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Verblüffende Parallelen zur Finanzkrise: Schulden der US-Konsumenten erreichen Rekordniveaus

Der Mechanismus kommt einem bekannt vor. Bis die Blase platzt, wird sie solange aufgepumpt, bis nichts mehr reinpasst in den Luftballon. Nach dem Platzen der Blase 2007/2008 gab es durch Bankenpleiten, Konsumentenpleiten, Zwangsversteigerungen…

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Der Mechanismus kommt einem bekannt vor. Bis die Blase platzt, wird sie solange aufgepumpt, bis nichts mehr reinpasst in den Luftballon. Nach dem Platzen der Blase 2007/2008 gab es durch Bankenpleiten, Konsumentenpleiten, Zwangsversteigerungen etc. einen gewissen Grad an Entschuldung. Seitdem geht es wieder kräftig bergauf, und der Schuldenstand der US-Verbraucher wächst wieder dramatisch an. Die folgende Grafik zeigt die jeweils zum Jahresendstand vorhandene Verschuldung der Verbraucher mit ihren Studentendarlehen sowie Autodarlehen. Beide sind von 2012 bis 2016 kontinuierlich gestiegen. Studentendarlehen stiegen von 1,05 auf 1,4 Billionen Dollar. Autokredite stiegen von 809 Milliarden auf 1,11 Billionen Dollar Ende 2016.


Grafik: US Federal Reserve (in rotem Kästchen von 2012-2016 die Jahresendzahlen)

Laut FT sind zuletzt mehr als 1 Million US-Autokreditnehmer mit ihren Raten mindestens 2 Monate in Verzug. Die Ausfallrate erreicht den höchsten Wert seit dem Ende der Finanzkrise 2009. Das ist vor allem deshalb verwunderlich, weil die USA wie auch Europa seit Jahren in einem Niedrigzins- oder Nullzinsumfeld leben, und die Arbeitslosigkeit in den USA de facto einer Vollbeschäftigung gewichen ist (wenn man den offiziellen Zahlen glauben würde..). Da haben wir wieder das Thema: Was nützt Vollbeschäftigung, wenn die Löhne so gering sind, dass man davon nicht leben kann? Da nützen auch Kredite zu 0% Zinsen nichts. Verschuldung ist Verschuldung. Und wenn die sich Jahr um Jahr auftürmt, ist auch ein Nullzins nutzlos. Die Schuldenlast kann irgendwann von einem viel zu niedrigen Gehalt nicht mehr gezahlt werden, und die Blase platzt erneut.


Grafik: Federal Reserve Bank of New York

Die obige Grafik zeigt die Gesamtverschuldung der US-Verbraucher, die zuletzt auf 12,58 Billionen Dollar angewachsen ist. Wie man gut erkennt, ging es nach 2008 in ein kleines Tal, welches man nun durchschritten hat, und zu alten Höchstständen aufschließt. Der überwiegende Teil der Schulden (in orange) besteht aus Hauskrediten. Treibende Kraft sind aber die Studentendarlehen (rot). Es ist kaum anzunehmen, dass Donald Trump den Besuch von Universitäten künftig gratis anbieten wird… in 2016 wuchs die Gesamtverschuldung der US-Verbraucher um 460 Milliarden Dollar. Geld, das volkswirtschaftlich gesehen aus dem Ausland angesaugt werden muss, da die USA im Außenhandel mit dem Rest der Welt ein Defizit erwirtschaften.

Donald Trump will mit seinem „phantastischen wundervollen großartigen“ neuen Finanzminister Mnuchin die Kreditvergabe der Banken drastisch erleichtern, damit sie noch mehr Kredite ausgeben können (tendenziell gut für die Wirtschaft). Da wird der US-Konsument und Gewerbetreibende sich nicht zwei Mal bitten lassen. Schon bald also steigt man in der US-Gesamtverschuldung von Hoch zu Hoch.

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    asyoulike

    17. Februar 2017 13:33 at 13:33

    Moin, moin,
    die Überschrift hätte m.E. auch „Das große Finale“ heißen können. Vielleicht wird es Zeit, diesen Kreditkartenkonsum der US-Amerikaner zu beenden. Kurzfristig sicher hilfreich für die Industrie, aber langfristig nur Konsumverlagerung aus der Zukunft auf Heute. Wer will sich diesem zu erwartenden Urknall entgegenstellen? Sicher niemand, da die Schuldenlasten der Staaten schon am oberen Limit sind. Und wer ist Schuld, wenn es zum Platzen der Blase kommt? Genau, die BRD ist schuld und wird sicher finanzielle Hilfe geloben. Sind doch auch nur Steuergelder.

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      Emm wie Meikel

      18. Februar 2017 07:18 at 07:18

      Kreditkartenschulden sind noch das wenigste, wenn auch mit Wucherzinsen belegt (ähnlich wie in Deutschland der Überziehungskredit).

      Der Bärenanteil sind Immobilienkredite, Autokredite und Studienkredite (nach dem teuren Abschluss gehen sie zu McDonalds, um Burger zu braten).

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    Frank Hofmann

    17. Februar 2017 14:37 at 14:37

    Die Überschrift hätte auch „Schachmatt an der Börsen?“ lauten können. Ein guter Artikel der genau das aufzeigt, woran Amerika scheitern wird. „The point of no return“ ist schon lange überschritten. Das Problem dabei, viele Anlegerschafe gehen auf Pump weiterhin Long in die Märkte, während die Großen der Branche wie Soros längst Short sind.

