Folgen Sie uns

Allgemein

USA verschärfen Regelung gegen Steuerflucht von US-Konzernen – die Wall Street zittert!

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Nein, das hat nichts mit den Panama Papers zu tun, auch nicht indirekt. Auch der Zeitpunkt ist Zufall, ja wirklich! Das Thema „Tax Inversions“ ist in den USA seit Monaten ein heißes Eisen, und das US-Finanzministerium hatte bereits mehrfach die Daumenschrauben angezogen, um es US-Konzernen schwerer zu machen die Konzernzentrale in Länder mit niedrigeren Steuersätzen zu verlagen (vor allem Irland). Gestern nun ein großer Wurf, viel deftiger als von der Wall Street erwartet.

USA Jack Lew
US-Finanzminister Jack Lew macht Druck. Foto: US Treasury Department

Bei Tax Inversions kaufen US-Konzerne kleinere Firmen im Ausland, zuletzt fast nur in Irland. Im Zuge dieser „Fusion“ wie es so schön klingt, wird natürlich der Konzernsitz nach Irland verlagert, wodurch man auch dort seine Steuern bezahlt. Jetzt müssen natürlich auch die Steuern, die in den USA für die dortigen Aktivitäten anfallen, irgendwie reduziert werden. Das macht man mit sogenanntem „Earnings Stripping.“ Um den in den USA anfallenden Gewinn möglichst weit abzusenken, gibt „die Konzernmutter“ in Irland, die nur formal in Irland, aber physisch in den USA sitzt, einen Kredit an die US-Tochter. Auf diesen Kredit muss die US-Tochter natürlich schön viel Zinsen an die Mutter in Irland überweisen. Diese Zinslast drückt als Kostenfaktor natürlich den Unternehmensgewinn in den USA weiter nach unten, und durch die „Zinseinnahme“ steigt der Gewinn bei der Mutter in Irland, wo man deutlich weniger Steuern zahlt.

Die bisherigen Maßnahmen des US-Finanzministeriums dieses „neue Modell“ von Corporate America zu vermeiden, wurden eher belächelt. Die gestern verkündeten Verschärfungen lassen die Wall Street aber tatsächlich erzittern, was man sehr gut im Kurs von Allergan sehen kann. Diese „formal“ irische Firma befindet sich gerade in einer Giganten-Fusion mit dem weltweit größten Pharmakonzern Pfizer (160 Milliarden Dollar Volumen, Abschluss im 2. Halbjahr 2016). Der neue Konzern wird oh Wunder nach der Fusion seine Zentrale in Irland haben. Während die Pfizer-Aktie gestern Abend nachbörslich ganz leicht zulegen konnte, brach der Allergan-Kurs ein um satte 22%, nachdem den Börsianern klar wurde, dass sich durch diese Verschärfung der „Inversion Rules“ die Vorteile dieses Irland-Deals wohl in Luft auflösen könnten.

Was gerade für Pfizer und Allergan zum Tragen kommt: Alte Deals könnten unter Umständen problematisch werden. Der irisiche Fusionspartner Allergan, so wie er heute existiert, ging wiederum auch aus Fusionen hervor. Nach den neuen Regularien des US-Finanzministeriums könnten Allergans vorige Fusionen nicht voll anerkannt werden, wodurch die Firma als Fusionspartner für Pfizer zu klein sein könnte. Von daher kann es jetzt passieren, dass Allergan´s „Vorgeschichte“ eventuell in den USA steuerlich nicht voll anerkannt wird.  Damit erhöht sich auch der Anteil von Pfizer´s US-Aktionären am neuen Gesamtkonzern, und die USA würden wohl die Steuervorteile solch einer Fusion teilweise aberkennen – vermutlich!

