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Aktien

USA: Aktienrückkäufe werden zum Totengräber der Volkswirtschaft

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

In den USA explodieren die Aktienrückkäufe von Konzernen um Aktionäre und Vorstände glücklich zu machen. Aber die Zukunft der Unternehmen und Arbeitsplätze wird damit immer mehr aufs Spiel gesetzt. Die massiven Aktienrückkäufe werden zum Totengräber der Volkswirtschaft in den USA!

USA GM Zentrale Detroit
Renaissance Center in Detroit: Zentrale von General Motors.
Foto: KiwiDeaPi/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

USA im Cash-Rausch

Derzeit entziehen die Vorstände von US-Aktiengesellschaften ihren Unternehmen in Rekordgeschwindigkeit die Bargeldreserven. Dividenden steigen immer höher und in noch größerem Umfang werden an der Börse die eigenen Aktien zurückgekauft. Die Zahlen sind atemberaubend: 140 Milliarden Dollar war das Neu-Volumen nur im April 2015 – eine Steigerung von gut 120% gegenüber April 2014. Woher kommt das Cash? Bei vielen Unternehmen in den USA sprudeln die Gewinne (noch) kräftig und die Reserven aus den letzten guten fünf Jahren sind noch gut gefüllt – bei vielen anderen Unternehmen aber schon nicht mehr – dort bedient man sich bei den Nullzinsen am Anleihemarkt und verschuldet sich.

Auch in Deutschland kaufen große Konzerne ihre eigenen Aktien zurück, aber nicht ansatzweise so umfangreich wie Unternehmen in den USA. Ziel: In erster Linie soll damit der Aktienkurs hochgetrieben werden, da die Aktien durch das Rückkäufen vom freien Markt verschwinden. Das Angebot nimmt ab, der Kurs zieht an. Als zweiten Grund kann man anführen, dass durch weniger vorhandene Aktien am Markt automatisch der Gewinn pro Aktie steigt. Hier einige Beispiele, wie Konzerne in den USA derzeit Aktienrückkäufe durchführen.

General Motors

General Motors, erst 2009 pleite gegangen und dann nur dank des US-Insolvenzrechts wieder an den Neustart gegangen, kauft wieder fleißig eigene Aktien zurück. Für ein Unternehmen, das schon tot war, sollte es eigentlich wichtiger sein Rücklagen zu bilden (sollte man meinen). Allein im 1. Quartal 2015 hat GM Aktien für 400 Millionen Dollar zurückgekauft – erstaunlich bei einem Nettogewinn von 900 Millionen. Was bedeuten da schon die Begriffe „Rücklagen bilden“ oder „Investitionen“. Nach einer harten Attacke durch eine Gruppe von Hedgefonds gab der Vorstand von GM nach und verkündete im März in 2015 im laufenden Jahr für ganze 5 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückzukaufen – Hauptsache man bekommt den Aktienkurs kurzfristig rauf. Von welchen Reserven GM bei der nächsten Krise zehren soll? Egal.

Apple

Über die teilweise vernünftigen (aber natürlich auch egoistischen) Ansätze von Carl Icahn aus Apple das Beste für die Aktionäre „herauszuholen“, hatten wir schon mehrfach berichtet. Er lobte nach seinem erfolgreichen Drängen Apple-Chef Tim Cook, weil der die Aktienrückkäufe massiv aufstockte. Aber das reichte nicht – Tim Cook legte nochmal nach, und statt 88 sollen im aktuellen „Programm“ 140 Milliarden Dollar über Aktienrückkäufe und Dividenden fließen. Apple kann sich als eines der wenigen Unternehmen diesen „Spaß“ erlauben, weil man auf einer gigantischen Cash-Halde sitzt. Aber das war Carl Icahn natürlich immer noch nicht genug – der faire Aktienkurs von Apple liege nicht bei 130, sondern 240 Dollar, so Icahn – und Tim Cook müsse gefälligst durch Aktienrückkäufe den Kurs dort hinprügeln. Der Einsatz von Cash um das zu schaffen würde sogar Apple ausbluten lassen. Wenn man bedenkt, dass Apple seit seiner Gründung gerade mal 32 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung ausgegeben hat, wird einem bei den Summen für Aktienrückkäufe schwindelig. Wenn Tim Cook dem Druck der Zocker nachgibt, könnten die USA bald einer Ikone hinterher trauern. Natürlich ist das derzeit absolut unvorstellbar, aber erinnern wir uns nur 10 Jahre zurück. Nokia war unangefochten die Nummer 1 am Handymarkt und niemand wäre auch nur auf die Idee gekommen, dass es überhaupt Bedarf für einen weiteren Handyanbieter geben könnte. Und wo ist Nokia heute? Vom Markt verschwunden. Warum? Keine Innovationen! Lässt Apple nach und kümmert sich statt Forschung eher darum den Aktienkurs auf den Mond zu prügeln, könnten Konkurrenten wie Samsung, Huawei und HTC sich die Hände reiben.

General Electric

Zusammen mit Apple ist das aktuelle GE-„Programm“ zum Rückkauf von Aktien das größte in den USA. Wohl nach dem Prinzip „Bluten wir uns selbst aus“ verkaufte GE (die Industrieikone in den USA) seine Finanzspare „GE Capital“ für 26 Milliarden Dollar und verkündete gleichzeitig eine Sonderdividende über 35 Milliarden Dollar. Über Aktienrückkäufe und Dividenden sollen in den nächsten 3 Jahren 90 Milliarden Dollar aus dem Unternehmen herausfließen.

McDonald´s

Der weltweit größte Fastfood-Kette ist das beste Beispiel für das „Leben im Hier und Jetzt“. Jüngst verkündete der neue Chef Steve Easterbrook seine neue Strategie, bei der eigentlich niemand erkennen konnte, was daran „neu“ ist, abgesehen davon, dass er den Anteil der Franchisefilialen erhöhen will. Was tut McDonald´s seit Jahren aktiv? Man kauft Aktien zurück, und gerade jetzt in einer Zeit, wo die realen Umsätze in den Filialen rückläufig sind und man eigentlich Geld bräuchte um in neue Produkte etc zu investieren, schüttet McDonald´s noch mehr Geld an seine Aktionäre aus, vornehmlich über Aktienrückkäufe. Dass der Aktienkurs kurzfristig anzieht, scheint wichtiger zu sein als das Überleben der Firma. Denn strukturell geht es in der Tat bergab. Wenn man dann seine Bargeldreserven für eigene Aktien ausgibt, besiegelt man fast schon seinen eigenen Todesstoß. Und wie will man die Aktienrückkäufe finanzieren? Durch Lizenzeinnahmen aufgrund des Re-Franchising, durch die Aufnahme zusätzlicher Schulden und weitere Einsparungen in Verwaltungspositionen. 2014 gab die Firma mehr für Dividenden und Aktienrückkäufe aus, als sie netto als Gewinn erwirtschaftete. Und für 2015 sollen Dividenden und Rückkäufe nochmal drastisch steigen, auf 8-9 Milliarden Dollar. Wie sollen da Innovationen oder Investitionen finanziert werden?

USA verpulvern ihre Zukunft

Die Vorstände von Aktiengesellschaften in den USA haben i.d.R. Bonus-Vereinbarungen, die an den Gewinn pro Aktie oder an die Höhe des Aktienkurses gekoppelt sind. Überschreitet der Kurs eine gewisse Schwelle bzw. bleibt er darüber, fließen Sonderzahlungen. Das gibt den Vorständen neben dem immensen Druck von bestimmen Investorengruppen genug Motivation die Cashbestände der Unternehmen zu auszuschütten und darüber hinaus noch Schulden zu machen. Das Umfeld dafür könnte kaum günstiger sein – auf Staatsanleihen gibt es derzeit nirgendwo Zinsen, und Unternehmensanleihen bieten da eine interessante Alternative für Anleger. Noch zumindest – denn die Anleiheblase (besonders in den USA) ist schon verdammt weit aufgebläht worden.

Die USA haben ein grundsätzliches Problem. Noch nie haben Aktiengesellschaften so viel Geld über Aktienrückkäufe „verjubelt“. Denn letztendlich ist es das Geld, was Ingenieure, Arbeiter und Produktenwickler in den Unternehmen hart erarbeitet haben. Es fehlt für Anschlussinvestitionen, für Innovationen und vor allem als Reserve für schlechte Zeiten – und die werden garantiert kommen. Wenn der Anleihemarkt implodiert und die Unternehmen nicht mehr mit frischem Geld versorgt, wird es eng. Werden die Hedgefonds den Konzernen über Kapitalerhöhungen Gelder wieder „zurückgeben“, die sie über die Aktienrückkäufe aus den Unternehmen herausgequetscht haben? Wohl kaum – das ist nicht ihre Aufgabe.

2000 gab es die große Techkrise, 2008 die Immobilienkrise. Die nächste Krise mag sich vielleicht bei Kreditkartenschulden, am Anleihemarkt oder bei Studentendarlehen abspielen – aber vielleicht findet die nächste Krise in den USA auch bei kaputten Bilanzen großer Konzerne statt. Deutsche Aktiengesellschaften täten gut daran, diesem Trend aus den USA nicht zu folgen!


2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    INES43

    25. Mai 2016 18:19 at 18:19

    Hedgefonds sind doch auch die, die sich Aktien leihen, um damit die Kurse von Unternehmensaktien zu drücken, um von den Kursverlusten normal agierender Anleger zu profitieren.
    Im Moment findet dies bei der Lufthansa statt, die mit einem prognostizierten KGV 2016 von 4,5 und einem KBV von < 1 deutlich unterbewertet ist.
    Als LH-Aktionär fände ich es wunderbar, wenn LH statt Dividenden auszuschütten, mit dem überschüssigen Geld Aktien zurückkaufen würde, um damit dieser Leerverkäuferbande in die Suppe zu spucken. Aktienrückkauf in solcher Situation ist eine AG ihren Aktionären einfach schuldig, ist eine Rückversicherung für das Investment ehrlicher Anleger gegen erratische Kursschwankungen ausgelöst von Leuten, die andere wie Taschendiebe um ihr Vermögen bringen wollen.