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    Frank Hofmann

    17. Februar 2017 14:57 at 14:57

    Bundesregierung hat ihre Risikoanalyse in 2016 angepasst. Dazu gibt ein konkretes Rundschreiben im Bundestag, der dann auch als Beschlusssache zum verschärften Katastrophenfallgesetz geführt hat. Nunmehr sind auch Chemische Angriffe auf deutschem Boden durch Militärs oder Terroristen mit berücksichtigt.
    Das Dokument hat es in Sich. Firmen die konkret für Krisenvorsorge notwendig sind, sollten Anleger ins Visier nehmen! Die Nachfrage nach Ausrüstung steigt jetzt weiter an.
    In Frankreich brennt der Baum lichterloh. Erneut schwere Ausschreitungen sozialer Randgruppen mitten in Paris ausgebrochen. Die Kriseninterventionsausrüster sind die Gewinner am Markt.

    „Frankreich: Failed State – Medien schweigen
    16.02.2017

    Die Unruhen in Paris gehen weiter – finden aber kaum Beachtung in deutschen Medien. Schweigen im Blätterwald: aus Angst?

    Die Kundgebung gegen Polizeigewalt, die am Mittwoch im Norden von Paris relativ ruhig anfing, hat letztlich in Krawallen geendet. Die Polizei hat gegen die Demonstranten unter anderem Tränengas eingesetzt.

    In den sozialen Medien beschweren sich zahlreiche Nutzer, die traditionellen Medien würden bürgerkriegsähnliche Ausschreitungen in Vororten von Paris totschweigen.“

    http://www.mmnews.de/index.php/politik/97612-frankreich-failed-state-medien-schweigen

    Frankreich steht möglichwerweise kurz vorm Kollaps
    https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2017/frankreich-vor-der-staatskrise/

    Diese Dinge haben Profis bereits in den Depots eingeplant. Sie auch?

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      columbo

      17. Februar 2017 15:28 at 15:28

      Die Frage ist, wie weit man den „Alternativ-oder Verschwörungstheorie-Medien“ trauen kann? Manche verbreiten schon argen Schwachsinn.

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        unbekannt77

        17. Februar 2017 23:33 at 23:33

        Dann sollte man zur Sicherheit einfach internationale Medien prüfen. Über Google News ist das zum Beispiel sehr einfach zu tun. Während hierlande kaum was zu lesen ist, berichten ausländische Medien sehr stark was in Frankreich vor sich geht. CNN, The Guardian, Washington Post, CBS, Wallstreet Journal usw. Alles jetzt keine Blätter die für Fake News bekannt sind. Das stimmt schon nachdenklich was hierzulande in den Medien passiert, vorallem da die Proteste und Ausschreitung schon seit mehr als einer Woche anhalten.

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        Petkov

        18. Februar 2017 10:12 at 10:12

        Ganz genau. Und dann sollte man sich auf CNN und Co. anschauen, wer die Demonstranten sind. Nämlich überwiegend Männer aus den muslimischen Ex-Kolonien. Die durften gerechterweise in großer Anzahl einreisen, aber mit dem dramatischen Rückgang der Industrieproduktion und dem Wegfall der einfacheren Jobs wurden sie zunehmend zu abgehängten Außenseitern. Obwohl sie einwandfrei die Landessprache sprechen. Das ist bei merkels Arabern und Afrikanern aus sicheren Herkunftsländern nicht der Fall. Und auch die deutsche Industrie wird dank Digitalisierung und Automatisierung immer weniger und weniger Chancen fur diese praktisch Ungebildeten bieten. Aber dank des deutschen Sozialsystems werden sie kindereiche Familien gründen können und die Kinder werden in einer islamisch-rückständig geprägten Parallelgesellschaft aufwachsen und später genauso chancenlos sein. Nur bei denen wird das Enttäuschungs- und Aggressionspotential brutal höher sein. Was wir in Frankreich sehen, ist nur ein Vorgeschmack auf das Deutschland von morgen. Nieder mit der unheimlichen Bande um merkel, Schulz & Co!

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      Aposiken

      20. Februar 2017 09:27 at 09:27

      Es ist wichtiger über erdogans klöhten zu berichten
      Zu den Medien Freiheit muss ich ja nichts sagen in der BND
      Der bekommt mehr Beachtung

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    Frank Hofmann

    17. Februar 2017 15:07 at 15:07

    Das Problem der Märkte ist, dass die Vernunft abhanden geraten ist. Wie viele Trader sind nicht versucht den einen großen Fisch zu angeln? Die eine Bonanza des Lebens am Markt zu finden, um dann sorglos auszusteigen?

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    C. Hinz

    17. Februar 2017 17:49 at 17:49

    …würde mich mal interessieren, wie die deutsche Variante der „Total Debt Balance & Composition“ Grafik aussieht.

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      Emm wie Meikel

      18. Februar 2017 16:51 at 16:51

      Wahrscheinlich ähnlich von den Anteilen her. Nur ohne Studienkredite und mit Kontokorrentkredit anstelle von Kreditkartenschulden.