Auch geht man die Nummer mit den Krediten innerhalb der Konzerne aktiv an. Die gestern veröffentlichten Unterlagen sind sehr umfangreich, aber anscheinend will man seitens des US-Finanzministeriums solche „Kreditzinsen“ nicht mehr anerkennen wie bisher. Die Ausnahme sollen Kredite von Mutter Richtung US-Tochter darstellen, wenn die US-Tochter mit diesem Kredit in den USA eine reale Investition finanziert, wie z.B. den Bau einer Fabrik.

Bei Pfizer und Allergan sagte man gestern Abend, man werde die umfangreichen Neuerungen prüfen. Aber der nachbörsliche Kursrutsch bei Allergan zeigt eindeutig, dass die Wall Street zittert. Auch wurde gestern Abend dieser drastische nachbörsliche Kurseinbruch um so mehr ein Thema, weil die Allergan-Aktie zu den zehn größten Einzelpositionen von mehr als 80 Hedgefonds in den USA gehört. Unter anderem soll laut WSJ der Hedgefonds von Henry Paulson betroffen sein – da dürfte das Gejammer groß sein, denn gerade Hedgefonds kaufen gerne Aktien auf Kredit.

Hier der Originaltext vom US-Finanzminister in dieser Sache:


Remarks by Treasury Secretary Jacob J. Lew on a Press Conference Call Regarding Announcement on Corporate Tax Inversions

Today, Treasury is announcing our latest action to limit inversions as well as action to address earnings stripping, a commonly used technique to minimize taxes after an inversion.

For years, companies have been taking advantage of a system that allows them to move their tax residences overseas to avoid U.S. taxes without making significant changes in their business operations.

After an inversion, many of these companies continue to take advantage of the benefits of being based in the United States – including our rule of law, skilled workforce, infrastructure, and research, and development capabilities – all while shifting a greater tax burden to other businesses and American families.

Treasury has taken action twice to make it harder for companies to invert and reduce the economic benefits of doing so. These prior actions had a real impact and have helped slow the pace of these transactions. Throughout this process, we have said we would continue to explore all our administrative authority to address inversions, including potential guidance on earnings stripping.

Today, we are taking further action to make it more difficult to invert. Some companies are serial inverters. They acquire multiple U.S. firms in stock-based transactions over a short period of time. This increases their size and reduces the negative tax consequences of a subsequent inversion. Today’s action takes away a significant amount of the tax benefits of these serial inversions.

We are also taking action to curb the use of earnings-stripping by focusing on transactions that generate large interest deductions by simply transferring debt between subsidiaries without financing new investment in the United States.

Finally, we are issuing formal regulations implementing our previous two inversion actions – these simply carry out the original intent of the notices.

We will continue to explore additional ways to limit inversions. But only new anti-inversion legislation can stop these transactions. Until that time, creative accountants and lawyers will continue to seek new ways for companies to move their tax residences overseas and avoid paying taxes here at home.

We urge Congress to take action, and we believe the best way would be to enact comprehensive business tax reform with specific anti-inversion provisions. That is why today Treasury is also releasing an updated framework on business tax reform. This lays out the key elements of the President’s approach to reform and details the specific proposals the administration has put forward. This includes a comprehensive approach to reforming the international tax system that stops inversions and makes the U.S. business tax system fairer and more pro-growth. This framework could serve as a guide for future action.

While that work goes on, Congress should not wait to act as inversions continue to erode our tax base. Only congressional action can fully address inversion transactions, and I urge Congress to act this year.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Martin Pint

    5. April 2016 17:05 at 17:05

    Merkwürdig ist nur das offensichtlich nur die amerikanischen Steuerbehörden den Mut und die Durchsetzungskraft haben diesen Steuerhiinterziehern wie Apple, Googl oder Facebook entgegenzutreten.
    Auch vom deutschen Finanzministreium würde ich mir zielführendere Maßnahmen erwarten.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

Avatar

Veröffentlicht

am

Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

weiterlesen

Allgemein

Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

weiterlesen

Allgemein

Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen