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Varoufakis: Die Umstände sind schuld, er konnte da nichts machen…

FMW-Redaktion

Yanis Varoufakis befindet sich seit seinem Rücktritt auf einem großen Feldzug für die Gerechtigkeit, Land auf Land ab lässt er derzeit keine Kolumne oder Vorlesung aus. Umgeben von Feinden, die ihn daran hinderten das Richtige zu tun. Wie auch andere bestimmte Kreise ist er der festen Überzeugung, dass wenn etwas wofür er verantwortlich ist, nicht funktioniert, ist er selbst nicht schuld, sondern die Umstände. Diese Geisteshaltung erkennt man sehr gut an seinen aktuellsten Aussagen.

Als griechischer Finanzminister sei er nicht in der Lage gewesen an die griechischen Reeder heranzukommen, denn die hätten inzwischen eine andere Staatsbürgerschaft und deren griechische Immobilien gehörten Offshore-Firmen, so Varoufakis in einem aktuellem Interview bei „Spiegel Online“ auf die Frage hin, warum er als Finanzminister die Reeder nicht besteuert habe. Direkt danach sagt er die wahren Oligarchen seien Bauunternehmer, die überteuerte Straßen gebaut hätten usw. Und den Grund, warum er an die nicht herangetreten ist, liefert er auch gleich mit. Die böse Troika war schuld, Zitat: „Das alles wollten wir beenden. Doch die Troika interessierte sich nur für Steuererhöhungen und Rentenkürzungen.“ Also egal wie man es dreht, die Umstände sind schuld, äußere Einflüsse, die einen davon abhalten das Richtige zu tun…

Ein anderes Beispiel: Angesprochen auf Alexis Tsipras, der ja jetzt nicht mehr Varoufakis´ Politik vertritt, sondern die der Gläubiger, sagt Varoufakis die Vereinbarungen mit den Gläubigern ließen Tsipras keinerlei Freiheit, von daher hätte der keine andere Wahl als so zu handeln. Das muss Varoufakis sagen, sonst würde er sich ja gegen seine eigenen Freunde wenden. Aber ja ja, ist ja gut, in diesem Punkt ist es wirklich so, dass Tsipras fast gar keinen Handlungsspielraum hat. Tut er es nicht, würden eben die alten Parteiblöcke wieder regieren und die Sparmaßnahmen umsetzen. Aber wenn Varoufakis konsequent zu seinen Idealen stehen würde, hätte er ins Lager der abgespalteten Syriza-Partei wechseln können.

Beweise, dass andere Länder mit Sparmaßnahmen Erfolg hatten, muss Varoufakis diskreditieren, da das nicht in sein Weltbild passt. Warum z.B. Lettland so erfolgreich ist? Für Varoufakis war nicht der dortige Sparkurs der Schlüssel zum Erfolg, sondern dass in der Krise viele Letten ihr Land verließen und dadurch die Arbeitslosenquote sank, und das die lettischen Banken russisches Mafia-Geld gewaschen haben. Irgendein Grund kann so immer angeführt werden, warum etwas bei einem selbst nicht funktioniert, und bei anderen trotzdem. Das Entscheidende ist, dass man wie Varoufakis immer selbstsicher und charismatisch auftritt und gute Argumente präsentiert, auch wenn sie nicht zwingend stimmen müssen.

Abschließend noch eine Anmerkung: Yanis Varoufakis hat mit seiner grundsätzlichen Kritik am brutalen und einseitigen Sparkurs für Griechenland recht. Aber für sein persönliches Scheitern als Finanzminister und das Nichtfunktionieren von Ideen immer nur „die Umstände“ verantwortlich zu machen und sich selbst nicht zu hinterfragen, zeigt eine ideologisch festgefahrene Haltung, die da sagt „Ich habe recht. Nur ich. Alles was nicht ins Bild passt, ist böse und falsch“.



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1 Kommentar

  1. ‚ charismatisch ‚ nennen S i e das: ich finde das Wort unpassend. Auf mich wirkt er, obwohl er in vielem auch recht hat als Ökonom – als Politiker ist er ungeeignet und wirkt in diesem Umfeld wohl eher arrogant als charismatisch. mfg, KK.

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