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    PK

    18. Februar 2017 08:51 at 08:51

    Frank, Soros ist eher ein Kontraindikator.
    Ausserdem, wie würde die Grafik aussehen, wenn man statt der Verschuldung die zu leistenden Zinszahlungen auftragen würde ?
    Durch die deutlich gefallenen Zinsen wäre das wahrsch. halb so viel wie vor der Finanzkrise 2007.
    Also noch sehr viel Luft nach oben bis es von dort wirklich Druck gibt.

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    Frank Hofmann

    18. Februar 2017 11:18 at 11:18

    @PK
    Die Märkte laufen ja bisher nur wie „geschmiert“ weil Yellen genug Schmiere bereit stellt. Gleichzeitig steigt das Defizit des US Haushalts weiter, auch ohne Neuschulden durch den Zinseszins. Öffnet Trump wohlwollen die Türen noch weiter, um Arbeitsplätze in der Industrie auf Pump zu schaffen (Konjunkturspritze und Neuaufbau), dann klettern die Zinsen von alleine. Im Inland merkt das der Verbraucher bald an der Inflation, was aber durch reale Arbeitsplatzgewinne abgemildert wird, d. h. die Konsumschulden werden mit Lohn statt Arbeitslosenstütze besichert. Alle Auslandsschuldner, wie die BRD, die ja den Export auf Pump (Kapitalvorlage) in Dollar abwickelt, haben dann immense Probleme mit den Zinsen auf Währungen (Fixing) und Zöllen. Denn Trump will und wird gleichzeitig Importe verteuern. Freuen kann sich vor allem China, die Staatsschulden der USA halten! Die Importkosten werden ausgeglichen. Also Trumps Ideen schaden vor allem Europa. Schauen Sie sich doch Opel an. Was steckt dahinter? AMERICA FIRST. Die CEO von GM ist Mitglied im Trump Team. Der Rusty Belt wird saniert durch Verkauf an PSA. Frankreichs PSA wird belastet durch den Kauf von Opel, aber auch entlastet, da 1 freier Marktteilnehmer weg ist. Deutschland wird zweimal geschwächt durch Rationalisierung Kaufkrafteinbussen bei realen zu erwartenden Arbeitsplatzverlagerungen nach FRA. Trump hat wenig Interesse an der EU als Wirtschaftskonkurrent, das hat er DEUTLICHST gesagt. Nur die „dummen“ Europäer hören nicht gut genug zu. Trumps Deals beruhen auf Gegenseitigkeit statt Militär, sofern man mit spielt. Muttis dummes Geblöcke am Wahlabend und auch das Geseiere von Gabriel dagegen hat Trumps Team sehr verägert. Man muss ihnen genau zuhören.

  8. Avatar

    Frank Hofmann

    18. Februar 2017 11:34 at 11:34

    Wichtig ist, dass man als Trader den EU Markt beäugen muss. Amerika hat den Hebel umgelegt. Und die EU kann es bisher nicht. Dazu hat sie zwar auch Gremien, die aber ein Fehlkonstrukt sind, weil das EU Parlament nicht ins System eingreifen kann, die Kommissare sind aber wiederum nur abhängig von Einzelstaaten, was eine Situation des Gegeneinanders erzeugt. Man rettet den Süden und eblastet den Norden. Dem Norden fehlen die Rettungsgelder dann für sein eigenes Absichern. Eine Todesspirale die längst nicht mehr zu stoppen ist, nachdem neben Chians Regierung nun auch die US Regierung sich für die Eigenrettung entschieden hat. Die eher pro EU verbundenen transatlantischen Medien brüllen im Auftarg der Politik und Lobbyisten Donals Trump nur nieder aus purem Frust, weil Clinton den Status quo nicht ändern wollte. Der Plan ging aber leider daneben wie man weiß. Spätestens mit dem Brexit hätte man in der EU umdenken müssen! Hat man das? Offenbar nicht. Hat man Sanktionen aufgehoben? Nein. Schaden Sanktionen der EU? JA. Schaden Sanktionen China und den USA? NEIN. Natürlich lassen sich immaterielle Werte trotzdem handeln, da nur Waren sanktioniert wurden. Aber Wertpapiere wollen ja mit Realgütergeschäften verzinst werden. Wie soll das gehen, wenn nunmehr die EU zwischen 2 Blöcken Eurasien und USA per Exportverbote bzw. Exporthindernissen eingekeilt wird? Amerika versucht erfolgreich alles, die Seidenstraße zu blockieren. Die Briten sind schlauer als wir und haben sich aus der Blockade der EU gelöst. Echt clever diese UKIP.

  9. Avatar

    PK

    18. Februar 2017 19:55 at 19:55

    ich denke, der Einfluss der Politik wird aktuell etwas zu hoch gekocht.
    Das geht beim Brexit los, weiter über Griechenland und endet bei Trump.
    Wir sind schon beinahe hysterisch dabei zu beäugen, was nun wieder alles an news von Trump kommt. Dabei sind die Daten aktuell einfach herausragend und passen zu der Entwicklung an der Börse. Wenn man mal nur die Unternehmensgewinne anschauen würde und mal alle News seit 2 Jahren komplett ausblenden könnte leben wir in einer für die Börse annähernd perfekten Welt.
    Öl ist auch wieder in der Komfort-Zone, nicht zu hoch und nicht zu billig, die Emerging Markets laufen wieder sauber nach oben.
    Zinsen sind OK, gerade richtig damit die Banken wieder etwas besser da stehen.
    Man muss auch mal offen für die andere Seite sein, und nicht immer nur die am fernen Horizont schwebende Katastrophe thematisieren. Das wird speziell hier seit Monaten gepredigt aber wo stehen wir aktuell ?
    Und der Dax macht es wie immer bei solchen Vorlagen. Er schaut ganz lange misstrauisch zu und dann irgendwann gibt er den Widerstand auf und explodiert in wenigen Tagen um seinen Rückstand aufzuholen. Wird diesmal auch wieder so laufen.

  10. Avatar

    Frank Hofmann

    19. Februar 2017 15:40 at 15:40

    @PK
    Sie haben Recht. Wir sollten das Augenmerkt auf das FIAT Money System lenken.

    Eine Bank generiert FIAT Money gegen Zinsen. Das nennt man Schuldgeldsystem.

    Keine private Bankgesellschaft dieser Welt hat Interesse daran, dass die Privat- und öffentlichen Volkswirtschaften Schuldlos sind.

    Und die Politk ist nur der Arm der Privatbankiers, die man auch Hedgefonds nennt. Somit ist das Licht auf den Bankensektor zu lenken.

    Das Geschäft mit langfristigen Anlagestrategien ist in einem Markt der von den EZB’s restlos mit Geld überschwemmt ist, mittlerweile sinnfrei. Entweder Du gehst volles Risiko oder Du steigst lieber erst mal um.

  11. Avatar

    pavel

    20. Februar 2017 12:31 at 12:31

    Den hoheren Schulden stehen im Vergleich zur Vergangenheit hohere Vermogenswerte und Zinseszins efekte gegenuber, daher meiner Meinung nach keinesfalls beunruhigend sondern Normalzustand.

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Staatsverschuldung auf Rekordhoch gestiegen – hier die Details

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Deutschland-Flagge

Es ist kein Wunder. Im Zuge der Coronakrise explodiert die deutsche Staatsverschuldung, wie in anderen Ländern auch. Heute hat das Statistische Bundesamt Details zum Stichtag 30. Juni 2020 veröffentlicht. Die Schulden der öffentlichen Hand (Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen einschließlich aller Extrahaushalte) gegenüber nicht-öffentlichen Einrichtungen lag Ende Juni bei 2,1089 Billionen Euro. Dies ist ein Rekordhoch bei der Staatsverschuldung nach dem vorigen Hoch bei 2,0683 Billionen Euro Ende 2012.

Staatsverschuldung wächst um 210 Milliarden Euro in sechs Monaten

Interessanter als der Langfristvergleich ist aber eher das aktuelle Bild. Wie sieht die Veränderung von Dezember 2019 zu Juni 2020 aus, also genau in der Zeit, wo die Staatsverschuldung durch die Coronakrise angefacht wurde? Es war ein Anstieg von 210,1 Milliarden Euro oder +11,1 Prozent! Die Statistiker sagen zu dem Anstieg Zitat: „Der Anstieg ist im Wesentlichen dadurch begründet, dass die öffentlichen Haushalte finanzielle Mittel für Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise aufnahmen„.

Interessant: Die Sozialversicherung konnte laut heutiger Veröffentlichung der Statistiker ihren Schuldenstand gegenüber dem Jahresende 2019 um rund 5 Millionen Euro (-8,8 %) auf 52 Millionen Euro reduzieren. Frage: Wie hat man das geschafft bei derart vielen neuen Arbeitslosen und folglich deutlich weniger Einnahmen? Die Staatsverschuldung auf den drei Ebenen Bund, Länder und Gemeinden wird von den Statistikern im Detail erläutert. Hier im Wortlaut:

Schulden des Bundes wachsen um 163 Milliarden Euro

Mit Ausnahme der Sozialversicherung waren am Ende des 1. Halbjahres 2020 alle Ebenen des Öffentlichen Gesamthaushalts stärker verschuldet als zum Jahresende 2019. Am stärksten stieg in diesem Zeitraum die Verschuldung des Bundes, und zwar um 13,7 % beziehungsweise 163,0 Milliarden Euro auf 1 351,5 Milliarden Euro.

Schulden der Länder steigen um 46,1 Milliarden Euro

Die Länder waren zum Ende des 1. Halbjahres 2020 mit 624,9 Milliarden Euro verschuldet, dies entspricht einem Anstieg um 8,0 % beziehungsweise 46,1 Milliarden Euro gegenüber dem Jahresende 2019. Die Verschuldung ist in allen Ländern gestiegen, prozentual stieg sie in Sachsen (+89,6 %), Bayern (+30,6 %) und Bremen (+20,4 %) am stärksten. Die Länder mit dem höchsten absoluten Zuwachs waren Nordrhein-Westfalen (+17,0 Milliarden Euro), Bremen (+6,1 Milliarden Euro) und Niedersachsen (+4,1 Milliarden Euro).

Auch bei den meisten Ländern stand die höhere Verschuldung größtenteils im Zusammenhang mit der Corona-Krise. In Bremen ist der Anstieg vor allem auf Schuldenaufnahmen für die Bereitstellung von Barsicherheiten für Derivat-Geschäfte zurückzuführen.

Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände nehmen um 1,1 Milliarden Euro zu

Der Schuldenstand der Gemeinden und Gemeindeverbände erhöhte sich im 1. Halbjahr 2020 gegenüber dem Jahresende 2019 um 0,8 % beziehungsweise 1,1 Milliarden Euro auf 132,4 Milliarden Euro. Hier war die Entwicklung unterschiedlich: Die Schulden stiegen vor allem in Gemeinden und Gemeindeverbänden in Schleswig-Holstein (+5,4 %), Hessen (+4,2 %) und Niedersachsen (+2,2 %). Dagegen sanken die Schulden insbesondere im Saarland (‑14,4 %), Sachsen (‑7,3 %) und Thüringen (-4,7 %).

Der Rückgang in den saarländischen Gemeinden und Gemeindeverbänden ist zum großen Teil dadurch begründet, dass im 1. Halbjahr 2020 das vom Land verwaltete „Sondervermögen Saarlandpakt“ 300,0 Millionen Euro der Kassenkredite der Gemeinden und Gemeindeverbände übernommen hat.

Lesen Sie beim Klick an dieser Stelle den gestrigen hochinteressanten Artikel von Wolfgang Müller mit dem Titel „Coronakrise: Wie viel Reserven hat der deutsche Staat noch?“

Grafik zeigt aktuelle Staatsverschuldung nach Bundesländern

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Spiegel-Kolumnist fordert „Kapitalismus-Reform jetzt“ – eine Gegenrede

Claudio Kummerfeld

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Geld ist das Symbol von Kapitalismus

Thomas Fricke ist als regelmäßiger Kolumnist auf Spiegel Online einem bundesweiten Publikum bekannt. Und wenn man seine vor drei Tagen veröffentlichte Kolumne mit dem Titel „Kapitalismus-Reform jetzt!“ genau durchliest, dann wird einem klar: Thomas Fricke ist kein knallharter Kommunist, Sozialist oder Gegner des marktwirtschaftlichen Modells. Genau so wenig, wie ich ein knallharter Marktliberaler bin. Zum Beispiel wäre ich gegen die Privatisierung von Wasserwerken. Öffentliche Daseinsvorsorge von wichtigen Kernaufgaben wie der Wasserversorgung haben in privater Hand nichts zu suchen. So möchte ich es nur mal an diesem Beispiel festmachen, dass der totale Wahn des freien Marktes nicht meine Sache ist. Dennoch fühle ich mich genötigt auf den Artikel von Thomas Fricke eine Gegenrede zu schreiben, weil ich mit vielen (nicht allen) seiner Aussagen so nicht einverstanden bin.

Gleich vorweg erstmal eine Zustimmung zu den Aussagen von Thomas Fricke. Manchmal werden marktwirtschaftliche Erfolgsgeschichten geschrieben, nachdem ein großer staatlicher Anschub geleistet wurde. So basiert (mein Beispiel) zum Beispiel der Erfolg des Silicon Valley zu guten Teilen auf den enormen Forschungsgeldern, welche die US-Regierung zum Start des Kalten Kriegs in die Bereiche Raketentechnik, Mikroelektronik etc steckte (mehr dazu hier und hier). Es nützt aber nichts einfach nur eine große Masse an Geld zu geben. Bei den Geldempfängern muss der Drang da sein zu forschen, etwas erschaffen zu wollen, voranzukommen, innovativ zu sein. Ist dies nicht der Fall, dann läuft es so, wie Daniel Stelter es gerade erst eindrucksvoll am Beispiel Berlin beschrieben hat (hier nachzulesen). Leicht vereinfacht ausgedrückt: Der mit Abstand größte Empfänger im deutschen Länderfinanzausgleich, die Stadt Berlin, saugt vor allem von Bayern und Baden-Württemberg immer mehr Geld ab. Je schlechter man wirtschaftet, desto mehr Finanzhilfen erhält man. Man braucht selbst nicht innovativ zu sein. Man kann sich in jeder Menge sozialistischer Experimente und Träumereien ergehen – kein Problem, denn zahlen tut jemand anders. Aber gut, ich schweife ab. Zurück zur Kolumne von Thomas Fricke.

Der böse Kapitalismus ist schuld?

Kommen wir nun zu einer These von Thomas Fricke, die gleich in der Headline-Aussage unter dem Titel der Kolumne zu finden ist, die da lautet „Märkte scheitern gerade in solchen Krisen“. Gemeint ist wohl die derzeitige Coronakrise. Dazu muss man sagen: Dass der Kapitalismus in so einer Zeit scheitert – das ist einfach eine unfaire Betrachtungsweise. Denn in einer Zeit, wo der Staat dem Markt verbietet tätig zu sein (Geschäfte müssen zwangsweise schließen, Flugzeuge dürfen nicht fliegen etc), wie soll der Teilnehmer am freien Markt da seinen Lebensunterhalt verdienen können? Der Kapitalismus war wochenlang zu großen Teilen abgeschaltet, und es war den Menschen (aus guten Gründen) nicht erlaubt an der allgemeinen Wertschöpfung teilzunehmen, die ihren Lebensunterhalt sichert. Deswegen git es derzeit diese Probleme! Das soll kein Vorwurf gegen die Regierung sein. Aber zu behaupten, dass die Märkte (also der Kapitalismus) gerade in diesen Zeiten scheitern, ist absurd. Hier Thomas Fricke auszugsweise im Zitat: „Wenn Regierungen wie Notenbanker in Corona-, Finanz- und anderen Großkrisen eingreifen, tun sie das, weil eben jene Marktkräfte nicht funktionieren, nach denen solche Krisen theoretisch entweder gar nicht vorkommen dürften – oder sich alles von selbst regulieren müsste. Tut es eben nicht.“

