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Hintergrund

Verdeckte Hyperinflation. Die Zerstörung des Geldwesens durch die Nationalsozialisten

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Michael von Prollius

 

Folgender Text erschien zunächst auf der Internetseite des Ludwig von Mises Institut Deutschland und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlicht. Michael von Prollius ist Wirtschaftswissenschaftler, Historiker und betreibt die Seite http://www.forum-ordnungspolitik.de/
Er schrieb 2003 das Buch „Das Wirtschaftssystem der Nationalsozialisten 1933 – 1939: Steuerung durch Emergente Organisation und Politische Prozesse„.

Michael von Pollius Analyse der nationalsozialistischen Geldpolitik wirft interessante Fragestellungen zur Entwicklung der aktuellen Geldpolitik auf: „Die NS-Politik kann als besonders markantes Beispiel aufzeigen, wohin Inflationspolitik führt“.

Ein Jahr nach dem Ende des zweiten Weltkriegs lagen ganze Städte in Deutschland in Trümmern. Auch die industriellen Kriegsschäden waren beträchtlich. Vollständig verwüstet indes war das Geldwesen. Die Nationalsozialisten hatten bereits zu Friedenszeiten an seiner Zerstörung gearbeitet. Ein Beispiel: 1946 verdiente ein Bergarbeiter pro Woche 60 Reichsmark (RM). Ein Huhn, das vier Eier in derselben Zeit legte, konnte für die Eier 20 Zigaretten erlösen, die zusammen 160 RM Wert waren. Das war keine „tierische Ungerechtigkeit“, sondern konsequente Folge einer verdeckten, ruinösen Inflationspolitik. In den zwölf Jahren des tausendjährigen Dritten Reiches war der Bargeldumlauf von 6 auf 76 Milliarden RM, die Geldmenge von 40 auf 320 Milliarden RM und die Reichsschuld von 14 auf 380 Milliarden RM ausgeweitet worden. Die bis 1944 erfolgreich „zurückgestaute Inflation“ (Wilhelm Röpke) diente der Verheimlichung, schließlich hatte eine Hyperinflation nur 10 Jahre vor der Machtübertragung bereits einmal das Geldwesen verheert.

Die Inflationspolitik der Nationalsozialisten ist ein Lehrstück der Österreichischen Konjunktur- und Kapitaltheorie und der Instrumentalisierung des Geldwesens für etatistische Zwecke. Eine stetig wachsende Diskrepanz zwischen Geld- und Gütermenge führte auch in NS-Deutschland zu einem künstlichen Boom, begleitet von Währungskrisen; ein bereinigender Bust wurde nicht zugelassen. Als Transmissionsriemen wirkten die Politik des billigen Geldes und eine „sozialistische“, genauer interventionistische Wirtschaftspolitik. Rationierungen, Preis- und Lohnstopps sorgten dafür, dass bis weit in den Krieg hinein, Inflation und Teuerung verborgen bleiben. Gerade weil der Nationalsozialismus auch ökonomisch eine extreme Zeit war, lohnt sich eine genauere Betrachtung.

Binnenwährung als Teil der Autarkiepolitik

Die Nationalsozialisten schufen eine Binnenwährung. Der Goldstandard war bereits 1931 im Zuge der Weltwirtschaftskrise aufgegeben worden und auch die Devisenzwangswirtschaft konnten die Nationalsozialisten fortführen, allerdings gingen sie deutlich weiter: Sukzessive koppelten die Nationalsozialisten die deutsche Wirtschaft von der weltweiten Arbeitsteilung ab und errichteten eine Organisations- und Lenkungswirtschaft. Der Neue Plan (1934) mit einer Transfersperre für Kapital, Verrechnungskonten, verweigerten Zins- und Gewinntransfers sowie Zwangskrediten schwächerer Handelspartner und der Vierjahresplan (1936) mit dem Anspruch einer Lenkung der gesamten Wirtschaft bildeten wichtige Stationen. Letztlich wurde die Auslandsverschuldung auf das Ausland abgewälzt. Die bedrohlichen Zahlungsbilanzkrisen konnten allerdings erst mit dem „Anschluss“ Österreichs 1938 abgewendet werden. Die Nationalsozialisten erbeuteten mehr als 1,6 Mrd. RM Gold und Devisen, die zu einem Drittel von der österreichischen Nationalbank und zu zwei Dritteln von der Bevölkerung stammten.

Rüstungskonjunkturpolitik auf Pump

Die Krisenüberwindung erfolgte von Beginn an durch eine Kredit finanzierte Rüstungspolitik. Der Anteil der kurzfristigen Schulden stieg rasant an, binnen 5 Jahren sorgten insbesondere die Mefo-Wechsel für eine Versechsfachung auf 18 Mrd. RM. Die Rüstungspolitik zog grundlegende Produktionsverschiebungen nach sich, wie der Anteil der Rüstung am öffentlichen Verbrauch verdeutlicht, der bereits 1936 sage und schreibe 58,2% betrug. 1932 waren es noch gut 6% gewesen.

Die rüstungsbedingte Verschuldung des Reiches führte zu einer Ausweitung der Geldmenge, die wie bereits im Ersten Weltkrieg vorwiegend auf kurzfristiger Staatsverschuldung beruhte. Außerdem zwang der NS-Staat zur Anlage des bei Sparkassen und Banken, aber auch Versicherungen aufgelaufenen Kapitals insbesondere von Kleinsparern in Staatsanleihen.

Indienstnahme des Kapitals

Seit 1935 erfolgten Neuemissionen von Anleihen des Staates im „geräuschlosen“ oder „rollenden“ Verfahren bei Sparkassen, Kreditgenossenschaften, Versicherungen, Postsparkassen und Sozialversicherungsträgern, wo größere Ersparnisse zusammenflossen. Das Gesetz über das Kreditwesen vom 5.12.1935 verpflichtete Banken Staatsanleihen zu halten; die Höhe wurde vom Aufsichtsamt für das Kreditwesen festgelegt.

Diese Form der geräuschlosen Rüstungsfinanzierung schuf eine Vermögensillusion. Die Einlagenbestände bei deutschen Geldinstituten stiegen von 1938 bis 1944 von 55,5 Mrd. RM auf 237,4 Mrd. RM. Da der Reichsarbeitsminister die Sozialversicherungen und der Reichswirtschaftsminister die Girozentralen und die Reichsgruppe Versicherungen angewiesen hatte, die Anlagepflicht in Staatsanleihen zu erfüllen, wurden die Sparer zu Gläubigern des Reiches über Nacht – ohne es zu wissen. Die Vermögensillusion bestand in nominell prall gefüllten Sparkonten, die aber real weitgehend wertlos waren. Dementsprechend hart fiel der Schnitt bei der Währungsreform im Juni 1948 mit 100 zu 6,5 aus.

Ausschaltung der Kapitalmärkte

Die Nationalsozialisten schalteten Schritt für Schritt die Kapitalmärkte aus. Um das Ziel eines reibungslosen Absatzes von Staatspapieren zu erreichen, setzten sie faktisch eine Emissionssperre für alle Arten von Wertpapieren durch: Aktien, Anleihen, Pfandbriefe etc. Der Besitzwechsel von Aktien wurde mit Sondersteuern belegt. Termingeschäfte an der Börse waren generell verboten. Bis 1937 stiegen die Aktienkurse um rund 10% pro Jahr, von 1937 bis zum Kriegsbeginn sanken die Kurse um 10%, um in Erwartung eines Sieges bis Herbst 1941 um 50% anzusteigen. Daraufhin wurden alle Aktionäre zur Abgabe einer Erklärung über alle Aktienkäufe mit Volumen über 100.000 RM seit Kriegsbeginn verpflichtet. Ab Sommer 1942 wurden diese Aktienpakete auf den Staat übertragen und die Aktionäre mit RM „entschädigt“, die wiederum in vom Staat bestimmten Sicherheiten anzulegen waren. Das Kreditverbot für Aktienkäufe nimmt sich vergleichsweise harmlos aus.

Auch die Zinssätze an den Kapitalmärkten wurden durch den Staat festgelegt. Die Zinskonversion von 1935 erfolgte auf der Grundlage von Gesetzten, die den Rentenzinsfuss von 6% und darüber auf 4,5% für Schuldverschreibungen der Kreditinstitute und der öffentlichen Körperschaften und die in öffentlichen Schuldbüchern eingetragene Schulden festschrieb. Insgesamt waren Pfandbriefe und Kommunalobligationen im Umfang von rund 8 Mrd. RM und öffentliche Anleihen im Umfang von rund 2 Mrd. RM betroffen.

Stufenweise Ausschaltung der Reichsbank

Die Reichsbank stellte zunächst ein Hindernis für die (unbegrenzte) Kreditgewährung dar. So setzte das Reichsbankgesetz von 1924 aufgrund der Erfahrung mit der Hyperinflation sowohl der Geldmengenausweitung als auch der Verschuldung des Staates klare Grenzen. Die Unabhängigkeit des Reichsbankdirektoriums von der Reichsregierung war verankert, ein international zusammengesetzter Generalrat sollte das Direktorium und die Geldpolitik überwachen. Konkret war die Kreditgewährung an das Reich auf einen Betriebskredit von 100 Millionen Reichsmark begrenzt. Die Diskontierung und Lombardierung von Reichswechseln war seit 1926 auf eine Höhe von bis zu 400 Millionen Reichsmark beschränkt.

Von der Vermachtung zahlreicher Institutionen durch die Nationalsozialisten blieb auch die Reichsbank nicht verschont. Die erste Änderung des Bankgesetzes im Oktober 1933 gab dem Reichspräsidenten das Recht, Reichsbankpräsidenten und Direktoriumsmitglieder zu ernennen und abzuberufen. Der Generalrat wurde aufgelöst und seine Kompetenzen dem Reichspräsidenten übertragen. Zudem wurde die seit 1931 ausgesetzte Vorschrift aufgehoben, Gold und Devisen im Gegenwert von mindestens 40 Prozent des Notenumlaufs als Reserve zu halten. Das Teilreservesystem wurde durch ein Scheingeldsystem ersetzt. Eine „Deckung“ erfolgte fortan vor allem durch Staatsschulden, d.h. Pfandbriefe und Schuldverschreibungen des Reiches, der Länder und der Kommunen.

In einem vertraulichen Memorandum an Hitler vom 07.01.1939 brachte das Reichsbankdirektorium Bedenken gegen die schrankenlose Kreditausweitung vor und wurde daraufhin abgelöst. Hjalmar Schacht hatte sich verkalkuliert. Der Hinweis auf die Überspannung der Staatsausgaben und die Gefahren kurzfristiger Kredite infolge einer „hemmungslose Ausgabenwirtschaft“ mit „Staatsfinanzen am Rand des Zusammenbruchs“ war zwar überfällig. Indes gelingt es schon demokratischen Regierungen selten, nur Ausgaben zu tätigen, die durch Einnahmen oder langfristige Kapitalmarktfinanzierung gedeckt sind, wie es die Reichsbankführung Anfang 1939 forderte.

Mit dem Gesetz über die Deutsche Reichsbank vom 15.06.1939 wurde die Reichsbank zu einer weisungsgebundenen Reichsbehörde und verlor alle Reste ihrer Autonomie. Sie wurde fortan „nach den Weisungen und unter Aufsicht des Führers und Reichskanzlers … geleitet und verwaltet“. Nach ihrem Selbstverständnis fungierte die Reichsbank fortan als Hauptkasse des Reiches, um die Finanzierung sicherzustellen. Zugleich beseitigte das Gesetz alle verbliebenen Schranken, die einer exzessiven Geldschöpfung im Wege standen. Formell erfolgte noch die Aufhebung der Goldbindung. Bereits vor Kriegsausbruch war eine unbegrenzte Geld- und Kreditversorgung der öffentlichen Hand sichergestellt.

Kriegsfinanzierung durch Geldschöpfung

Ein Übergewicht kurzfristiger Schulden wurde schon 1941/42 erreicht, anschließend stieg das Defizit exponentiell. Insgesamt betrugen die Kriegsausgaben ca. 657 Mrd RM. Davon wurde mehr als die Hälfte mit 342 Mrd. RM durch Neuverschuldung finanziert, deren Löwenanteil mit 217 Mrd. RM kurzfristige Schulden ausmachten. Insgesamt stieg die Staatsverschuldung unter den Nationalsozialisten binnen 12 Jahren auf 380 Mrd. RM und verzehnfachte sich damit. Die zurückgestaute Inflation entlud sich ab Mitte 1944 im Zuge des Kontrollverlust der Nationalsozialisten auf Schwarzmärkten.

Fazit und Lehren

Vier Schritte reichten zur Vermachtung des Geldsystems aus:
1. Die Verschärfung des in der Weltwirtschaftskrise etablierten Außenhandelsregimes und die Abschottung des Finanzsystems gegen ausländische Einflüsse.
2. Der Umbau des Zentralbanksystems in einen Apparat zur Realisierung der Bedürfnisse des Reiches.
3. Eine scharfe Regulierung der Geschäftsbanken, die zu Kapitalsammelstellen im Dienste der Rüstungspolitik umfunktioniert wurden.
4. Schließlich die Errichtung von Investitionskontrollen und eine Kanalisierung der Ressourcen in staatliche Projekte/ Kriegsrüstung.

Folgende Lehren lassen sich aus der Inflationspolitik der Nationalsozialisten ziehen:

1. „Inflation is a policy that cannot last.“ wie Ludwig von Mises bemerkte.
2. Eine politische Indienstnahme von Zentralbanken ist jederzeit möglich.
3. Inflationspolitik bleibt nur scheinbar geraume Zeit folgenlos.
4. Überschuldung und Inflation sind siamesische Zwillinge.
5. Privater Konsum kann durch Staatskonsum verdrängt werden.
6. Der Mythos der Machbarkeit und zentralistischer Größenwahn ist verbreitet.
7. Legalistischer Raub stellte eine latente Gefahr dar.

Die NS-Politik kann als besonders markantes Beispiel aufzeigen, wohin Inflationspolitik führt. Mit den Worten von Ludwig von Mises, der in seiner Theorie des Geldes und der Umlaufmittel bereits 1924 betonte: „Der sozialistische oder halbsozialistische Staat braucht Geld, um unrentable Betriebe zu führen, um Arbeitslose zu unterstützen und um dem Volke billige Lebensmittel zu liefern. Auch er kann die Mittel nicht durch Steuern aufbringen. Er wagt es nicht, dem Volke die Wahrheit zu sagen. … So wird Inflation zu dem wichtigsten psychologischen Hilfsmittel einer Wirtschaftspolitik, die ihre Folgen zu verschleiern sucht. … Das erklärt, warum sie seit jeher ein wichtiges Requisit der Kriegs- und Revolutionspolitik war und warum sie heute auch dem Sozialismus dient.“

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Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten: die Fed werde ihnen nicht mehr weh tun, es werde einen tragfähigen Deal zwischen den USA und China geben, dazu auch eine Lösung im US-Budgetstreit (heute muß sich Trump entscheiden, ob er den Kompromißvorschlag annimmt oder nicht). Gleichzeitig sind die US-Indizes so überkauft wie seit Ende 2016 nicht mehr (als damals nach einem ersten Schock über die Wahl Trumps eine massive Rally eingesetzt hatte). All das kann noch extremer werden – aber die Vergangenheit lehrt: lange geht so eine Vertrauensseligkeit nicht gut. Der Dax hinkt den US-Märkten weiter hinterher..

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Dax: Bullenpower sieht anders aus..

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Der Dax kann seine Erholung fortsetzen – aber es fehlt dieser Erholung schlicht an Dynamik! Die Anstiege verlaufen langsam, die Abverkäufe dagegen mit hoher Dynamik, sodass der Index – auf die letzten Handelswochen gesehen – ein Schritt nach vorne macht, um dann zwei Schritte wieder zurück zu machen. Von Entwarnung kann daher noch überhaupt keine Rede sein!

Im Chart wird deutlich, wie vergleichsweise gering die Erholung ausgefallen ist bislang:

(Chart durch anklicken vergrößern)

Das sieht nicht nach Bullen-power aus! Eher ein zaghafter Versuch, das Schlimmste abzuwenden – und das trotz der daueroptimistischen Wall Street, die gestern wieder einmal zulegen konnte, vor allem die schwergewichtigen Tech-Werte wie Apple (in Vorfreude auf die heutige Präsentation der neuen Apple-Produkte) und Amazon. Aber auch in den USA gilt: es erreichen mehr Aktien 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs, der Anstieg ist von den wenigen Tech-Schwergewichten getragen, der breite Markt sieht deutlich negativer aus. Mithin sind die großen Tech-Werte die Schminke, die die Falten kaschieren – aber man sollte sich nicht von dem Makeup täuschen lassen!

Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

Die Fakten sind: die Fed verknappt die Liquidität, die Schwellenländer daher besonders unter Druck, und der Handelskrieg ist erst in seinem Anfangsstadium. Die Kombination aus diesen Faktoren bringt die ganze Welt uner Druck, nur eben die Amerikaner nicht. Dort hofft man auf NAFTA, glaubt, dass einem der Handelskrieg nichts anhaben könne, und die Fed werde schon brav bleiben und die Zinsen nicht deutlich anheben. Dort also die optmistischste Interpretation der Dinge, überall sonst auf der Welt sehen die Fakten anders aus! Inzwischen ist die Spanne so groß (etwa zwischen amerikanischen und chinesischen Tech-Werten), dass eine Wieder-Annäherung nur eine Frage der Zeit ist – ewig kann man nicht schizophren bleiben..

Für den Dax gilt: erst über dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax überwände den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch läßt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

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Allgemein

Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines großen Rückschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (Rückbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..

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