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USA & EU: Diese Daten interessieren viele Beobachter nicht mehr – sie sind aber dramatisch!

Wenn man das selbe immer und immer wieder erwähnt, setzt beim Beobachter irgendwann der Gewöhnungseffekt ein. Wie bei vielen politischen Themen haben sich im Bereich Wirtschaftsdaten einige…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wenn man das selbe immer und immer wieder erwähnt, setzt beim Beobachter irgendwann der Gewöhnungseffekt ein. Wie bei vielen politischen Themen haben sich im Bereich Wirtschaftsdaten einige Themenbereiche derart verfestigt, dass sie von vielen „Experten“ als normal hingenommen und gar nicht mehr angesprochen werden. Wir aber halten die Augen offen! So wird dem interessierten Beobachter bei der folgenden Zahl klar, wo eines der langfristigen Hauptprobleme der US-Wirtschaft liegt. Man exportiert viel zu wenig – oder anders herum kann man auch sagen: Die Importe für die US-Konsumgesellschaft sind derart groß, dass die Volkswirtschaft durch die produzierten Exportgüter so viel Geld gar nicht selbst erwirtschaften kann, um die Importe zu bezahlen.

Um diese beiden Daten in eine Zahl fassen zu können, gibt es die Verkündung der Außenhandelsdaten, bei denen auch das Handelsbilanzdefizit verkündet wird. Von einem Überschuss träumt schon lange niemand mehr. Das Defizit ist eine feste Größe, und es ist fast zementiert monatlich bei 40 Milliarden Dollar. Aufs Jahr hochgerechnet fehlen den den USA seit 2010 Jahr für Jahr grob gesagt netto um die 500 Milliarden Dollar, die man als Volkswirtschaft (Staat + Unternehmen + Haushalte) ins Ausland überweist für Importe. Aber dieses Geld hat man vorher nicht erwirtschaftet. Also muss man wie ein Staubsauger konstant Geld ansaugen aus dem Ausland (das nennt man Schulden machen). Kurz vor der Finanzkrise hatte der Konsument in den USA noch viel mehr Hunger nach Auslandsware, dass er nicht durch vorher erwirtschaftete Gelder bezahlen konnte (Rekord mit -761 Milliarden Dollar in 2006).

Heute nun hat das „U.S. Bureau of Economic Analysis“ die aktuellsten Handelsbilanzdaten für die USA veröffentlicht. Demnach lag das Handelsbilanzdefizit (für Waren und Dienstleistungen) der USA für August bei 40,7 Milliarden Dollar nach 39,5 Milliarden im Juli. Wie gesagt, man klebt dauerhaft an der 40 Milliarden-Marke. Nimmt man nur die Warenströme, standen im August Importen von 185,6 Milliarden Dollar Exporte von 125,3 Milliarden Dollar gegenüber, also sogar ein Defizit von 60,3 Milliarden Dollar, welches regelmäßig durch die Dienstleistungskomponente ein wenig abgemildert wird. Was lernen wir daraus? Sie lieber deutscher Sparer, kaufen Sie bitte weiter fleißig geschlossene Immobilienfonds, Zertifikate und Lebensversicherungen. Denn irgendwie muss ja frisches Geld über Umwege in den US-Wirtschaftskreislauf gelangen!

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Handelsbilanzdefizit der USA in Milliarden Dollar seit 1992. Grafik: finanzmarktwelt.de

Europa

Die regelmäßig veröffentlichten Daten zu den europäischen Erzeugerpreisen werden oft und gerne komplett ignoriert. Alles schaut nur auf die Verbraucherpreise, die positiverweise letzte Woche mit +0,4% für September vermeldet wurden. In einem winzig kleinen Schritt steigt die Inflation also an in Europa. Hurra Hurra Hurra, möchte man da rufen. 1 Billion durch die EZB gedruckter Euros hat es gebraucht für diesen Anstieg Herr Draghi? Aber die Erzeugerpreise, die sind sozusagen die Vorläufer der Verbraucherpreise. Sie waren zuletzt auf Jahresbasis immer deutlich im Minus. Diese Tatsache möchten wir hier nochmal deutlich unterstreichen. Die Datenreihen unten zeigen das eindeutig. Flächendeckend über ganz Europa verteilt sehen wir Rückgänge, zuletzt im Schnitt von -2,1% in der Eurozone- ohne Energie immer noch -0,6%. Auch in den Vormonaten sieht man europaweit kräftige Rückgänge. Also lautet die Frage: Sind die letzte Woche gemeldeten minimalen Anstiege bei den Verbraucherpreisen nur ein kurzer lauer Luftstoß, der schnell wieder einsackt, weil ihm der starke Rückenwind steigender Erzeugerpreise fehlt? Wir werfen das mal als offene Frage in den Raum.

Besonders dramatisch: In der unteren Grafik schauen Sie doch bitte mal auf die Spalte Griechenland. Die jährlichen Veränderungen der dortigen Erzeugerpreise waren im August bei -4,1%, im Juli -7%, im Juni -7,3%, im Mai -8,1%, im April -8,8% und im März -9,0%. Na wenn das mal nicht für eine florierende griechische Wirtschaft spricht, die sich gerade mit kräftigen Schritten aus der Krise befreit. Aber egal: Wenn man solche Zahlen einfach ignoriert, gibt es ja gar keine Probleme!

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6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Carsten

    5. Oktober 2016 17:57 at 17:57

    Bei Griechenland kam bei mir spontan die Frage auf: Ist das nun wirklich als schlecht zu bewerten oder könnte man nicht genauso annehmen, dass die griechische Wirtschaft (endlich) effizienter in der Produkterzeugung wird. Müsste man also zur Beurteilung der Frage nicht gleichzeitig die Exporte Griechenlands dagegen legen, um die mittel-/langfristige Wirkung zu beurteilen?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      5. Oktober 2016 18:00 at 18:00

      @Carsten, gute Frage, aber stark fallende Preise sind in der heutigen Zeit bei derzeit nirgendwo vorhandenen Produktivitäts-Zuwächsen praktisch immer ein schlechtes Zeichen für eine Wirtschaft..

  2. Avatar

    gerd

    5. Oktober 2016 20:22 at 20:22

    zum 1. Teil Handelsbilanz

    „Sie lieber deutscher Sparer, ….(investieren Sie bitte weiter, denn) irgendwie muss ja frisches Geld über Umwege in den US-Wirtschaftskreislauf gelangen!“

    Und falls der deutsche Sparer auch gleichzeitig deutscher Arbeitnehmer ist, dann kann er sich doppelt belohnen. Er möge doch bitte weiter hart arbeiten – für relativ wenig Geld – damit die Produkte auch fürs Ausland preiswert bleiben. Dann darf er sich über einen deutschen Außenhandelsüberschuss von rd. 200 Mrd. und ständig wachsende Devisenreserven freuen.
    O.k, ob diese Devisen dann, wenns von heute auf morgen mal drauf ankommen sollte, überhaupt noch werthaltig sein werden, ist die andere Frage.

    Immerhin kann er sich mit dem guten Gewissen schlafen legen, dass er ein guter Mensch ist. Er hat sich zum einen arbeitsmäßig krumm gelegt und zum anderen dem Ausland auch noch das Geld geliehen, dass dieses ihm seine erarbeiteten Produkte abkauft.

    Da lobe ich mir doch die Amerikaner mit ihrem Defizit.

    • Avatar

      Christian

      6. Oktober 2016 08:37 at 08:37

      Deutschland hat keine Devisenreserven, das ganze Geld fließt sofort in die USA zurück.
      Oder irre ich mich, wenn in den Wirtschaftsnachrichten die Devisenreserven von China, Indien und Russland etc. angegeben werden. Aber von Deutschland nicht!!!

      • Markus Fugmann

        Markus Fugmann

        6. Oktober 2016 08:40 at 08:40

        @Christian, Deutschland hat schon Devisenreserven, die sind ja meist in Form von Staatsanleihen angelegt, im Falle von Dollar-Reserven von US-Staatsanleihen, die auch Deutschland in der Vergangenheit gekauft hat und weiter kauft..