Die völlig falsche Sichtweise auf die Schere zwischen Arm und Reich

Auch ist ein wichtiger Themenblock von Thomas Fricke die immer weiter wachsende Ungleichheit bei den Vermögen. Der einfache Spruch lautet (ich formuliere mal frei heraus): Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Das ist ungerecht, und daran ist der böse Kapitalismus schuld. Richtig? Nein, eben nicht. So schreibt Thomas Fricke, dass wenn seit just den Neunzigerjahren Reich und Arm so drastisch auseinandergedriftet sind, dann nicht, weil zu viel interveniert wurde, sondern weil Marktkräfte zu immer stärkerer Konzentration von Vermögen beitragen – wer viel hat, bekommt auch umso leichter mehr davon“. Da macht es sich Thomas Fricke nun mal viel zu einfach, so möchte ich es sagen. Er übersieht völlig den Grund, warum denn Arm und Reich gerade in den letzten Jahren immer mehr auseinander gedriftet sind. Es gibt zwei betroffene große Asset-Blöcke, nämlich Aktien und Immobilien. Ihre Preise steigen seit Jahren immer weiter an, und mehren in der Tat den Reichtum der Reichen immer weiter, während die Armen davon nichts haben. Im Gegenteil, die Armen dürfen die Lasten ständig steigender Wohnungsmieten tragen, und haben immer weniger zum Leben übrig.

Was hat denn dazu geführt, dass Preise für Aktien und Immobilien trotz Finanzkrise und Coronakrise (vereinfacht gesagt) eigentlich nur steigen, steigen, und steigen? Die Notenbanken haben, um alle Krisen und Probleme aus der Welt zu schaffen, die Zinsen jahrelang immer weiter gesenkt, und letztlich abgeschafft. Damit haben die kleinen Leute, die nur das Sparbuch nutzen, Jahr für Jahr dank Inflation reale Wertverluste. Das große Geld strömt seit Jahren von zinslosen Anleihen in den Aktien- und Immobilienmarkt. Dazu kommt noch, dass die Notenbanken mit ihren Anleihekaufprogrammen in Billionenhöhe die großen institutionellen Anleger teilweise vom Anleihemarkt verdrängen. Auch diese Anleger stürmen in Aktien und Immobilien. Keine Zinsen mehr, also kauft man Aktien und Immobilien auf der Suche nach Rendite. Und dieser Trend läuft seit Jahren, und wurde zuletzt durch die Notenbank-Orgien im aktuellen Jahr 2020 nur noch weiter angefacht!

Würde der Kapitalismus unbeeinflusst durch die Notenbanken einen freien Marktzins bilden können, dann wäre der Zins wohl so hoch, dass die kleinen Sparer real einen jährlichen Zinsgewinn erzielen würden. Geldanlagen in Anleihen wären attraktiv, und große Institutionelle wären nicht in Aktien oder Immobilien geflohen. Und noch etwas. Bei einem viel höheren Zinsniveau (das derzeit planwirtschaftlich von Notenbanken verzerrt wird), wäre es für die großen Konzerne vor allem in den USA unattraktiv, in obszönem Ausmaß Kredite aufzunehmen, um damit eigene Aktien an der Börse zurückzukaufen. Diese Aktienrückkäufe sind seit Jahren auch ein Grund für die massiv steigenden Aktienkurse der großen Konzerne. In einem echten, freien, nicht von Notenbanken und Politik beeinflussten Markt wäre diese Vermögenspreisblase bei Aktien und Immobilien in dieser Form wohl nicht entstanden, und die Ungleichheit zwischen Arm und Reich wäre zwar da, aber nicht so schlimm wie heute. Thomas Fricke verdreht in seiner Kolumne diese Mechanismen völlig.

Besserer Staat, nicht mehr Staat

Relativ hilflos stehe ich der Aussage von Thomas Fricke gegenüber, dass Menschen in ehemaligen Industriehochburgen AfD, Trump und Brexit gewählt hätten, weil es dort an zu wenig Staatseinfluss gegeben hätte. Bei der Argumentation komme ich kaum noch mit. Das Phänomen Donald Trump hatte ich jüngst in einem eigenen Artikel besprochen mit dem Titel „Donald Trump ist nicht das Problem, sondern das Resultat eines Problems“. Die meisten „Medienprofis“ glauben doch tatsächlich, dass das Problem weg ist, wenn Trump und AfD weg sind. Dass die Leute vor allem Trump gewählt haben wegen dem großen jahrzehntelangen Versagen seiner Vorgänger (egal ob Demokrat oder Republikaner), möchte man am besten ganz ignorieren. Nicht noch mehr politische Bevormundung und Staatseingriff braucht es, sondern schlicht und einfach nur gute Politik!

Thomas Fricke sagt, dass erst wenn wir im Land wieder überall Glasfaser haben, würde es sich lohnen, in entlegenere Regionen zu investieren, was es bisher nicht tut. Da mag er recht haben. Aber: Wenn man um Deutschland rundherum schaut, laufen Netzabdeckung, Digitalisierung (vereinfacht gesagt) überall deutlich besser als bei uns – das wird nicht an zu wenig Staat in Deutschland liegen, sondern eher an schlechter beziehungsweise inkompetenter Politik in Deutschland!

