstert sich gerade spürbar. Denn laut aktueller Veröffentlichung des ifo-Instituts hat sich die Stimmung unter den deutschen Exporteuren merklich verschlechtert. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im November von plus 7,0 auf minus 2,1 Punkte gefallen. Der Chart zeigt nach der Erholung aus dem „Corona-Tal“ den Absturz bei den Erwartungen an die Exporte. Erstmals seit Juni ist der Erwartungsindex wieder negativ.

Insbesondere die Heftigkeit der zweiten Corona-Welle in vielen europäischen Ländern belastet laut ifo-Institut die Exporte. Einen deutlichen Dämpfer beim künftigen Auslandsgeschäft musste die Automobilbranche verkraften. Der Optimismus der vergangenen Monate ist verflogen. Mit deutlichen Rückgängen beim Export rechnet die Nahrungsmittelindustrie. Der Maschinenbau geht eher von einer konstanten Entwicklung bei den Exportumsätzen aus. Gleiches gilt für die Metallbranche. Weitere Zuwächse erwarten hingegen die Chemische Industrie und die Elektrobranche.

Der Chart vom ifo-Institut zeigt Erwartungen für die deutschen Exporte

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EZB warnt wieder vor Risiken, die sie selbst geschaffen hat!

Markus Fugmann

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am

In ihrem heute veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht warnt die EZB wieder einmal vor Risiken und dem Platzen einer Blase, die sie letztlich selbst geschaffen hat!

Die EZB zur permanenten Intervention verdammt

So beklagt Europas Notenbank etwa die „Konzentration von Risiken“ in einigen Bereichen – und man sollte doch die Frage stellen, warum es diese Konzentration von Risiken wohl gibt! Die Antwort ist fast schon unterkomplex: wegen der finanziellen Repression, die durch die EZB ausgeübt wird. Wie ließe sich etwa sonst erklären, dass griechische Staatsanleihen mit Laufzeit bis vier Jahren negative Renditen aufweisen  – Anleger also bereits sind, einem de facto bankrotten Staat für den Kauf von Schuldpapieren sogar noch Geld zu bezahlen?

Dazu kommt: die Notenbank beklagt die schwache Profitabilität der Banken der Eurozone,  die ja eben aufgrund der Zinspolitik der EZB mit Negativzinsen schlicht kaum profitabel arbeiten können.

Mit anderen Worten: die EZB betreibt eine massive Manipulation nicht nur der Märkte für Staatsanleihen, sondern zerstört im Grunde die Existenzgrundlage europäischer Banken, die nicht zufällig deutlich schlechter dastehen als die amerikanische Konkurrenz. So entsteht eine Situation, die immer neue Eingriffe verlangt, um die weitgehend selbst verursachten Schieflagen zu korrigieren. Wer die Büchse der Pandora öffent, sollte sich eben nicht wundern, dass ungeahnte Konsequenzen entstehen. Die EZB hat den Limes überschritten – und ist damit zur permanenten Manipulation verdammt, weil die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaft, aber die Illusion des ewigen Wohlstands aufrecht erhalten weredn muß! Die Notenbank ist gewissermaßen die Kraft, die stets das Gute will – und das Böse schafft.

Nun hat die Coronakrise letztlich auch die Staaten gezwungen, immer stärker in die Wirtschaft einzugreifen und zu retten. Ein Risiko sieht die europäische Notenbank nun darin, dass diese eigentlich als einmalige Maßnahme gedachten Eingriffe zu früh enden könnten. Die Coronakrise scheint sich als „door opener“ für den staatlich gelenkten Kapitalismus zu erweisen, der Weg zu MMT ist wohl endgültig geebnet!

Für Schmerzbefreite hier die Kurzfassung des Berichts der EZB zur Finanzstabilität im Wortlaut:

 

  • Dispersed economic and financial market impact on countries and sectors could lead to concentration of risks in some areas
  • Policy measures have addressed liquidity challenges but risks can arise from premature or delayed withdrawal of fiscal support
  • Bank profitability prospects remain weak with losses potentially materialising with a lag relative to the recover

Vulnerabilities in the corporate sector are increasing as the pandemic evolves and their unearthing could test the resilience of euro area banks in the future, the European Central Bank (ECB) says in its latest Financial Stability Review (FSR). Current extensive policy support is helping euro area corporates and households to cope with the fallout of the pandemic, but risks can arise either from a premature end to measures or from prolonged support. Premature withdrawal of fiscal support – including government loan guarantees and statutory loan moratoria – could set back the economic recovery, transforming the corporate liquidity challenges observed at the outset of the pandemic turn into solvency issues. The sharp rise in corporate and sovereign indebtedness increases the risks to financial stability from an emerging sovereign-corporate bank nexus in the medium-term, as banks and sovereigns alike are exposed to pandemic-induced risk faced by euro area firms.

“Bank profitability is expected to remain weak. Provisions have increased but look optimistic in some cases, while guarantees and moratoria may have lengthened the time it takes for weak economic performance to translate into loan losses,” said Luis de Guindos, Vice-President of the ECB. “Government support schemes are essential currently but should remain targeted towards pandemic-related economic support and avoid giving rise to debt sustainability concerns in the medium term,” he added.

For euro area banks, which entered the pandemic with stronger balance sheets than at the time of the global financial crisis, a premature end of government guarantees and moratoria could lead to an additional wave of losses. They are also expected to face continued pressures on profitability, including from a weaker outlook for lending and continued structural challenges. Banks’ capital buffers remain comfortable and should remain available to absorb losses and support lending for an extended period. Authorities need to monitor the effectiveness of policies to support buffer use and avert deleveraging. Looking beyond the pandemic, it is important for banks, together with the rest of the financial system, to manage the financial stability risks posed by climate change and support the transition to a greener economy.

A return to risk-taking by non-banks, including investment funds, also increases their vulnerability to outflows and losses should corporate credit risks rise materially. These risks are accentuated by continued gaps in the macroprudential framework for non-bank financial institutions.

Die EZB ist die Kraft, die stets das Gute will - und das Böse schafft

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EZB soll Make-Up-Strategie umsetzen

Hannes Zipfel

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Die Zentrale der EZB in Frankfurt

Es ist schon ein makaberes Wortspiel in Zeiten zwangsgeschlossener Kosmetikstudios sowie arbeitsloser Maskenbildner und Visagisten, dessen sich der finnische Zentralbank-Gouverneur und Ratsmitglied der EZB, Olli Rehn, bedient. Auf einer Konferenz in Helsinki forderte Rehn am Dienstag neben einem symmetrischen Inflationsziel die Umsetzung einer Make-Up-Strategie. Was konkret ist damit gemeint und was kommt als Nächstes?

EZB braucht Make-Up

Ohne die Europäische Zentralbank hätte sich das Thema Eurozone längst erledigt. Das will aber die Masse nicht hören und die Zentralbanker nicht sagen. Also werden seit dem Beginn der Weltfinanzkrise und der Eurokrise alle unkonventionellen Maßnahmen mit dem nicht Erreichen des Inflationsziel der Europäischen Zentralbank begründet, da dieses den Kern des EZB-Mandats darstellt.

Da aber mittlerweile jedem Geld- und einigen Fiskalpolitikern dämmert, dass bei einer Gesamtverschuldung der Industrieländer laut Institute for International Finance von knapp 400 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dieses Mandat nicht mehr ausreicht, wird es nun angepasst. Dazu gehört auch, dass man das Inflationsziel von zwei Prozent p. a. (Konsumententeuerung) irgendwie umgehen muss. Denn selbst wenn die jetzige Ausnahmerezession vorüber ist, bleiben die hohen und weiter steigenden Schulden. Die EZB kauft einen Großteil davon auf und hält die Zinsen nominal bei null und real im negativen Bereich, um den Schuldendienst erträglich zu machen.

Am Beispiel der USA, wo die US-Notenbank Fed mit dem Versuch in den Boom nach Trumps Steuerreform hinein die Zinsen zu normalisieren, scheiterte, will man bei der EZB nun vorsorgen. Sollte es zu einer wirtschaftlichen Erholung kommen und die Inflation (Konsumententeuerung) über zwei Prozent hinausschießen, will und kann man wegen der extrem hohen privaten und öffentlichen Verbindlichkeiten die Zinsen dennoch unten halten. Ein eventuelles Überschießen des Inflationsziels soll daher via Make-Up überdeckt werden.

Dazu fordert unter anderem und erneut Olli Rehn die Einführung eines flexiblen Inflationsziels. Die Präsidentin der EZB, Madame Lagarde, spricht sich neben anderen Rats-Mitgliedern ebenfalls dafür aus. Um ein Überschießen der Inflation zu überdecken, soll statt des bisherigen asymmetrischen Inflationsziel ein symmetrisches Inflationsziels eingeführt werden. In der Praxis bedeutet dies, dass die Notenbanker statt eines festen Wertes einfach einen Durchschnittswert eines bestimmten Zeitraums der Vergangenheit ausrechnen. Solange dieser Wert sich nicht allzu lange und allzu massiv über zwei Prozent befindet, muss die EZB nicht inflationsbekämpfend eingreifen. Angepeilt wird ein Zeitraum der letzten fünf Jahre zur Durchschnittsbildung der Inflationsrate.

Im Falle der Eurozone bedeutet dies eine durchschnittliche Inflationsrate seit Oktober 2015 in Höhe von knapp einem Prozent p. a. Durch Überdeckung einer zukünftigen höheren Inflation mit statistischem Make-Up könnte die Teuerungsrate für eine lange Zeit über zwei Prozent liegen, ohne dass das symmetrische Inflationsziel der EZB übertroffen wird. Die für die Errechnung des symmetrischen Inflationsziels relevanten Parameter (betrachteter Zeitraum etc.) sollen flexibel gehalten werden. Somit ist gewährleistet, dass selbst bei steigender Konsumententeuerung die EZB ihre ultralaxe Geldpolitik gemäß ihrem Kernmandat der statistischen Preisstabilität (ohne Vermögenspreise) beibehalten kann.

Welche Ziele hat die Zentralbank laut EU-Vertrag?

Doch auch der u. a. von Rehn sowie Lagarde und seit dem virtuellen Notenbanker Treffen in Jackson Hole sogar vom Präsidenten der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, geforderte „Monetary Shift“ könnte nicht ausreichen, um die explodierende Gesamtverschuldung durch das symmetrische Inflationsziel zu managen. Daher gräbt man nun bei der EZB im EU-Vertrag nach weiteren Möglichkeiten des geldpolitischen Make-Ups. Und siehe da, man wurde fündig: Ebenso wie bei der US-Fed gestattet der EU-Vertrag auch zwei Nebenmandate, wie Olli Rehn in Helsinki am Dienstag klarstellte: „Wenn wir unser gesetzliches Mandat respektieren, müssen wir danach streben, Vollbeschäftigung, ausgewogenes Wachstum und eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen“. Das symmetrische Inflationsziel wurde zwar im Nebensatz noch mit erwähnt, aber es wird immer deutlicher, dass die EZB nach einer Legitimation ihrer dauerhaften Krisenpolitik sucht.

Wie weit kann die EZB ihr Mandat auslegen?

Schon seit Längerem hat die EZB das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt und möchte verstärkt Unternehmen Kredite durch den Ankauf von Firmenanleihen zu sehr vorteilhaften Konditionen (für die Schuldner) vornehmen. Mit Nachhaltigkeit ist dabei gleichwohl nicht die geldpolitische Nachhaltigkeit oder gar die Schuldentragfähigkeit gemeint, sondern der Klimawandel. Die EZB trägt daher bei einigen Ökonomen schon scherzhaft den Beinamen „Grüne EZB“. Anders als Lagardes Vorgänger Draghi, für den der Klimawandel kaum ein Thema war, ist dies ein Lieblingsthema der jetzigen EZB-Chefin Lagarde. Mit dem neuen deutschen EZB-Ratsmitglied Elisabeth Schnabel hat sie eine Gleichgesinnte gefunden, die ebenfalls durch Billigkredite aus der digitalen Notenpresse den Wandel der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität unterstützen möchte.

Das gibt der EZB weiteren Spielraum, denn bislang befinden sich Unternehmensanleihen in Höhe von einer viertel Billion Euro im Portfolio der EZB, von denen laut Greenpeace gemäß einer aktuellen Studie vom 3. November 63 Prozent von klimaschädlichen Unternehmen stammen. Um diese Zahl prozentual kosmetisch zu relativieren, könnte man das Portfolio einfach umschichten und mehr „Grüne-Anleihen“ kaufen. Doch das wäre der Todesstoß für unzählige Unternehmen und Arbeitsplätze, was wiederum die anderen Mandate der EZB untergraben würde.

Also geht man den anderen Weg und kauft noch mehr Unternehmensanleihen (vornehmlich Grüne), um die Anzahl der Klimaschädlinge im eigenen Anleiheportfolio zu relativieren. Auch die Mandate Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum geben der EZB praktisch einen Freibrief für die Beibehaltung ihrer ultralaxen Geldpolitik.

Fazit und Ausblick

Die Umstellung von einem asymmetrischen auf ein symmetrisches Inflationsziel ist eine weitere „unkonventionelle“ geldpolitische Maßnahme, um die Notfallgeldpolitik zu prolongieren. Richtig spannend wird es am 10. Dezember, wenn die nächste EZB-Ratssitzung mit anschließender Pressekonferenz stattfindet, auf der neue Maßnahmen bekannt gegeben werden sollen – auch kosmetische. Noch spannender wird es dann im Januar 2021, wenn das Thema „Worldwide-Reset“ von den wichtigsten Notenbankern und anderen supranationalen Institutionen erneut besprochen wird. Höflich ausgedrückt ist ein Reset ein Neustart. In der Praxis geht es aber um einen globalen Schuldenschnitt inkl. Währungsreform, also einen Neustart mit Enteignung breiter Bevölkerungsschichten und Sparer.

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