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Aktuell: CureVac-Aktie mit 190 Prozent Plus am ersten Handelstag!

Claudio Kummerfeld

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CureVac forscht im Kampf gegen das Coronavirus

Das Unternehmen CureVac aus dem beschaulichen Tübingen hat heute für 213 Millionen Dollar Aktien verkauft, und legt heute auch seinen Börsengang an der Nasdaq in New York hin. Das Unternehmen forscht mit Hochdruck nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Vor wenigen Minuten gab es den ersten Börsenkurs. Nach dem IPO-Preis von 16 Dollar liegt der Aktienkurs jetzt schon mit 190 Prozent im Plus. Starke Schwankungen um die 46 Dollar sieht man derzeit. Der Höchstkurs lag vorhin schon bei 48,88 Dollar, der Erstkurs bei 44 Dollar. Was für ein Hype!

Frage: Wollen Sie liebe Anleger auf den Erfolg spekulieren, und hier einsteigen? Wer wirklich ein erfolgreiches Corona-Medikament auf den Markt bringt? Wer weiß das schon zum jetzigen Zeitpunkt? Ist es CureVac, könnte die Aktie natürlich durch die Decke gehen. Es ist eine reine Spekulation. Von den 213 Millionen Dollar IPO-Erlös bei Curevac gehen 150 Millionen Dollar in die Entwicklung des Corona-Impfstoffs. Mit weiteren 50 Millionen Dollar soll die kurzfristige Produktionskapazität ausgebaut werden.

SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp ist Haupteigner und soll es auch bleiben. Nach der Börsengang soll sein Unternehmen Dievini knapp 50 Prozent der Anteile halten. Die deutsche Staatsbank KfW hält knapp 17 Prozent, der Pharmakonzern GlaxoSmithKline knapp acht Prozent. Wird die Aktie der Renner an der Börse? Heute am ersten Tag ist sie es jedenfalls!

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – negative Nachrichten

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Markus Koch meldet sich LIVE im folgenden Video vor dem Handelsstart in New York. Heute gibt es verschiedene negative Nachrichten, welche die Stimmung zum Handelsauftakt eintrüben.

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Antizyklische Idee: Jetzt einen Touristiker kaufen? – Werbung

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Lieber Börsianer,

juckt Ihnen da schon der Orderfinger? In den vergangenen 12 Monaten rauschte die Tui-Aktie über 50 % in den Keller. Kaum besser das Bild der Lufthansa, deren Aktie in diesem Zeitraum 37 % verlor. Zum Vergleich: Der DAX gewann auf Jahressicht bis dato rund 10 % hinzu.

Sind diese Corona-Opfer jetzt möglicherweise einen Kauf? Nun, die aktuellen Zahlen der Tui sehen nicht nur auf den ersten Blick grausam aus. So schrumpfte der Umsatz im sog. Corona-Quartal um 98,5 % auf kleine 72 Millionen Euro. Gleichzeitig häufte der Touristiker aus Hannover einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro an. Klingt überschaubar, oder? Naja, das ist ungefähr so viel, wie wenn Apple in einem Quartal 500 Milliarden US-Dollar verlieren würde. Der Verlust der Tui entspricht also über der Hälfte der aktuellen Marktkapitalisierung der Aktie.

Bei solchen Relationen werden üblicherweise Insolvenzverwalter hellhörig und geben ihre Visitenkarten beim zuständigen Amtsgericht ab. Im Falle der Tui werden die Insolvenzverwalter allerdings voraussichtlich untätig bleiben, da Vater Staat – ähnlich wie der Lufthansa – rettend einspringen wird.

So stellt die staatliche KfW-Bank rund 3 Milliarden Euro in Form verbilligter Kredite für Tui zur Verfügung. Gleichzeitig schießt der Bund über eine Wandelanleihe 150 Millionen Euro in das Touristik-Unternehmen ein.

Also doch ein antizyklischer Kauf, die Tui-Aktie? Schauen wir uns die Situation bei der kurz zuvor geretteten Deutschen Lufthansa einmal im Detail an. Die Kranich-Linie wurde in einer konzertierten Aktion aus Wien (Austrian Air), Bern (Swiss und Edelweiss), Berlin (Lufthansa selbst) und Brüssel (Brussels Air) gerettet. Eine große europäische Anstrengung, die das Unternehmen und viele Arbeitsplätze retten wird.

Freilich kommt der Staat als Retter nie kostenlos. Beispiel Bern: Dort organisierte und garantiert die Regierung ein vergünstigtes Bankendarlehen in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro für die Lufthansa-Töchter Swiss und Edelweiss. Der Preis für die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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