Der böse Kapitalismus und die Finanzkrise

Thomas Fricke schreibt: „Wenn es 2008 zur größten Finanzkrise seit Jahrzehnten kam, dann ja nicht deshalb, weil Staaten zu viel eingegriffen haben, sondern weil sich Finanzmarktakteure in ein irres System aus gegenseitiger Verschuldung auf weitgehend freien Märkten verlaufen hatten – und weil dem zu wenig staatliche Grenzen gesetzt wurden. Eine Krise, die bis heute nachwirkt, etwa in Form von Nullzinsen.“ Das ist natürlich die aller leichteste aller Übungen, nämlich sinngemäß zu sagen: Leute, schaut auf die Finanzkrise 2008, die Marktwirtschaft hat hier ihre häßliche Fratze gezeigt. Aber so einfach ist es nun mal nicht. Drei große Akteure haben (das ist meine Meinung) zu gleichen Teilen zur Finanzkrise 2008 beigetragen. Als da wäre US-Regierung und US-Notenbank. Die unausgesprochene Staatsraison der Amerikaner lautete schon lange vor der Finanzkrise, dass jeder Amerikaner (weil man ja die größte, reichste und mächtigste Nation der Welt sei) das Recht habe in seinem eigenen Haus zu leben.

Deswegen schufen Regierung und Notenbank absichtlich ein Umfeld von immer weiter sinkenden Zinsen und Deregulierung am Hypothekenmarkt. Genau so aber waren die Konsumenten schuld, die oft (aber nicht immer) sehenden Auges in die Katastrophe schlitterten, weil sie Häuser kauften, die sich sich gar nicht leisten konnten. Und drittens waren es die Banken, die unbedingt Geld verdienen wollten durch hochverzinste Immobiliendarlehen. Egal wie, es mussten Kredite verkauft werden. Diese toxische Kombination schuf die Immobilienkrise in den USA, und nicht ein simples Scheitern des Kapitalismus. An der Finanzkrise haben ALLE Institutionen und Personengruppen in den USA „mitgewirkt“. Der Kapitalismus war Teil des Problems, aber nicht das alleinige Problem. Diese Krise zeigte, dass der Kapitalismus in der Tat einen gesetzlichen Rahmen benötigt, der auch überwacht werden muss. Aber der gesetzliche Rahmen sollte nicht zum Erstickungstod des Marktes führen.

Was uns bevorsteht

Meiner Meinung nach liegt das Problem nicht im Kapitalismus, und auch nicht in einem heraufziehenden Kommunismus. Sondern in einer Art schleichender Lawine, welche unzählige sozialistische Ideen über uns bringt, eine immer größere Staatswirtschaft, einen immer größeren Apparat der Sozialindustrie, mit immer mehr Steuern und Abgaben, Beschränkungen und Verordnungen. Wichtig ist nur, dass man gerade im Zuge der Coronakrise gerade diejenigen Kräfte ausbremsen sollte, die jetzt ihre große Chance sehen, auf die sie so lange gewartet haben. Endlich Abkehr vom Markt, endlich Verstaatlichungen, mehr Regulierung (siehe Mietpreisdeckel in Berlin uvm). Solche Auswüchse wie in Berlin dürften erst der Anfang sein, wenn im Zuge der Coronakrise der Ruf nach mehr Staatswirtschaft immer lauter wird.

Vor allem nach der nächsten Bundestagswahl dürfte in der Post-Corona-Zeit der Drang hin zu mehr Staatswirtschaft zunehmen. Was die dann neu formierte Regierungskoalition (raten sie mal welche das sein wird) vor hat, lässt sich natürlich schwer erahnen. Aber für jeden der denkt, ihn persönlich würde eine zunehmende Staatswirtschaft und zunehmende staatliche Restriktionen nicht betreffen, der schaue mal ins grün regierte Ländle. In Baden-Württemberg wurde nämlich beschlossen, dass das Landesnaturschutzgesetz geändert wird. Dabei geht es um die Gestaltung von Vorgärten auf Privatgrundstücken – Schottergärten auf Privatgrundstücken werden verboten. Tja, Sie als Hausbesitzer dürfen dann nicht mehr selbst bestimmen, ob sie Steine oder Rasen vor ihrem Haus auslegen. Das ist nur ein winziger, kleiner Vorgeschmack auf das, was uns bevorstehen dürfte.

Es ist zu befürchten, dass uns in Sachen Sozialindustrie und Umweltregulierung ein neuer gigantischer Bürokratieapparat bevorsteht, der jede Menge neue Vorschriften und Einschränkungen mit sich bringt. Dieser Apparat bedeutet viele schöne neues Jobs für die jeweilige Klientel. Und man wird viele dieser neuen Ämter, Jobs und Regulierungen mit der Headline versehen: „Der Kapitalismus konnte es eben nicht, deswegen muss es jetzt der Staat richten. Corona, Finanzkrise, Armut, Ungleichheit – der Kapitalismus hat hier gezeigt, dass der Staat hier viel stärker eingreifen muss, also machen wir das jetzt“. So wird das Motto wohl lauten.

Thomas Fricke wünscht sich unter anderem, dass (Zitat) „Politiker dazu beitragen, dass bei drohenden wirtschaftlichen Umbrüchen in den betreffenden Regionen viel früher neue Perspektiven geschaffen werden – und viel systematischer schon dafür gesorgt wird, neue Firmen anzulocken, die am besten zu den Leuten und Ressourcen vor Ort passen“. Dazu kann man als mahnendes Negativbeispiel die ostdeutschen Kohlereviere erwähnen, wo tausende Jobs verloren gehen. Wohl aus Angst, dass die AfD dort wegen solchen Job-Verlusten mehr Zulauf bekommt (meine persönliche Vermutung), hatte man schon letztes Jahr schnell eine Idee. Es mussten sofort Job-Versprechen her für die neuen Arbeitslosen. Und siehe da: Von Kohleabbau direkt hinüber in die Staatswirtschaft. So sollen von 8.000 Kumpel, die ihren Jobs verlieren, für 5.000 von ihnen neue Jobs bei Behörden geschaffen werden, genau in den Regionen wo die Jobs verloren gehen. Neue Staatsjobs schaffen, wofür genau? Mal sehen? Irgendwas fällt uns da schon ein? Wie produktiv werden diese neuen Behörden sein?

Klar ist nur: Die privaten Arbeitnehmer in Deutschland müssen diese zusätzlichen Behördenjobs dann zukünftig dauerhaft auch finanzieren, mit ihrem Steueraufkommen. Es gilt, so meine bescheidene Meinung, dem Drang nach immer mehr Staat, höheren Steuern und immer mehr Regulierung Einhalt zu gebieten. Nur fällt das dank Corona ziemlich schwer, weil es sich so wunderbar leicht aussprechen lässt, dass der böse Kapitalismus das Problem sei. Nicht mehr Staat und mehr Regulierung, sondern bessere Politik und intelligentere Regulierung, das sollte das Ziel sein! Die Aufforderung von Thomas Fricke zur Reform des Kapitalismus dürfte von all zu vielen Menschen als Unterstützung ihres Wunsches angesehen werden, den freien Markt zu bekämpfen und immer weiter abzuschaffen, anstatt ihn zu reformieren.

Übrigens: Wer mehr Staat will, mehr Schulden, mehr Staatswirtschaft, der scheint bei Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, genau an der richtigen Adresse zu sein (hier unser letzter Bericht zu seiner Person). Er ist bekannt als regierungsfreundlicher Kommentator in volkswirtschaftlichen Fragen. Siehe folgender aktueller Tweet:

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Allgemein

Weniger Konsum: So deutlich ändert sich das Verhalten bei Gering- und Normalverdienern

Claudio Kummerfeld

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Brieftasche wird zusammengepresst

Grundsätzlich ist es kein Geheimnis. Durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste geht der Konsum bei vielen Menschen in der Coronakrise deutlich zurück. Und je weniger Konsum, desto schlechter geht es den Betrieben, die Konsumprodukte zur Verfügung stellen. Schaut man dieser Tage auf zahlreiche Aussagen von Politik und Ökonomen, dann läuft die Konjunkturerholung derzeit auf Hochtouren, und wir haben die Lücke zur Vor-Corona-Zeit fast schon wieder geschlossen. Aber wer sich die Innenstädte, Restaurants, Einzelhandel, Reisebüros, Fluggesellschaften uvm anschaut, kann an so eine glatte, wunderschöne Erholung nicht so recht glauben. Ganz abgesehen von dem Heer der Solo-Selbständigen, die quasi unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in ein Desaster schlittern, und direkt bei Hartz4 landen, ohne Sonderhilfen.

Der Anbieter Creditreform (Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Lösungen zum Forderungsmanagement) hat heute eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, die sich vor allem dem Konsum der Gering- und Normalverdiener in der Coronakrise widmet. Ende August mussten demnach hochgerechnet rund 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland auf einen Teil ihres Haushaltseinkommens verzichten. Auffällig sei, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betreffe, die ein dünneres Finanzpolster hätten als Gutverdiener. So fehlten laut der Umfrage rund drei Viertel der Befragten bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens.

Verhalten beim Konsum geändert

So haben die Menschen lauf Creditreform ihr Verhalten beim Konsum bereits geändert. So gaben 55 Prozent der Befragten Ende August an, krisenbedingt weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung auszugeben. Das entspricht rund 22,7 Millionen Haushalten. Fast jeder Dritte sei sich unsicher, ob das Geld in den kommenden zwölf Monaten reicht, um alle finanziellen Verpflichtungen wie Miete und Nebenkosten, Kredite oder Versicherungsbeiträge bezahlen zu können. Gut jeder Zehnte gab sogar an, die Ratenzahlungen für Konsum-, Immobilien- oder Kfz-Kredite gestundet zu haben.

In Notzeiten schauen die Menschen laut aktueller Aussage von Creditreform strenger auf ihr Geld und verzichten eher auf unnötigen Konsum. Die Menschen würden den Rotstift demnach zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Bei Medikamenten, der Altersvorsorge oder ihren Haustieren seien sie hingegen kaum zu Abstrichen bereit. Diese Ausgabenvorsicht helfe derzeit noch, die finanzielle Situation der Haushalte zu stabilisieren. Aber sollten die Menschen langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, rechne man mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher. Besonders brisant würden die kommenden Wochen, da die von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen im Oktober wieder aufgehoben sei. Die Folge wären nicht nur steigende Insolvenzzahlen bei den Unternehmen, sondern auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, so Creditreform.

Grafik zeigt Gründe für sinkende Einkommen

Grafik zeigt wo Verbraucher beim Konsum sparen

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