        • Avatar

          Stephan

          29. Januar 2017 09:05 at 09:05

          Vielleicht besser so: Deutschland als Staat hat im o.g Vergleich geringere Devisenreserven (insbesondere pro Kopf, vgl. Websuche -> Statista, Wiki ..), die Schuldenlast ist auch nicht unerheblich aber immerhin z. Zt. keine Neuverschuldung. Problem sind allerdings immer noch Defizite bei Zukunftsinvestitionen (Bildung, Infrastuktur, Integration, Sicherheit – regional unterschiedlich ausgepraegt)

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Rüdiger Born: Was der Markt bei Gold noch benötigt für einen Long-Einstieg

Rüdiger Born

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Der heutige Anstieg bei Gold (hier der jüngste Bericht auf FMW dazu) ist für mich der erste Hinweis, dass für einen Long-Einstieg etwas möglich sein könnte. Jetzt fehlt noch ein Trigger. Das Szenario hierfür bespreche ich im folgenden Video.

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Coronakrise vorbei? So stark verlieren die „kleinen“ Leute in den USA

Claudio Kummerfeld

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Verrammelte Einzelhandelsgeschäfte

Ist die Coronakrise überstanden? Die ersten Corona-Impfungen könnten schon in den nächsten Tagen erfolgen. Und außerdem, der Dow Jones steht bei 30.000 Punkten, während er vor Ausbruch der Coronakrise noch bei 29.300 Punkten im Januar lag. Auch der S&P 500 Index und vor allem der Nasdaq notieren deutlich höher als im Januar. Klarer kann die Börse doch nicht signalisieren, dass die Krise überwunden ist. Richtig? Nun ja. Schauen wir uns mal folgende Charts an. Sie sind Teil einer Datenbank, welche unter anderem von der Harvard University betrieben wird.

Geringverdiener in den USA verlieren in der Coronakrise brutal, Besserverdiener legen sogar zu

Anhand unzähliger Daten werden möglichst aktuell ökonomische Verläufe in den USA angezeigt, aus denen man den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung aus der Coronakrise in diesem Jahr erkennen kann. Da wäre zum einen folgende Grafik interessant, wenn es um die Beschäftigung geht. Sie zeigt die Beschäftigungsquoten in den USA von Januar bis Ende September. Für die Besserverdiener mit mehr als 60.000 Dollar Jahresgehalt ist die Beschäftigungsquote seitdem sogar um 0,2 Prozent gestiegen. Man darf vermuten: Jede Menge neue Jobs für Webseitenprogrammierer, Cloud-Experten uvm. Alles was eben in der Coronakrise vermehrt gefragt ist. Die Beschäftigung in der Mittelschicht (27.000-60.000 Dollar) hat um 4,7 Prozent abgenommen.

Und jetzt kommt´s. Die Geringverdiener mit weniger als 27.000 Dollar Jahresgehalt hat eine um 19,2 Prozent sinkende Beschäftigungsquote in den USA. Es ist klar. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es für eine große Masse gering- oder gar nicht qualifizierter Menschen (bisher) massenweise Jobs in der Gastronomie oder im Entertainment-Bereich (Restaurants, Bars, Freizeitparks etc). Und gerade diese Bereiche leiden under Lockdowns in der Coronakrise (siehe jüngst Walt Disney mit zehntausenden Entlassungen in Freizeitparks). Die kleinen Leute verlieren in der Coronakrise massiv, die gut Qualifizierten sind unterm Strich die Gewinner. Die drei Linien zeigen die Verläufe der jeweiligen Beschäftigungsquoten seit Januar.

Chart zeigt Beschäftigungsquoten in den USA

Fast 30 Prozent der kleinen Geschäfte seit Januar geschlossen

Die folgende Grafik zeigt zum aktuellsten Stichtag 16. November mit Verlauf über das Jahr hinweg, wie viele kleine Unternehmen im Vergleich zu Januar noch geöffnet sind. Landesweit sind es in den USA derzeit 28,9 Prozent weniger, und die Tendenz ist negativ. Im derzeit zweiten Lockdown gibt es dank der Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten in den letzten Monaten keine neuen Hilfspakete. Kann Joe Biden ab dem 20. Januar als neuer US-Präsident einiges bewegen mit neuen Billionen-Hilfsprogrammen? Kann die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen als neue Finanzministerin womöglich bei den Republikanern im US-Kongress etwas herausschlagen für neue Hilfsprogramme? Die sogenannte Unterschicht und kleine Geschäftsinhaber drohen völlig abzustürzen und auch nach der Coronakrise zu den großen Verlierern zu gehören. Langfristig dürfte die Massenarmut in den USA wohl massiv zunehmen.

Chart zeigt Verlauf der geöffneten kleinen Geschäfte in den USA

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Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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